Und das in einer Lautstärke, dass einem die Ohren abfielen. Ausgestattet mit zwei Sängern wussten sie das Publikum auf ganzer Linie zu überzeugen.

Danach wurde Platz geschaffen für die Lokalmatadoren Österreichs, nämlich Belphegor. Die Schwarzheimer um Fronter Helmut sahen sich einer sehr gut gefüllten Halle gegenüber und das von der Vorband schon aufgeheizte Publikum dankte es ihnen mit einem ordentlichen Moshpit. Zu Songs wie Seyn Todt in Schwartz und Diaboli Virtus in Lumbar Est wurden ordentlich die Haare geschwungen. Das Zusammenspiel der lustigen Musikanten war zwar perfekt, leider fehlte es dem Sound etwas an Druck. Zum Glück blieb uns eine Ansage wie damals in Osnabrück „Wir brauchen mehr Licht, um unsere Gitarren zu stimmen“ bzw. „Guten Abend Quakenbrück „(Merke: Das Konzert war im Hyde Park) erspart. Somit hinterließen Belphegor einen durchweg soliden Eindruck beim Publikum und wurden frenetisch abgefeiert. Was etwas verwunderte, war die Tatsache, dass eine Zugabe völlig fehlte. Das sollte allerdings bei jeder Band dieses Abends der Fall sein. Kennt der Veranstalter so etwas nicht? Diese Frage bleibt unbeantwortet.

Als nächstes betraten die Trolle in Form von Finntroll die Bühne. Mit ihrem neuen Sänger Mathias “Vreth” Lillmåns haben die Jungs aus Finnland einen echten Glücksgriff gelandet. Dieser Mann strahlt einfach eine Menge Charisma aus. Nur irgendwie wurde er leicht missverstanden, als er die anscheinend etwas müde Audienz mit dem Spruch Do you know what a moshpit is? anheizen wollte. Denn dieses wurde mit den Rufen nach einer Wall of Death beantwortet, was der Sänger wiederum mit einem grimmigen Blick und dem Spruch Argh, go dancing in the middle of the hall quittierte. Nichtsdestotrotz verfehlte die Ansage im Endeffekt nicht ihre Wirkung und es wurde zu Gassenhauern wie Trollhammaren fröhlich durch die Halle gehüpft.

Was nun wirklich nicht positiv auffiel, waren die leeren Bierbecher, die mittlerweile auf die Bühne flogen. Einer von ihnen traf Bassist Sami “Tundra” Uusitalo am Kopf. Glücklicherweise ließ er sich von diesem Missgriff nicht aus dem Konzept bringen. Was zum Teufel treibt Leute dazu an, eine (sehr gute) Band mit Bechern zu bewerfen? Das ist mir bis jetzt immer noch ein Rätsel. Zum Leidwesen der nachfolgenden Bands sollte dieser eine an diesem Abend nicht der letzte sein. Das trübte hingegen nicht die Spielfreude der Leute auf der Bühne.

Nachdem auch Finntroll ohne Zugabe von der Bühne verschwanden wurde es nun Zeit für die wirklich harten Klänge an diesem Abend. Die Hobbyägyptologen Nile schickten sich an, den Posthof in Schutt und Asche zu legen. Doch vorher musste natürlich ein Soundcheck her und dieser dauerte verdammt lange. Das lag unter anderem daran, dass keine Person der Band einen Roadie an ihre Instrumente ließ. Nile sind eben durchweg Perfektionisten. So musste es das Publikum auch hinnehmen, dass George Kollias alleine für die Abstimmung seiner Doublebass fast 15 Minuten brauchte. Vom Rest seines übermächtigen Drumkits (der Mann war kaum zu sehen hinter seiner Artillerie) ganz zu schweigen. Auch Karl Sanders und Dallas Toler Wade waren irgendwie überhaupt nicht mit dem Setting ihrer Klampfen zufrieden und drehten andauernd an ihren Amps herum.

Nach schier unendlich langer Zeit waren die Jungs dann doch endlich fertig (aber anscheinend doch nicht wirklich glücklich) und knallten dem mittlerweile sehr übersichtlich (ja, Nile spaltet immer noch die Gemüter) gewordenen Publikum ihren ersten Song The blessed Dead entgegen.

Die Energie, die von Nile ausgeht ist einfach unglaublich. Das merkten auch die Rettungskräfte und postierten sich zahlreich an der Absperrung um eventuell Verletzten sofort Hilfe leisten zu können. Was auch sehr positiv auffiel, war die Wasserausgabe vorne am Fotograben damit niemand aufgrund von Flüssigkeitsmangel umkippte. Die Securities verteilten ununterbrochen Wasserbecher.

Wer mal wieder für offene Münder sorgte, war der abartig schnelle George Kollias. Den Drumstil beschrieb sehr treffend Dallas Toler Wade, als er die Band vorstellte: And in the back, freaking his fucking drumkit: Mister George Kollias!

Übrigens haben Nile Zuwachs zu verkünden. Der Bass wird momentan von Chris Lollis bedient.

Nachdem die Band ihren letzten Song Black Seeds of Vengeance vom Stapel gelassen hatte und die Rettungskräfte trotz eines verdammt heftigen Moshpits nicht eingreifen mussten, war die Zeit für Six Feet Under gekommen.

Zusehends füllte sich die Halle wieder und nach einem recht kurzen Soundcheck betraten die Jungs um Chris Barnes die Bühne. Barnes selbst war vor lauter Dreadlocks (die mittlerweile bis über seinen Allerwertesten hinaus reichen) nicht zu sehen. Das einzige, was man von ihm mitbekam, waren seine markanten Schreie. Man merkt dem Mann übrigens seine fast 40 Jahre deutlich an. Zwar gab er sich recht agil, dennoch merkte man, dass seine Stimme über die vielen Jahre der Live Auftritte deutlich gelitten hatte. Bei manchen Ansagen hörte man eindeutig ein leises Gurgeln in der Stimme, als ob einzelne Lungenbläßchen vor sich hin oxidierten. Das tat aber dem Kultstatus dieser Band keinen Abbruch und SFU wurde gefeiert wie keine andere Band an diesem Abend.

Das sah wohl auch das Publikum so und toppte den Pit von Nile noch mal um Längen. Des Öfteren mussten nun die Sanitäter eingreifen, um unglücklich gelandete Crowdsurfer zu verarzten.

Das fiel auch dem Fronter auf, was er mit einem Blick in Richtung einer recht kleinen weiblichen Person in der ersten Reihe äußerte: Are you ok? Hey, this girl in the front is gettin‘ squished! But I like people gettin‘ squished!

Dem Mädel war anscheinend nichts passiert. Anders erging es einem anderen Individuum. Mit Kopfverband, aber hoch motiviert wurde zwischenzeitlich ein Crowdsurfer gesichtet. Bei diesem Anblick konnte sich selbst der Chef der Rettung ein Lachen nicht verkneifen.

Nachdem auch SFU ihren Dienst getan hatten, leerte sich die Halle recht zügig.

Alles in allem (bis auf die Sache mit der Gästeliste) war das Metalfest ein sehr gelungenes Konzert mit verdammt guten Bands.

Da bleibt nur zu sagen: Gerne wieder!

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