Der Sommer 2012 meint es wirklich nicht gut mit den Festivalgängern. Frostige Temperaturen, Regen und Wind sind an der Tagesordnung. Auf dem With Full Force Festival wurden sogar schon Menschen durch einen Blitzschlag zum Teil schwer verletzt.


Fotos folgen!

Und auch das Rockharz steht wettertechnisch mal wieder unter keinem guten Stern. Nichts desto trotz treibt es in diesem Jahr rund 10.000 begeisterte Rocker und Metaller auf den Flugplatz am Fuße der Teufelsmauer. Damit ist das Festival zum ersten Mal in seiner Geschichte ausverkauft.

Mittwoch

Bereits zur Öffnung des Camping-Geländes um ca. 14.00 Uhr ist es auf den Zufahrtswegen zum Gelände gut gefüllt. Es gießt wie aus Eimern und die Stimmung ist etwas gedrückter als man es sonst zur Anfahrt gewohnt ist. An der Einlasskontrolle geht es aber gut voran und der Rückstau hält sich in Grenzen. Hier passt die Orga. Auf dem Gelände angekommen wird dann die kurze Regenpause genutzt um möglichst schnell das eigene Zelt aufzubauen. Denn schon rollt die nächste Schlechtwetterwand heran. Dieses Wetter soll auch die nächsten Tage bestimmen. Kurze sonnige Phasen wechseln sich mit Regen und Sturm ab. So richtig Stimmung will bei diesem Wetter verständlicherweise nicht aufkommen und so hält sich die traditionelle Campground-Anreisetag-Party sehr in Grenzen. Ansonsten ist aber alles gut vorbereitet. Die Wege sind gut prepariert und ausgeleuchtet, am Eingang zum Festivalgelände kommt es kaum zu Wartezeiten und auch die Aufteilung auf dem Festivalgelände ist gewohnt gut organisiert. Lediglich die Dixie-Situation auf dem Campground lässt etwas zu wünschen übrig. Wer etwas weiter in der Mitte zeltet muss schon ziemlich lange Wege zum nächsten Dixie in Kauf nehmen. Hier muss im nächsten Jahr nachgebessert werden.

Donnerstag:

Mein Tag beginnt heute mit Night In Gales, die ihren Melodic Death Metal mit voller Kraft von der Bühne schreien. Gutturaler Gesang wechselt sich mit cleanen Passagen ab und die Gitarren sorgen für ein melodisches Gewand. Der Sound ist ziemlich durchwachsen, was aber wohl hauptsächlich dem starken Wind geschuldet ist. Der Wind ist auch das hauptsächliche Problem am heutigen Tag. Nach den starken Regenfällen in der Nacht und am Morgen ist es nun nämlich weitestgehend trocken. Der Platz vor der Bühne ist allerdings schon jetzt ziemlich matschig. Ansonsten liefern die Jungs einen soliden, aber unspektakulären Gig ab.

Direkt im Anschluss schleudern uns Municipal Waste ihre Mischung aus Thrash und Speedmetal um die Ohren. Im Hintergrund der Bühne erhebt sich ein überdimensionales Comic, das wirr in sich verschlungene Gestalten zeigt und zur Musik der Band passt. Der Bass wummert und der Gesang wechselt zwischen quietschen und grunzen. Die Leute vor der Bühne wirken nicht besonders begeistert und spenden der Band auch nicht mehr als den Anstandsapplaus.

Einen ersten Höhepunkt erlebt das Festival dann mit dem Auftritt von Tanzwut. Die stimmungsvoll geschminkten Musiker liefern eine tolle Show ab und heizen dem Publikum so richtig ein. Der Sound ist mittlerweile sehr ordentlich und alle Instrumente kommen gut durch. Sänger Teufel hat die tanzwütige Meute von Anfang an voll im Griff und animiert zu manchem Sing und Klatschspiel. Leider geht der Gig nach etwa 45 Minuten mit dem Klassiker „Bitte Bitte“ dann viel zu früh zu Ende. Das darf gerne noch einmal wiederholt werden.

