Ein kleiner Test: Wenn du, geneigter Leser, einen Mitmenschen nach einer Zahl zwischen eins und neun fragst, die ihm spontan einfällt: in den meisten Fällen wird dies die Zahl Sieben sein.

Sieben Todsünden, sieben Zwerge, die sieben Tage einer Woche – die Zahl Sieben scheint etwas Besonderes zu sein. Und der endgültige Beweis dafür: Auf der siebten Ausgabe der „Rock the Night“ – Festivalreihe von OsnaMetal.de spielten – wer hätte es gedacht – sieben Bands.


Als erste dieser Bands eröffnete den Reigen am späten Nachmittag um 16.30 Uhr die junge Osnabrücker Kapelle Black Train, die sich im Rahmen des ersten OsnaMetal.de – Bandcontestes den Platz als Opener würdig erspielt hatte.

Black Train – wer diesen Zug verpasst, ist selber schuld“, schreiben die vier Jünglinge auf ihrer MySpace-Präsenz. Und man kann ihnen im Grunde nur recht geben: Mit enormer technischer Präzision, die man von jungen Untergrundbands in dem Maße selten hört, und mit klangvollen Arrangements, die den Einfluss der üblichen Thrash-Größen deutlich werden ließen, konnte das Quartett überzeugen. Leider war die Anzahl der Gäste noch sehr überschaubar, ein großer Teil von diesen hielt sich zudem vor der Skatehalle auf. Die Anwesenden zeigten sich jedoch interessiert bis motiviert von dem, was ihnen präsentiert wurde.

Bei den folgenden Death/Black-Metallern von Krypta zeigte sich ein etwas anderes Bild. Die Combo aus Hagen (im Ruhrpott, nicht a.T.W.), die mit Gründungsdatum 2007 wohl auch noch zu den jüngeren der anwesenden Bands gehörte, zeigte sich engagiert und musikalisch auch durchaus versiert. Das reichte jedoch nicht, um zu überzeugen, und mehr und mehr der Anwesenden zog es nach draußen.

Dieser Trend setzte sich bei den folgenden Thorn fort. Mit Death Metal im Midtempo-Bereich, bei dem ganz gelegentlich auch kleinere Grind-Anleihen erkennbar wurden, versuchten die Hürther, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Das gelang jedoch nur in einem recht überschaubaren Rahmen. Dennoch ließen sich die Jungens, von denen einige T-Shirts mit gelb-grünem Schleim (oder was auch immer es gewesen sein soll) trugen, nicht entmutigen und powerten mit Stücken wie „Headfuck“ oder „Analshower“ ihr gesamtes Stück durch.

Während der Umbaupause ein kurzer Schwenk vor den Ort des Geschehens: Mit etwas Verspätung, dafür mit überaus humanen Preisen und gutem Essen, war mittlerweile der Pommeswagen angekommen – unter dem Jubel und Applaus der draußen anwesenden Metalheads. Wer kann schließlich auch ohne Currywurst, Hamburger, Pommes oder „Frikandeln“ von nachmittags bis mitten in die Nacht durchfeiern? So war nun der passende Zeitpunkt für eine oder mehrere Portionen leckeren Essens.

Gestärkt erlebte man die folgenden OvergarD, bei denen sich die Fläche vor der Bühne wieder belebte. Purer Black Metal mit hauptsächlich deutschen Texten, die man erfreulicherweise auch verstehen konnte – das war OvergarD. Klischeemäßig mit Corpsepaint und überdimensionalen Nieten ausstaffiert, zeigten die Jungs, dass sie sich von der Nachtblut-CD-Release-Party am Vorabend erholt hatten – und die bisher größte Menge des Abends schüttelte vor der Bühne mit den Köpfen. Ein recht umfangreicher Teil des Publikums zeigte sich jedoch eher abgeneigt von Black Metal und hielt sich bierbedingt in der noch hellen und überraschend warmen Nachmittagssonne auf – genoss also das Kontrastprogramm zu OvergarD.

Mit der Lokalprominenz Predator und ihrem Stück „Hollow Words“ ging es weiter. Deutlich alltagstauglicherer Power Metal einer altgedienten Band, die mit Kraft und viel Ausdruck ihr musikalisches Können darbietet – damit ist ein zufriedener Haufen Metaller garantiert. Und tatsächlich wuchs die Menge vor der Bühne unversehends an und einige gut Gelaunte spielten „Circle Pit“, „Haareschütteln“ und derartige lustige Metallerspiele mehr. Zu recht fragt sich da der Eine oder Andere, warum Predator nicht längst in der Oberliga der deutschen Heavy Metal – Zunft mitspielen…

Predator selbst mögen sich das ebenfalls fragen, es scheint ihnen aber bestenfalls gleichgültig zu sein. Der guten Laune von Frontmann Jan Kleinheider (nebenbei bemerkt der Mitorganisator des berühmt-berüchtigten Hütte rockt-Festivals, bei dem dieses Jahr unter anderem Mambo Kurt und JBO sich die Ehre geben werden) tun derartige Gedanken jedenfalls keinen Abbruch, wenn er sich in das Publikum begibt, um auf den Schultern bereitwilliger Fans durch die Menge zu reiten, während die restlichen Mannen der Band treibend und wuchtig weiterknüppeln, -fiedeln und -moshen.

