13:30 in Schloss Holte – Stukenbrock: Überall Wild-Camper, super Parkplatzsituation am nahegelegenen Supermarkt. Die schwarzgekleideten Wilden in der Schlange für die Einlassbändchen schmelzen in der Sonne. Aber es geht schnell voran, innerhalb von sechs Minuten sind wir mit unseren Plastikbändchen auf dem Gelände des Serengeti-Festivals.


Freitag, 16.07.2010

Auf dem Weg zur Bühne sehen wir etwa 1000 Optimisten, die in der Hoffnung auf schnelle Stoffbändchenausgabe in einer Schlange stehen – obwohl die Stoffbändchen für den Einlass keineswegs relevant sind.

Wir haben besseres zu tun und begeben uns vor die Bühne. Dort feiern jedoch nicht annähernd so viele Menschen: Misconduct aus Schweden scheinen die Besucher wohl nicht übermäßig zu begeistern. Die folgenden Devil Driver aus Übersee konnten mich ebenso wenig überzeugen. Vielleicht liegt es daran, das sie mich zwei Wochen zuvor bereits auf dem Devil Side Festival gelangweilt haben – aber da es auf dem Serengeti Festival auch beim Rest der Festivalbesucher keine große Resonanz vom Publikum gab, wird es dem Rest der Besucher wohl ebenso ergangen sein wie mir – oder aber es lag doch an der Hitze, die bei den folgenden The Sewer Rats und Sonic Syndicate jedoch keinen mehr zu stören schien.

Richtig in Schwung brachten das Festival erst Boppin’B: Rock’n’Roll der Spitzenklasse ließ das Publikum unermüdlich “Tanzen” und animierte es später sogar zu einer Polonaise.

Bei Spielbeginn der Hardcore-Band H2O verließen viele das Festivalgelände für eine Getränkepause am Supermarkt, das Genre schien auf diesem Festival nicht übermäßig beliebt zu sein.

Aber pünktlich zu den Ska-Gesellen von der Sondaschule war das Publikum wieder in Scharen am Start, und das zu recht: Sehenswert, Spaßig und viel zu schnell vorbei. Immer wieder.

Doch ausreichend Trost für das viel zu frühe Ende fand das Publikum mit der Irish Folk Punk – Band Mr. Irish Bastard aus Münster. Sie überzeugte mit Spielfreude, derbe guter Laune und einem authentischen Folk-Sound. Ich bin sicher, dass diese Band schon bald im selben Atemzug mit Flogging Molly und Fiddlers Green genannt werden wird.

Um 21:20 folgte als einer der ersten Headliner Eric Fish mit seiner Band Subway to Sally. Hier zeigte sich das selbe Bild wie immer: Wer öfter mal auf Festivals geht, hat die Band schon zig mal gesehen und ist nicht mehr sonderlich interessiert. Die Bühnenshow ist unbestritten klasse, Fans, die diese Band zum ersten Mal sehen, sind begeistert, viele andere nur genervt.

Mit Paradise Lost gaben sich anschließend altgediente Helden der schwarzen Szene die Ehre, die zu sehen Freunde der Band nicht allzu oft die Gelegenheit haben. Als der Dark/Gothic Rock der Paradise Lost anfing, begann sogar der Himmel zu toben. Blitzgewitter, aber zum Glück noch kein Regen – die Atmosphäre war stimmig wie sie nur sein konnte. Dennoch konnte mich persönlich Paradise Lost nicht überzeugen, so dass wir uns noch vor dem letzten Song auf den Weg Richtung Heimat machten.

Samstag, 17.07.2010

Die Monsters of Liedermaching waren der Opener am Samstag. Um 11:30 gings mit einer geschätzten Million Besuchern los, die sich alle begeistern ließen und mitmachten. Die Monsters of Liedermaching waren die erste Band auf dem Serengeti Festival, von der eine Zugabe verlangt wurde. Und was bekamen wir? Vier oder fünf Zugaben? Ich habe noch auf keinem Festival erlebt, dass sich das Publikum um eine dermaßen frühe Uhrzeit schon so vom Entertainment einer Band ergreifen lies.

