Mittwoch 10.07.2013

Nach gelungener Anreise und einem kritischen Blick gen Himmel, beginnt das Rockharz mit dem typischen Autochaos am Einlass zum Festivalgelände. Neun Schlangen reihen sich zu drei möglichen Einfahrten. Tempus fugit. Ein Blick auf den Campground lässt uns zu dem Schluss kommen, dass die angegebene Öffnungszeit von 13:30 Uhr vermutlich einige Stunden vorverlegt wurde. Es beginnt sich nämlich bereits merklich zu füllen. Die Rekordbesucherzahl des Vorjahres konnte noch einmal überboten werden. Nach Angaben des Veranstalters wurden bereits im Vorverkauf rund 12.000 Tickets abgesetzt.

Nachdem Victorius und Volksmetal an diesem Mittwoch den musikalischen Auftakt gemacht haben, legen dann Nachtgeschrei, auf der eigens für den Mittwochabend aufgebauten Bühne, eine ordentliche Show hin. Trotz persönlicher Skepsis ob des neuen Frontmannes am Mikro, Martin LeMar, rockt die frankfurter Mittelalterfraktion die noch zögerliche Menge. Um 21:15 Uhr betreten die Dimple Minds die Stage. Das Publikum ist deutlich angeheitert und bringt sogar einen kleinen Moshpit zustande. Die Stimmen verlangen nach „Durstige Männer“, dem wohl populärsten Song der Band. Nach einer knappen Stunde verlassen die Bremer Punkmusikanten das Sichtfeld. Die Stimmung steigt. Wir nähern uns dem Höhepunkt des heutigen Tages: Megaherz. Grollendes Blitzgewitter kündigt die NDH-Kombo, mittlerweile mit dem siebten Album „Götterdämmerung“ im Gepäck und der Ankündigung eines anstehenden achten Bollwerks, an. „Es ist Jagdzeit!“, eröffnet Lex Wohnhaas dem freudigen Rockharz-Besucher. So soll es sein! Köpfe werden in bester Manier zum den staccato Rhythmen der Band geschüttelt. Auch wenn der Sound ein wenig verwaschen wirkt, haben die Band und das Publikum trotzdem Spaß. Nach einer knappen Stunde kommen zwei Klassiker der Ära Wesselsky zum Vorschein: „Kopfschuss“ und „Miststück“. Der Vergleich zum Gründer der Band, Alexx („Der Checker“) Wesselsky, seines Zeichens Sänger der Band Eisbrecher, drängt sich förmlich auf. Fazit: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Die neueren Songs der „Götterdämmerung“ liegen dem aktuellen Frontmann stimmlich deutlich besser. Die Möglichkeit zum direkten Vergleich des beliebten Songs „Miststück“ soll am Samstag folgen, doch für heute neigt sich der (musikalische) Tag dem Ende entgegen.

Donnerstag 11.07.2013

Während am Donnerstagnachmichtag die Grailknights aus Grailham-City zusammen mit ihrem Battlechoir mal wieder jagt auf Dr. Skull machen, bekommen ausgewählte Pressevertreter eine interessante Führung durch den Backstage-Bereich. Bereitwillig führt man uns unter anderem durch den Artist-Bereich und klärt uns über das „Scheisse-Kissen“ auf, in welchem die Fäkalien des Festivals gesammelt werden und dann nach und nach der Kanalisation zugeführt werden. Leider können wir hiervon nicht visuell berichten, da Fotos und Videoaufnahmen im gesamten Backstage Bereich strengstens verboten sind.