Die Power-Krieger von Custard schlugen mit ihren imaginären Streitäxten in eine ähnliche Kerbe, ebenfalls mit exzellenter Präzision und einer Spielfreude, die ihresgleichen sucht. Obwohl die Band aus Herne in über zwanzig Jahren Bandgeschichte den Sprung über den Rand des Untergrundes niemals wirklich geschafft hat, kann sie sich doch auf eine beachtliche Fangemeinde stützen – die zu einem Gutteil auch in unserer Hasestadt präsent zu sein scheint. Denn neben der Menge an eifrig mitbangenden Kuttenträgern vor der Bühne sichtete man auch den einen oder anderen, der mit Inbrunst die Texte begleitete. Ein gewisser Respekt vor der Leistung der Jungens ist auch durchaus angebracht. Sie erschaffen den (Power)Metal sicherlich nicht neu und sind beileibe auch keine Band, die zu den Heroen des Genres gezählt werden kann – aber ein Konzert der Band ist definitiv kein Fehler.

Mit dieser Gruppe ging das Konzert auch zu Ende und … wie? Das waren erst sechs Bands? Richtig, zur siebten RTN gehören auch sieben Kapellen. Die Siebte allerdings trat unter dem Pseudonym One more Piece auf und spielte kein „normales Set“, sondern fütterte die Aftershowparty mit einem Set aus altgedienten Metalklassikern.

Die Rede ist von den Osnabrücker Qualitätsmetallern von Bitter Piece, die dieses Mal gänzlich auf eigene Stücke verzichten wollten und statt dessen mit Power Metal weitermachte: Edguy stand auf dem Programm, genauer gesagt das Stück „Mysteria“.Und es ist sicherlich nicht allein Sache des zugleich ausgeschenkten Freibiers, dass das Publikum nun weiter mit den Köpfen und vor der Bühne kreiste – und sich auch bei den folgenden Knallern „Ausgebombt“ von Sodom und Kreators großartigem „Phobia“ nicht beruhigte. Das sollte sich auch bei den folgenden Stücken nicht ändern, als Sänger Mariano zwischendurch von Minne, Fronter der regionalen Melodic Death Metal – Band Indistinct, abgelöst wurde.

Die großartig gespielten Cover und die ohnehin umsichtige Auswahl der Stücke sorgten während des ganzen Auftrittes für anhaltende Begeisterung, so dass der Wunsch nach einer Zugabe obligatorisch war. Nachdem also mit Metallica und Slayer zum Finale zwei beeindruckende Größen präsentiert worden waren, legte die Band auf drängende Nachfragen mit „Ruthless aggression“ einen ihrer eigenen Songs nach, bevor sie sich unter frenetischem Jubel von der Bühne verabschiedete.

Auch das Publikum machte sich auf den Weg – die meisten mit dem Versprechen, spätestens zur nächsten Rock the Night am 19.09.2009 wiederzukommen.

Setlist Thorn

  • 01 Bio
  • 02 Old
  • 03 Mule
  • 04 Carnal Pleasure
  • 05 Headfuck
  • 06 Pretty
  • 07 Pabakko
  • 08 Malignant
  • 09 Fettbrand
  • 10 Analshower

Setlist OvergarD

  • 01 Das Heulen der Wölfe
  • 02 Von weiss zu rot
  • 03 Schafe in der Herde
  • 04 Johanna
  • 05 Kaltes Unlicht
  • 06 Eine Welt verlischt
  • 07 OvergarD
  • 08 Höllenfeuer Dominanz
  • 09 Taste the cruxifiction

Setlist Predator

  • 01 Hollow words
  • 02 Die by your side
  • 03 Step into the fire
  • 04 Addicted to pain
  • 05 45
  • 06 Buried alive
  • 07 The secret
  • 08 Predator
  • 09 War inside

Setlist Custard

  • 01 Dragonslayer
  • 02 Creature
  • 03 Signs
  • 04 Trees of hope
  • 05 Poke the flames
  • 06 Charons call
  • 07 God of storm
  • 08 Parasite
  • 09 Angel of sorrow
  • 10 For my King
  • 11 Freedom for all
  • 12 Up to the sky
  • 13 I know you

Setlist One More Piece

  • 01 Mysteria (Edguy)
  • 02 Ausgebombt (Sodom)
  • 03 Phobia (Kreator)
  • 04 Shut your mouth (Pain)
  • 05 Only for the weak (In Flames)
  • 06 Soulless (Grave)
  • 07 Into the pit (Testament)
  • 08 Gilded cunt (Cradle of Filth)
  • 09 Holy Diver (Dio)
  • 10 99 (The Haunted)
  • 11 Fucking Hostile (Pantera)
  • 12 For whom the bells tolls (Metallica)
  • 13 Raining blood (Slayer)
  • 14 Ruthless aggression (Bitter Piece)

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