Die Schweden sind doch das entspannteste Festivalpublikum der Welt! Zum 19. Mal fand das Sweden Rock Festival in Sölvesborg in Südschweden statt und es war auch dieses Mal mit 33.000 Besuchern ausverkauft.


Bei regnerischem Wetter und nach anfänglichen Organisationsproblemen, wie Parkplatz- und Campgroundsuche, hatten wir dann mittags das Zelt stehen und Zeit, mal das ganze Gelände unter die Lupe zu nehmen. Ein großer Teil des Geländes war auch ohne Festivalticket zugänglich und so liefen sehr viele Leute mit ihren Kindern und Hunden zwischen den unglaublich vielen verschiedenen Ständen herum, die gemischte Waren wie Elchfleisch, jegliche andere Art von Speisen, Sonnenbrillen, Regencapes, Shirts und Metal-Bibeln in schwedischer Sprache verkauften.

Mittwoch, 09.06.10

Die für mich erste Band des Festivals waren die Piraten und Exil-Schotten Alestorm, die ein vorwiegend junges Publikum vor die Bühne lockten, dass dann auch gleich einen Moshpit bildete. Leider war das Keyboard etwas zu dominant und die Gitarre etwas zu matschig. Auf die Dauer sollten sich Alestorm vielleich doch mal nach einem Rhythmusgitarristen umsehen, damit der Danny mehr Zeit für seine Soli hat. Ansonsten war der Auftritt gut, die Band war in Spiellaune und sogar das Wetter ist trockener geworden. Guter Auftakt!

Überraschend gut fand ich dann die Schweden Steelwing. Hervorgegangen aus den ehemaligen Scavanger verbindet die Band die Highlights aus NWOBHM und US-Metal und das Ganze mit einer beeindruckend guten Stimme, einer absolut überzeugenden Performance und überschäumendem Enthusiasmus. Klasse! Und ein guter Sound! Sehen kann man die Band in Deutschland dieses Jahr noch häufiger: Sie sind sowohl mit Blind Guardian unterwegs, als auch auf der Sabaton/Alstorm-Tour im Herbst.

Michael Monroe, Fronter der aufgelösten Hanoi Rocks, hat’s auch immer noch drauf: Wahnsinnige Kletterübungen an beiden Seiten der Stage bis zur Lichttraverse, Singen über Kopf, am Seitenaufbau hängend, Spagat auf der Bühne und das alles mit fast 50 Jahren, Respekt! Das gute Entertainment des Sängers wurde dann auch mit einen agilen Publikum belohnt, welche die Songs alle mitsangen. Ich bin kein wirklicher Kenner seiner Musik, einige Titel kamen mir aber auch bekannt vor.

Ihr könnt mich ja lynchen, aber von The Quireboys aus England hatte ich bisher noch nie etwas gehört. Und dabei gibt’s die schon seit 1984. Definitiv eine Bildungslücke! Classic Rock mit rauher, aber guter Stimme und völlig überzeugend dargeboten. Und auch hier kamen mir einige Titel latent bekannt vor.

Headliner des ersten Festival-Tages waren dann U.D.O., welche einen guten Sound hatten, und nahezu alles richtig machten und alle großen Hits spielten. Mir waren es allerdings etwas zu viele Mitsingspielchen und da die zweite Zugabenpause zu lange dauerte, verließ ein Teil des Publikums schon den Platz vor der Bühne. Vermutlich rechneten sie nicht damit, dass da noch eine weitere Zugabe kommt, die dann auch noch ausschließlich aus Accept-Klassikern bestand.

Donnerstag, 10.06.10

Die Feier am Abend vorher war wohl gut und die Nacht zu kurz, jedenfalls gähnte Gitarrist James Root noch ausgiebig, als er die Bühne betrat und auch Sänger Corey Taylor gab zum Besten, dass er bis zwei Stunden vor dem Auftritt noch geschlafen hat. Nichts desto trotz waren die Amis Stone Sour bei allerbester Laune, Corey Taylor, auch Fronter von Slipknot, erzählte viel und konnte vor Lachen manchmal kaum singen. Sehr symphatisch. Allerdings blieb Gitarrist Josh Rand eher unscheinbar und unbeweglich. Und weil der Bass etwas zu laut und die Gitarren etwas zu leise waren, war der Sound leider leicht undifferenziert. Trotzdem ein guter Gig.

