Wieder einmal lud OsnaMetal.de zur liebgewonnen Tradition ein: Rock The Night in achter Auflage, und der Titel war Programm.


Wichtigste organisatorische Neuerung war die Ausweitung des gesamten Skatehall-Geländes zum Konzertgelände. Die Kasse befand sich gleich an der Einfahrt zur Halle, was Störenfriede vom Ort des Geschehens fernhielt, Bändchenkontrollen auf dem Weg in die Halle selbst überflüssig machte und zudem eine Bewachung der parkenden Fahrzeuge ermöglichte. Beste Voraussetzungen also, um fröhlich loszulegen.

Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten begannen Die in Grey den Abend als Opener und präsentierten sich denjenigen, die sie noch nicht kannten, als stimmgewaltige Wucht aus Osnabrücker Landen. Drängelndpreschender Thrashcore fegte den Staub aus den Boxen des schon recht ordentlich gefüllten Bastard Clubs und wärmte das Publikum allmählich auf. Dem wurde aus diesem Anlass gleich die neue EP „Brutal Truth“ präsentiert, die sechs Stücke der Combo bereithält.

Gunslinger aus Osnabrück trieben es auf der Bühne wesentlich melodischer. „Rock, rock, rock“ ist ihr Credo, und so befeierten sie das noch etwas steife Publikum mit energetischem, fast klassisch klingendem Rock’n’Roll, wie er aus Osnabrücker Landen nur selten exportiert wird (manch einer mag sich noch an die großartigen Judy69 von vor wenigen Jahren erinnern). Die sechsjährige Erfahrung auf der Bühne scheint dabei zur Gewohnheit geworden zu sein: Nichts von zögerlichem Mitgefühl für die Bretter, auf denen die Jungens standen, statt dessen routinierte Misshandlung durch heftige Bewegung auf der Bühne. Sehr lebendig, sehr cool.

Nach diesem Vorprogramm nun die Band, die für einige Fans bereits zu den heimlichen Headlinern gehörte: Purid waren wieder da – und zwar im doppelten Sinne, stand doch einige Zeit vorher zur Debatte, wie die Combo nach dem Weggang ihres Sängers Pascal weitermachen würde. Dass mit Alexandra nun eine weibliche Stimme die Wortführung von Purid übernahm, mag manch einen skeptisch gemacht haben. Unnötigerweise, wie betont werden muss.

Klar klangen die Songs auf der Rock The Night plötzlich irgendwie „anders“, als man es von fünf Jungs… äh…Musikanten kannte, aber deswegen keinen Deut schlechter. Das Attribut „anders“ erübrigt sich ohnehin bei einer Band, die je nach Tageslaune und persönlicher Vorliebe mal in Rock-, mal in Metalschubladen gesteckt wird und für die es keine Genrebezeichnung zu geben scheint. Völlig egal, an diesem Abend packten sie sich selber in die Schublade „female fronted auf-die-Fresse modern Metalrock”. Man könnte auch sagen: Ein großartiges Zusammenspiel und die gewohnt guten Stücke machten einfach Spaß.

Spaß machten auch die nun folgenden Sardonic, die Dampfwalze der Osnabrücker Metal – Gemeinde, die kräftige Thrash-Parts regelmäßig mit brachialem Death Metal überwalzt. Dass Eigenständigkeit dabei nicht zu kurz kommt, erfreut, dass das Spiel der sardonischen Knüppeler mit Präzision und Schärfe überzeugt, begeistert. So überrascht es auch nicht, dass die Haare kräftig in Bewegung gebracht wurden, war die Stimmung in der Halle doch mittlerweile am Kochen. Mit beeindruckender Professionalität, die sich die Band in sechs Jahren Bandgeschichte und bei Auftritten etwa mit Vader, Napalm Death, God Dethroned sowie auf dem Metalcamp in Slowenien erspielt hat, begeisterte sie Fans und diejenigen, die es an diesem Abend wurden.

Deutlich thrashiger und zugleich stark „oldschool“ wurde es mit dem Headliner Sniper. Das Quartett aus Rothenburg erwischte das Publikum mit der Präzision eines Heckenschützen am rechten Fleck und sorgte für ein einstündiges Feuerwerk.

Zwar ist es bei den vier Jungens seit der Veröffentlichung ihres jüngsten Albums „Seducer of human souls“ im Jahr 2006 in Bezug auf Veröffentlichungen ruhig geworden, lediglich ihr Zweitwerk „ Your world is doomed“ wurde im Februar 2009 neu aufgelegt. Doch der Tourkalender ist gefüllt, und die Jungs scheinen sich dort am wohlsten zu fühlen, wo sie richtig nach vorne knallen dürfen: Vor Publikum.

Den Eindruck gewannen die Zuschauer jedenfalls im Bastard Club, als sich schwerlich ausmachen ließ, ob jetzt die Partei vor oder die auf der Bühne mehr Spaß hatte.

Nach einer Stunde Spiel von Sniper war das Publikum geschwächt, die Grundfesten des Bastard Clubs erschüttert und der Alkoholpegel bei manch einem höher als der Arzt empfiehlt. Zum gemütlichen Ausklang luden schließlich Storm of Wind. Wie von Aftershow-Bands der RTN gewohnt wurde es nun weniger ernsthaft. Das Logo der Band, ein regenbogenauskotzendes Einhorn, verweist auf den Humorcharakter, und auch die Optik, die sich zwischen Clownerie und Metal bewegte, tat ihr Übriges. Der „True Teutonic True Metal of Eternal Glory“ überspringt Genregrenzen, um selbstironisch und mit mal mehr, mal weniger hintersinnigen Blödeleien Szenedenken und „Trveness“ im Metal auf die Schippe zu nehmen. Entsprechend umfasst das Repertoire so vielversprechende Stücke wie „Schützenfest of Glory“, „Immortals of Death“ und „Killers of Death“. Demgemäß bunt und fröhlich war die Show, die sich auf der Bühne abzeichnete.

Leider war der Großteil des Publikums nach der großartigen Show von Sniper nicht mehr in der Stimmung, weiterzufeiern, und auf Grund organisatorischer Ungereimtheiten endete auch das Set von Storm of Wind sehr viel früher als geplant. Damit endete ein größtenteils erfolgreiches Konzert, das Lust macht auf die nächste Rock The Night – immerhin schon die Nummer neun!

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