Um 4 Uhr in der Früh traf sich die Sippe im Hof der Färber-Niederlassung. Wider Erwarten waren alle Teilnehmer am Wagentreck Richtung Südtirol pünktlich eingetroffen und man konnte ohne schuldhaftes Zögern abfahren. Bereits nach wenigen Metern Fahrtstrecke genoß man den Anblick der im Bau befindlichen Franzen-Burg, die einen weiteren Markstein in der Beherrschung des Heimatgebietes bilden wird. Der Wachhügel wird nun tatsächlich bewacht.

Die Bauleitung an der grimmen Festung ist auch der Grund dafür, daß die Herren der Veste in diesem Jahr nicht mit in die Ländereien jenseits der Alpen reisen konnten. Als einzige Vertreterin dieses Familienzweiges nahm Nachwuchs-Hooligan Annemarie an der Unternehmung teil. Auch Familien-Spaßminister Micha sowie seine ihm gesetzlich angetraute Nina waren nicht mit von der Partie. Der Grund dafür war ein Staatsbesuch bei einem anderen rebellischen Volk – den Schotten, die sich ja seit Urzeiten als Nicht-Briten fühlen. Dies führt zu einer besonderen Geistesverwandtheit mit den überzeugten Nicht-Bayern (Franken) und den Nicht-Italienern (Südtirolern). Doch auch die insofern dezimierten Horden werden wohl ausreichen, das Zielgebiet wiederum in Angst und Schrecken zu versetzen.

Samstag, 17.06.2000: Ankunft Schneidlhof, Sparber Pizza und Sandgruber

Die Fahrt verlief so harmonisch wie selten. Der Asphaltstrang schien zuweilen wie leer geräumt, was wohl der hervorragenden Arbeit der gedungenen Vorhuts-Büttel zuzuschreiben ist. Nur an der Mautstelle Schönberg (an der die dummen Menschen sich nicht entblöden, seit Jahren Wegzoll von unserem Clan zu fordern) stockte der Verkehr etwas, was auch an einem dreisten Fuhrunternehmen mit dem Namen Rindfleisch lag, der dieses Nadelöhr zum Verweilen mißbrauchte. Zugute muß man diesem unverschämten Gesellen nur halten, daß er durch seine lächerliche Namensgebung den Clan-Verbund erheiterte und er außerdem jubelnde Fans unserer Truppe transportierte. Allerdings wurde schon mancher Hofnarr einen Kopf kürzer gemacht, wenn er den Geschmack der Herrscher nicht traf – er sollte sich also in Zukunft genau überlegen, wo er sein armseliges Gefährt parkt! An diesem Tag hatte er jedoch Glück, weil justament dem Oheim danach war, eine bereits in weiten Teilen Sachsens berühmte Kopfbedeckung zu tragen, was ihn gleichermaßen daran hinderte, Herrn Rindfleisch zu solchem zu verarbeiten. Jedenfalls kam man in Rekordzeit im Dorf Tirol an und machte sich nach dem Genuß des starken Begrüßungsfeuerwassers sogleich auf zum Sparber-Wirt, um bei der Dezimierung von Mafia-Torten behilflich zu sein. Nach einem erquickenden Schläfchen, das der Oheim mit den Worten „Eich bei mei wie Sau, obber eich ko nit schloufm…“ einleitete, trabte der Clan zum Sandgruber, um örtliche Spezialitäten einzunehmen. Die Gattin des in diesem Jahr wieder teilnehmenden Präsidenten – Frau Hilary Heth – machte sogleich auf sich aufmerksam, als sie ihrem Gatten folgenden zweckdienlichen Hinweis gab: „Deina Ferz stingn heit bestialisch!“. Der Chronist meint, dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Gegen 20.15 Uhr kehrte die Blase zur Unterkunft zurück, um das Spiel der deutschen Nationalelf gegen den Erbfeind aus Albion zu verfolgen und natürlich der Zerstückelung dessen beizuwohnen. Dabei hatte man sich jedoch arg getäuscht, den die Briten siegten zwar unverdient, aber doch, mit 1:0. Dem Verbleib der müden Kicker in der Europameisterschaft kann nur noch mit viel Glück oder der Hilfe familiärer Einflußnahme nachgeholfen werden. Somit war man nicht sehr aber doch geknickt und nahm nur noch einen kurzen Schlaftrunk, bevor nach einem harten Tag auch die aufrechtesten der Familie in einen tiefen Schlummer fielen. Gottseidank hatten dazu alle ihre Bettstatt aufgesucht und sich nicht (wie in den Jahren zuvor zuweilen) an allen möglichen Plätzen zur Nachtruhe niedergelassen.

