Wertung: 6 von 10

Halt! Das Album ist besser als es aussieht. Enthalten sind Lieder für das mit heimeligem, mattem Dimmlicht gefüllte Cabaret-Stübchen. Die zur Bühne gewandten Gäste besetzen spärlich gedeckte Tischchen. Ein kleinwüchsiger Anzug- und Zylinderträger stolziert aus dem Dunkel der Bühnenseite vor das Publikum. Alsbald öffnet sich der kirschrote Vorhang, gibt den Blick frei auf die grotesken Gestalten von London Below.


London Below stammen aus dem klimatisch beliebten Tummelplatz San Diego. Sängerin Zoe Tantrum und Pianist Zeph Tragic begannen sich zunächst, in Weißclown Make-up, an Open-Mic-Abenden auszutoben, ehe sie als Tragic Tantrum Cabaret ihre Show um Tänzer und Stelzenläufer erweiterten. Doch die Musik sollte im Vordergrund stehen und das Rahmenprogramm wurde weitgehend aufgegeben, um stattdessen Instrumentalmitstreiter auf die Bretter zu holen. Aus dem Tragic Tantrum Cabaret wurde The Tragic Tantrum, aus vierjährigem Bestand trug man die geeigneten Songs für das im vergangenen Februar erschienene Album “Mirror, Mirror” zusammen. Vor Kurzem ließ die Band ihre Namensänderung verlautbaren. Die Zeit als The Tragic Tantrum war ihre Selbstfindungsphase. Sie wollten einen Namen der Bedeutung schenkt. London Below ist die “underworld where magic and mystery can happen”. Unter welchem Banner auch immer, die Band verdient Aufmerksamkeit.

Ob ihnen diese noch mit “Mirror, Mirror” zuteilwird ist zweifelhaft. Die elf zum großen Teil vom einfachen, aber effektiven Pianospiel und perkussiven Gitarrenspiel dominierten Kompositionen können noch nicht durchweg überzeugen, lassen jedoch enormes Potential aufleuchten. Metaller müssen hier einen weiten Blick über den Tellerrand wagen, Fans der Dresden Dolls, Stolen Babies oder HUMANWINE sowie offenherzige Gothicliebhaber finden sicher Anhaltspunkte.

Gleich zu Beginn möchte Zoe ihren Stimmumfang auf “Solo Con Te” unter Beweis stellen. In den zweifelsohne gut vorgetragenen opernhaften Ausflügen schwindet meine Empathie. Im weiteren Verlauf wirkt einiges unfertig, lässt die letzte Konsequenz vermissen, was auch an der Kammerproduktion liegen mag. Vereinzelt gestartete Popversuche bleiben auf halber Strecke liegen. Weiter gibt es wenig zu bemängeln. Es findet sich kein wirklicher Ausfall. Herausragende Momente zeigen sich mit dem am Ende beschleunigenden “The Silent”, dem bis zum Ausbruch ruhigen “Go” und “Beautiful” beschreibt sich selbst am besten. Zoe beweist enorme Wandlungsfähigkeit. Sie schmachtet, meckert und schmettert Arien. Unmut, den sie gesanglich vermittelt, steht gleichzeitig ein grinsgesichtiges Blinzeln entgegen.

Das Album verspricht zukünftige Gourmetkost für Feinschmecker des Andersartigen. Noch funktionieren London Below möglicherweise eher auf der Bühne, was ich aber nur anhand von Youtube vermuten kann.

Tracklist:

  • 01. Solo Con Te
  • 02. Excuse Me Mr.
  • 03. When I Was Good
  • 04. The Silent
  • 05. Go
  • 06. Beautiful
  • 07. Diego And Arlene
  • 08. Swan Song
  • 09. Warrior
  • 10. Only With You
  • 11. Something We’re Not
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