Eschenbach die von 13:20 bis 13:50 ihren Auftritt hatten, waren sagenhaft langweilig. Fans werden es nicht mögen, wenn ich mich dermaßen aus dem Fenster lehne, aber dennoch bin ich geneigt, die Band als einen billigen Abklatsch von Bands wie ASP, Eisbrecher und Oomph zu bezeichnen.

Die Gittaristin der darauf folgenden Girlie-Punk-Band Civet aus Los Angeles hatte fast während des ganzen Gigs Probleme mit ihrer Backline. Da jedoch die Zuschauer fast ausschließlich wegen der Körper der jungen Frauen vor der Bühne standen, störte das scheinbar niemanden. Man kann nicht sagen, dass die Musik der Mädels nicht gut sei, und in einem kleinen Club wäre ich gewiss begeistert von Ihnen gewesen, aber auf einem Open Air dieser Größenordnung und dann noch zur Mittagsstunde hatten sie keine Chance.

Im Anschluss feierten die punkigen Crossover-Musiker von Dog Eat Dog ihr 20jähriges Jubiläum auf der Bühne und leiteten die bärtigen Musiker von Valient Thorr aus den USA ein. Diese punkteten durch harten Old School Thrash Metal. Dies in Verbindung mit ihren musikalischen Fertigkeiten sorgt für nur geringe Überraschung beim Zuschauer, der erfährt, dass die Gruppe bereits mit Größen wie Motörhead und Anthrax unterwegs waren.

Die Apokalyptischen Reiter, die nach den Punkrockern von Itchy Poopzkid spielten, schafften es endlich, uns wieder einigermaßen wachzurütteln, verblassten jedoch recht rasch gegenüber Skindread. Diese mir bis dato unbekannte Band

war einfach einzigartig umwerfend. Die Dancehall/Reggae Wurzeln, ihre Punk- und DIY-Einstellung und die Mischung aus harten Metal Riffs und Drum-and-Bass-Rythmus machen diese Band zu dem, was Sie sind: Einer wirklich großen Nummer!

Wen diese Band so unvorbereitet traf, dass er (oder sie) sie verpasst hat, hatte keine Zeit, sich zu ärgern. Um 21:00 Uhr folgte Flogging Molly. Und das “flogging” (auf deutsch: auspeitschend) ihres Namens ist Programm: Wie soll man da stillstehen können? Aufpeitschender Folk-Punk trieb die Menge bis weit nach hinten an, zu tanzen und auszuflippen.

Die folgenden 40 Minuten Umbaupause waren dringend nötig, um wieder Kräfte zu tanken. Doch scheinbar konnte Flogging Molly selbst vom Headliner Papa Roach nicht getoppt werden: Zahlreiche Besucher verließen das Festivalgelände, mehrfach hörte man Sprüche wie “nach diesem Highlight sollten wir eigentlich abhauen, besser wirds ohnehin nicht mehr” und sie sollten recht behalten. Obwohl Papa Roach tatsächlich überzeugten und dem Publikum viel Spaß bereiteten, gelang es ihnen nicht, das Stimmungshighlight Flogging Molly zu übertrumpfen.

Als “Midnight Special” waren GWAR am Start. Diese ehemals schockgefrosteten Aliens, die heute in New York leben, haben die orignellste Bühnenshow die ich bisher gesehen habe, und ihr Foto steht im Lexikon womöglich neben dem Artikel “(Real)-Satire”. Ohne diese wären sie wohl auch kaum so bekannt: Sie schlagen auf der Bühne sowohl Hitler als auch dem Teufel den Kopf ab, woraufhin Blutvergießen vom Feinsten folgt. Das Kunstblut strömte aus den Körpern bis 10m vor die Bühne, so dass viele das Festivalgelände klitschnass von roter Lebensmittelfarbe verließen.

Alles in allem präsentierte sich das Serengeti-Festival als ein super Festival und zählt bereits jetzt zu meinen diesjährigen Festivalhighlights. Die Stimmung war super, ein hoher Anteil der Bands war sehr gut, aber auch das gute Wetter und die besucherfreudnlichen Preise auf dem Gelände trugen ihren Teil dazu bei.

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