Mittwoch

Nachdem das morgendliche Packen und die Anreise überwiegend bei strömendem Regen stattfanden, kann der Zeltaufbau bei bewölktem Himmel aber trocken stattfinden. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das schlechte Wetter einfach vor den ankommenden Metallern geflohen ist. Denn bis auf zwei kleinere Schauer bleibt es während des gesamten Festivals zur Freude aller trocken. Damit ist also schon einmal der Grundstein für ein erfolgreiches Festival gelegt.

Wie auch im vergangenen Jahr ist der Hauptteil des Infield am Mittwoch noch gesperrt und im vorderen Bereich ist eine mobile Bühne aufgestellt. Und da starten wir mit den Hamburgern Iron Savior. Der 1996 von Kai Hansen und Piet Sielck gegründeten Band blieb der endgültige Durchbruch zwar bisher verwehrt, dennoch findet sich bereits jetzt ein ganzer Schwung Metaller vor der Bühne ein, um sich mit einer ordentlichen Portion Power Metal auf das Festival einzustimmen. Der Sound ist zu Anfang noch etwas dumpf, aber nichtsdestotrotz ist die Stimmung gut und die Sing- und Klatsch-Spielchen bei „Heavy Metal never dies“ funktionieren schon mal gut. Sehr gut kommt auch das von Kill Bill inspirierte „Revenge of the Bride“ an. Zum Abschluss gibt es dann mit „Atlantis Falling“ noch einen Klassiker. Das hat schon mal Spaß gemacht. Brainstorm können bereits auf eine 25-jährige Bandgeschichte zurückschauen und sind natürlich mit allen Heavy Metal-Wassern gewaschen. Und so können sie gegenüber Iron Savior nochmal eine Schüppe drauflegen. Der Sound ist insgesamt deutlich lauter und ausgefeilter. Außerdem können die Jungs in der einsetzenden Dämmerung bereits von der vollen Lichtshow profitieren. Vor der Bühne ist es nun richtig gut gefüllt, das Haupthaar wird geschüttelt und auch das ein oder andere kühle Bier läuft die Kehle herunter. So kann es weitergehen.

Als Headliner des heutigen Abends fungieren die Rhapsody Of Fire. Und die scheinen doch noch eine recht breite Fanbase zu haben, denn die Band um Alex Staropoli und Fabio Leone können auf ein volles Konzertgelände schauen, als sie gegen halb elf die Bühne betreten. Vielleicht ist es aber euch ein Stück Neugier darauf, wie sich die Band heutzutage live gibt. Ähnlich ist es auch bei mir, gehörte die Band doch Anfang der Nullerjahre (damals noch mit Luca Turilli und unter dem Namen Rhapsody) zu meinen absoluten Lieblingsbands. Naja, den üblichen Power Metal-Kitsch und das Posen haben die Italiener auf jeden Fall noch drauf. Leider ist der Sound nur Durchschnitt, und so gehen die vielen Feinheiten, die die Musik ausmachen, weitestgehend unter. Auch die vielen Synthie-Einspielungen, vor allem bei älteren Songs wie „Land of Immortals“ oder „The March of the Swordmaster“, sind oft nicht auf den Punkt genau und trüben den Höreindruck. Erst nach etwa einer guten halben Stunde wird der Sound etwas besser. Nichtsdestotrotz macht die Band eine gute Show und heizt die Meute vor der Bühne ordentlich an. Ganz besonders Fabio überzeugt durch seine Gesangsleistung. Was die Setlist angeht, vertraut man auf eine Mischung aus alten und neuen Sachen, wobei die Klassiker bei den Zuschauern deutlich besser ankommen. Das zeigt sich dann auch ganz deutlich zum Ende der Show, als man mit den All-Time-Bandklassikern „Unholy Warcry“ und „Emerald Sword“ noch einmal für richtig Bewegung sorgen kann. Insgesamt ein guter Auftritt, der mich dann zufrieden zu meinem Zelt schlendern lässt.

