Bands wie Besucher hatten sich eingefunden, um dem braunen Mob, der hier in unserem Lande sein Unwesen trieb, ein eklatantes ‘Nazis, Ihr seid böse, pfui pfui!” entgegenzubrüllen. Zumeist spielten Punkbands; Metalbands taten sich zumeist schwer damit, Farbe zu bekennen.

„crosslink“ href

http://www.osnametal.de/bilder/konzertbilder/gallery/2007-03-03rgr/index.html target

„_blank“>[image:001_o.jpg]

Am Samstag, den 03.03.2007 fand wieder eine dieser Veranstaltungen statt, und zwar im Saal der Gaststätte Stock in Hagen am Teuteburger Wald. “Da in diesem Jahr die Anzahl rechter Straftaten und der Anteil an Gewalttaten auf dem höchsten Stand seit bestehen der Bundesrepublik Deutschland angestiegen ist, möchten wir ein deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt setzen”, war der Homapage des Initiatoren-Quintetts zu entnehmen. 400 bis 500 Besucher wurden erwartet, und der Erlös soll vollständig einer “Einrichtung gegen Rechts”gespendet werden.

Als ich und mein Begleiter den Ort des Geschehens gegen 17 Uhr aufsuchten, herrschte relaxte Atmosphäre vor; die Mitglieder der Bands tranken ihr erstes Bier, letzte Vorkehrungen seitens der Organisatoren wurden getroffen, und ein Junge rannte mit einem Krummsäbel aus Plastik bewaffnet umher und bekämpfte unsichtbare Gegner. Die Veranstalter waren gut gelaunt, da im Vorfeld alles so prima gelaufen war. Mit dem Beginn des Einlasses gegen 18 Uhr fand auch der ursprünglich vier Stunden vorher anberaumte Soundcheck statt. Allmählich füllte sich der Saal, wobei der Großteil der zahlenden Gäste aus Jugendlichen bestand.

19.40 Uhr. Ein Vertreter der WASG hält einen äußerst kurzen Vortrag über rechte Gewalt im allgemeinen und den Sinn der Veranstaltung im speziellen, dessen Resonanz allerdings gleich Null ist. So unbemerkt und verloren, wie der gute Mann dort auf der Bühne stand, tat er mir irgendwie leid…

Fünf Minuten später schlüpften Gelbes Haus in die undankbare Rolle des Openers und fühlten sich laut eigenen Angaben etwas fehl am Platz, das sie aber mit einer Menge Humor nahmen; anders kann man sich Ansagen wie ”Wir sind die Gruppe Gelbes Haus, und wir machen Doom Metal” kaum erklären.

Geboten wurde deutschsprachiger gitarrenlastiger und durchaus auch mal etwas härterer (Punk-)Rock, mal mit sozialkritischen, mal mit eher banalen Texten. Die Neue Deutsche Welle, die Hamburger Schule und Deuschpunkrock à la Die Ärzte sind hier anscheinend Vorbilder, wobei die Punkrock-Sachen eindeutig besser funktionieren als die Poprock-Stücke.

Irgendwann in der Mitte des Gigs startete der Hagener Nachwuchs (bestehend aus neun Bengels und einem Mädel) einen Pogo, der allerdings nicht lange währte.

Nach einer Zugabe war kurz nach 20.30 Uhr Feierabend.

Als Bitter Piece die Bühne enterten, war der Laden bereits gut gefüllt. Schon vorab war klar, daß die Band gut ankommen würde; schließlich trugen etliche Jungens und Mädels im Publikum Bitter Piece-Leibchen am Körper. Und in der Tat kam bereits beim ersten Song, ‘Within his Eyes’ Stimmung auf. Ich sage nur drei Reihen Headbanger.

Bitter Piece bewiesen sehr viel Spielwitz und boten eine geile Show (wenn man von der eher ‘statischen’ Performance des Rhythmus-Gitarreros absieht), wobei die Ansagen des Sängers schon beinahe zu lustig und kumpelhaft waren für eine bö-hö-se Metal-Band. Dieser ließ es sich auch nicht nehmen, die erste Reihe abwechselnd mit Bier und Wasser zu begießen; er ließ dafür später zur Besänftigung an seiner Whiskey-Pulle nippen. Die Melange aus Bay Area-Thrash Metal, Black Metal und Death Metal funktionierte hervorragend, was an der Reaktion des Publikums gut zu erkennen war. Und während die Band den Song ‘Ruthless Aggression’ spielte, performten (Anglizismen rulen!) die ersten Diver des Abends waghalsige Sprünge.

Mit dem Kreator-Cover’ Phobia’ beendeten Bitter Piece ihren gutklassigen Gig.

Die Rotzpunkrocker Bitter Orange profitierten von der aufgeheizten Stimmung der Vorband, denn augenblicklich kam wildes Gepoge auf. Die Jungs gaben ordentlich Gas, und das Publikum ging ebenso super mit; anscheinend haben BO ’nen großen Fanclub.

