Wertung: 8 von 10

Wenn Ascendance Records „Hallo“ schreien, kann ich mir sicher sein, dass wieder etwas interessantes auf meinem Schreibtisch gelandet ist. Das Label als Garant für Qualität… und für Bands mit einer Frau hinterm Mikro präsentiert das neue Album der norwegischen Progressive Extreme Metal-Band Ram-Zet.


Interessant ist „Neutralized“ allemal. Interessant, rätselhaft, skuril, gruselig und märchenhaft, brutal, verspielt und total abgefahren- um nur mit ein paar einleitenden Worten zu beschreiben, was den Hörer bei dieser Musik erwartet. Ram-Zet mit anderen Bands zu vergleichen, fällt mir dieses Mal besonders schwer, so hat der Sound und Stil von Ram-Zet was ganz Eigenes.

Die Band besteht aus drei Mädels und drei Jungs: Sänger und Gitarrist Zet, Sängerin Sfinx, Drummer Küth, Basser Lanius, Violinistin Sareeta und Keyboard-Meisterin Ka. Vergesst jetzt alle Vorurteile, die diese Instrumental-Besetzung mit sich führen könnte. Es ist nicht so wie ihr denkt!

An keiner Stelle wirken die, zu einer ordinären Metal-Kombo Besetzung, hinzugezogenen Instrumente, fehl am Platz. Die Violine wird nur an passenden Stellen gekonnt eingesetzt. Und die Keyboard-Klänge sind meist nur im Hintergrund zu hören. Beide erfüllen aber ihren Zweck, indem sie eine einmalige Atmosphäre schaffen, die wie ein gutes altes Horror-Märchen a lá Frankenstein funktioniert. Die Songs sind so abwechslungsreich und vielfältig, dass man mehr als drei Durchläufe braucht, um alles zu verstehen. Progressiv eben.

Passend wie der Deckel zum Topf, zur düster, schaurigen Atmosphäre ist der Gesang von Ram und Sfinx. Sie übernimmt das allermeiste und überzeugt mit einer klaren, starken und schönen Stimme. Er hingegen ist der perfekte Gegenpol. Mit rauhem, krächzendem, diabolischem Gesang, verkörpert Zet den „Bösen“-Mitstreiter, während Sfinx die „Gute“ vertritt. Ich gehe jetzt nicht weiter in die Märchenwelt hinein, obwohl es mir in den Fingern juckt.

Wie klingt das Ganze nun genaue? Der Opener „Infamia“, eindeutig ein Favorit auf dem Album, knüppelt richtig drauf los. Im Stile von Dimmu Borgir wird das Keyboard eingesetzt, bis der Rabengesang von Zet fesselt. Die Refrains werden von der weiblichen Seite übernommen. Progressiv wird das Ganze erst bei Track 4 „Addict“. Mit einer 10-Minütigen Spieldauer, abgefahrenen Lyrics, ’ner Menge bombastischen Riffs und schrägen Raffinessen der Violine, raucht einem erstmal der Kopf.

Und das ändert sich bis zum Ende nicht mehr.

Fazit: Gruselschockeratmosphäre, trifft auf virtuosen Progressiv Metal. Langweilig wird es auf „Neutralized“ nie. Gewöhnungsbedürftig ist das Alles schon ein bisschen. Und wer von vornherein weiblichen Stimmen abgeneigt ist, wird wenig Freude haben. Ich hingegen bin überzeugt.

Tracklist:

  • 01. Infamia
  • 02. I Am Dirt
  • 03. 222
  • 04. Addict
  • 05. God Don’t Forgive
  • 06. Beautiful Pain
  • 07. To Ashes
  • 08. Requiem