Weiter geht`s mit der Streetcore/Deutschrock Band Toxpack. Das Gelände auf dem Infield füllt sich nur langsam, die erste Nacht wiegt schwer in den Gesichtern der Besucher. Trotz Soundschwierigkeiten und einer kleineren Umbaupause am Schlagzeug, überzeugen die Berliner um Frontsau Schulle mit Songs ihres aktuellen Albums „Bastarde von Morgen“. Neben dem namensgebenden Lied folgen Mitgröhlhymnen wie „Profilneurotiker“ oder „Uhrwerk“. Auch der Klassiker „Suff und wilde Spiele“ des mittlerweile selten zu bekommenen Werkes „Aggressive Kunst“ darf nicht fehlen. Nach knapp 40 Minuten ist an dieser Stelle leider schon Schluss. Das Publikum und die Stimmgewalt der Chöre beweisen, dass Deutschrockbands immer beliebter auf deutschen (Metal-)Festivals werden. Wir schauen nach rechts zur Rock-Stage. Die Norweger von Audrey Horne bereiten sich auf ihren Gig vor. Auch hier schleichen sich vermehrt Soundprobleme in die klassischen HardRock Songs. Ob Wind oder technisch bedingt lässt sich schwer sagen. Nun ist Zeit für einen kleinen Bummel über die Händlermeile, die wie gewohnt mal wieder klein aber fein ist. So kann sich der geneigte Metaller mit allerlei Devotionalien eindecken. Negativ fällt an dieser Stelle auf, dass bereits jetzt bestimmte Größen der Festival-Shirts nicht mehr erhältlich sind. Aber das scheint wohl ein Dauer-Thema zu sein.

Der Abend wird musikalisch dann von Mono Inc. auf der Dark-Stage eingeläutet. Mit ihrer Mischung aus Songs à la The Cure und ihrem ganz eigenen Sound aus Gothic, Rock und Metaleinflüssen reißt die Band das Publikum in ihren Bann. Vor allem Trommelhäschen Katha Mia begeistert das männliche Publikum. (grins) Martin Engler überzeugt dafür stimmlich. „Voices of Doom“ im wahrsten Sinne des Wortes – Gänsehautfeeling pur!

Es folgt der „verrückte Professor des Metals“, Devin Townsend. Mit seinem Devin Townsend Project stellt er einmal mehr seine musikalische Genialität unter Beweis. Selten habe ich so vielschichtige Musik gehört. Dabei wirkt Townsend ausgelassen und bester Laune. Immer wieder feuert er das Publikum an. So richtig Stimmung kommt aber aus meiner Sicht nicht auf. Das mag aber durchaus an der ausgesprochen progressiven Ausrichtung der Musik liegen. Nichts desto trotz ein Klasse Auftritt. Um 22.15 Uhr entern die Mannen (und Henkersbraut Frau Schmitt) von Subway To Sally die Dark Stage. Mit Oldschool Stampfern wie „Carrickfergus“, „Mephisto“ oder „Veitztanz“ im Gepäck schaffen die Mittelalterrocker losgelöst von Albumpromotion ein Subway-live-feeling wie schon lange nicht mehr. Alles wirkt stimmig. Fans wissen: wenn Subway in Spiellaune sind, steht einem tollen Konzert nichts im Weg. So auch an diesem Donnerstag. „Hoch vom RockHarz klingt es…!“ Den Abschluss bilden Mille und seine Thrasher von Kreator. Und die lassen einmal mehr nichts anbrennen. Auch wenn bereits viele Besucher das Gelände verlassen haben rocken die Ruhrpottler mal wieder nichts Gutes. Nach dem Intro geht es mit „Phantom Antichrist“ sofort in die Vollen. Und das soll auch für die nächsten 75 Minuten so bleiben. Der Sound ist voll und klar, ganz im Gegensatz zu Mille`s markanter Krächz-Stimme die immer wieder über das Infield schallt. Nachdem der Gig dann standesgemäß mit „Flag of Hate/Tormentor“ beendet wird, gehen die letzten verbliebenen Fans müde aber zufrieden ins Bett. Naja, vielleicht feiern einige auch noch ein bisschen weiter.

