Es liegt voll im Trend und buchstäblich in vieler Munde: Superfood. Es soll nährstoffreicher, gesünder und überhaupt viel besser sein als „gewöhnliche“ Nahrungsmittel. Als gewöhnliche Nahrungsmittel sieht der moderne Mensch heute Dinge wie Schinkenbrötchen, Pizza mit Salami oder Schnitzel mit Pommes. Bei letzterem liegt vielleicht noch Salat bei – und damit kommt man dem Superfood schon etwas näher. Dinge, über die sich der Mensch zum Teil sogar lustig macht, aber dennoch Nahrungsmittel sind, stellen oft noch das viel bessere Superfood dar. Wer hätte gedacht, dass die bitteren Löwenzahnwurzeln oder die unangenehmen Brennnesseln – beides störende Unkräuter im Garten – die Gesundheit fördern?

Das ist sogar noch besser als bei Popeye. Während der Spinat der Comicfigur nur Muskelkraft im Unterarm gibt, so versprechen Superfood-Artikel neben hoher Nährstoffdichte auch heilende Wirkung. Sogar schwere Erkrankungen wie Krebs, Hepatitis oder Alzheimer könnten durch diese Wundermittel vorgebeugt oder gar geheilt werden.
Doch was ist Superfood, wann darf sich ein Nahrungsmittel so nennen und halten diese die Versprechungen der Hersteller? All diesen Fragen soll nun auf den Grund gegangen werden.

Was ist Superfood und wann darf sich ein Lebensmittel so nennen?

Der Begriff „Superfood“ kam bereits Anfang des 20. Jahrhunderts auf. Er gewann aber erst in den letzten Jahren an Bedeutung. Eine offizielle und rechtlich bindende Begriffsdefinition gibt es nicht.

Vom europäischen Informationszentrum für Lebensmittel wurde als Definition die folgende eingeführt: „Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, die aufgrund ihres Nährstoffgehaltes einen höheren gesundheitlichen Nutzen als andere Nahrungsmittel haben“. Die Health-Claims-Verordnung legte fest, dass ein Nahrungsmittel erst dann als Superfood beworben werden darf (oder allgemeiner als ein Nahrungsmittel mit gesundheitsfördernden Eigenschaften), wenn dies durch ein strenges Zulassungsverfahren mit wissenschaftlichen Studien belegt wurde.

Das europäische Informationszentrum für Lebensmittel bemerkte jedoch, dass die wissenschaftlichen Studien zwar eine belegbare gesundheitliche Wirkung im Tierversuch haben, aber das bedeute noch nicht, dass sich die Resultate auch auf den Menschen übertragen lassen. Die Wirkung in Tierversuchen ist nicht immer komplett auf den Menschen zu transferieren, da der menschliche Körper anders arbeitet als der von Tieren und auch die übrige Ernährung den Effekt des Superfoods beeinflusst.

Dennoch seinen Superfood immer natürliche Produkte. Deren Verzehr bringt vielleicht nicht in allen Fällen die versprochene Wirkung mit sich, aber ungesund oder gar schädlich seinen sie grundsätzlich nicht. Und schmackhaft sind sie obendrein.

Welche Arten von Superfoods gibt es?

Wie bereits angesprochen gibt es keine offizielle Definition des Begriffes Superfood. Solange eine gesundheitsfördernde Wirkung beim Verzehr nachgewiesen werden kann, darf sich also grundsätzlich jede Art Lebensmittel so nennen. Entsprechend weit fächert sich das Spektrum solcher Wundermittel.

Am nächstliegendsten sind natürlich Obst und Gemüse als gesunde Lebensmittel. Manche Sorten erlangen ihren Ruf durch besonders hohe Mineralstoffgehalte oder eine große Bandbreite an Vitaminen. Anzuführen sind hier beispielsweise einige Beeren wie Johannisbeeren und Himbeeren, Hagebutte aber auch Papaya und Ananas, rohes Sauerkraut oder verschiedene Kohlsorten.

Doch nicht nur „Grünzeug“ ergatterte sich den Ruf als Superfood. Einige Gewürze verfügen über bestimmte Inhaltsstoffe, deren Wirkung nachweislich positiv für unsere Gesundheit ist und erhielten damit den Titel. Beispielsweise gehören Ingwer, Kurkuma und Oregano zu den Wundermitteln.

Dass auch die Samen mancher Pflanzen zu den Superfoods gehören ist garnicht so abstrus, wie es im ersten Moment klingen mag. Bei Kürbiskernen und Mandeln ist das zwar im allgemeinen noch bekannt, aber sogar die bitteren Traubenkerne sind gut für die menschliche Gesundheit. Spätestens hier trennen sich die Eigenschaften Superfood und guter Geschmack. Immerhin stellen Pflanzensamen die Basis eines neuen Lebens dar und sind daher voll mit Fetten, Enzymen, Mineralstoffen, Vitaminen und anderen chemischen Verbindungen, die für den Menschen genauso gesund wie für die Fauna sind. Nicht zuletzt haben sich auch einige Pilze den Ruf als Superfood ergattert.

Sogar ausgefallene Naturerzeugnisse bewähren sich als Superfood, beispielsweise Shiitake-Pilze, die Wurzel des in vor allem in Peru wachsenden Ginseng und Maca oder die Spirulina-Alge.

Genaueres zu einzelnen Superfood-Produkten

Nun wurde schon viel darüber geschrieben, was Superfood ist und welche Arten es gibt. In diesem Anschnitt soll es nun etwas spezifischer werden, indem einzelne Lebensmittel mit Superfood-Status und deren Wirkung beschrieben werden.

Green Food

Aus dem Namen kann schon fast abgeleitet werden, worum es sich bei diesem Überbegriff handelt: Um Gemüse. Dazu zählen Kulturgemüse wie Salat, Spinat oder Sellerie genauso wie Gartenkräuter, beispielsweise Petersilie oder Basilikum, und Wildpflanzen, etwa Löwenzahn und Brennnesseln. Früher waren diese Lebensmittel Hauptbestandteil der Nahrung. Heute geht der Anteil leider immer mehr zurück. Das ist schade, denn dieses Green Food stellt eine große Zahl an Proteinen, Vitalstoffe und Fetten bereit. Schon eine tägliche Ration von 200 Gramm liefert dem Menschen viele notwendige Spurenelemente wie Calcium und Eisen und Vitamine, beispielsweise Vitamin C, Vitamin K und Folsäure. Diese helfen dem Körper dabei, das Immunsystem zu stärken und sich besser gegen Demenz zu schützen. Sie wirken gegen Diabetes und Darmkrebs und unterstützen bei der Entgiftung.

Eine Untergruppe des Green Food, der besondere Heilwirkung nachgesagt wird, sind die Kreuzblütler. Zu diesen gehört sämtliches Kohlgemüse, wie zum Beispiel Brokkoli, Blumenkohl und Weisskohl, sowie Rettich, Radieschen und Meerrettich. Sie sind reich an Vitalstoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Einer davon ist das Glucosinolat. Es wird im Verdauungsprozess zu Stoffen metabolisiert, die entzündungshemmende und krebsfeindliche Wirkung haben.

Beeren

Für viele Menschen zählt beim Kauf von Obst und Gemüse leider vor allem die Optik. Ist ein Apfel nicht rund und gelb-rot, oder die Pflaume nicht gross und prall genug, so ist der Verbraucher vom Kauf abgeneigt. Was er dabei aber nicht beachtet – ganz einfach weil es nicht zu sehen ist – ist deren Nährstoffgehalt. Das Obst und Gemüse, das für den Käufer optisch den besten Eindruck macht, ist leider oft das mit dem geringsten Nährstoffgehalt. Es handelt sich bei diesem um Hybridformen, die durch Überzüchtung viele ihrer gesunden Eigenschaften verlieren.

Was von diesem Effekt weitestgehend verschon bleibt ist Beerenobst. Es punktet auch in der heutigen Zeit noch mit einer Vielzahl von Nährstoffen und Vitaminen. Egal, ob nun die Wahl auf Himbeeren, Brombeeren, Stachelbeeren oder doch auf die in neuster Zeit in Mode gekommenen Aciabeeren, Aroniabeeren oder Gojibeeren fällt: Jede hat den Titel als Superfood allemal verdient.

Ein bedeutender Stoff in Beerenfrüchten ist eine Verbindung aus der Gruppe der Ketone, das sogenannte Himbeerketon. Trotz der Namensgebung findet es sich nicht nur in der Himbeere, sondern auch in anderem Beerenobst. Chemiker nennen den Stoff Rheosmin. Er wirkt sich in unterschiedlicher Art positiv auf unsere Gesundheit aus. Er stimuliert die Ausschüttung des Neurotransmitters Noradrenalin. Dieser regt die Lipolyse an, also die enzymkatalysierte Fettverbrennung. Darüber hinaus erhöht das Keton den Adiponektin-Spiegel. Adiponektin ist ein Fettgewebshormon, das unter anderem das Hungergefühl senkt. Nachweislich geht mit einem zu niedrigen Aiponektin-Spiegel Fettleibigkeit einher. Damit reduziert das Hormon indirekt das Erkrankungsrisiko an Fettleber, Diabetes Typ 2 und Herzkrankheiten. Darüber hinaus schützt es vor allem Frauen vor Demenz.

Chia-Samen - Superfood: Was es ist, was dazu gehört und was es verspricht

Chia-Samen – Superfood: Was es ist, was dazu gehört und was es verspricht

Chia-Samen

Als Superfood-Produkte wurden Pflanzensamen bereits genannt. Der inzwischen populärste Vertreter dieser sind Chia-Samen. Die aus Mittel- und Südamerika stammenden Samen werden in Wasser zu einer gelartigen Substanz quellen gelassen und dann auf verschiedene Art verwendet. Ihre Klassifizierung als Superfood erhielten die Samen durch den hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien. Die ungesättigten Fettsäuren, zu denen auch insbesondere die Omega-3 Fettsäuren zählen, sind gegenüber den gesättigten Fettsäuren die gesünderen. Sie sind wichtig für den Körper, da einige Vitamine, wie beispielsweise Vitamin E, nur durch solche gelöst werden können. Ohne die Fettsäuren kann auch bei hinreichender Aufnahme solcher Vitamine der Bedarf des Körpers nicht gedeckt werden, da sie einfach unverdaut durch den Körper durchgehen. Den Omega-3 Fettsäuren wird überdies nachgesagt, den Blutzucker zu regulieren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu lindern.

Des Weiteren beinhalten Chia-Samen Antioxidantien. Diese haben physiologische Bedeutung als Radikalfänger, welche die Auswirkung chronischer Krankheiten verringern, die frühzeitiges Altern herbeiführen.

Um Antioxidantien und Omega-3 Fettsäuren zu bekommen, muss aber nicht unbedingt zu den teuren Chia-Samen gegriffen werden. Leinsamen, Rapsöl und Nüsse sind günstiger und eine genauso gute Quelle für Radikalfänger und die besonderen Fette.

Kurkuma

Dieses gelb-braune Gewürz, das als Pflanze in Südostasien wächst und zur Familie der Ingwergewächse gehört, enthält viele ätherische Öle. Curcumin ist der Stoff, der dem Gewürz seine Farbe verleiht und ist bis zu drei Prozent im Pflanzenwurzelstock, aus dem das Pulver gewonnen wird, enthalten. Es bringt einige gesundheitsfördernde Effekte mit sich, wodurch das orientalische Gewürz zum Superfood zählt. Es beugt Entzündungen vor, da es die Aktivität bestimmter Enzyme hemmt. Es verringert Zahl und Größe der Polypen und ist damit ein Hilfsmittel, um einer Erkrankung an Darmkrebs vorzubeugen. Auch das Brustkrebsrisiko wird durch Curcumin verringert, da es die Metastasen hemmt. Ferner fördert es die Knochengesundheit, stärkt das Immunsystem und die Leber. In Kombination mit etwas Pfeffer wird die Wirkung des Curcumin um bis zu 2000 Prozent erhöht. Der Geschmacks- und Schärfestoff des Pfeffers, das sogenannte Piperin, ist der Grund dafür. Es steigert die Bioverfügbarkeit des Curcumins. Wie schon die Chia-Samen verfügt auch Kurkuma über Antioxidantien.

Gerstengras und Weizengras

Diese beiden Gräser sind wahre Vitaminbomben. Sie werden entweder als Keimlinge mit dem Salat oder im Smoothie verspeist oder einfach als Pulver in allem Möglichen (Suppen, Dips, Aufstriche, …) verarbeitet. Dieses Superfood hat 60-mal mehr Vitamin C als Orangen und 50-mal mehr Vitamin E als Spinat. Darüber hinaus weist es einen ungewöhnlich hohen Anteil an Calcium und Vitamin B12 auf, die sonst fast nur in tierischen Produkten vorzufinden sind. Gerade für Vegetarier ist dieses Nahrungsmittel also von großer Bedeutung.

Von diesen großen, aber wissenschaftlich belegten Zahlen darf sich der Verbraucher aber nicht irreführen lassen. Denn von einer Orange oder Spinat isst man leichter größere Mengen als vom Weizengras oder Gerstengras, dessen Geschmack gewöhnungsbedürftig ist. Obst und Gemüse bleiben also eine gleichwertige, aber geschmacklich deutlich ansprechendere, Alternative.

Ginseng

Schon in der traditionellen chinesischen Medizin fand diese Wurzel eines Araliengewächses aus Ostasien Anwendung. In Tierversuchen wurde gezeigt, dass die Inhaltsstoffe der Wurzel Lernvermögen, Gedächtnisleistung und allgemein die kognitive Leistungsfähigkeit fördern und bei Stress und Abgeschlagenheit helfen. Ginseng hat eine blutverdünnende Wirkung und ihm wird nachgesagt, die Potenz zu steigern.

Spirulina

Die Spirulina sind eine Gattung der Cyanobakterien, besser bekannt als Blaualgen. Sie sind in Form von Pulver als Nahrungsergänzungsmittel auf dem Markt verfügbar. Über die Hälfte besteht aus Proteinen, ein weiterer großer Teil aus Kohlenhydraten und der Rest aus Fetten und Mineralstoffen. Unter den Vitaminen ist wie schon beim Weizengras das Vitamin B12 zu nennen. Darüber hinaus verfügt die Blaualge über Betakarotin, eine Vorstufe der Vitamine A, B und E.
Der einzig negative Punkt dieses Superfoods ist, dass oftmals ein recht hoher Gehalt an Schwermetallen nachzuweisen ist. Diese sind bekanntermaßen toxisch für Mensch und Tier. Sie schädigen Nieren, Leber und Hirn. Trotz vieler Proteine und Vitaminen ist die gesundheitsfördernde Wirkung also fraglich. Die Superalge als Superfood zu bezeichnen sollte folglich nochmals überdacht werden.

Ist die gesundheitsfördernde Wirkung von Superfood nun Mythos oder Realität?

Wie aus den oben aufgeführten Beispielen klar werden sollte, beinhaltet jedes Superfond-Nahrungsmittel ein oder mehrere Nähr-, Wirk- oder Vitalstoffe, die nachgewiesen eine positive Auswirkung auf die Gesundheit haben – ansonsten wäre der Titel als Superfood schließlich nicht gerechtfertigt. Dennoch gibt es einige Punkte, die den hier so überwältigenden Eindruck dämmen.

Erstens stellt sich die Frage der Dosierung. Zwar mag ein Inhaltsstoff seine versprochene Wirkung auch einhalten können, doch sind dazu oft Mengen notwendig, die in dieser Form nicht in den Ernährungsplan des Menschen passen. Eine kleine Dosis ist oftmals nicht hinreichend, um die versprochene Wirkung auszulösen.

Zweitens, und das ist der viel gravierendere Punkt, mangelt es an der deutschen Rechtssprechung. Nach der aktuellen Rechtslage ist es für Hersteller zulässig, ihr Produkt als Superfood zu bezeichnen, sobald bei der Produktion ein Superfood eingegangen ist. Dabei wird völlig vernachlässigt, wie groß der Anteil des Superfood am gesamten Produkt ist, wodurch der Effekt des ersten Punks verstärkt wird. Obendrein wird vernachlässigt, wie viele Inhaltsstoffe das Produkt noch aufweist, die für die Gesundheit sogar schlecht sind. So wird der Verbraucher durch den Aufdruck „Superfood“ davon abgelenkt, wie hoch beispielsweise Zucker- oder Fettgehalt im Produkt sind.

Dies sollte aber nicht vom Verzehr von Superfood abhalten. Denn egal, ob nun die Wirkung in dem Umfang eintritt wie versprochen, schaden wird der Verzehr grundsätzlich nicht.

Durch die Verwendung von Superfood legen die Verbraucher wieder mehr Wert auf ausgeglichene, naturnahe und gesunde Ernährung. Und das ist das beste, das dem Körper passieren kann. Damit wird für ihn die optimale Grundlage geschaffen, körpereigene Abwehrkräfte zu stärken, Entgiftungs- und Ausleitungsfähigkeiten zu verbessern und notwendige Stoffwechselprodukte zu produzieren.

Zusammen mit ausreichender Bewegung, gesundem Schlaf und frischer Luft gibt es mit Superfood keine bessere Therapie, um auch schwere Erkrankungen wie Krebs, Hepatitis und Alzheimer vorzubeugen oder zu heilen.


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