„Rock this Town“ – Der Name ist Programm. Es macht einfach immer wieder Laune, was Kiste und Co der Bielefelder Booking-Agentur zusammen mit Unicum-Booker Boris nach Osnabrück bringen. Hier hat man schon viele Schwedenhappen wie z.B. die „Royal Rooster“ oder „The Sacred Sailors“ bewundern dürfen und es scheint kein Ende zu nehmen..

Mit Wired for Mono stand am Freitag erneut wieder eine Combo aus dem Land der Fertigbau-Regale auf der Unicum Bühne, einziges Novum: Sie wurden diesmal von einer dänischen Band, den Broken Beats unterstützt!

Dänemark und Schweden, der erste Gedanke: Europameisterschaft 1992 und hohe Alkoholsteuern. Der zweite; geile Bands müssen entweder in Skandinavien produziert werden wie das Regal Billy bei IKEA oder „Rock this Town“ hat immer einen verdammt guten Riecher für tolle Bands. Ich entscheide mich für Gedanke Nr. 2!

Absicht oder Zufall? Um exakt 22.22 betraten die Broken Beats mit Fronter und, wie es im Pressetext heisst, „Weltendurchdringer“ Kim Munk die Bühne im prall gefüllten Unicum.

Ohne lange Begrüßungszeremonien legten die 4 Jungs und das 1 Mädel im Neo-Fashion-60´s-Retro-Look los; oder eben auch nicht – denn wer ein Feuerwerk feinster Rock ´n Roll Klischees erwartete wurde enttäuscht. Das, was das Quintett aus Dänemark dort bot ging tiefer; viel tiefer. Psychodelisch progressiv anmutende Riff-Passagen, tiefgründige Lyrics über Liebe, Tod und Teufel und Geschichten über Leute, die damit reich geworden sind, dass sie sich einfach nicht mehr bewegten…das alles verpackt in fantastische Instrumentenbeherrschung, einer Bühnenpräsenz mit Ausstrahlung und dem perfekten Mittelweg zwischen Genie und Wahnsinn!

Ergo gingen die mehr als 100 Zuschauern nicht unbedingt mosh-mäßig ab, sondern standen teilweise wie hypnotisiert mit starrem Blick auf die Bühne im Raum, lauschten den Lyrics der Broken Beats und versuchten augenscheinlich, die Message hinter der Schale zu erkunden. Hinterher im Gespräch mit der Band wurde ich von der Band gefragt: „They didn´t enjoy our music, right?“, worauf ich erwiderte: „Man, exactly that´s what they did!“

Über 1 ½ Stunden grooveten und jamten die 5 im Stile eines absoluten Headliners. Wer war eigentlich die Vorband?? Zumindest wurden sie dann, zwar ohne Zugabenforderung aber mit tosendem Applaus von der Bühne verabschiedet.

Was dann geschah habe ich, wenn überhaupt, dann selten gesehen. Die Zuschauer machten nämlich genau nicht das, was man in einer Umbaupause macht, wie flirten, saufen, auf Klo rennen oder sich von der Bühne schleppen, sondern – sie diskutierten. Und zwar eben über diese Lyrics der Broken Beats! Sätze wie: „Nein, der meinte damit bestimmt…“ oder „Im Vergleich zu Bob Dylan hat der Sänger die Ansicht das…“. Faszinierend, dass eine Band so mitreissen kann – und zwar auf allen Ebenen!

00:15. Jetzt war Alarm! Die Broken Beats hatten das Publikum nachdenklich gestimmt, Wired for Mono wollten nur Party! Und das zeigten sie von der ersten Minute an! Fronter Henrik Lillsjo begnügte sich nicht nur damit, sein Mikro aus dem Ständer zu reissen, sondern diesen auch gleich in einem Anfall von Moshing von der Bühne zu bugsieren! Sofort war das Publikum da und die freie Fläche zwischen Bühne und Publikum nicht mehr.

Die 5 Schweden, sie sich bereits 2002 gegründet haben und 2003 ihre EP „„Re: Golden Hits” rausbrachten (siehe auch Reviews) machten einfach nur Stimmung! Torbjörn Åkerblad am Bass und Arvid Engström am Schrabbelkolben schienen größere Bühnen gewohnt, denn sie wechselten ständig die Positionen und rannten alles nieder, was ihnen im Weg stand! Lennart Claesson am Schlagzeug und Jonatan Danneman an der Orgel versuchten aus dem Hintergrund alles, um die Aufmerksamkeit weg von den Forderleuten auf sich zu ziehen – sei´s mit konventionellen Mitteln wie einem Solo oder unkonventionellen, indem man einfach mal von seinem Instrument aufspringt, dem Publikum winkt (böse Zungen behaupten, die Jungs hätten nur den rassigen Schönheiten im Publikum gewunken) und sich wieder setzt.

Überhaupt war der Kontakt zum Zuschauer den WFM sehr wichtig! Ein ums andere Mal schmiss Henrik sich auf den Boden oder „divete“ von der 30cm hohen Bühnenkante ins Publikum und ließ sich dabei nur von seinem Mikrokabel stoppen, welches auch nur darum am Rausreissen gehindert wurde, weil Torbjörn ein wachsames Auge auf das Mischpult hatte.

Die Leute vor der Bühne tanzten und pogten im Rhythmus zu den Songs der „Golden Hits“, sogar die erste Single der Jungs von 2002 „ Travel in Turns“ wurde performed. Ein Gast sogar ließ es sich nicht nehmen, Jonatan den Wackelkranz (Neudeutsch: Tamburin) abzunehmen und selber den Rhythmus anzugeben! Astrein!

Über eine Stunde bearbeiteten die Jungs aus dem hohen Norden Instrumente und Bühnenboden ehe nach 2 Zugaben das Licht aus-, bzw. anging.

Noch was? Ach ja: Slaaaaayer!!

Fazit: 2 Headliner zum Preis von 1/4 und ein Stimmungsspektrum, was von Unihörsaal bis Wacken-Zeltbühne reichte! Und in Unihörsälen ist saumäßig fette Stimmung…!! 😉

Setlist The Broken Beats:

01 Weight of words

02 Breakbeat Song

03 Cease Fire

04 Queens

05 I wasn´t happy

06 The boy who…

07 My Shadow

08 Waters ans oceans

09 Someday again

10 Stood still

11 The Taxi chase

12 Propaganda Song

13 Little by Little

Setlist Wired for Mono:

01 I will explode

02 Radio Interrupt

03 Losin Street

04 Four Wishes

05 Travel in turns

06 A Harbour an Anchor

07 Blonde Black Hole

08 Hard Rain

09 Carmens Dream

10 daybreak

11 Futures Son

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Location: xxxxx
Datum: xxxxx
Autor: xxxxxxxx


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