Sonntag, 18.06.2000: Schloß Thurnstein und Schneidlhof

Am ersten Morgen in Dorf Tirol hatte ein Teil des Clanes Probleme mit dem Hören des Weckers oder besser gesagt mit der Reaktion auf das mißklingende Geläute. Ohne sich groß von der Vortagsniederlage der Deutschen Elf die Laune vermiesen zu lassen, begab man sich zum Frühstück. Dies war heuer etwas besonderes, da seit langem der Präsident wieder einmal dabei war und dem untergebenen Volk das hochherrschaftliche Spiel seiner Kaumuskeln darbot. Außerdem benannte er seine engsten Untergebenen: Oheim Marko wurde zum Mineralsekretär und der rechten Hand bestimmt. Als dessen Hilfsschergen ernannte der Präsident Dominik und Benedikt von Zelchingen. Nach althergebrachter Sitte war das erste Ziel der Horde das Schloß Thurnstein, in dem man ein kühles Hefeweizen zu sich zu nehmen gedachte. Auf dem Marsch dorthin hegte man gleich die übelsten Befürchtungen, da eine große Gruppe von Fußlappengeschwadern den gleichen Pfad eingeschlagen hatte. Man wollte ja schließlich nicht wieder Gefahr laufen, daß der präsidiale Balkon von holländischen Käsefetischisten geruchlich verseucht aufgefunden würde. Als man bereits mit locker über dem Colt hängenden Händen auf die Terrasse trat, fand man sie zur allgemeinen Befriedigung jedoch größtenteils leer vor.

Anscheinend hatte sich das Auslegen von vergifteten Correga Tabs und mit Arsen versetzten Granufink-Kapseln im Vorjahr doch gelohnt. Auf dem Rückweg kehrte man im neuen Tiroler Hof ein, wo man bei grandioser Aussicht das Mittagessen genießen wollte. Ein Teil der Familie konnte dies hernach ohne Probleme behaupten. Ein anderer Teil wurde jedoch in einen der größten Skandale verwickelt, die der Alpenraum jemals erlebt hat: Den Dorf Tiroler Lasagne-Skandal! Melle von Selbitz erhielt die ihr zugedachte Portion. Als das Mahl zur Hälfte in ihrem Schlund verschwunden war, bemerkte sie, daß der Koch ihr Teil wohl mit einer Portion Eis mit heißen Himbeeren verwechselt hatte, wobei die Lasagne den Part des Eises übernommen hatte. Nach einer Mitteilung ans Gesinde wurde der Nudelauflauf nochmals gewärmt und wieder dargeboten. Dies erweckte sogleich das Mißtrauen von Melle, die argwöhnte, daß der Kellner ein minderwertiges Stück geliefert hatte. Der bestritt dies jedoch vehement und bot sogar an, ihr das alte Stück nochmals zu zeigen. Da der Koch vermutlich peinlich berührt das kalte Futter bereits in die Tonne getreten hatte, konnte er dies leider nicht mehr ausführen. Der Fall wurde bereits zu den X-Akten des FBI weitergeleitet.