Nazareth im Anschluß konnten mich dagegen nicht so ganz überzeugen: Natürlich kennt man die Songs der Band, und natürlich sind sie auch nicht mehr ganz jung, trotzdem fehlte mir da ein wenig der Schwung. Und auch die Stimme von Dan Mc Cafferty klang für mich etwas angegriffen. Sicher kein schlechter Auftritt der Schotten, vielleicht hatte ich nur zuviel erwartet.

Dass die Schweden Evergrey auf dem SRF spielen, hatte ich gewußt, das es ein Akustik-Set sein würde nicht. Und ich war überrascht – positiv überrascht: Eine sehr stimmige und stimmungsvolle Darbietung einer bestens gelaunten Band, während vor dem Zelt mal wieder ein Regenschauer niederging. Leider konnte ich die schwedischen Ansagen von Sänger Tom S. Englund nicht verstehen, muß aber wohl lustig gewesen sein, das ganze Publikum lachte.

Pünktlich mit dem Beginn des Auftritts von Sabaton hörte es auf zu regnen, so muß das sein! Live sind sie ja sowieso immer schon eine starke Band gewesen, hier “zu Hause” auf dem SRF waren sie noch viel besser als sonst. Na klar waren die Ansagen wieder auf schwedisch und natürlich auch etwas umfangreicher. Das steigerte aber eher die Stimmung. Nie hat man so viele Leute auf einmal hüpfen gesehen! Und im Zugabenteil kam dann noch der bekannte schwedische Sänger Sven Rubin auf die Bühne und sang zusammen mit dem Publikum “Långa Bollar På Bengt” mit instrumentaler Begleitung von Sabaton. Damit war das auch die einzige Band, die etwas ihre Spielzeit verlängern durften. Auch später bei der Autogrammstunde nahmen sie sich viel Zeit für ihre Fans und gaben auch nach abgelaufener Zeit weiter Autogramme. Sehr fanfreundlich!

Zu Slayer kann ich nicht viel sagen, ist halt einfach nicht meine Musik. Allerdings war der Sound zu Beginn des Sets wirklich schlecht, wurde dann aber besser. Ganz gesehen habe ich diesen Auftritt aber nicht.

Der Auftritt von Jorn weckte gemischte Gefühle: Während seine Stimme absolut göttlich ist, sind die Songs des Norwegers leider sowas von banal, dass man sich nach dem Auftritt an keine Melodielinie wirklich mehr erinnern kann. Zum Glück singt er jetzt wieder für/mit Masterplan, da hat er dann das, was er für seine Stimme braucht: Gute Songs. Im großen und ganzen war der Gig nicht schlecht und auch der Sound richtig gut, aber eben nur Pausenmusik.

Aerosmith haben sich ihren Headlinerstatus verdient: Ich bin froh, dass Steven Tyler doch wieder für die Band singt und seine Solopläne erst mal hinten angestellt hat. Er hat immer noch eine wirklich gute Stimme und eine Ausstrahlung, der man sich schwer entziehen kann. Auf großer Leinwand konnte man dann unter anderem das Armageddon-Video zu bekanntem Song sehen – Gänsehaut pur! Allerdings muß man auch sagen, dass die Band eigentlich nur aus Sänger Steven Tyler und Gitarrist Joe Perry besteht, die anderen Mitglieder blieben blaß und farblos und Regenmantel, Sonnenbrille und Hut auf der Bühne gehen ja mal gar nicht, Mr. Brad Whitford!

Freitag, 11.06.10

Die erste Überraschung des Tages war Rick Springfield. Bis zum Gig hatte ich gar nicht gewußt, wie viele bekannte Songs der Sänger und Schauspieler bis heute schon geschrieben hat. Der 60-jährige gebürtige Australier ist noch top fit und kletterte während “Human Touch” am Soundturm hoch und verschrottete dabei sein Mikro, so dass die Band für ihn zuende sang. Und auch wenn der Sound zum Teil etwas drucklos aus den Boxen kam, ein sehr sympathischer Auftritt.

Danach kam eine für viele und auch für mich ärgerliche Überschneidung: Magnum spielten gleichzeitig mit Steelpanzer. Ich bin dann bei Magnum geblieben, weil ich da immer weiß, das die Qualität stimmt: Ich habe Bob Catley noch nicht schlecht gesehen und natürlich waren sie auch hier wie immer souverän. Eigentlich wollte ich dann nach “Vigilante” noch zur anderen Bühne wechseln, aber mit Blick auf die Uhr und angesichts der langen Wege zwischen den einzelnen Bühnen bin ich dann bei Magnum geblieben und mit “Don´t Wake The Lion” und “Kingdom Of Madness” belohnt worden.

Cinderella waren für viele auf dem Festival eine ganz wichtige Band, ich konnte mich in ihren 80er-Jahre Rock nicht wirklich reinfinden. Die Stimme das Sängers Tom Keifer klang für mich eher schief, Kenner sagten mir allerdings, dass das so sein soll…

In strömendem Regen gingen dann Mustasch auf die Bühne. Die Schweden redeten sehr viel zwischen den Songs, allerdings wieder auf schwedisch. Pech für mich. Scheint aber wirklich witzig gewesen zu sein und das Publikum folgte den Mitsingspielchen sehr leidenschaftlich. Zur Musik sage ich mal: Typisch schwedischer Hardrock mit leichten Tendenzen zu Metal und Punk.

Von Billi Idol hatte ich mir auch etwas mehr versprochen. Irgendwie konnte er die Erwartungen, die ich hatte nicht erfüllen. Zwar hat er einen großartigen Gitarristen und Drummer, er selbst wirkte aber eher alt, denn rebellisch. Der Auftritt soll dann später aber noch besser geworden sein, leider habe ich das dann nicht mehr mitbekommen.

Der dann folgende Auftritt von Gary Moore hingegen war absolut intensiv, mitreißend und gefühlvoll. Der Nordire spielte ein unglaubliches Hard Rock-Set, das mich mal eben um 25 Jahre in die Vergangenheit versetzte. Seine Stimme ist immer noch absolut top und sein Gitarrenspiel nicht von dieser Welt. Seine durchaus guten Mitmusiker wurden dadurch aber zu Statisten degradiert, was man auch auf der Videoleinwand merkte. Insgesamt aber absolute Spitzenklasse!

Samstag, 12.06.10

Trotz früher Stunde konnten Dream Evil, ebenfalls aus Schweden, viele Leute vor die Bühne bewegen. Die Band war in bester Laune, Sänger Niklas Isfeldt lachte sogar beim Singen und gespielt wurden alle Hits wie “United”, “Made In Hell”, “Bang Your Head” und mehr.

Nachdem ich Raven auf dem Rock Hard Festival verpasst habe und alle davon so am Schwärmen waren, wollte ich mich nun selbst davon überzeugen, wie gut sie sind. Die Band aus Newcastle wird der NWOBHM zugeordnet und ist durchas unterhaltsam. Die ganz große Überraschung waren sie für mich jetzt aber nicht.

Und vor allem hätte ich deswegen beinahe Opeth verpaßt! Sänger Mikael Åkerfeld war allerbestens aufgelegt und erzählte wieder nette kleine Geschichten auf schwedisch, die in mir wieder mal den Wunsch weckten, die Sprache doch auch endlich verstehen zu können. Mit guter Stimme und einem guten Sound, bei dem man gerade die Leadgitarre besonders sauber raushören konnte, spielten sie in den Sonnenuntergang. Beeindruckend!

