Endlich! Rush live sehen! Ein Traum wird wahr! Ich habe die Band leider erst vor ca. 3 Jahren für mich entdeckt (in diesem Zusammenhang ein fettes Dankeschön an meinen Kumpel Ingo!) und seitdem haben sich Rush zu meiner absoluten Lieblingsband entwickelt.

Da die Kanadier in Deutschland unverständlicher Weise immer noch ein ziemliches Nischendasein fristen, geben sie nur selten Konzerte in unserer Republik. Ihre aktuelle „Time Machine-Tour“ führt sie deshalb auch nur für ein einzelnes Konzert nach Deutschland.


Stattfinden tut dieses in der Festhalle in Frankfurt. Die äußeren Bedingungen gestalten sich schon optimal: das Wetter ist prima (27 Grad und Sonnenschein) und die kürzlich renovierte Frankfurter Festhalle erweist sich als sehr schicke und gemütliche Location.

Das Publikum ist bunt gemischt und man kann festhalten, dass Rush von dem 10-jährigen, der von Papa mitgeschleppt wird, bis zum 65-jährigen ein sehr buntes und gemischtes Publikum anzieht (Wobei der Hauptteil der Anwesenden doch schon zumindest das 30. Lebensjahr hinter sich zu lassen gehaben scheint).

Mit 15-minütiger Verspätung geht es dann los: Ein geniales Video, in dem Rush sich selber auf die Schippe nehmen (unter anderem Alex Lifeson als fetter Musikmanager und Neil Peart als alter NYPD-Cop), läutet den Beginn des Konzertes ein.

Die Anspannung steigt ins Unermessliche; und dann ertönen endlich die ersten Akkorde des Openers „The Spirit Of Radio“: Die angestaute Spannung entlädt sich in einem gellenden Jubelsturm, in dem alle Erwartungen und die Vorfreude auf das Kommende zum Ausdruck gebracht wird.

Das Bühnenbild ist gigantisch (unter anderem alte Musicboxen, Dampfmaschinen und ein rotierendes Grammophon) und lässt einen mit offenem Mund staunen. Der Name der Tour („Time Machine“) ist Programm: Auf der riesigen Videoleinwand rattert zwischen den Livesequenzen und etlichen, kunstvoll gestalteten Videoeinspielungen, immer wieder ein Zählwerk durch, auf dem das Erscheinungsjahr des aktuell dargebotenen Songs angezeigt wird.

Die Setlist ist ein perfekter Mix aus dem bisherigen Schaffen (welches immerhin 20 Alben aus 37 Jahren Bandgeschichte umfasst). Das Herz des geneigten Zuhörers- und Sehers geht auf und saugt die nächsten 165 Minuten purer musikalischer Magie in sich auf!

Welch ein Sound: Glasklar, druckvoll, laut und dabei nicht ein bisschen verwaschen!

Welch eine Bühnenschow: Einmal spuckt die Dampfmaschine Dampf (naja, was auch sonst), dann fährt die bewegliche Lichtanalage runter und wieder rauf und sorgt für nie gesehene optische Effekte, dann schießen Feuersäulen in die Höhe und kurz danach explodiert ein Pyro-Regen!

Welch eine Spielfreude: Die Mittfünfziger tragen ein Dauergrinsen im Gesicht (außer Neil Peart natürlich: der zertrümmert sein Monster-Drumkit mit stoischer Miene nach allen Regeln der Kunst und kommt dabei kaum ins Schwitzen!) und man spürt zu jeder Sekunde, dass diese Veranstaltung den alten Männern richtig Laune macht!

Die Songauswahl lässt kaum Wünsche offen und als nach 1:15 Stunden die 20-minütige Intermission einsetzt, schaut man in rundum glückliche Gesichter im Auditorium.

Und nach der Pause? FUCK, YEAH: Das komplette Götteralbum „Moving Pictures“ am Stück, nicht unterbrochen von irgendwelchen Ansagen, sonder so, wie es auf Vinyl verewigt wurde! Spätestens jetzt wird mir klar, dass ich hier grade dem Konzertereignis meines Lebens beiwohne: Das ist die Wucht in Tüten, hier holt der Bartel den Most und ich weiß einfach, dass nach diesem Konzert nix mehr kommen kann!!! Besser, als Rush das hier heute Abend, jetzt und hier, in Farbe und live zelebrieren, kann man Musik einfach nicht darbieten! Die Gänsepelle ist mittlerweile zentimeterdick bei mir und die Krönung soll noch folgen: Zuerst das Drumsolo von Neil Peart: Dieses Drumsolo (Achtung: Klischee!) ist das mit Abstand Einzige in der ganzen Rock N‘ Roll-Welt, in dem es sich NIEMAND erlaubt, auf den Lokus zu gehen: Sowas habe ich noch nie gesehen: Dieser Mann ist Gott, ist Wotan, ist der Deibel; kurz: Einfach unmenschlich genial!!! Gegenüber Neil kackt JEDER Möchtegern-Extremdrummer meilenweit ab! Nix, aber auch gar nix, kann diese Magie und diese wahnsinnige Perfektion (ohne dabei steril zu wirken) beschreiben! Wer das nicht gesehen hat, hat mal echt sein Leben verwirkt!

Und danach kommt es dann sogar noch besser: Ein Doppel aus der Hammer-Ballade „Closer To The Heart“ und der Wahnsinnsbeginn des Wahnsinns-Albums „2112“ („Overture“ & „Temples Of Syrinx“): Ich flippe aus, moshe wie doof, will den Stuhl aus seiner Verankerung reißen, will meinem Nebenmann eins in die Fresse hauen und ihn im nächsten Moment herzlich umarmen und mich einfach nur freuen, dass Musik dazu in der Lage ist, solche Emotionen in mir hervorzurufen! Es ist in einem Wort nur eins und zwar: FUCKIN‘ UNBELIEVABLE und genial und super und zum heulen schön und zum Schreien und zum Lachen und unbeschreiblich!!!

Die Zugabe besteht aus dem Instrumental „La Villa Strangiato“ und dem allerersten Hit von Rush aus dem Jahre ’74, „Working Man“, dessen Hammer-Gitarrenintro leider nicht zur Aufführung kommt, da sich der Song aus einem Reggae-Jam entwickelt.

Nach knapp 3 Stunden musikalischer Offenbarung mache ich mich mit über 11.000 anderen Fans freudestrahlend auf den Rückweg und kann es einfach nicht fassen, dass ich sowas Unglaubliches habe erleben dürfen! Hiernach ist alles gesagt, hiernach wird jedes andere Konzert zwangsläufig eine Enttäuschung werden müssen. Hiernach ist alles gut. Hiernach ist die Welt eine Bessere. Hiernach hat alles wieder einen Sinn. Alles…

Setlist:

  • 1. The Spirit of Radio
  • 2. Time Stand Still
  • 3. Presto
  • 4. Stick It Out
  • 5. Workin‘ Them Angels
  • 6. Leave That Thing Alone
  • 6. Faithless
  • 7. BU2B“ (Brought Up To Believe)
  • 8. Freewill
  • 9. Marathon
  • 10. Subdivisions
  • 11. Tom Sawyer
  • 12. Red Barchetta
  • 13. YYZ
  • 14. Limelight
  • 15. The Camera Eye
  • 16. Witch Hunt
  • 17. Vital Signs
  • 18. Caravan
  • 19. Drum solo
  • 20. Closer To The Heart
  • 21. 2112 Overture / The Temples of Syrinx
  • 22. Far Cry
  • 23. La Villa Strangiato
  • 24. Working Man

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