Die Musikbranche bringt bekanntlich Stars und Sternchen, Legenden und Mythen hervor. Das ist eine Binsenweisheit. Die Solokünstler, die Bands und deren Leadsänger, Gitarristen, Schlagzeuger und Bassisten stehen immer wieder in der medialen Öffentlichkeit. Sie werden von Fans geliebt und gehen letztlich in die Musikgeschichte ein. Wie steht es aber mit den zahlreichen Helfern der alseits beliebten Musikstars? Was ist mit den Managern, den Crewmitgliedern, Technikern und Background-Sängerinnen und -Sängern, die den umjubelten Musikern assistieren – sei es im Aufnahmestudio oder auf der Bühne? Die Antwort liegt auf der Hand: Sie werden schon mal übersehen und geraten auf lange Sicht in Vergessenheit.

Roadies – Serie über die Macher außerhalb des Rampenlichts

"Roadies" - Musikserie von Cameron Crowe und J.J. Abrams

„Roadies“ – Musikserie von Cameron Crowe und J.J. Abrams

Diese kleine Ungerechtigkeit in der mit Stars und Idolen bespickten Musikbranche will „Roadies“ ein für alle Mal aus der Welt schaffen. Die Showtime-Serie nach einer Idee des renommierten US-Filmemachers Cameron Crowe („Almost Famous – Fast berühmt“, „Jerry Maguire: Spiel des Lebens“) rückt die von Medien und Musikfans ignorierten Mitarbeiter und Assistenten der Musikstars ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dabei macht sie eines deutlich: Die Männer und Frauen hinter den Kulissen einer großen Musikveranstaltung sind allesamt nicht nur begnadete Könner ihres Fachs. Wie die Musikstars, denen sie zuarbeiten, brennen auch sie leidenschaftlich für die Musik.

Inhalt von „Roadies“

„Roadies“ erzählt also die Geschichte der Techniker, Background-Musiker, Berater und Manager, die dafür sorgen, dass bei der aufstrebenden (fiktionalen) Rock-Pop-Band The Staton-House Band alles reibungslos verläuft. Zu den Roadies, dfen Mitreisenden von Musikkünstlern also, gehören der Tour-Manager Bill Hanson (Luke Wilson), die Produktionsmanagerin Shelli Anderson (Carla Gugino), die Lichttechnikerin Kelly Ann Mason (Imogen Poots), ihr Zwillingsbruder Wesley Mason (Colson Baker), die Sound-Technikerin Donna Mancini (Keisha Castle-Hughes) und der Bassist Milo (Peter Cambor). Sie alle wollen mit ihrem Könnern und ihrer Hingabe dafür sorgen, dass die Staton-House Band den Erfolg einfährt, den die Gruppe aus Denver verdient.

Wie jede Serie, die etwas auf sich hält, zeigt auch „Roadies“ ihre Protagonisten nicht nur im Kontext ihrer Arbeit. Großen Erzählraum nimmt auch das Menschliche und Zwischenmenschliche ein. Mit anderen Worten: Es werden auch die Charaktere der einzelnen Figuren und ihre Beziehungen zueinander ausgelotet. Dabei bleibt „Roadies“ dem Trend moderner Serie treu, indem sie auch die Schattenseiten der Figuren in den Mittelpunkt rückt. Tour-Manager Bill zum Beispiel ist trockener Alkoholiker und ein notorischer Frauenheld. Shelli ist verheiratet, das hindert sie aber nicht davor, mit Bill ein Verhältnis weit über das Berufliche hinaus einzugehen. Kelly Ann ist hin und hergerissen zwischen ihrer Arbeit als Roadie und ihrer anderen Leidenschaft, dem Film. Und ihr Bruder Wes muss sich neben seiner eigentlichen Arbeit für die Band zunehmend um den Sohn des Leadsängers kümmern.

Für Spannung in den zehn Episoden der ersten Staffel sorgt nicht nur die Frage, ob die Figuren ihre Probleme und Sorgen überwinden werden. Als Zuschauerköder fungiert zudem der übergeordnete große Konflikt. Nicht weniger als die Zukunft der Band steht auf dem Spiel. Die Staton-House Band muss sich der harschen Kritik eines Musik-Bloggers erwehren. Hinzu kommt die Sorge wegen des Finanzberaters Reg Whitehead (Rafe Spall), der offenbar nur deshalb engagiert wurde, um die Band aufzulösen.