Der Nachmittag verlief mit mannigfaltigen Beschäftigungen rund um den Schneidlhof. Lesen, Kaffee saufen und dummes Gerede war angesagt. Bei einem klassischen Spiel bot Junker Ben Melle einen Tausch Tempo-Taschentuch gegen Gedraa oder Erz an. Den Abend verbrachte man mit tollen Geschichten aus der Vergangenheit, Kampfszenen mit Klein Annemarie – die sich allen Mitgliedern der Familie in Punkto Brutalität und Skrupellosigkeit weit überlegen zeigte – und allgemeinem Weingluckern. Junker Ben wurde mit dem Vorwurf konfrontiert, eine im Kühlschrank gelagerte Bauernwurst gefressen zu haben, was erster Scherge Dom mit diffizilen Verhörmethoden („Dou host die Woscht gfressn, geibs zou!“) aus ihm heraus bekam. Ben hatte jedoch gar nicht die Absicht gehegt, überhaupt zu leugnen. Daher erscheint Doms Erfolg in einem etwas weniger hellen Licht. Zum ersten Mal in diesem Jahr ging das Bier aus, was vor allem bei Dom und Oheim große Verzweiflung auslöste. Birgit versuchte sich zu späterer Stunde noch im Aufräumen von leeren Flaschen, was allerdings mehr zu einer Jongliernummer größter Qualität geriet. Nun ja, Scherben bringen ja Glück.. Nach ihrem großen Erfolg suchte sie singend ihr Quartier auf.

Oheim, der zu ungefähr der gleichen Zeit einen immensen Darmdruck verspürte, hatte noch eine Begegnung mit Frau Andrea von Zelchingen, die genauestens das Sickerwasser in der Toilette betrachtete und beabsichtigte, es irgendwann durch Anschreien zu größerer Disziplin zu bewegen. Nachdem sich der Oheim aber gezwungenermaßen unerbittlich zeigte, suchte sie wieder ihr Gemach auf und schlief ein. Die Taten, die Oheim allerdings sogleich vollbrachte, zeigten dem Sickerwasser in der Schüssel ohnehin, wo sein Platz und seine Aufgabe waren…

Im Nachgang ist noch zu erwähnen, daß sich durch erfolgreiche Anwerbungsversuche von Frau Birgit ein großartiger Hofmaler namens „Roger von Tirschen und Reuth oder zumindest von irgendwo da in der Nähe“ angeschlossen hat, der durch hochklassige Zeichnungen und Karikaturen von Reiseteilnehmern sofort in das Special Forces Team der Familie aufgenommen werden kann.

Montag, 19.06.2000: Waalweg Algund zur FORST Brauerei und Meran

Auf diesen Tag freute sich jeder wie Sau! Der Plan war nämlich, der familieneigenen Forst-Brauerei einen Besuch abzustatten. Der Troß machte sich zunächst auf den Weg in Richtung Algund, um mittels des gleichnamigen Waalpfades das Ziel zu erreichen. Obwohl man schon seit Jahren predigt, daß zum Laufen (gerade im Gebirge) auch das geeignete Schuhwerk nebst Strümpfen gehört, denkt ein (meist weiblicher) Teil der Familie immer noch, daß die barfuß absolvierte Kindheit die Füße fürs restliche Leben genügend abgehärtet hat. Dies trifft aber nicht einmal auf hochländische Frankenwald-Quanten zu. Speziell Frau Birgit mußte dies schmerzhaft erfahren, denn kaum war ca. 1 Millionstel des Weges geschafft, gab es bereits schmerz- und blasenbedingte Ausfälle. Dies hat jedoch nichts mit Pullern zu tun. Beim Abstieg ins Dorf traf man auf ein paar faul in der Stadt herumlümmelnde Rinder, die sich zum Herumfläzen allerdings den Hintereingang einer Metzgerei ausgesucht hatten. Gerüchte behaupten hartnäckig, die Viecher wären bereits im nachfolgenden Mittagsmahl der Sippe erneut aufgetaucht.

