Rock Hard Festival – das heißt drei Tage Party und geile Bands. Selbst das Wetter, das nicht so richtig mitspielen wollte, tat der Stimmung keinen Abbruch.

Rock Hard Festival 2016

Wie in jedem Jahr startete das Rock Hard mit einer Death Metal Band – in diesem Jahr SULPHUR AEON. Ein sehr guter Einstieg und man hatte direkt Lust auf mehr. Nach SATAN und YEAR OF THE GOAT war es dann Zeit für meinen persönlichen Höhepunkt des Festivals: TANKARD, DESTRUCTION und SODOM. Und es schien nicht nur mein Höhepunkt zu sein: Das Amphitheater bebte! Als dann noch Tom Angelripper, Gerre und Andy Brings bei DESTRUCTION mit auf die Bühne stiegen, war der Abend perfekt.

Arbeitsbedingt ging für uns das Rock Hard Festival leider erst am Sonntag weiter. Sehr schade, da mit THE EXPLOITED, METAL CHURCH und TURBONEGRO Bands auf dem Plan standen, die man nicht hätte verpassen dürfen. Einstimming hörte man von dem Festivaltag allerdings nur Gutes.

Der Sonntag machte dann aber den verpassten Tag wett: Spätestens bei Cannibal Corpse waren wir wieder versöhnt. Auch hier war wieder volles Haus angesagt. Selbst BLIND GUARDIAN, zu deren Fans ich mich selber eigentlich nicht zähle, lieferten eine gute Show ab. Vielleicht ein Grund, sich doch einmal länger mit der Band zu beschäftigen…

Was das diesjährige Rock Hard Festival angeht, bleibt mir eigentlich nur zu sagen: hammermäßig, wie immer. Selbst im zwölften Jahr der Anwesenheit verliert das Festival für mich nicht an Charme – ganz im Gegenteil: Die Vorfreude aufs nächste Jahr ist riesig!

Turbonegro – Retox

Auslöser war eine Band, deren Name schon zu Lebzeiten als Legende unter den Jüngern geführt wird. Gemeint ist natürlich die Osloer Combo Turbonegro. Mit ihrem neusten Output Retox wollen sie sich wieder stärker ihrer Wurzeln bedienen. Heißt: Mehr Rock, mehr Arschtreten und mehr Spaß.

Dieser vergeht dem Redakteur aber erstmal, nachdem man ihm eine vierseitige(!), klein beschriebene Infomappe mitschickt, in der dann so nützliche Infos drinstehen, wie, dass das ganze Album bereits in einem Studio aufgenommen wurde, nur, um den ganzen Kram hinterher wieder weg zu schmeißen und das gleiche Material noch mal aufzunehmen. Oder etwa, dass Nick Oliveri, seines Zeichens ex-Basser der kalifornischen Queens of the Stoneage, im Studio vorbeikam und einen Song mit aufnahm, welcher dann aber doch nicht auf dem Album erscheinen sollte. Na gut, was soll man sonst auch groß schreiben, wenn jeder schon vorher weiß, was ihn erwartet!

So genug gemeckert. Kommen wir zur Musik. Und die hat es, wie gewohnt mächtig in sich. Bretternde Rockgitarren belegt mit einer humorvollen Punkattitüde kombiniert mit dem absolut rotzigen Charme des Sängers Hank von Helvete verbreiten vom ersten Ton an eine Gute-Laune-Stimmung, die gleich klar macht, welche Band sich hier die Ehre gibt. Werden rein technisch die Genregrenzen des Rock und des Punk nahezu perfekt aufrechterhalten, ergibt sich doch schon bald, dass die Band beide Grundgenres nur mit starkem Augenzwinkern bedient und eher eine humoristische Ader gegenüber der Musik bildet. In anderen Worten: Sie nehmen sich und ihre Musik rein inhaltlich nicht wirklich ernst. Und das ist auch gut so, denn dieses ist genau der Punkt, der Turbonegro so einmalig und genial macht.