Freitag, 12. Juli 2013

Am zweiten Festivaltag geht es dann Schlag auf Schlag. Der Tag ist vollgepackt mit klasse Bands. Meine erste Band des Tages ist Orden Ogan, die in der prallen Mittagssonne die Bühne betreten. Auffällig ist, dass es bereits jetzt richtig voll im Infield ist. Bei gutem Sound geben die Jungs aus Arnsberg so richtig Gas und sorgen für ordentlich Stimmung. Die Setlist ist wie schon auf dem Break the Ground Festival gut gemischt und bietet sowohl ältere Sachen vom „Vale“ Album, wie auch Stücke vom aktuellen Album „To the End“. Höhepunkt des Gigs ist natürlich das bärenstarke „We are Pirates“, bei welchem es richtig abgeht. Dieser Band steht noch Großes bevor. Einen entsprechend schweren Stand haben dann die Melo-Deather Emergency Gate. Obwohl der Sound noch einen ticken besser ist und die Jungs locker flockig aufspielen, verlassen eine ganze Reihe Besucher das Gelände. Die verbliebenen feiern dafür aber eine umso heftigere Party. Diverse Circle-pits und eine von Sänger Matthias Kupka initiierte Wall of Death lassen ordentlich Staub aufwirbeln. Ein solider Gig, der Spaß gemacht hat. Nach der Wall of Death dann zu der von den Excremtory Grindfuckers geforderten Wall of Love. Hierbei geht es, wie der Name schon vermuten lässt, nicht darum aufeinanderzu zu rennen, sondern darum sich mal kräftig gegenseitig in den Arm zu nehmen. Mit diesem und einigen weiteren Scherzen lassen die Hannoveraner ihren Gig zu einem kurzweiligen Vergnügen werden. Schwerpunkt des Auftritts liegt ganz klar auf der neuen Scheibe „Ohne kostet extra“, aber auch Band-Hymnen wie „Halb und Halb“ oder „Schnaps“ werden dargeboten. Und auch der obligatorische „Final Grinddown“ darf natürlich nicht fehlen. Alles in allem ein klasse Gig, wenn nicht der Wind immer wieder den Sound weg tragen würde. Das ist aber, gerade am Freitag, ein häufiger auftretendes Problem. Aus der niedersächsischen Landeshauptstadt geht es dann zu den Slawen, über die Arkona in ihren Liedern ausgiebig erzählt. Sängerin Masha und ihre Mannen sind heute mal wieder richtig gut aufgelegt und feiern eine Party wie sie auch die Kosaken nicht besser hinbekommen hätten. Mit ihrer Mischung aus folkloristischen Klängen, russischem Charme und dem vielseitigen Gesang begeistert Arkona und die Menge vor der Bühne kommt ordentlich in Bewegung. Der Lorenz knallt wie nichts Gutes als dann der elfengleiche Gesang von Charlotte Wessels, ihres Zeichens Sängerin von Delain, aus den Boxen donnert. Die jungen Niederländer wirken heute extrem amüsiert und lassen sich immer wieder zu Grimassen und kleinen Witzeleien hinreißen. Showmäßig stimmt es also schon einmal. Aber auch die musikalische Leistung lässt keine Wünsche übrig. Das bombastische „We are the others“ ist natürlich das Highlight des Auftritts und wird richtig abgefeiert, wobei eine ganze Reihe, vor allem männliche, Zuschauer wohl wirklich nur zum Schauen gekommen ist. Woran das wohl liegen mag…

