Anfangs als Prog-Rock-Truppe unterwegs, ließ der wirkliche Durchbruch auf sich warten. Ein Jahr nach Release auf „Styx II“, bekam ihr Song „Lady“ reichlich Radio-Airplay, wurde daraufhin als Single veröffentlicht und schoss in den US-Charts bis auf Platz 6.

Der Styx begann andererseits erst so richtig zu plätschern, als Tommy Shaw den während der 75er „Equinox Tour“ ausgestiegenen John Curulewski ersetzte. Mit dem neuen Gitarristen und Sänger stand Dennis DeYoung nun ein mehr als ebenbürtiger Songwriter zur Seite, was sich kommerziell auszahlte. Alle folgenden sechs Platten bis zur vorübergehenden Auflösung der Band 1984, erreichten Platin-Status, und Styx zählten zu den größten Rockbands der USA.

Hierzulande verbindet man mit dem Namen Styx, wenn überhaupt, vor allem den NDR 2-Evergreen „Boat On The River“ aus dem Album „Cornerstone“ (1979), eventuell noch den Kuschelrock-Schmachter „Babe“ (ebenfalls „Cornerstone“) oder „Mr. Roboto“ (Kilroy Was Here, 1983). Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann sich zum Einstieg meinetwegen eine Best-Of-Compilation zulegen, besser aber ein komplettes Studioalbum, z.B.: „Pieces Of Eight“, dem man die Prog-Vergangenheit zwar noch anmerkt, das aber bedeutend straighter ausfällt. Ein Meeting relaxter Rush und Journey ohne Jahrhundertsänger. Ergibt pompösen, Kniff bestreuten Hard Rock, acht potentielle Hit-Singles und zwei ein- bzw. ausleitende Instrumental-Stücke.

Die Lead Vocals teilen sich Tommy Shaw, Dennis DeYoung sowie James Young, während man die Refrains gemeinsam auf den höheren Stufen der Tonleiter verbringt. Mit „Great White Hope“ und seinem hinreißenden, pseudo-sinfonischen Synth-Geklimper, gestaltet sich der Zugang nur verhältnismäßig komplex. Was folgt, zündet auf Anhieb: Der ausgelassene Singsang bei „I’m Okay“ wie der besiegende Bombast in „Lords Of The Ring“ und dem Titelsong. Die betont freudige Ballade „Sing For The Day“ mag da noch eine Ausnahme bilden. Etwas too cheesy geraten, lohnt aber auch hier bald kaum die Gegenwehr, und der einzige Schwachpunkt ist ein beinah vermeintlicher. Die treibenden Stücke „Blue Collar Man (Long Nights)“ und „Renegade“ sind zwei DER Signature-Tracks von Tommy Shaw, welche das erst schmusige, dann massiv riffende „Queen Of Spades“ gebührend zwischen sich betten.

Wer auf AOR klarkommt, braucht dieses Album, braucht überhaupt Styx. Nach „Pieces Of Eight“ gab es geteilte Meinungen über die zukünftige musikalische Ausrichtung. Shaw bestand auf stärkere Orientierung am Hard Rock, DeYoung setzte sich schließlich mit seiner melodiöseren, noch mainstreamigeren Vorstellung durch. Trotzdem sind auch spätere Taten kaum weniger empfehlenswert.

Tracklist:

  • 01. Great White Hope
  • 02. I’m Okay
  • 03. Sing For The Day
  • 04. The Message
  • 05. Lords Of The Ring
  • 06. Blue Collar Man (Long Nights)
  • 07. Queen Of Spades
  • 08. Renegade
  • 09. Pieces Of Eight
  • 10. Aku-Aku