Danach ist etwas Zeit zum Shoppen. Im hinteren Bereich des Geländes kann sich das Metallerherz mit allerlei Devotionalien eindecken. Von T-Shirts über Schmuck bis hin zu Trinkhörnern ist alles dabei. Und auch die Preise sind im Großen und Ganzen human. Das offizielle Festivalshirt gibt es beispielsweise für 18,-€. Lediglich die Auswahl an Shirt am offiziellen Merch-Stand lässt ein wenig zu wünschen übrig. Hier hätte ich mir mehr Band-Shirts gewünscht. Auch die Nahrungsaufnahme kommt nicht zu kurz und ist vielfältig. Es sind Pommes, Burger und Co., Pizza, Flammkuchen, Fisch und diverse vegetarische Speisen zu bekommen. Die Preise liegen im Durchschnitt sodass keiner Angst haben muss hier arm zu werden. Was mir allerdings unangenehm auffällt, ist die versteckte Preiserhöhung bei den Getränken. Bezahlte man im vergangenen Jahr noch 3,-€ pro 0,4l, so sind es in diesem Jahr schon 2,50€ pro 0,3l. Es bleibt abzuwarten, wie sich das entwickelt.

Headliner des heutigen Abends ist die amerikanische Hardcore Band Hatebreed. Die Jungs aus New Haven, Connecticut gehen von Anfang an brachial und laut zu Werke. Vielleicht ein wenig zu brachial, denn bereits nach etwa zwanzig Minuten wird es auf einmal dunkel auf der Bühne. Stromausfall. Gut eine halbe Stunde passiert dann gar nichts, was die Fans aber sehr gelassen und ruhig hinnehmen. Die verloren gegangene Zeit wird natürlich nachgeholt und so feiert die Band mit ihren Anhängern bis nach Mitternacht.

Zum Abschluss des heutigen Abends kommen dann noch die Westfalen von Rage auf die Bühne. Es ist zwar bitterkalt für eine Juli-Nacht, aber das Gelände ich immer noch gut gefüllt und viele haben extra auf Rage gewartet. Los geht es dann mit dem Intro des aktuellen Albums „21“. Man bleibt auch zunächst bei den neueren Stücken, bevor man mit „No regrets“ einen echten Klassiker raushaut. Es folgt eine bunte Mischung aus alten und neuen Stücken, die vom Publikum richtig abgefeiert wird. Peavy scheint heute richtig gut drauf zu sein und hat die Fans gut im Griff. Seine kleinen Späßen und Anekdoten über sein Sexleben kommen gut an. Rage beenden ihren Gig dann standesgemäß mit „Higher than the sky“ und „Soundchaser“. Insgesamt ein sehr cooler Auftritt.

Freitag:

Nach einer schönen warmen Dusche und nachdem sich das Wetter etwas beruhigt hat, beginne ich meinen Festivaltag mit der von Niclas Engelin (Ex-In Flames) gegründeten Band Engel. Der vom Gothenburg Stil geprägte Melodic Death Metal ist genau das richtige um wach zu werden. Die Band ist gut aufgelegt und hat einen guten Sound. Hier ist definitiv eine der besseren Melodic Death Metal Bands am Werke und ich frage mich, warum die Jungs so früh auf die Bühne müssen.

Als dann das „Gizit dar Faida“ Intro von der Dark Stage dröhnt ist sofort klar, wer da auf der Bühne steht. Der Himmel verdunkelt sich es wird merklich kühler und der Wind frischt auf. XIV Dark Centuries beginnen ihren stimmungsvollen Ritt durch düstere Jahrhunderte, blutige Schlachten und sagenumwobene Lande. Auch wenn es noch nicht wirklich voll vor der Bühne ist, scheint es den Anwesenden zu gefallen. Der kraftvolle Gesang kommt gut an und vor allem die Wechsel zwischen gekreischten und cleanen Parts sind sehr gut intoniert. Die Gitarren sind gut abgemischt und sorgen für einen guten Sound-Teppich. Ein überzeugender Gig, der Lust auf mehr macht.Weniger Lust machen da Black Sun Aeon. Der wenig inspirierende Melodic Death Metal wirkt nicht so richtig stimmig und auch die ab Mitte des Gigs einsetzende weibliche Gesangsunterstützung kann da nicht so recht weiterhelfen.

Ein ganz anderes Kaliber sind dagegen die Herren von Coppelius, die mit ihrer Holz meets Metal Musik beim Publikum punkten können. Sobald die Band die Bühne betritt, fühlt man sich um ca. 100 Jahre in der Zeit zurück versetzt. Die perfekt intonierten, teils zweistimmig gesungenen Songs verbunden mit dem wunderbar vorgetragenen Mienenspiel begeistern die Leute und sorgen für enthusiastisches Klatschen. Besonders gut kommen auch die Iron Maiden Cover „Murders in the Rue Morgue“ und „Running Free“ an. Klasse Auftritt.