Piraten haben die Menschen ja schon immer fasziniert. Und so wundert es auch nicht, dass es heute bei Alestorm das erste Mal so richtig voll auf dem Gelände ist. Getreu dem Motto: „With the power of Ale you could not fail“ strömen die Massen vor die Bühne und feiern mit den schottischen Metal Piraten. Moshpit und Crowdsurfer inklusive. Auch die mittlerweile sehr professionell auftretenden Schotten scheinen sichtlich Spaß zu haben. Der posende Gitarrist Daniel Evans bietet dabei ein ebenso amüsantes Bild wie Sänger Chris Bowes mit einer Styropor-Box auf dem Kopf. Die Setlist ist bunt gemischt und bietet etwas für jeden Fan. Von den neueren Sachen kommen „Shipwrecked“ und „Sunken Norwegian“ wohl mit am besten an. Aber als dann „Over the seas“ aus den Boxen bollert, gibt es in der Menge kein Halten mehr. Und zum abschließenden „Rum“, bei welchem Chris Bowes erst einmal einen beherzten Schluck Captain Morgan zu sich nimmt gibt der Mob dann noch einmal alles. Insgesamt ein sehr lustiger Auftritt, bei dem dieses Mal auch der Sound weitestgehend mitgespielt hat. Eluveitie sind nun mittlerweile seit rund zwei Jahren mit „Helvetios“ auf Tour und so gibt es hier heute keine Überraschungen was die Show angeht. Es werden fast ausschließlich die Stücke des aktuellen Albums, wie „Havoc“ oder „Meet the enemy“ gezockt, was allerdings beim Publikum ganz gut ankommt. Und so fegt die ein oder andere Wall of Death über das Infield. Soundmäßig ist auch hier alles im grünen Bereich. Die einzelnen Instrumente sind gut aufeinander abgestimmt und auch die Balance zwischen männlichem und weiblichem Gesang ist vernünftig ausgesteuert. Ganz besonders zeigt sich das bei der Ballade „A rose for Epona“. Das ist heute deutlich besser als schon bei früheren Auftritten. Bevor die Band die Bühne verlässt verabschieden sie sich standesgemäß mit ihrer inoffiziellen Band-Hymne „Inis Mona“. Mit dem mittlerweile fünften Sänger, Stu Block hat Iced Earth Alleinherrscher John Schaffer einen echt charismatischen und stimmstarken Frontman an Bord geholt. Das zeigt sich auch heute denn musikalisch sind die Amis mal wieder über jeden Zweifel erhaben. Auch der Sound ist durchaus annehmbar. Vor der Bühne herrscht allerdings eher andächtige Stimmung als Party pur. Dies mag wohl vor allem daran liegen, dass die Band insgesamt wenig untereinander und vor allem wenig mit dem Publikum interagiert. Ganz besonders Schaffer steht meist abseits der Band und scheint gar nicht so recht dazu zu gehören. Lediglich bei Klassikern wie „Pure Evil“ oder „Burning Times“ tut sich was vor der Bühne. Mich persönlich wundert das nach den eher mäßigen letzten Veröffentlichungen aber auch nicht. Es wird dringend mal wieder Zeit für ein zweites „Something wicked this way comes“.

Accept erleben gerade wohl so etwas wie ihren zweiten Frühling. Mit Neu-Sänger Mark Tornillo starten die Jungs noch einmal so richtig durch und rocken gewaltig. Bereits auf dem Metalfest auf der Loreley hat mich die Band schwer beeindruckt. Und auch heute werde ich nicht enttäuscht. Bei bestem Sound und Licht legt das Heavy Metal Urgestein eine Show allererster Güte ab. Von Anfang an haben sie das Publikum voll und ganz im Griff und zelebrieren ihre Songs so wie sie sein sollen. Beeindruckend sind vor allem die neuen Stücke, wie zum Beispiel das extrem geile „Stalingrad“ oder auch „Pandemic“ die ohne Probleme mit den Klassikern der Band mithalten können. Aber auch der restlichen Bandgeschichte wird heute Rechnung getragen: Neben „Restless and wild“ und „Princess of the dawn“ kommt auch „Fast as a shark“ super an. Und spätestens als im Zugabenblock die ersten Riffs von „Metal Heart“ zu hören sind, ist auch der letzte Fan restlos begeistert. Für mich neben Avantasia der beste Auftritt des Festivals. Nach dieser Wahnsinns-Show leert sich das Gelände relativ schnell sodass nur noch verhältnismäßig wenig Metalheads den Soulfly Gig sehen. Aber ehrlich gesagt haben sie auch nicht viel verpasst. Max Cavalera ist in die Jahre gekommen und wirkt etwas müde auf der Bühne. Ziemlich zu Anfang zockt er bereits einen seiner größten Hits „Back to the primitive“. Und viel kommt danach auch nicht mehr. Musikalisch ist der Auftritt solide und routiniert, bietet jedoch wenig Spannendes. Und so geht auch dieser, extrem gute Festival-Tag zu Ende.