Nachdem man trotz einer Umleitung (die vermutlich zum Abfiltern von österreichischen und holländischen Dumpfnasen gedacht war) den offiziellen Biergarten erreicht hatte, konnte man sich vor Begeisterung kaum halten. Das Lokal bot selbst für präsidiale Ansprüche Zerstreuung vom Feinsten! Zuerst trank man ein Bier, dann ein Bier und zur Abwechslung ausnahmsweise mal ein Bier. Nachdem man sich noch ein Bier genehmigt hatte, trank man ein Bier und nebenbei nahm man auch vorzügliche feste Nahrung zu sich. Annemarie zeigte unterdessen einen tollen Stunt, als sie versuchte, den gesamten Sand des Bodens auf ihrer Kniescheibe zu sammeln. Dies gelang ihr recht gut! Hernach nahm man noch ein Bier zu sich und auf ging’s nach Meran, um dort Einkäufe für den geplanten Grillabend zu tätigen. Die Nachtruhe von Dorf Tirol wurde an diesem Abend durch kichernde Weiber gestört, die sich über schweinische Bilderrätsel amüsierten. Dies sollten sie fürderhin vermeiden, denn Heiner von Naila wollte bereits schwächeren Geschöpfen (z. B. dem ortsansässigen Gockelhahn) an den Kragen.

Dienstag, 20.06.2000: Longfall und Ungericht

Es ist bereits eine gute alte Tradition geworden, daß am Urlaubsdienstag die erste größere Gesamtschwäche ausbricht. In diesem Jahr war dies besonders fatal, da der allmächtige Präsident zugegen war, der auf diese Art und Weise natürlich aus erster Hand über die Wehrschwäche seiner Untergebenen informiert wurde. Dunkle Ahnungen von der Familie überlegenen Käsefressern ziehen an einem schwarzen Himmel auf! Anlaß für die Schwäche und Zankapfel war wieder einmal der Weg zum Longfall. Gut, die Steigung dorthin ist immens und bereits der Gedanke daran bringt die Oberschenkel- und Wadenmuskulatur der familiären Sandalenträger sofort zum Erlahmen. Insofern muß man den einen oder anderen Aussteiger durchaus verstehen. Doch werden es von Jahr zu Jahr weniger, die sich an den Aufstieg wagen. Es sind halt einfach diejenigen, die eher an das dort erhältliche Kapuziner als an die dazu gehörigen Strapazen denken…

Somit ergab sich, daß nur vier Aufrechte den Berg hinauf hechelten. Eine weitere Vierergruppe nahm den relativ leichten Weg nach Küns, um mit den Longfallern um die Mittagszeit dort zusammenzutreffen. Der Rest der Truppe ging seinen eigenen Geschäften bzw. Trieben nach. So hatte jeder einen schönen Tag. Der Berichterstatter gehörte zu denen, die sich bis ganz nach oben quälten. So konnte er live dabei sein, wie der Longfallwirt sein phänomenales Gedächtnis präsentierte. Er wußte nämlich, daß unsere Truppe jedes Jahr dort auftaucht und daß dies stets um Fronleichnam herum geschieht. Außerdem fragte er, wo denn der Rest sei, denn ihm war auch bekannt, daß wir normalerweise deutlich mehr Personen in die Hütte hinaufbefördert hatten! Bei der Frage nach den Schuhgrößen der einzelnen Leute mußte er aber (gottseidank!) passen. Auf den letzten Metern in Richtung Ungericht wollte der an diesem Tag völlig zu unrecht als Sensibelchen bezeichnete Oheim wahnsinnig gewieft bereits telefonisch die Getränke bestellen. Zu guter letzt schaffte er dies auch, aber bei seinem ersten Versuch rief er über 2 Mobilfunknetze und unter Zuhilfenahme des Roamings und mindestens 8 Satelliten bei einem Handy an, das sich in seinem eigenen Rucksack befand…

