Das diesjährige Rock Hard Festival stand für mich irgendwie unter keinem guten Stern. Und das, obwohl der Beginn nicht am Freitag, den 13. sondern am Freitag, den 25. Mai war…


Der Reihe nach: Ich habe mich am besagten Freitag um 11:30 Uhr auf den Weg Richtung Gelsenkirchen gemacht. Nach kurzer Fahrt dort angekommen, stellt sich heraus, dass die Benutzung des „VIP“-Parkplatzes noch durchaus möglich ist (vorab war dieser eigentlich als ausgebucht deklariert worden). Somit also ein perfekter Start für lauffaule Menschen, wie ich einer bin. Binnen 5 Minuten hatte ich auch schon den Haupteingang erreicht, wo man mir problemlos Backstage- und Fotopass aushändigte. Nach einer weiteren halben Stunde Wartezeit öffneten dann auch schon die Tore und man konnte das Amphitheater betreten.

Ich hatte schon vorher viel Gutes über die Festival-Location gehört und diesen Vorschusslorbeeren wird das Arial auch absolut gerecht: Direkt am Rhein-Herne-Kanal gelegen, verfügt das Amphitheater über eine großartige Architektur und durch die nach hinten ansteigenden Sitzreihen hat man von so ziemlich jedem Punkt aus eine gute und freie Sicht auf das Bühnengeschehen. Was allerdings ein bisschen störend ist: Auf dem gesamten Gelände gibt es keinen „natürlichen“ Schatten, da einfach keine Bäume vorhanden sind. Zwar wurden ein paar Sonnenschirme aufgestellt, aber diese waren bei dem herrschenden Bombenwetter natürlich ratzfatz alle belagert. Als Sonnenhasser blieb mir somit nur noch der Weg direkt vor die Bühne (wo man ja als engagierter Metalhead sowieso sein sollte), da man hier durch das über der Stage gespannte, sonnensegelartige Dach kühlen Schatten genießen konnte.

Pünktlich um 15:00 Uhr kam dann Götz Kühnemund, Chefredakteur des Rock Hard-Magazins, auf die Bühne, um das Festival mit ein paar knappen Worten zu eröffnen. Aus guter Tradition eröffnete auch in diesem Jahr wieder eine Thrashband das Festival, namentlich Deathfist aus Koblenz. Besonderheit hier: Mit Corinna Becker bedient ein weibliches Wesen die Stimmbänder und das in absolut überzeugender Form! Der Vierer hat sich ganz offensichtlich dem Old-School Thrash aus den Anfangstagen der Bay Area verschrieben und somit passt auch das „Kill ‘Em All“-T-Shirt von Bassist Martin perfekt zum dargebotenen Songmaterial. Über die Dauer von 45 Minuten wirken die Songs allerdings ein wenig zu eindimensional, aber es sind so gut wie in jedem Song ein paar geile Mosh-Passagen vorhanden (was dann auch schon zu den entsprechenden Reaktionen seitens der bereits anwesenden Fans führt). Man sollte die Gruppe aber auf jeden Fall im Auge behalten und wer sich für deftigen Thrash Metal begeistern kann, der sollte sich das aktuelle Album „To Hot To Burn“ über High Roller Records in einer schicken Vinylversion besorgen.