Aus dem 19. Jahrhundert geht es dann in den Wilden Westen, denn auf der Rock-Stage ertönt ein an Ennio Morricone erinnerndes Intro. Ganz klar, jetzt kommen die Desperadoz, die ihre ganz eigene Mischung aus Western, Southern Rock und Thrash Metal präsentieren. Das im klassischen Line-up auftretende Quartett hat einen guten Sound, kommt jedoch nur bedingt an. Dies mag zum einen daran liegen, dass die Musik dann vielleicht doch etwas zu speziell ist, aber sicherlich auch an der mangelnden Interaktion von Band mit dem Publikum.

Als es beginnt zu dämmern betreten dann Paradise Lost die Bühne. Die Briten sind ja nicht gerade dafür bekannt eine gute Live-Band zu sein. Umso mehr bin ich vom heutigen Auftritt begeistert. Sänger Nick Holmes ist richtig gut bei Stimme und heizt den Leuten gut ein. Der Sound ist vielschichtig und ziemlich laut. Auch die Songauswahl ist ordentlich. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf dem aktuellen Album „Tragic Idol“, von welchem vier Songs gespielt werden. Aber auch die Klassiker wie „Say just words“, „As I die“ und „One Second“ werden zum Besten gegeben. Leider kommt „Draconian Times“ mal wieder zu kurz. Aber darüber kann ich heute hinweg sehen.

Stilistisch ähnlich gelagert geht es dann auf der Dark Stage weiter. ASP beginnen ihr Set mit einen langen Intro und einigen kleinen Pyro-Effekten, bevor sie dann mit „Wechselbalg“ das erste Mal so richtig durchstarten. Von Anfang an sind die Zuschauer begeistert. Bereits während des Intros sieht man erste Crowdsurfer. Spätestens ab den dritten/vierten Song ist dann das Eis vollends gebrochen und bei den Leuten ist kein Halten mehr. Der Gesang wirkt auf mich etwas dumpf und die Gitarren kommen für meinen Geschmack nicht so richtig durch. Ansonsten sehe ich eine imposante Show. Bei „Schwarzes Blut“ kommen dann auch die eigens für ASP aufgebauten Flammenwerfer zum Einsatz. Einen fulminanten Abschluss bekommt der Gig dann natürlich mit dem Klassiker „Ich will brennen“, bei dem die Band noch einmal ordentlich kokelt.

Über jeden Zweifel erhaben sind dann allerdings einmal mehr Blind Guardian, die einen saustarken Gig abliefern. Bereits vor vier Wochen auf dem Metalfest konnten Hansi Kürsch und seine Jungs überzeugen. Heute haben die Krefelder sogar noch zwanzig Minuten mehr Spielzeit, die sie hervorragend füllen. Neben den aktuellen Stücken wie „Sacred Worlds“ und „A voice in the Dark“ stimmt Hansi heute überwiegend alte Stücke an und hält sich dabei sogar mit seinen Ansagen zurück. Ganz besonders freue ich mich, dass es „The last candle“ mal wieder auf die Setlist geschafft hat. Auch die sonst so ausufernden Sing und Klatschspiele bei „The Bard`s Song“ und „Valhalla“ halten sich heute in Grenzen. Und als knapp 10.000 begeisterte Metalfans mit aller Inbrunst „When time stands still“ mitgröhlen, findet auch dieser Gig ein ergreifendes Ende.

Die Deathstars sind vor allem optisch ein besonderer Leckerbissen. Grell geschminkt und mit bunten Kostümen betreten sie die Bühne. Irgendwie erinnert die ganze Truppe an eine Mischung aus Kiss und Marilyn Manson. Aber das scheint auch genau das Konzept zu sein, denn auch musikalisch geht es in diese Richtung. Kling komisch, ist aber so. Der Gesang hört sich an wie eine Mischung aus Rammstein, Him und Moonspell und die Gitarristen frickeln ein Power-Riff nach dem nächsten runter. Eine interessante Mischnung, die beim verbliebenen Publikum gut ankommt.

Samstag:

Am Samstagmorgen zeigen sich in unserem Camp deutlich die Auswirkungen, die das Wetter sowohl auf das Gelände als auch auf die Besucher hatte. Man hört Husten, verstopfte Nasen und kränkelndes Geflüster. Auch der Schreiber dieser Zeilen fühlt sich heute Morgen alles andere als gut. Beim Gang zur Morgentoilette fällt mir dann auch auf, dass das beherrschende Thema bei den umliegenden Camps die Abreisevorbereitungen sind. Der Wetterbericht hat für heute durchgängig regen gemeldet und so überlegen viele Besucher bereits heute zu fahren. Auch wir beschließen unser Camp bereits abzubauen. Das hindert mich allerdings nicht daran, noch die ein oder andere Band zu sehen.