Nachmittags trafen sich alle wieder an der Unterkunft und gegen Abend wollte man sich gemeinsam Essen vom Pizza-Sparber bestellen. Fredeward von Zelchingen opferte sich und machte sich auf den Weg dorthin, um ein Verzeichnis mit den dort erhältlichen Delikatessen zu holen. Obwohl die Sippe schon oft dort verkehrte und auch immer ihre Rechnungen pünktlich bezahlte, zickte Sparber herum wie eine 15jährige und wollte keine Karte herausrücken! Als Fredewart mit Prügeln drohte, bekam Sparbie es doch mit der Angst und gehorchte. Im nächsten Jahr sollte man gleich am ersten Tag die Kneipe zerlegen, damit der Kerl weiß, wo er steht! Das Mahl war wohlschmeckend, die Getränke ausreichend und nun freute man sich auf den nächsten Höhepunkt des Tages: Deutschland gegen Portugal! Die Qualifikation für die nächste Runde war noch zu schaffen. Rumänien mußte England rumsen und unter dieser Voraussetzung hätte ein ordnungsgemäßer Sieg der Teutonen ausgereicht, um die Inselaffen in die Röhre gucken zu lassen. Doch oh Weh!! Man wurde der größten Schande ansichtig, die sich die deutsche Nationalmannschaft jemals geleistet hat! 0:3 unterlag man der 2. Mannschaft der Portugiesen! So schied man zurecht mit einem lächerlichen Punkt und einem lächerlichen Tor aus der EM 2000 aus! Die einzige Freude war, daß auch England unterlag und die wackeren Rumänen das Halbfinale erreichten. Denn auch die Briten hatten es nicht verdient! Eine Zeitlang saß man ein wenig geschockt vor dem Haus herum, bevor man sich zu Bett begab. Zum Glück muß man sagen, daß die Erwartungshaltung eh nicht besonders groß war, so konnte man sich zumindest den Urlaub nicht vermiesen lassen…

Mittwoch, 21.06.2000: Greiteralm – Greiter Bier und Gulaschsuppe

Ernst Clan Greiter Alm / Bier

Ernst Clan Greiter Alm / Bier

Durch die Erfahrungen des letzten Jahres schlauer geworden, legte man sich für den diesjährigen Greiter-Besuch eine völlig neue Marschroute zurecht. Schon am Vortage hatte sich die Abordnung Fredewart und Oheim auf die Socken gemacht, um den Weg allgemein etwas weniger gefährlich und auch weniger beschwerlich auszukundschaften. So fuhr man mit der allgemeinen Droschke zuerst nach Meran und dann bis zu einer genauestens ermittelten Bushaltestelle, die exakt einen Kilometer vom Einstieg in die Bierstraße entfernt war. Leider mußte man dauernd bergauf laufen, aber die Alternativroute wäre entweder die Schlucht gewesen oder eine 4 Kilometer weiter oben gelegene Haltestelle. Dies wollte man den bereits im letzten Jahr dabei gewesenen Veteranen aber ersparen, da man auch davon ausgehen mußte, daß die Römer in diesem Jahr eventuell sogar mit Onagern und Wurfböcken im Wald lauern würden, da letztes Mal die gesandten Fußtruppen nicht ausgereicht hatten. Außerdem konnte man sich auf diesem Weg von der anderen Seite anschleichen und ließ dem Wirt keine Chance, vorsichtshalber ein Ruhetag-Schild oder so etwas an der Tür anzubringen.

An Ort und Stelle zeigte man ein paar Hamburgern, was richtige Gläser sind (die Fischköpfe hockten nämlich mit 0,2l-Reagenzgläsern recht peinlich in der Gegend herum, während das fränkische Geschwader sich aus Maßkrügen bediente!) und verzehrte ausgezeichnete Gerichte. Als besonders wohlschmeckend erwies sich die gereichte Gulasch-Suppe. Wieder versuchte man, den monatlichen Bierausstoß an einem Tag zu vernichten, was im großen und ganzen auch gelang. Auf dem Rückweg hielt man an der offiziellen Flutstelle an, um zu Brunsen. Etwas weiter unten machte sich die First Lady einen Spaß daraus, ein großes Stück des Weges auf dem Rücken hinunterzurutschen, was auch Gerhard von der Burg so gut gefiel, daß er es ihr in einem Waldstück gleich tat. Der Präsident geruhte nach einem vergeblichen Versuch, die Sänfte von Annemarie zusammenzuklappen, in Wut auszubrechen. Bevor er jedoch das Fahrgerät in den Abgrund werfen konnte, schritt Oheim ein und trug den Wagen auf dem Rücken ins Tal.

Später mußte Hilary auch noch ärztlich versorgt werden, als ihre Super-Light-Wanderschuhe ihren Fuß beinahe vom Bein trennten. Wieder in Meran angekommen, bestieg man den Bus und ließ sich ins heimatliche Dorf Tirol kutschieren. Am Abend ritt man zu Ofenbauer, um gegrillte Spezialitäten zu verzehren. In gewohnter Qualität wurde man dort von einer angesagten Alternative-Metal-Grunge-Kapelle unterhalten. Dieses Jahr hatte sich der Festival-Manager die berühmten „Bloodhound Buam“ unter Vertrag genommen. Man konnte sich vor Ort nicht entscheiden, was einen mehr quälte: Die nervenden Stechfliegen oder die Band. So kehrte man leicht unschlüssig in die Unterkunft zurück, um den Tag ausklingen zu lassen. Zur großen Überraschung aller legten sich an diesem Abend die Leute zuerst zur Ruhe, die ansonsten bis in die Puppen lumpern. Sensibelchen Oheim machte das Licht aus und sperrte die Tür zu… Soviel dazu…

Donnerstag, 22.06.2000: Seilbahn zum Hirzer auf ein paar Hefeweizen

Nach der anstrengenden Tour vom Vortage, die vor allen Dingen die „Bergab-Muskeln“ beansprucht hatte, war man sich einig, es heute etwas ruhiger angehen zu lassen. So fuhr der ganze Haufen mit Privatkutschen zur auf den Hirzer führenden Seilbahn. Als man dort ankam, zog es Frau Birgit vor, sich fluchtartig wieder zu entfernen, weil sie den Begriff Seilbahn irgendwie anders aufgefaßt hatte. Vielleicht war sie aber auch nur auf das in den Bereich des möglichen gerutschte Familien-Erbe scharf, sollte der Blechkasten abstürzen. Niemand wußte das so genau und keiner fragte danach. Sicher oben angekommen, lenkte man den Schritt gen Staffel-Hütte, die man schon einige Jahre vorher einmal besucht hatte. Nach einem Wahnsinns-Marsch von 20 Minuten Dauer ließ man sich dort nieder und bestellte Hefeweizen und solche Sachen. Zum Entsetzen der Hefe-Fraktion gab es jedoch nur Erdinger. Welch eine Gülle! Den fürstlichen Gaumen der Familie so etwas vorzusetzen, grenzt schon an eine große Unverschämtheit! Der dort lebende Wirt war ein lustiger Gesell, der auch als Fränza-Adolf der Alpen bekannt ist. Das Gebilde, das er auf dem Kopf trug, ähnelte eher einem großen Hautlappen als einem Hut.

Allerdings soll es Menschen geben, die um 1989 herum gesehen haben wollen, wie er die Mütze einmal abgenommen hat. Sein Name ist übrigens Georg, die lustige Flitzpiepe. Außerdem trägt er eine Feder bei sich, mit der er zum einen die Bestellungen aufnimmt, zum anderen den willigen Gast im Gaumen kitzelt, sollte sich einer mit der dargereichten Portion übernommen haben. Nach einer längeren Verweildauer schleppte man sich den Pfad wieder zurück zur Bergstation und wurde im Familienverbund (also ohne lästige Bustouries etc.) sanft zu Tal geschaukelt. Den restlichen Nachmittag nahm sich jeder seine eigenen Dinge vor, wie Eis essen, Gold und Geschmeide aus den ortsansässigen Schatzkammern plündern oder einfach nur dumm herumsitzen und noch dümmer labern. Nebenbei wurde man auch noch Zeuge der Ankunft eines Busses beim Nebenhaus, der den „Schrei- und Brüllclub Eschwege“ enthielt. Man sollte es nicht glauben, aber dieser Haufen plärrte ca. eine Stunde derartig herum, daß man schon fast zu den Schwertern greifen wollte. Die Proletenschar entzog sich der gerechten Bestrafung allerdings durch schnelle Flucht. Der Abend wurde gekrönt von einem gemeinsamen Nudelmahl vor dem Haus und von zwei Versprechern: „Dann mußte ich den weiterverbindeln..“ von Oheim und „Pianistenpralinen“ (statt Piasten) von Melle.

Freitag, 23.06.2000: Algunder Waalweg, Marlinger Waalweg und Lanawaalweg

Nach alter Erfahrung ist der Freitag der Tag, an dem jeder seinen Einkäufen nachgeht, die Familienmitbringsel sammelt oder sich ganz einfach auf die Heimfahrt vorbereitet. Eine Gruppe suchte einen Schnapsbrenner in Marling auf, die andere Gruppe begab sich nach Lana, um den Supermarkt zu überfallen und ein kleines Häufchen fuhr mit dem Sessellift nach Meran. Zwei der letzten Aufrechten setzten jedoch den lange gehegten Plan in die Tat um, die Mega-Waalweg-Tour abzulaufen. Oheim und Dom latschten um halb 10 los, um via Algunder Waalweg, Marlinger Waalweg und Lanawaalweg einen großen Teil des Etschtales zu umrunden. Mit einer reinen Laufzeit von 3.45 Stunden hielt man sich ganz gut, da der Oheim bis Algund von harten Waden gequält wurde. Fredewart stellte sich zur Verfügung, die müden Wanderer am Endpunkt des Weges abzuholen, damit sich die erschöpften Krieger nicht noch mit Businsassen herumzuquälen hatten. Gegen Abend suchte ein Teil der Familie unter Zuhilfenahme des Kofferraumes den Lindenwirt auf, um eine riesige Steinofenpizza einzunehmen. Ungefähr zeitgleich brach ein großes Gewitter los. Es hatte also ganz den Anschein, daß sogar der Himmel über die bevorstehende Abreise unserer Gesellschaft weinen mußte. Im Gedenken an die samstägliche Heimfahrt gingen alle relativ früh zu Bett, um den Fährnissen des folgenden Tages ausgeruht begegnen zu können.

Samstag, 24.06.2000: Protest am Brenner

Zu nachtschlafender Zeit trommelte man sich gegenseitig aus dem Bett. Die Kutschen waren schnell beladen, das Frühstück sogleich eingenommen. Als man sich von den Wirtsleuten verabschiedet hatte, machte man sich schleunigst auf die Socken, da für diesen Tag wieder einmal im Land der dummen Menschen großes Ungemach lauern sollte. Die Brenner-Autobahn war wieder einmal aus Protestgründen gesperrt.. Welch ein Scheiß! Trotzdem fuhr man in diese Richtung, weil man sich für schlauer als den Rest hielt. Und man hatte Recht. Nicht ein einziger Meter Stau befand sich auf der gewählten Route, weil alle anderen aus Furcht die Ausweichstrecken befuhren und dort eine große Blechlawine auslösten. So schaffte man es in Rekordzeit, zu Hause anzukommen. Einzig ein großes Regengebiet im heiligen Nürnberger Raum vermochte es, die Helden ein klein wenig aufzuhalten. Da man es in diesem Jahr vermied, in Österreich zu tanken, kamen auch alle Kutschen ohne Schaden wieder in die Heimat zurück. Zu Ehren der wiederkehrenden Helden veranstaltete man in Lippertsgrün noch am selben Abend ein großes Fest.

© 2000 by OHEIM66(6)

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