Interessant war die Performance des Sängers Stefan, der den Psycho mimte. Der Typ sauste über die Bühne wie ein Derwisch, brüllte dabei derbe ins Mikro und machte die unmöglichsten Verrenkungen. Klasse!

Zum letzten Drittel des Sets verirrten sich auch ein paar Kneipenbesucher aus der Kaschemme unter der Location in den Saal, die sich, nachdem sie ein paar Brocken des musikalisch Angebotenen erhascht hatten, das Weite suchten.

Good Witch of the South besitzen hier in der Region schon fast einen legendären Ruf; um so gespannter war ich auf ihren Auftritt, der gegen 23.15 Uhr stattfand. Und der war echt spektakulär, wobei jeder für sich entscheiden muß, ob dies nun positiv oder negativ zu verstehen ist, denn die Band gab sich durchaus kontrovers. Der Stoner-Rock mit schwerem Punkrock-Einschlag kam geballt daher und machte eine Menge Spaß, wirkte allerdings völlig schräg und mitunter recht sperrig für einige Zuhörer, zumal der Sänger gekonnt den angetrunkenen Rüpel mimte (vielleicht war er auch tatsächlich angetrunken…), seinen imposanten Bierbauch präsentierte, bezeiten recht vulgäre oder gar beleidigende Ansagen (“Jetzt nehmt mal den Finger aus dem Popo eures Nachbarn und widmet Euch der Musik”,”Hier kommt jeder blöde Pisser auf seine Kosten”) machte und einmal sogar ins Publikum rotzte. Auf jeden Fall war der Gig souverän, wenn auch nicht jedermanns Sache.

Achja… ich sollte noch die beschwipste Grazie erwähnen, die sich das ganze Set über vor der Band auf dem Stageboden räkelte und lasziv den Sänger anschmachtete.

Ein großer Teil des Publikums war bereits gegangen, als Waterdown ihren Soundcheck machten und dadurch weitere Leute zum Gehen ’aufforderten’. Man hätte sich das sparen und gleich loslegen sollen, aber gut…

Dennoch gelang es der Band nahezu mühelos, das bereits stark unter Müdigkeitserscheinungen leidende Publikum noch ein letztes Mal für eine Dreiviertelstunde zu mobilisieren. Die sechsköpfige Hardcore-Combo erinnerte nicht bloß besetzungstechnisch (zwei Shouter) etwas an eine bekannte New Metal-Band; sie hatte auch einen Sänger dabei, der ähnlich eingängige Melodien sang wie Chester Bennington.

Zeitweilig wirkte die Bühne zu klein für das Sextett, war es doch in seiner Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Dennoch war man sehr erfreut darüber, daß ein Teil des übriggebliebenen Publikums noch vor der Bühne tobte und begeistert das von der Band mitgebrachte Konfetti herumwirbelte.

Beim letzten Song durften diverse Leute auf die Bühne und ins Mikro brüllen, bevor dann kurz vor 1 Uhr endlich Schicht im Schacht war.

Alles in allem sicherlich ein lohnenswertes Mini-Festival, wenn auch etwas zu lang. Jede Band, bis auf der Headliner, hatte jeweils eine Stunde Spielzeit, und das ist bei fünf Bands einfach zuviel des Guten. So bleiben Ermüdungserscheinungen des Publikums nicht aus.

Zudem soll es vor dem Veranstaltungsort Streß mit der ”örtlichen Rechten” gegeben haben, worüber ich allerdings keine näheren Informationen besitze. Das würde allerdings die Polizeipräsens draußen erklären…

Setlist Gelbes Haus:

1. Pitje

2. Macht weiter

3. Cityguide

4. Gehirnformation

5. Die Wahrnehmung

6. Syntax Error

7. Ska sucks

8. Keine Macht für niemand

9. Welt steht Kopf

10. Wer hat diesen Mist verbockt

11. Sozialstaat

Setlist Bitter Piece

1. Within his Eyes

2. Godless

3. Agony & Misery

4. Eternal Silence

5. Decay of humanity

6. Ruthless Aggression

7. Gilded Cunt

8. Killing Fields

9. Phobia

Setlist Bitter Orange:

1. Intro

2. Snakebites & scissorfights

3. Season of the whore

4. Fuck the slut up

5. Bloodsuck

6. Freedom blues

7. Love love love it!

8. Trail

9. Valentine’s square

10. This place sucks

11. Like roadkill

12. Lips

13. Dead girls

14. Wurstbasar

15. Death’n’disco

Setlist Good Witch Of The South:

1. Pornoclub

2. No. I

3. Bog war

4. Free radicals

5. Nous avons

6. Go go girl

7. Nuclear

8. Water

9. Macht kaputt

10. My body

11. Los Paul

12. Bad Trip

Setlist Waterdown:

1. Disassembled

2. Cut the cord

3. Repeater

4. Parasites

5. Moshpit etiquette

6. My hopelessness

7. Rather be dead

8. Sleep well

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen