Im Herzen des Nordsternparks direkt am Rhein-Herne-Kanal findet vor ausverkauften Rängen das elfte Rock Hard Festival statt. Obwohl der Wettergott unbeständiges Wetter vorhersagt, feiern ca. 7000 Besucher friedlich und ausgelassen bei trockenem Wetter dieses Event.


Freitag

Mit viel Vorfreude im Gepäck reise ich völlig unkompliziert ins Ruhrgebiet. Die Gelsenkirchener geben Auskunft über die Anreisemöglichkeiten zum Amphitheater. Einige bieten mir sogar eine Mitfahrgelegenheiten bei der Nutzung von Straßenbahnen und Bussen an. Nett! Ein bisschen Smalltalk verkürzt die Fahrt und ich erreiche rechtzeitig vor Beginn des Festivals das Gelände.

Traditionell ist der Opener vom Rock Hard Festival wieder eine Thrash Metal-Band. Helish Crossfire hat man ihre Nervösität angemerkt. Mit ein paar Ansagen wäre sicherlich noch mehr drin gewesen, weil der Oldschool Thrash à la Sodom / Kreator dem Publikum durchaus gefallen hat.

Ein anderes Kaliber bieten Fleshcrawl aus dem Schwabenland. Auf diese Band habe ich mich besonders gefreut. Auch wenn der eine Gitarrist ein paar technische Probleme hatte zündeten „Soulskinner“, „Made of Flesh“ und „Beneath the dying Sun“. Genau so muss schwedisch geprägter Death Metal klingen.

Denial of God sind spontan für Nachtmystium eingesprungen. Geboten wird Black Metal mit vielen epischen und doomigen Midtempoparts. Die Band erntet nur einen Höflichkeitsapplaus vom Publikum

Mit Audrey Horne erlebt das Festival seinen ersten Höhepunkt. Vor ein paar Jahren konnte die Band auf diesem Festival überzeugen. Viele Zuschauer erleben von den Rängen Gitarrenduelle der Extraklasse. Die Bühne wird voll ausgenutzt. Eine Stunde erlebte Spielfreude und eine klasse Stimmung.

Ashes of Ares heißt die neue Band um Matt Barlow (EX-Iced Earth) und Van William (Ex-Nevermore) konnten die Stimmung erwartungsgemäß nicht halten. Natürlich ist Matt Barlow ein Sympathieträger. Es wurden nur neue Songs gespielt, die erst im Spätsommer veröffentlicht werden. Ein bis zwei Coverversionen hätten dem Set und der Stimmung sicher besser getan.

Udo Dirkschneider ist ein Aushängeschild im Heavy Metal. Vor ein paar Jahren trat er mit ACCEPT schon hier auf dem Festival auf. Tatsächlich kann er aber mit U.D.O mehr Veröffentlichungen vorweisen. Die neuen Gitarristen geben richtig Gas und sind ständig in Bewegung, während Udo wie ein Fels in der Brandung fast wie angewurzelt dasteht und sich mehr auf seine wirklich gute Gesangsperformance konzentriert. Natürlich dürfen ein paar eingestreute ACCEPT-Klassiker wie „Screaming for a love bite“ und „Balls to the Wall“ nicht fehlen. U.D.O ist ein würdiger Freitag-Headliner.

Samstag

Slingblade und Horisont habe ich verpasst. Der Sound von Mustasch, eine Mischung aus Heavy Metal / Stoner Rock kommt gut beim Publikum an. Sänger/ Gitarrist Ralf Gyllenhammar macht für meinen Geschmack jedoch zu viele alberne Mätzchen.

Desaster sorgen für einen Stilwechsel. 45 Minuten lang wird rasend schneller Black-Thrashmetal geboten. Sehr überrascht bin ich, wie viele sich diesen Auftritt ansehen. Die Band hat mehr Fans als ich erwartet habe.

Naglfar können die Stimmung mit ihrem melodiösem Black Metal-Sound nicht toppen. Das liegt weder an der Performance noch an dem Bühnenbild. Ich schätze, dass vielen Zuschauern das Songmaterial live ein wenig zu sperrig klingt.

Das Partyvolk hat eh auf den Pagan Metal von Ensiferum gewartet. Nicht nur der Bassist hat mich mit Slappeinlagen überrascht. Nein! Die gesamte Band strotzt vor Selbstbewußtsein und Spielfreude. Umjubelt endet der Auftritt nach einer Stunde Spielzeit.

D-A-D ist ebenfalls eine Band, die es versteht, eine Party zu rocken. Es ist voll auf den Rängen und vor der Bühne. Zum Abschluss des Sets durfte der Klassiker „Sleeping my day away“ nicht fehlen.

Nachdem die Europatour von Queensryche im Frühjahr abgesagt wurde, bin ich froh, dass es dem Rock Hard gelungen ist, diese Band um Todd la Torre als Headliner gewinnen zu können. Die EP und die ersten Alben „Warning“, „Rage for Order“, „Operation Mindcrime“ und „Empire“ sind unverzichtbare Meilensteine im Heavy Metal. Die Ausstrahlung eines Geoff Thate hat Todd la Torre nicht. Die Stimme hat jedoch voll überzeugt. Mit einem Paukenschlag eröffnen sie mit „Queen of the Reich“ und es folgen viele Klassiker wie „Eye of the Stranger“, „Walk in the Shadow“und „Warning“. Die Lichtshow enttäuscht ein wenig für einen Headliner. Gerne hätte ich mal ein paar Spotlights gerichtet auf Band und Publikum gesehen. Nächstes Jahr bitte zum Vergleich Geoff Thate´s Queensryche ins Amphitheater buchen.

