Wertung: 7 von 10

Pünktlich zum Beginn des Festivalssommers melden sich Sepultura mit ihrem neuen Album „Kairos“ zurück, welches auch gleichzeitig ihr Label-Debut bei Nuclear Blast darstellt. Auf der Hülle prangt ein dicker Aufkleber, der die endgültige Rückkehr der Mannen aus Sao Paulo zu ihren kompromisslosen Thrash-Metal-Wurzeln ankündigt. Ob die neue Scheibe nun wirklich den würdigen Nachfolger zu dem 89er Werk „Beneath The Remains“ darstellt muss aber erst einmal geklärt werden!


Was sich schon bei den ersten Hördurchgängen abzeichnet ist ein deutlich abgespeckter Sound und deutlich simplere Songstrukturen als bei den beiden Vorgängeralben. Gefielen „Dante XXI“ und „A-Lex“ mit ungewöhnlichen, teils sphärischen und stets ausladenden Songs, wird auf „Kairos“ von der ersten Minute an vorwiegend furztrockener Thrash geboten. Die einzige Ausnahme, die Sepulturas Hang zu Experimenten zeigt, stellt „Structure Violence (Azzes)“ dar, ein elektronisch angehauchter Industrial-Track. Zum Teil erinnert Dieser an die „Against“-Zeiten und Songs, wie z.B. „Kamaitachi“, haben möglicherweise Pate gestanden. Hier zeigt sich auch wieder die Variabilität und das breite stimmliche Spektrum von Sänger Derrick Green, welches aus meiner Sicht über die Albumlänge auf „Kairos“ zu wenig ausgeschöpft wurde.

Als gutes Beispiel dafür kann der Opener „Spectrum“ herangezogen werden. Dieses Lied ist so fest im klassischen Thrash-Metal verwurzelt, wie Omas selbstgehäkelte Tischdecke zu jedem zünftigen Sonntagnachmittagskaffee gehört. Das Problem ist, dass Sepultura dabei so tief in der Mottenkiste wühlen, dass nur wenig Spannendes, geschweige denn Neues geboten werden kann. Der Song kommt einfach nicht aus den Puschen, da können auch die genialen Kisser-Soli nichts mehr retten. Wie man es besser machen kann, beweisen Sepultura mit dem direkt darauffolgenden Titelsong „Kairos“. Hier sind ebenfalls alle klassischen Ingredienzien des Thrash-Metal enthalten, diese werden hier aber viel besser arrangiert und so bin ich mir sicher, dass dieses Lied den Weg in die Playlist der Brasilianer finden wird.

In dieselbe Kerbe hauen auch „Seethe“, „Embrace The Storm“, „No One Will Stand“ und das ultra-schnelle „Born Strong“, welches noch am ehesten die Schlagzahl von Songs vom „Beneath The Remains“-Album erreicht.

Hervorzuheben ist auch das Ministry-Cover „Just One Fix“, bei dem Monsieur Kisser zum Ende hin das Hauptriff von Slayers „Mandatory Suicide“ einfließen lässt. Eine weitere Cover-Version hat sich auch als Bonus-Track eingeschlichen: „Firestarter“ von The Prodigy. Nach Soulfly, die diesen Song auf ihrem 2005er Werk „Dark Ages“ sehr Berimbau-lastig(brasilianisches Instrument) als „Riotstarter“ verwursteten, halten sich Sepultura anno 2011 ziemlich eng an das bestehende Song Konzept. Als Bonus eine nette, wenn auch nicht sonderlich innovative Idee.

Fazit:

Abschließend bleibt „Kairos“ als gelungenes, wenn auch eher wenig spektakuläres, Thrash-Album in den Gehörgängen hängen. Vorwerfen kann man Sepultura im Grunde wenig, denn Schlagzeuger Jean Dolabella verrichtet seinen Job stets songdienlich und effizient, ebenso Bassist Paulo Xisto. Wie bereits vorher angedeutet, wird aus meiner Sicht jedoch das stimmliche Potenzial von Green zu wenig genutzt. Dieses mag an den einfachen Song-Strukturen liegen oder an dem unbedingten Willen ein klassisches Metal-Album zu schreiben. Das Problem dabei ist, dass sich Sepultura auf diese Weise selbst in ein ziemlich enges Korsett stecken und damit Teile ihres seit Jahren typischen Sounds, wie er auf „A-Lex“ zu hören war, verneinen. Versteht mich nicht falsch, „Kairos“ ist zu 100% als ein Sepultura-Album zu erkennen, nur wird die Variabilität und das Potenzial der Musiker hier nicht vollständig genutzt. Als klarer Gewinner geht allerdings Andreas Kisser hervor, der ein Sensationssolo auf das Nächste folgen lässt. Sepultura-Fans können also bedenkelos zugreifen und zudem sollte „Kairos“ auch diejenigen zufriedenstellen, die Kisser und Co. in der Vergangenheit die Zielstrebigkeit und die Fähigkeit abgesprochen haben straighten Thrash-Metal zu schrieben.

Tracklist:

  • 01. Spectrum
  • 02. Kairos
  • 03. Relentless
  • 04. 2011
  • 05. Just One Fix
  • 06. Dialog
  • 07. Mask
  • 08. 1433
  • 09. Seethe
  • 10. Born Strong
  • 11. Embrace The Storm
  • 12. 5772
  • 13. No One Will Stand
  • 14. Structure Violence (Azzes)
  • 15. 4648
  • 16. Firestarter (Bonus-Track)
  • 17. Point Of No Return (Bonus-Track)

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen