Nach einer relativ ereignislosen Fahrt erreichen wir mittwochs Abends die Ausfahrt „Dinkelsbühl“. Gespannte, nein, angespannte Gesichter verfolgen jede Bewegung des Vorderautos: wo wartet das Stauende? Wie viele Stunden sind es diesmal? Und erst an der Schleuse ein erstauntes Aufatmen – Wartezeit fünf Minuten, Kontrollzeit zehn Minuten und „zack“ sind wir drin. Ein überaus dickes Lob an die Veranstalter, die das Chaos vom letzten Jahr effektiv ausgemerzt haben.

Leider keine Fotos

Der musikalische Donnerstag begann mit Vader, deren letzte Töne wir mitbekamen und ihnen immerhin einen amtlichen Sound bestätigen können.

Den haben auch Grand Magus aus Schweden. Die Doomwalzen passten zwar nicht ganz zur Tageszeit, boten ihre Show aber unglaublich intensiv dar. Live ist das Trio, das ständig irgendwas von Wölfen erzählt, jedenfalls eine Macht.

Somit wieder gnädig gestimmt lässt man auch die eher nervigen ‘Unheilig in ihrer Totengräber-Kluft über sich ergehen. Der haarlose Fronter hat zwar viel Energie, aber die Mucke ist nun mal was für „Fledermäuse“, wie Gothic-Fans von diversen Metallern gerne mal genannt werden.

Ganz im Gegenteil dazu Equilibrium, die auch sehr viel Energie ins Publikum übertragen. Eben jenes ist trotz nachmittaglicher Zeit auch schon beachtlich und rastet bei Songs wie „Met“ auch gut aus. Macht Spaß, den Münchenern zuzuschauen. Mit einem Grinsen auf den Lippen drehe ich mich um und sehe – rosa. Zeit zu rennen! Leider erwischen mich J.B.O. kalt von hinten, so dass doch einige völlig unlustige Textzeilen an mein Ohr dringen. Das schreit nach Wein.

Entsprechend glücklicher geht’s kurz später zu Kreator. Wer diese Band einmal gesehen hat, der weiß, wie die Show abläuft. Trotzdem sind Mille und Co. Immer wieder ein Vergnügen. Mit „Hordes Of Chaos“ beginnend wird sich durch ein schönes Set gethrashed, bis es wieder Zeit ist, die Flagge des Hasses zu hissen. Großes Kino! Da kann man sich auch mal einen Jäger gönnen und die ersten Klänge der Backyard Babies reintun. Nette Musik zum trinken und live auch recht ordentlich.

Mit genügend Mut geht’s weiter ins Zelt zu Anaal Nathrakh. Gut ist auch anders, aber schnell und fies sind sie. Einmal Ohren durchpusten lassen und weiter geht es, um den lieblichen Klängen des „Cantus Buranus“ von Corvus Corax zu lauschen. Leider ist mir ein Liter Wein dabei im Weg, so dass ich den klassischen Klängen nicht wirklich folgen kann. Aber die Show ist sehr pompös aufgezogen.

Ganz im Gegenteil zu Misery Index, die mit einer aktiven Show und einem netten Brett auffahren. Das verleitet mich dann dazu, den nachfolgenden progressiven Weisen Katatonias zu lauschen. Die statische Show animiert zu so später Stunde leider sehr wenig, wenn sie auch zu den durchaus guten Songs passt.

Der nächste Tag beginnt mit The Haunted und Entombed: gleich zwei Bands aus dem gelobten Land Schweden geben sich hier die Ehre. Während The Haunted erstaunlich gut sind, kann ich den neuen Songs von Entombed immer noch nicht viel abgewinnen, obwohl der Auftritt insgesamt recht amtlich ist. Nach dieser Vollbedienung haben es Schandmaul deutlich schwerer, mein Ohr zu erreichen. Mag auch an dem schwedischen Tequilla liegen, der ja obligatorisch getrunken werden muss.

Die im weiteren Tagesverlauf spielenden Amorphis sind in großartiger Form und präsentieren sich besser denn je. Die neuen Songs wie „Silver Bride“ oder „Sampo“ kommen großartig an und lassen Amorphis zu dem definitiven Highlight des Festivals werden. Die folgenden Amon Amarth präsentieren sich wie üblich gut, aber auch nicht sehr kreativ. Irgendwie ist es seit Jahren immer das gleiche. Trotzdem ist „Twilight Of The Thundergod“ ein cooler Song und kommt auch gut bei der großen Menschenmenge an. Haggard haben es da schon deutlich schwerer, ihren Sound an den Metaller zu bringen und ich muss gestehen, dass ich mich nach einigen Minuten heimlich davongestohlen hab. Sowas muss einfach zu nachtschlafender Zeit auch nicht mehr sein. Dann lieber noch eine Köstlichkeit aus dem Tetrapak.

Pflichttermin am folgenden Tag waren die Excrementory Grindfuckers – also rein ins Partyzelt. Satanas! – und der Autor hatte gedacht, draußen sei es warm gewesen. Da hilft nichts, da muss ein Tequilla rein, sonst hält man es leider nicht bis zum Ende der durchaus amüsanten Show der Fuckers durch. Moonspell haben danach bei strahlender Sonne einen schweren Stand, ebenso wie die bemühten Legion Of The Damned. Schade eigentlich, weil beide Bands sich gut präsentieren. Das die Menge bei Volbeat tobt, ist dagegen klar. Das dargebotene überzeugte tatsächlich, denn Mr. Poulsen ist einfach auch ein geborener Frontmann. Die folgenden Kanadier mit dem altehrwürdigen Namen Voivod können mich dagegen nicht so recht begeistern. Heavy-Metal-Sound mit Elektroeinflüssen muss man einfach mögen, um hier Spaß zu haben.

Ebenso zu den großen Szenespaltern zählen Opeth. Meister Mickael Ǻkerfeld und seine Mannen sind ja eigentlich für ansehnliche Liveshows bekannt. Heute will der Funke aber nicht überspringen: Zu lang sind die Songs, zu wenig lustige Sprüche. Ziemlich enttäuschend, was die Stockholmer da abziehen. Daher geht es etwas enttäuscht auch zum Auto und in einer nächtlichen Odyssee gen Heimat.

Zusammenfassend kann man dem Summer Breeze aber wieder einmal bestätigen, dass es zu den besten Festivals Deutschlands gehört. Die Stausituation war sehr gut im Griff und auch sonst war alles wie immer absolut zufriedenstellend. Nur die Abschaffung des Tequillastands in Sichtweite der Bühnen nehm ich euch übel, Freunde – nicht, dass ich noch zu viele Bands auch mit eigenen Augen sehe.

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