Donnerstag

Das erste, was uns am Donnerstag auffällt, ist, dass Wetter.com mit seiner Vorhersage ungefähr so weit von der Realität weg ist, wie die Brasilianer von ihrem sechsten WM-Titel. Statt Dauerregen gibt es Sonnenschein und angenehme Temperaturen. Blöd nur, dass ich meine Sonnencreme nicht dabeihabe. Denn so hole ich mir im Laufe des Tages noch einen schönen Sonnenbrand ab. Sei`s drum. Besser so als andersrum. Vor dem Einlass zum Hauptgelände hat sich schon eine ordentliche Menschenmasse angesammelt, als ich gegen halb zwei dort ankomme. Glücklicherweise werden die Schleusen dann auch alsbald geöffnet, sodass Battle Beast dann schon vor einem gut gefüllten Infield spielen können. Aufgrund eines Running Order-Changes übernehmen die Finnen heute den Opener Slot, der eigentlich für Vogelfrey gedacht war. Da dies aber im Vorfeld gut kommuniziert wurde, gibt es hier wenige Irritationen. Lediglich mein Kumpel scheint ein wenig irritiert zu sein, als er mich fragt, ob das da vorne Doro sei. Es sei ihm verziehen, ist doch eine gewisse Ähnlichkeit von Noora Louhimo mit der Metal Queen nicht von der Hand zu weisen. Zumindest in ihrer Art das Publikum anzufeuern und Stimmung zu machen. Selbiges frisst der Band im Übrigen trotz der frühen Stunde von Anfang an aus der Hand. Der Sound kommt klar und laut aus den Boxen, und es zeigen sich auch schon die ersten kleinen Moshpits. Später am Nachmittag sorgen dann Vogelfrey für eine verdammt geile Stimmung. Als Intro hat man sich heute „Die Weber“ von den Schnittern ausgesucht. Sehr cool und auch passend, wie ich finde. Danach geht es aber mit „Blutgericht“ sofort in die Vollen. Und die Band kommt an. Seit ihrem letzten Auftritt auf dem Rockharz 2011 hat sich die Band merklich weiterentwickelt und ihre Anhängerschaft deutlich vergrößert. Außerdem hat man mit „Schuld ist nur der Met“ bereits einen echten Partyklassiker im Repertoire. Und so wundert es auch nicht, dass die Menge bei dem Lied abgeht wie nichts Gutes. Das Mittelalter lebt. Schade ist nur, dass Geige und Cello mitunter etwas zu leise abgemischt sind. Dafür haben Vogelfrey aber zum Ende noch einen besonderen Leckerbissen mitgebracht. So wird aus „Wir sind Helden“ kurzerhand ein Medley verschiedener Rocksongs, in dem unter anderem Songs von den Red Hot Chilli Peppers und Eagle Eye Cherry verbraten werden. Schöner Gig.

Auch Insomnium sind derzeit angesagt wie nie. Mit ihrem aktuellen Album „Shadows of the Dying Sun“ sind sie sogar in die Top 20 der deutschen Albumcharts vorgedrungen. Als Melodic Death Metal-Fan kommt man also gerade nicht um die Jungs herum. Leider hat die Band heute etwas Pech. Nicht nur, dass just nach Auftrittsbeginn ein leichter Regen einsetzt. Nein, auch der Sound ist eher mäßig. Alles klingt im Ganzen etwas dumpf und sowohl Gesang wie auch Lead-Gitarre kommen nicht so richtig durch. Die Stimmung ist demnach auch eher durchschnittlich. Nichtsdestotrotz ziehen die Jungs ihr Programm professionell durch und beweisen, dass sie technisch und musikalisch voll auf der Höhe der Zeit sind. Bei Amorphis hat sich der Himmel dann wieder etwas aufgeklart. Und diese Atmosphäre passt bestens zum Set der Finnen. „Shades of Grey“ knallt aus den Boxen, und die Pommesgabeln fliegen gen Himmel. Auffallend ist der im Vergleich zu Insomnium extrem gut ausdifferenzierte Sound. Dazu kommt eine stimmungsvolle Lichtshow, die den Zuhörer in fernen Welten schweifen lässt. Was die Setlist angeht, liegt der Schwerpunkt eher auf den jüngeren Veröffentlichungen von „Eclipse“ bis „Circle“. Und das scheint dem Publikum zu gefallen, denn nach jedem Song gibt es Begeisterungsstürme. Aber auch ältere Sachen, zum Beispiel vom großartigen „Tales from the Thousand Lakes“-Album, werden nach bester Manier abgefeiert. Amorphis sind schon jetzt auf jeden Fall ein Highlight des Festivals. Saltatio Mortis machen dann ihrem Namen als Partyband einmal mehr alle Ehre. Von Anfang an ist die Stimmung super und ca. drei Viertel der der Anwesenden klatscht bei den folkigen Rocksongs mit. Auch Sänger Alea ist wieder einmal mit vollem Einsatz dabei und lädt die Fans zum Feiern ein. Das lassen die sich natürlich nicht zweimal sagen und so kann man bei „Halt mich Fest“ fast das gesamte Infield springen sehen. Ein wirklich beeindruckendes Bild. Auch im weiteren Verlauf des Konzerts lassen die Spielleute nichts anbrennen und haben das Publikum voll in der Hand. Auch der obligatorische Crowdsufer-Ausflug von Alea während „Falsche Freunde“ verläuft ohne Zwischenfälle. Und beim „Spielmannsschwur“ hat man sowieso wieder alle Trümpfe in der Hand. Alles in allem also ein gelungener Gig, wenn auch wenig innovativ. Wirklich neue Elemente hat die Bühnenshow der Band schon seit einiger Zeit nicht mehr gesehen.