Als nächstes dann die große Frage: Kann die Musik von einer Band wie Jex Thoth funktionieren, wenn sie nachmittags um 16 Uhr in gleißendem Sonnenschein vorgetragen wird? Ich persönlich war da durchaus skeptisch, muss mich aber von Frontfrau Jex und ihren Bandmates zum Glück eines Besseren belehren lassen: Vom ersten Ton an ist auf einmal sowas wie Magie zu spüren, die zum Großteil von Mrs. Thoth vermittelt wird. Sie tanzt und schwebt über die Bühne, trägt ihre Lyrics in der Art von Beschwörungsformeln vor und hat das Publikum sofort im Griff. Natürlich ist es da ganz hilfreich, dass die junge Dame aus San Francisco alles andere als hässlich ist und somit beim männlichen Teil des Publikums sowieso schon mal einen Stein im Brett hat. Wenn man (so wie ich) direkt vor den Lautsprechertürmen Position bezogen hat, dröhnt der fette, basslastige Sound durch Mark und Bein und verursacht in der Magengegend ein angenehmes Wummern. Im Laufe des Gigs rennt Jex immer wieder zum Soundmann am Rand der Bühne und deutet mit unmissverständlichen Gesten an, dass Sie gerne noch ein paar Dezibel bei der Lautstärke obendrauf haben möchte. Und da man dieser achselbehaarten „Good Witch Of The West“ nun wahrlich keinen Wunsch abschlagen kann, steigert sich das ganze immer mehr zu einem ohrenbetäubenden Crescendo, dass bei den improvisierten Jams definitiv näher am Sludge-Doom ist als am Genre des Okkult-Rock, dem Jex Thoth ja gemeinhin zugerechnet werden. Am geilsten kommen die Songs „Raven Nor The Spirit“ sowie „Nothing Left To Die“, da hier die Riffs am wuchtigsten braten und somit der Kopf schön in slo-mo dazu geschüttelt werden kann. Nach viel zu kurzen 45 Minuten ist leider alles schon vorbei und auch die vielen „We Want More“-Rufe aus dem Publikum können die Band zu keiner Zugabe bewegen (was aufgrund des engen Zeitplans beim Festival-Ablauf allerdings auch verständlich ist).

Bereits während des Auftritts von Jex Thoth hatten meine Augen angefangen zu brennen und zum Ende des Gigs hin waren auch noch Kopfscherzen und eine Nase im Dauerlauf hinzugekommen. Um mir den Gig von Ram anzuschauen, habe ich mich somit dann erst mal von meinem Platz direkt vor der Bühne entfernt und mich in den VIP-Bereich am Rande des Theaters zurückgezogen. Von hier aus konnte ich dann miterleben, dass der Sänger der Schweden zwar krampfhaft versucht, die hohen Schreie eines Rob Halford nachzuahmen, ihm live hierzu aber definitiv das entsprechende Stimmvolumen fehlt. Somit klang der Gesang dann ordentlich angestrengt und die Songs, die über durchaus ansprechende Riffs verfügen, büßten erheblich an Überzeugungskraft ein. Selbst der Szenehit „Sudden Impact“ (bekannt unter anderem von dem genialen Sampler „Heavy Metal Killers“ von Earache) kam nicht mal ansatzweise so kraftvoll wie auf Tonträger rüber.

Mittlerweile hatten sich die Symptome bei mir so stark intensiviert, dass ein weiteres Verweilen auf dem Festivalgelände nicht mehr in Frage kam. Ich will hier niemanden mit der gesamten Odyssee langweilen, aber das Ende vom Lied war für mich eine nicht mehr zu umgehende Heimreise bereits am frühen Freitagabend und ein Pfingstwochenende bei bestem Wetter, welches für mich komplett im Eimer war.

Somit endet mein Festivalbericht hier abrupt und mir bleibt wohl nichts anderes übrig, als all den verpassten Band (insbesondere: Bolt Thrower, High Spirits, W.A.S.P. und Magnum) hinterher zu trauern und mich bei allen Beteiligten für diesen äußerst knappen Festivalbericht zu entschuldigen!

Abgereist und spontan als Berichterstatter eingesprungen berichtet euch der Kutten-Heini von seinen Erlebnissen des Pfingstwochendes. Angereist bin ich bequem und lässig am Samstag vormittag mit der Bahn.

