Beim Rock Harz Open Air kann man sich auf vier Dinge verlassen: Ein geiles Billing, eine tolle Atmosphäre, schlechtes Wetter und organisatorische Probleme.


Und so war es auch dieses mal wieder. Direkt bei der Anreise am Donnerstag wurden leider erst einmal die organisatorischen Probleme offenbar: Der Campingplatz war viel zu klein für die Masse an Besuchern, so dass später Anreisende nicht mehr mit ihrem Auto aufs Gelände konnten, Rettungsgassen wurden ebenso mit Zelten zugebaut wie der Behinderten-Campground und auf dem Parkplatz entstand ein wilder Campingplatz. Ein wahrer Alptraum für alle Rettungskräfte und Hygienehungrigen.

Aber Gott sei Dank ist die Organisation ja nicht alles auf einem Festival. Es gehören natürlich auch eine Reihe von Bands dazu. Und wieder einmal hat sich dieses Jahr gezeigt, dass die Macher im Harz es verstehen, ein ansprechendes Billing aus Rock-, Gothic- und Metalbands zusammenzustellen, das für jeden etwas bereit hält. Dabei war der Donnerstag als spezieller Partytag konzipiert.

Das erste wirkliche Highlight boten dabei die Folk Rocker von Fiddlers Green. Stilistisch nicht wirklich zu einem Metal Festival passend, boten die Jungs eine energiegeladene Show, die den meisten der anwesenden Fans direkt ins Tanzbein stieg. Höhepunkt war dabei eindeutig die „Wall Of Folk“ – eine Art Wall Of Death, bei der jedoch nicht um sich geprügelt, sondern nur locker aneinander vorbei gelaufen wurde.

Auch die nächste Combo passte eigentlich nicht zu einem reinen Metalfestival. Mit den Schröders war ein niedersächsischer Lokalmatador angetreten, der es verstand, mit seinem flotten Pop-Punk-Rock der Ärzte-Marke in Kombination mit nicht jugendfreien Texten den Charme einer Landjugendfete auf das Open Air Gelände zu zaubern. Dem feierwütigem Publikum scheint dies allerdings gefallen zu haben. Und wer keine Scheu vor etwas deftigeren Textpassagen verspürt, der hatte sicher seinen Spaß an der Combo.

Direkt an diesen Gig anschließend war purer Spaß angesagt! Und damit auch wohl die Band, die am wenigsten in das Billing des Ganzen (Ja, das zieht sich durch den ganzen Donnerstag!) passte. Die Rede ist von der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Die anwesenden Zuschauer hatten anfangs sichtlich Probleme, mit dem eher seichten Songmaterial der Österreicher warm zu werden. Sobald diese aber ihre überall bekannten Hits wie „Guten Tag, schöne Frau“ oder „Drei weisse Tauben“ auspackten, gab es kein Halten mehr. Alle feierten den ungewöhnlichen Wortwitz der Combo gebührend ab.

Getoppt wurde dieses Stimmungshoch dann nur noch vom Auftritt der Fun Metaller von J.B.O.. Direkt mit dem Auftritt der Musiker auf der Bühne war kollektives Ausrasten angesagt. Zum Aufwärmen gab es dann auch erst einmal ein paar allgemein bekannte Melodien, denn das Set begann vor allem mit den beliebten Coversongs, um dann in die selbstgeschriebenen Nummern überzugehen. Trotz der bombige Stimmung wirkte der Gig auf mich allerdings ein wenig einstudiert. Vor allem die Ansagen sind in dieser Form schon länger bekannt. Sehr schade eigentlich.

Am Samstag hatten sowohl Drone als auch Cripper das Pech, relativ früh spielen zu müssen. So verpufften ihre eigentlich recht guten Auftritte leider in der Mittags“sonne“ des Harzes. Von dieser war allerdings nicht viel zu sehen. Denn schon seit dem J.B.O.-Gig am vergangenen Abend gab es immer wieder heftige Regenschauer.

Trollfest hatten dann wieder etwas mehr Glück. Ihre Interpretation von Pagan Metal gaben sie bei strahlendem Sonnenschein zum Besten. Diese Art der Musik ist allerdings mittlerweile leidlich verbraucht und es ist verdammt schwierig, hier noch etwas wirklich spannendes zu erschaffen. Daher war auch der Gig der Band nicht sonderlich spektakulär, aber immerhin solide.

Ingrimm waren da schon eine ganz andere Kategorie. Auch der Mittelalter-Metal der Bayern ist mittlerweile nicht mehr ganz neu, allerdings zeigten die Musiker eine Art von Spielfreude, die man nur selten zu sehen bekommt! Publikum und Band wurden zu einer unzertrennlichen Einheit, die Spaß am Feiern und an der Musik hatte. So ergab sich eines der besten Konzerte, dass ich jemals in meinem Leben zu sehen bekommen habe! Spielfreude der Band und Jubel der Fans steigerten sich gegenseitig in schwindelerregende Höhen. Leider wurde dieses unbeschreibliche Gefühl durch den wieder einsetzenden Regen wieder getrübt.

Coppelius, die direkt im Anschluss spielten, konnten zunächst noch einmal von etwas besserem Wetter profitieren. Und alle, die diese Band noch nicht kannten, wurden jetzt von ihr in den Bann gezogen: Auch mit Klarinetten, Streichinstrumenten und (natürlich) einem Schlagzeug kann man ansprechende Musik machen. In diesem Fall passt wohl sogar besser das Wort „erzählen“. Denn was die Musiker auf der Bühne zelebrierten, erinnerte tatsächlich an episches Storytelling in musikalischem Gewand. Allerding wurde gegen Ende des Gigs der Niederschlag endgültig zum Dauerregen.

Und dieser steigerte sich leider immer weiter. So lieferten auch die eigentlichen Highlights des Tages wie Moonspell, Unheilig und Schandmaul durchaus gute Gigs ab, gingen aber in dem Getöse der Wassermassen ziemlich unter, während die meisen Besucher sich in ihre Zelte, Autos oder an sonstige trockene Orte begaben. Und leider muss auch dieser Bericht an dieser Stelle abbrechen. Denn dieses Unwetter mit Windstärke 6, 12 Grad und Dauerregen (so die offiziellen Angaben des Veranstalters) sorgten für einen irreperabelen Schaden an der OsnaMetal.de Redaktionsbasis. Und in einem See lässt es sich nun einmal schlecht schlafen, so dass die Abordnung des wichtigsten Osnabrücker Online Musik-Magazins leider frühzeitig abreisen musste.

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