Und da alle Faktoren, die dieses Release zu einem sehr guten machen fast zur Gänze erfüllt sind, bleibt nur noch zu sagen: Hoch die Tassen und ab mit der Platte in den CD-Wiedergabekasten.

Metal Church – Metal Church

Die Band, die diesen Faktor als eine der ersten für sich reklamieren konnte, ist Metal Church. Seit 1999 veröffentlicht die Band lediglich noch gefälligen Power Metal, der niemandem wehtut und im Gegenzug auch keinen zu Begeisterungsstürmen hinreißt.

Das bahnbrechende '85er Debüt ist da noch von völlig anderem Kaliber. Dieses Album definierte den Begriff „Heaviness“ neu und legt bis heute die Messlatte für etwaige Herausforderer. Unterstützt durch den Bombensound von Terry Date, hauen Metal Church vor allem in der ersten Hälfte gottgleiche Kracher heraus, die bis heute ihresgleichen suchen. Man lasse sich die Songtitel auf der Zunge zergehen: „Beyond The Black“, „Metal Church“, „Gods Of Wrath“.

Unterstützt wird diese legendäre erste Hälfte durch das – trotz Maidens „Transylvania“ – stärkste Metal- Instrumental aller Zeiten: „Merciless Onslaught“. Auf dieser LP-Seite geben ALLE Beteiligten 110% – sei es David Wayne (R.I.P.!), Kurdt Vanderhoof oder der unvergleichliche Kirk Arrington (was für ein Punch!) an der Schießbude.

Die B-Seite von „Metal Church“ fällt dem gegenüber leicht ab; zwar sind auch hier mit „Hitman“ (leider mit schwachem Chorus) und dem Deep Purple-Cover „Highway Star“ einige Highlights vertreten, die jedoch gegen die gottgleiche Eröffnungswalze nicht ganz bestehen können.Dennoch: Wer sich mal gepflegt verdreschen lassen möchte, lege dieses Album bei maximaler Lautstärke ein. They'll hit you like a ton of bricks!

Year Of The Goat – Angels’ Necropolis

Beinharte Atheisten sollten sich spätestens jetzt mal Gedanken machen, ob es evtl. nicht doch einen schwarzen Herrscher der Hölle (nennen wir ihn der Einfachheit halber einfach Asmodis, Scheitan und Beelzebub) gibt.

Dieser sitzt seit ungefähr fünf Jahren nicht mehr einfach so tatenlos in seiner schmucken Hölle rum, sondern hat sich die Eroberung der Welt mithilfe grandioser, Seventies-beeinflusster Musik auf die Tagesordnung geschrieben. Neben all den anderen großartigen Bands dieses Genres (The Devil’s Blood, Ghost, Blood Ceremony) schwingen sich Year Of The Goat mit ihrem ersten Longplayer gleich in allerhöchste Sphären auf.

Keine der zuvor genannten Bands hat eine derartig hitverdächtige Sammlung von Rocksongs auf einem Album versammeln können (was zugegebenermaßen auch nicht unbedingt deren Anspruch war); Eingängigkeit war offensichtlich oberstes Gebot bei der Komposition von “Angels‘ Necropolis“! Die Schweden um Ausnahme-Sänger Thomas Eriksson haben etwas äußerst Seltenes vollbracht: Ausnahmslos JEDER Song bleibt nach dem ersten Hören sofort im musikalischen Gedächtnis kleben und ausnahmslos KEINER der Songs büßt dadurch auch nur ein Stück an Langzeitwirkung ein! Ein Album zum niederknien und anbeten und definitiv eines der Highlights des Jahres 2012.

Als Referenz-Songs seien hier “Voice Of A Dragon“ und „Thin Lines Of Broken Hopes“ genannt.

Tracklist:
01. For The King
02. Angels‘ Necropolis
03. Spirits Of The Fire
04. A Circle Of Serpents
05. Voice Of A Dragon
06. This Will Be Mine
07. I'll Die For You
08. Thin Lines Of Broken Hopes

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Autor: ArchiVader


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