Los geht es also mit Gernotshagen, die einen echt guten Sound haben. Der stimmgewaltige Gesang dröhnt druckvoll durch die Boxen und fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Auch die Setlist ist gut zusammengestellt und führt mehr oder weniger durch das komplette Repertoire der Band. Die Band ist sehr bemüht und versucht die wenigen Nasen vor der Bühne zu motivieren. Das gelingt allerdings nur bedingt. Insgesamt ein solider Auftritt aber nicht mehr als Durchschnitt.

Für eine ordentlich Portion Punkrock sorgen dann Betontod, die bei strömendem Regen krampfhaft versuchen die Leute vor der Bühne zum mitmachen zu animieren. Leider ist das nur von wenig Erfolg gekrönt und die Reaktionen sind eher verhalten. Irgendwie merkt man den Besuchern an, dass die Stimmung einfach nicht da ist und man sich nur noch durch den Tag quält. Das ist wirklich sehr schade, denn Betontod sind richtig gut aufgelegt und hauen einen Klassiker nach dem nächsten raus. „Kinder des Zorns“, „Schwarzes Blut“ und „Glück Auf“ werden dabei noch am ehesten gefeiert. Auch das lustige Sing along bei „Keine Popsongs“ lässt keine echte Stimmung aufkommen. Alles in allem aber ein guter Gig.

Bei Suidakra ist es dann wieder richtig voll auf dem Gelände und das Publikum ist gut drauf. Die Mischung aus Folk und Power Metal kommt gut an. Auch der Sound ist gut, nur der Wind trät leider viel davon weg, sodass es im hinteren Bereich des Geländes sehr unterschiedlich klingt. Lustig ist dann noch die Metal-Version von Axel F., die von den Leuten ordentlich abgefeiert wird.

Bei TYR ist der Sound dann, ähnlich wie abends zuvor bei ASP, wieder etwas dumpf. Die Gitarren kommen nicht so richtig durch und alles klingt ein wenig düster, doomig. Die Isländer bewegen sich nur sehr wenig auf der Bühne und treten in wenig Interaktion mit dem Publikum, daher kommt auch hier wieder nicht so recht Stimmung auch. Wobei TYR ja nun auch nicht gerade als Stimmungskanone bekannt ist.

Mit Freedom Call ist dann endlich auch noch eine richtig klassische Power Metal Band am Start. Leider scheint klassischer Power Metal in diesem Jahr nicht so wirklich gefragt zu sein, denn vor der Bühne ist es gähnend leer. Vielleicht gerade einmal 500-1000 Leute jubeln der Band zu. Diese allerdings sehr euphorisch. Die Band kümmert es wenig und ist von Anfang an voll da. Der Sound ist druckvoll und die Gitarristen posen in bester Power Metal Manier. Bei „Warriors of Light“ fällt Sänger Chris Bay dann noch auf, dass die Ansage auf Deutsch bei diesem Song wohl ein bisschen blöde klingt. Ist halt immer zu einem Scherz aufgelegt, der Chris. Zusammengefasst ein kurzweiliger Gig mit hohem Spaßfaktor der mit „Land of the light“ einen würdigen Abschluss findet.

Als nächstes ist dann die Mailänder Combo Lacuna Coil dran, die einen starken Auftritt abliefern. Der düstere aber melodische Gothic Metal mit Hardcore Einschlägen kommt gut aus dem Boxen. Ganz besonders fällt hier die gute Zusammenarbeit zwischen Sänger und Sängerin auf, die quasi gleichberechtigt nebeneinander singen. Auch soundtechnisch ist hier alles im grünen Bereich. Sängerin Christina Scabbia reißt sich den Allerwertesten auf, um das müde Publikum zu motivieren. Leider mit mäßigem Erfolg. Nur vereinzelt springen und klatschen die Leute vor der Bühne mit. Man merkt, dass hier einfach die Luft raus ist.

Und auch bei mir ist nun die Luft raus. Mein Hals schmerzt, mein Magen grummelt, ich bin nass und mir ist kalt. Ich beschließe schweren Herzens den Heimweg anzutreten, bevor ich ernsthaft krank werde. Daher endet der Bericht an dieser Stelle.

Fazit:

Dieses Festival hätte bei schönem Wetter richtig gut werden können. Den Veranstaltern kann man nur ein Kompliment machen, denn bis auf einige Kleinigkeiten war alles super organisiert und geplant. Die entspannte und gemütliche Rockharz Atmosphäre war auch in diesem Jahr wieder zu spüren, wenn auch nicht ganz so stark, wie in den vergangenen Jahren. Aber das lag wohl am Wetter. Auf das es im nächsten Jahr besseres Wetter gibt.

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