Die Kanadier Bachmann & Turner habe ich mir nur kurz angeschaut, aber richtig fesseln konnten sie mich mit ihrem Hard Rock nicht.

Das allerdings schafften Watain! Nach ihrem regulären Set sagte Quorthons Vater und Produzent ein spezielles Bathory-Set an, woraufhin dann 45 Minuten alte Bathory-Klassiker gespielt wurden. Dazu gab es eine sehr beeindruckende Pyroshow, bei der es zeitweilig so aussah, als stände die Bühne komplett in Flammen. Zudem war der Sound sogar so gut, daß man die Vocals verstehen konnte! Und für ein Rock-Festival, auf dem außer Watain, Mayhem und Behemoth nahezu keine wirklich harten Bands gespielt haben, war es auch noch erstaunlich voll! (hier bitte Superlativ einsetzen!)

Der Festival-Headliner Guns N´ Roses enttäuschte danach etwas. Den jahrelangen Drogen- und Alkohlkonsum merkte man Sänger All Rose durchaus an und die mangelnde Bühnenpräsenz sollte wohl durch Technik aufgefangen werden: Die war allerdings sehr umfangreich. Zusatzlich zu den normalen zwei Videowänden, die sowieso zur Festival-Stage gehören, gab es noch auf jeder Seite der Bühne zwei vertikale, schmale Videowände auf denen permanent graphische Darstellungen liefen. Zusätzlich gab es noch Pyros und eine ausgefeilte Licht-Choreographie. Aber das täuschte eben nicht über seine angegriffene Stimme und seinen mangelnden Enthusiasmis hinweg. Aber vielleicht kann man das auch nur richtig beeurteilen, wenn man die Gunners schon mehmals gesehen hat und ich war vielleicht aufgrund von Nieselregen und Wind etwas zu kritisch.

Zum Schluß habe ich mir noch die Zugabe von Stratovarius angeschaut. War ganz nett, aber zu so später Stunde auf dem letzten Festivaltag war da auch nicht mehr allzuviel los, so dass auch die Stimmung nicht mehr so euphorisch war.

Noch so ein paar Anmerkungen zum Festival:

Das Festival liegt direkt an der Ostsee und ist über eine größere Durchgangsstraße gut zu erreichen.

Die Park- und Campingplätze sind nahezu alle in privater Hand, daher müssen sie vor Ort bezahlt werden und haben durchaus unterschiedliche Preise und unterschiedliche Annehmlichkeiten wie Duschen und Toiletten.

Mit ca. 250 € für das Ticket, ca. 40 € für das Campen und ca. 30 € für das Parken nicht gerade besonders günstig. Gerade deshalb ist es fast unglaublich, dass so viele wirklich jungen Leute da waren.

Es gibt einen riesigen Merchandise-Markt auf dem man wirklich fast alles kaufen kann, was das Metallerherz so begehrt.

Der Nordeingang ist oft geschlossen, der Weg zum Haupteingang für die Camper an der Nordseite ziemlich lang, ich fühlte mich ans Graspop in Belgien erinnert. Aber wenigstens sind die Wege in Schweden beleuchtet.

Auf allen Bühnen gibt es fast durchgehend einen guten Sound, was ja auch nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist, aber sein sollte. Zusätzlich wird immer Wasser umsonst an der Bühne gereicht – die sehr nette Security hatte allerdings auch nichts anderes zu tun.

Ein sehr enspanntes, kontaktfreudiges Publikum, das sich nicht scheut, sich für jede Glam-Band in ein anderes Outfit zu werfen. Extremer wie auf dem SRF habe ich das noch nicht gesehen, bunter auch nicht…

Vor der Mainstge waren Wellenbrecher aufgestellt, die aber wohl nicht nötig waren und Crowdsurfer gab es nahezu keine.

Fazit: Abgesehen vom sehr hohen Preis und dem weiten Anfahrtsweg ein wirklich tolles Festival!

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