Wertung: 9 von 10

Kaum fünf Jahre gibt es die italienische Band The Foreshadowing. Und doch enthüllt das zweite Kunstwerk „Oionos“ eine ausgereifte, wundervoll kompositorische Meisterleistung, mit einem Niveau, welches zahlreiche Bands, die ihr halbes Leben Musik machen, niemals zu erreichen geschafft haben.


„Oionos“ ist zum Einen, der Name des Vetters von Herakles, dem berühmten Halbgott aus der griechischen Mythologie, besser bekannt als Herkules. Zum Anderen ist „Oionos“ ein Traum von dunkler, mystischer und tieftrauriger Atmosphäre. Eine Musik, die ich als Dark Metal bezeichnet habe, die aber genauer gesagt Elemente des Doom Metal, Ambient, Progressive Metal und Gothic vereint und das so geschickt, dass man niemals ein Genre dominierend heraushört oder auch nur, dass sich wahlweise an bekannten Stereotypen und Klischees bedient wird.

Die Bandmitglieder mit dem herausragenden Sänger Marco Benevento (How Like A Winter) waren/sind in Projekten wie Klimt 1918, Spiritual Front und Grimness vertreten. Jedes einzelne Instrument fällt auf diesem Album besonders auf und sticht auf seine Art und Weise hervor. Die Drums trommeln vom ersten Takt an majestätisch die Untergangsmelodien. Mal hart und dramatisch, dann wieder schleppend und zäh, zwischendurch schnell und raffiniert, als wenn direkt zum Kriegsgeschehen geführt wird. Die Keyboard-Spuren, welche in besagten Musikstilen häufig die meisten Schwierigkeiten verursachen, sind dezent eingesetzt, harmonieren hervorragend zum Gesamtkonzept und die vielen wunderschönen Klavier-Passagen entstammen nicht dem typischen Gothic-Kitsch-Katalog, sondern überzeugen auf ganzer Linie mit originellen, packenden Melodien. Hinzu kommt, neben der ebenfalls soliden Leistung beider Gitarristen, die tiefe, charismatische Stimme des Sängers, und diesmal auch ohne Akzent, wie bei manch‘ anderen Italienischen Sängern schon schmerzlich erfahren.

Die elf Songs verschlingen den Hörer sofort. Jedes einzelne Lied unterscheidet sich nicht sonderlich vom Rest, alles ist aus einem Guss und trotzdem bietet jeder einzelne Song aufs Neue Hörgenuss, ohne zu enttäuschen. Als Highlight wurde „Russians“ von Sting gecovert und diese Coverversion macht deutlich mit was für Künstlern man es hier zu tun hat. Der Kern des Liedes wurde nicht entfremdet, sondern mit großem Geschick zu einer noch epischeren Version des Hits kreiert.

Fazit: Zu meckern habe ich nichts, sondern garantiere, dass, wenn man sich auf diese Musik einlässt, man nicht genug davon bekommen wird. Mein Anspieltipp: „Fallen Reign“ und „Survivors Sleep“.

Für Fans von Katatonia, Anathema, Novembre Monumentum, Klimt 1918, Yearning, My Dying Bride, Depeche Mode, Fields Of The Nephilim.

Tracklist:

  • 01. The Dawning
  • 02. Outsiders
  • 03. Oionos
  • 04. Fallen Reign
  • 05. Soliloquium
  • 06. Lost Humanity
  • 07. Survivors Sleep
  • 08. Chant Of Widows
  • 09. Hope. She’s In The Water
  • 10. Russians (Sting Cover)
  • 11. Revelation 3-11