Die erste Band des Tages verpasse ich leider. Schade! Dr. Living Dead habe ich schon im Bastard Club im Frühjahr sehen dürfen. Erwartungsgemäß erfahre ich aus dem Forum, das der gespielte Thrash Metal der Truppe mal wieder gut angekommen ist. Bis auf Portrait habe ich von Motorjesus nur einen Song gesehen und gehört. Für einen Freund habe ich mich am Merch Stand von Bolt Thrower angestellt, um noch ein Shirt für Ihn zu ergattern. Glück gehabt. Schon am frühen Nachmittag gab es von denen kein Shirt mehr zu kaufen. Hell haben viele Zuschauer gezogen und positive Reaktionen eingeheimst. Andy Sneap wirkt zwischen den anderen Mitgliedern schon fast wie ein Teenager. Für meinen Geschmack ist es ein wenig zu „Hell“ (ha!ha! welch ein Wortwitz) für diese Band. Bei Dunkelheit und mit entsprechender Lichtshow offenbart sich mir die Qualität sicherlich mehr. Auch von Unleashed und Tankard habe ich nur wenig mitbe-kommen.

Ich muss zugeben die ganze Zeit nur auf eine Band gewartet habe. Psychotic Waltz. Vom ersten bis zum letzen Ton habe ich diese geniale Prog Metal-( ja Metal !) -Band erlebt. Unfassbar unbegreiflich bewegend. Unfassbar dieses Zusammenspiel vom Gitarrenduo Mc Alpin / Rock.Unbegreiflich hart und tight die Rythmusarbeit von Leggio / Evans. Bewegend und vielseitig Devons origineller Gesang.

Hammer Setlist

  • 01. Ashes
  • 02. Out of Mind
  • 03. Tiny Streams
  • 04. In This Place
  • 05. Mosquito
  • 06. Faded
  • 07. Freakshow
  • 08. Haze One
  • 09. Into the Everflow
  • 10. Another Prophet Song
  • 11. I Remember
  • 12. Morbid
  • 13. Halo of Thorns
  • 14. Nothing

Noch total durcheinander und bewegt benötige ich etwas Zeit um mich auf den Headliner Bolt Thrower einzubangen. Gewohnt lässig und tight drönen die satten Riffs glasklar durch die Boxen. Jeder treue Festivalbesucher vom Rock Hard weiß, wovon ich spreche. Wer hier spielt bekommt einen wirklich geil klingenden Sound. Die Briten räumen wie auch schon in 2006 ab. Um 11 Uhr ist Schluss und ich werde glücklich ins nahegelegende Hotel gefahren.

Gut ausgeruht betrete ich erst zu High Spirits das Amphitheater. Die Band trägt einheitlich weiße Hosen und schwarze unbedruckte T-Shirts. Das deutsche Label High Roller Records und das Rock Hard selbst haben es überhaupt ermöglicht, dass diese Band eingereist ist. Sympathisch präsentieren die Amerikaner Ihren Classic Rock / New Wave of British Heavy Metal Sound. Sicherlich der erste Höhepunkt des Tages. Bei Graveyard füllt sich das Amphitheater. Kein Wunder! Die Band hat im Frühjahr eine erfolgreiche Clubtour absolviert. Von Girschool und Magnum habe ich nicht viel mitbekommen. Erst zu Unisonic, der All-Star Truppe um Ex- Helloween Sänger Michael Kiske und Ex-Gitarrist Kai Hansen stelle ich mich direkt vor der Bühne. Das Publikum hat hauptsächlich auf Helloweenlieder gewartet. Für die Band vielleicht etwas enttäuschend für die Fans aber das Highlight March of Time, Future World und I want out zu hören. Unisonic´s Debüt klingt live doch auch ein bißchen zu durchwachsen. Bleibt zu hoffen, das Hansen/Kiske sich bei dem nächsten Album etwas mehr ins Songwriting einbringen, und das Komponieren nicht nur den anderen Bandmitgliedern überlassen.

So richtig voll wird es bei W.A.S.P. . Blacky Lawless und seine Sidekicks zeigen sich bewegungsfreudig und liefern ein Feuerwerk von Klassikern ab. I wanne be somebody, L.O.V.E Machine, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Wirklich klasse. Trotzdem verlasse ich mit meiner Begleitperson vorzeitig Gelsen-kirchen und mache mich auf dem Heimweg.

Der Wettergott hat es gut mit dem Jubilar Rock Hard gemeint. Ein ausverkauftes Amphitheater wie in den Vorjahren. Guter Sound, faire Preise und kurzer Anfahrtsweg. Rock Hard ich komme wieder.

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