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Stars, Crew und die Musik

„Roadies“ hat alles, was eine Serie braucht, um zu einem Hit zu werden: darunter vielschichtige Charaktere und das musikalische Setting. Nicht zuletzt glänzt sie mit talentierten Machern vor und hinter der Kamera. In den Hauptrollen brillieren unter anderem Luke Wilson („Old School – Wir lassen absolut nichts anbrennen“), Imogen Poots („A Long Way Down“) und „Californication“-Darstellerin Carla Gugino. Nicht weniger bemerkenswert ist die Liste der Autoren, Regisseure und Produzenten der Serie. Cameron Crowe hatte nicht nur die Idee zu „Roadies“, er schrieb auch zu allen zehn Episoden der ersten und einzigen Staffel das Drehbuch. Und: Bei den ersten drei Folgen saß er auf dem Regiestuhl. Den Posten des ausführenden Produzenten teilte er sich unter anderem mit J.J. Abrams, der eine echte Koryphäe in der US-amerikanischen Serienlandschaft ist. Abrams schrieb mit Serien wie „Alias – Die Agentin“ und „Lost“ Fernsehgeschichte.

Während Abrams bei „Roadies“ seine Erfahrung als Serienmacher einbrachte, konnte Crowe sein enormes Talent als Regisseur und Drehbuchautor abrufen. Hilfreich bei der Ausarbeitung des Stoffs war für ihn aber auch seine eigene musikalische Vergangenheit. Crowe begann seine berufliche Laufbahn als Autor von Musikzeitschriften, später wurde er Redakteur bei der berühmten Zeitschrift Rolling Stone. Als Filmemacher bleibt er seiner Leidenschaft für die Musik bis heute treu. Nachdem er diverse Musikvideos drehte, darunter einige für Tom Petty, hatte er mit dem Musikfilm „Almost Famous – Fast berühmt“ seinen großen Durchbruch als Regisseur. Mit „Roadies“ erreicht die Allianz von Geschichtenerzählen und Musik in seiner Karriere ihren ultimativen Höhepunkt.

Wurde „Roadies“ verkannt?

Natürlich kommt in „Roadies“ das Musikalische nicht zu kurz. Tatsächlich ist die Serie gespickt mit Musik aus allen Stilrichtungen. Zu hören sind Songs unter anderem von den Rocklegenden John Mellencamp, Eddie Vedder und Jackson Browne sowie von Lindsey Buckinham, The Head and the Heart und Reignwolf. Damit ist „Roadies“ nicht nur die passende Serie für Serienfans, sie ist auch das ideale Format für alle Freunde handgemachter Musik.

Umso erstaunlicher ist, dass „Roadies“ nicht den Erfolg hatte, den sich die Macher erhofft hatten. Die Serie feierte am 26. September 2016 auf dem US-Kabelsender Showtime Premiere, doch schon nach einer Staffel wird sie eingestellt. Der Grund: Sie kann nicht genug Zuschauer an sich binden. Auch die Kritiker sind nicht restlos begeistert. Einige schrieben sogar, dass „Roadies“ kaum mehr als eine Songrevue sei. Für Crowe und Abrams müssen solche Äußerungen wie auch der ausbleibende Zuspruch seitens der Zuschauer ein empfindlicher Schlag gewesen sein. Immerhin hatten sie Jahre damit verbracht, die Serie auf die Beine zu stellen. Am Ende erklärte Crowe enttäuscht: „Obwohl wir noch tausende weitere Geschichten hätten erzählen können, endet die Sendung mit einer zehnstündigen Geschichte über Musik und Liebe“.

Gibt es für „Roadies“ noch eine Chance?

Doch noch ist nicht aller Tage Abend. Machern und Fans der Serie bleibt die Hoffnung auf die Zukunft, in der „Roadies“ wiederentdeckt werden könnte. Beispiele für verkannte Serien, die zu einem späteren Zeitpunkt erfolgreich wurden oder sogar eine Kult-Gemeinde um sich scharten, gibt es in der Fernsehgeschichte genug. Sie reichen vom Sci-Fi-Klassiker „Firefly – Aufbruch der Serenity“ über die Sitcom „Voll daneben, voll im Leben – Freaks and Geaks“ bis hin zum Fantasy-Spektakel „Heroes“.

Oder wer weiß, vielleicht erweisen sich die Streaming-Dienste einmal mehr als Retter einer Serie, die ein quotenabhängiger TV-Sender ad acta gelegt hat. Auch diese Option hat Vorläufer. Netflix kaufte bekanntlich seinerzeit vom britischen Sender Channel 4 die Anthologie-Serie „Black Mirror“ auf. Amazon rettete so manche deutsche Serie vor dem Untergang, darunter „Deutschland 83“. Die Spionageserie war einst vom Privatsender RTL in Auftrag geben worden, wurde jedoch mit „Deutschland 86“ vom Online-Versandhändler fortgesetzt.

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Autor: WiFlem


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