Sonntag

Sonnig startet der Tag bei mir entspannt mit ein wenig Wellness. Auch hier schaffe ich es erst zu Orden Ogan ins Amphitheater. Weil diese Band ein klasse Album mit dem Titel „To the End“ im letzten Jahr veröffentlicht hat, darf dieser Auftritt nicht verpasst werden. Sebastian Levermann steuert mit originellen Ansagen durch das Set aus altem und neuem Material. Der Sound klingt phasenweise wenig übersteuert und das Bühnenoutfit ist nicht einheitlich. Das sind natürlich Kleinigkeiten. Aber wenn schon der Rockpalast da ist, und die Show aufzeichnet, sollte auch alles stimmen.

Orchid machen es richtig. Optisch entsprungen aus den 70er Jahren begeistern die Kalifornier mit ihrem stark von Black Sabbath beeinflussten Sound. Theo Mindell wirkt ein wenig schüchtern, aber macht dennoch einige sympathische Ansagen. „Capricorn“, der Titelsong vom gleichnamigen Album, zündet genauso wie „Eyes behind the Wall“ und „Black Funeral“. Ein toller Auftritt, den die Band wohl das erste Mal vor einem reinen Heavy Metal-Publikum absolviert hat.

Tank absolvierten den Auftritt ohne Doogie White. Der wirklich gute Ersatzmann ZP Theart (Ex-Dragonforce) zeigt deutlich, dass er keine zweite Wahl ist. Dem durstigen Publikum wirft er Wasser von der Bühne zu. Manchen wäre Bier lieber gewesen. Tank sind eine Kultband! Ihr NWOBHM-Sound kommt leider nicht so gut an heute.

Threshold entern mittlerweile das dritte Mal die Bühne des Rock Hard Festivals. Damion Wilson, der auch schon einige Jahre lang in den 90er Jahren den Gesang übernommen hat, überzeugt auf ganzer Linie. Zwischen den Instrumentalpassagen flitzt er begeistert durch die Ränge. Genau so muss Progressive Metal klingen. Der Auftritt ist ein voller Erfolg.

Als Very Special Guest betritt Sepultura die Rock Hard-Bühne. Thrash Metal kommt auf dem Rock Hard-Festival immer gut an. David Green ist ein souveräner sympathischer Frontmann, der auch ein paar Ansagen auf deutsch ausprobiert. Das Publikum frisst ihm aus der Hand. Wer war noch einmal Max Cavadings? Erstaunlich, wie viele weibliche Crowdsurfer zu Songs wie „Troops of Doom“, „Arise“, und „Roots Bloody Roots“ vor der Bühne von der freundlichen Security aufgefangen werden.

Während der Umbaupause verkürzt Mambo Kurt uns die Wartezeit auf King Diamond. Songs von Slayer, Rage against the Machine und eine Hip Hop-Nummer werden auf der Hammond Orgel zum Besten gegeben. Dem Antrag von Mambo Kurt, dass jetzt auf jedem Hip Hop-Festival eine Heavy Metal-Band gebucht werden soll, wurde lauthals vom Rock Hard-Publikum unterstützt.

21:30 Uhr, der Vorhang fällt. King Diamond betritt die Bühne. Auf dieses Ereignis haben viele Besucher gewartet. Sehr aufwändig ist das Bühnenbild. Um das Schlagzeug herum ist ein Treppengeländer aufgebaut. Zwei umgedrehte, leuchtende Kreuze thronen oben links und rechts. Mittig angebracht erstrahlt ein Baphomet. Vor der Bühne aufgebaut steht ein Zaun, der im späteren Verlauf der Show abgebaut wird. Der King ist gut bei Stimme und hat dafür extra auf die Autogrammstunde am Nachmittag verzichtet. Der Gesangsstil ist dennoch nicht jedermanns Ding. Dafür machen mir die Gitarrenduelle mehr Spaß. Bis auf zwei Mercyful Fate-Songs werden hauptsächlich King Diamond-Songs zum Besten gegeben. Von der Show habe ich mir etwas mehr versprochen als nur kleine theatralische Tanzeinlagen und King Diamonds Oma im Rollstuhl zu sehen. Der Sound ist wie bei fast allen Bands sehr druckvoll und gut. Zehn Minuten vor 23 Uhr endet der Gig. Ein Song mehr wäre doch noch drin gewesen.

Das Rock Hard-Team hat wieder viel Geschmack bewiesen bei der Auswahl seines Programms. Zu gerne hätte ich die erst bestätigten Crowbar gesehen. Bitte dranbleiben. Auch diese Band gehört nach Gelsenkirchen. Wünsche bleiben halt ständig offen, die ja auf dem Rock Hard Festival 2014 erfüllt werden können.

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