Headliner des heutigen Abends sind Sabaton. Und die haben wieder einmal eine große Bühnenshow mitgebracht. Neben dem Panzer, der als Drum-Riser fungiert, hat man auch wieder jede Menge Feuersäulen und Pyros mit im Gepäck. Und damit wird mal wieder nicht gegeizt. Bereits beim Opener „Ghost Division“ zeigt sich das ganze Ausmaß der Feuershow. Gerade in den ersten Reihen wird es ganz schön warm. Leider kann der Sound da nicht so ganz mithalten. Im Vergleich zu den anderen Bands des Festivals sind Sabaton ungewöhnlich leise. Und auch sonst ist der Klang eher durchschnittlich. Mal ist eine Gitarre weg, dann klingt es wieder ziemlich dumpf. Da kann man von einem Headliner durchaus mehr erwarten. In Sachen Stimmung und Spielfreude kann man den Mannen um Sänger Joakim Broden allerdings nichts vorwerfen. Die Gitarristen Chris und Thobbe fegen über die Bühne und posen nach bester Power Metal-Manier, und auch die restlichen Bandmitglieder scheinen gut aufgelegt zu sein. Insgesamt gefällt mir die Bühnenpräsenz deutlich besser als noch vor drei Wochen auf dem Metalfest. Das mag sicherlich auch daran liegen, dass Joakim heute auf allzu übertriebene Ansprachen verzichtet. Natürlich darf das übliche „Noch ein Bier“ der Fans nicht fehlen, und auch sonst kommen immer wieder lustige Ansagen von der Bühne. Aber alles wirkt etwas natürlicher und weniger aufgesetzt als noch auf dem Metalfest. Die Setlist bietet keinerlei Überraschungen. Neben den fünf Songs „Heroes”, „Resist and bite“, „To Hell and Back“, „Soldier of three armies“ und „Far from fame“ werden die Klassiker der Band eingestreut und natürlich bestens abgefeiert. Und als nach „Metal Crue“ dann auch die letzten Pryos verschossen sind, leert sich das Gelände merklich. Insgesamt ein guter Auftritt, dem aber das gewisse Etwas gefehlt hat. Zum Abschluss des Tages dürfen Korpiklaani dann noch eine Runde Folk Metal zum Besten geben. Leider scheint das die meisten Besucher nicht mehr zu interessieren. Das Gelände leert sich merklich. Dafür sind die Finnen aber deutlich lauter als der Headliner zuvor. Wer das verstehen soll, ist mir Schleierhaft. Neben der Lautstärke können Korpiklaani aber heute auch nicht mehr allzu viel reißen. Irgendwie scheint die Müdigkeit des Publikums auf die Band überzugehen. Die Jungs spielen zwar sauber und ordentlich ihr Set runter, lassen aber die berühmte Kreativität und Spontaneität vermissen. Vielleicht ist es dafür aber einfach auch schon zu spät. Einziger Lichtblick ist die quasi Band-Hymne „Happy little Boozer“, die zum Ende des Gigs noch einmal für Bewegung vor der Bühne sorgt.

Lest hier Teil 2 des Berichts

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