Band: The Young Gods
Titel: Data Mirage Tangram

Genre: Avantgard
VÖ: 22.02.2019
Label: Two Gentlemen / Rough Trade
Land: Schweiz

“Sleep my angel, my child, see how the city spreads.” Unter Franz Treichlers Flügeln entfalten sich riesige, atemberaubende Panoramas wie wunderschöne Traumlandschaften, die man kurz vor dem Einschlafen vor dem inneren Auge sieht. Ein schwereloser Traum, der irgendwie beruhigend ist, aber auch düster in der Dunkelheit versteckt liegt. Eine Rückkehr in bekanntes Land, dessen Topographie sich mit der Zeit und fortschreitendem Alter geändert hat.

The Young Gods – Data Mirage Tangram

The Young Gods - Data Mirage Tangram

The Young Gods – Data Mirage Tangram

Drei Menschen in der Matrix von Data Mirage Tangram, dem neuen Album der Young Gods. Acht Jahre ohne Studioalbum. Die Götter stehen wohl in der Gunst der Ewigkeit. Es wurde Zeit, dass sie dem gefeierten Everybody Knows einen Nachfolger lieferten und das Zeitalter des künstlerischen Durcheinanders – so sagt es Treichler mit eigenen Worten – , welches auf den Abgang von Al Comet und die Wiederbesetzung mit dem ursprünglichen Gott, Cesare Pizzi, folgte. Die darauffolgende Tour, auf welcher sich die Band auf ihre ersten beiden Alben konzentrierte, hätte in einem Stillstand enden können. Stattdessen aber brachte dem Trio die Rückkehr zu seinen Wurzeln eine Brise frische Luft: Rock- und Electro-Avantgardisten sind schliesslich nicht bekannt dafür, zurückzuschauen. Die dreissig Jahre andauernde, ununterbrochene Aktivität, gefeiert mit der Publikation eines 800-seitigen Buches 2017, hat den Willen der Götter gestärkt, und daraus entstand ein weiteres Kapitel in ihrer beeindruckenden Geschichte. Data Mirage Tangram kam in einem Keller inmitten von Menschen zur Welt.

Franz Treichler (Gesang, Gitarre, Electronics), Cesare Pizzi (Sampling, Electronics) und Bernard Trontin (Schlagzeug, Perkussion) wurden vom Cully Jazz Festival eingeladen, auf der Bühne des THBBC Weinkellers ein offenes Labor aufzubauen – für die Dauer des ganzen Festivals. «Das war der Moment, an dem die neuen Songs erstmals in Erscheinung traten», sagt Treichler. «Wir wussten nicht, wohin es gehen würde. Bernard brachte einen alten Sampler, den er über seinem Schlagzeug installierte, Cesare einen Laptop, ich eine Gitarre, einen Bass, einen Laptop… alles, was ich zur Hand hatte. Das Publikum kam und ging. Wir fühlten uns nicht verpflichtet, ein fertiges Produkt präsentieren zu müssen. Es war äusserst stimulierend.»

Am Ende dieser Residenz existierten die sieben Tracks des Albums bereits in den Körpern und den Köpfen des Trios. Ihre Kanten mussten noch in Form gebracht werden, die Strukturen verfeinert. Die Band baute die Songs in ihr Live-Repertoire ein, und danach nahmen sich die Young Gods drei Jahre Zeit dafür, ihnen die finale Struktur zu geben. Dies geschah in Franz Treichlers Studio, gemischt wurden sie schliesslich am Pult des englischen Produzenten Alan Moulder (Nine Inch Nails, Editors, Foals). «Zum ersten mal überhaupt machten wir ein Album, das gänzlich in Kollektivarbeit entstand», sagt der Genfer Pionier erfreut. Das Resultat darf als ein wichtiges Album von The Young Gods wahrgenommen werden, als eine Ergänzung zu den zahlreichen gemeinsamen Erfahrungen der Band, quasi als ihre gemeinsame DNA.

Jeder Track existiert für sich selbst, dennoch kreieren sie gemeinsam ein kohärentes Ganzes, eine verbundene Reise in sieben einzigartigen Schritten. «Das Tangram im Titel bezieht sich auf japanische Puzzles, die aus sieben Stücken bestehen, welche ein Rechteck oder diverse Silhouetten von Tieren oder Charakteren ergeben können», sagt der Sänger. In einer digitalen Welt, welche die Götter wie Visionäre erkunden, atmet die Musik wellenförmig mit den Schwingungen der Gitarre, die wieder ins Zentrum gerückt wurde. Entre en matière flüstert ein eindringliches Mantra, Tear Up The Red Sky orchestriert ein kosmisches Bombardement göttlichen Zorns. Figure sans nom markiert eine Rückkehr zum Acid Groove und den Doors-Einflüssen, welche die Band in ihren Anfängen auszeichneten, während Moon Above ein brach liegendes Feld pflügt und es mit nicht identifizierbaren Soundobjekten zerstampft. Die elf faszinierenden Minuten von All My Skin Standing lassen einen zu seinen Sinnen zurückkehren, bevor die Explosion aus weissem Rauschen und verzerrten Gitarren eintritt. You Gave Me A Name bietet einen Hauch frische Luft, wie eine Blase, die einen umhüllt.

Am Ende lässt uns Everythem sanft und still die Augen schliessen. Wie würdest du die Geschichte der Young Gods zusammenfassen? «Eine lange Strasse», sagt Franz Treichler. Eine Strasse, die sich bis zum Horizont und seinen Luftspiegelungen hin entfaltet und erstreckt.

Tracklist:

1. Entre en matière
2. Tear Up The Red Sky
3. Figure sans nom
4. Moon Above
5. All My Skin Standing
6. You Gave Me A Name
7. Everythem

The Young Gods – Data Mirage Tangram
VÖ: 22.02.2019
Two Gentlemen / Rough Trade
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Bereits seit Mitte der 80er Jahre gibt es The Young Gods. Schon damals gingen die Schweizer an die musikalischen Grenzen und darüber hinaus. Zum Beginn ihrer Karriere gehörten sie zu den Pionieren des Industrial Punk und flirteten dann mit surrealem Kabarett und verschrieben sich später Electro/Techno Sounds als sie schon Legenden der europäischen Szene waren.

Im Winter 1984 – 85 definierten Franz Treichler und Cesare Pizzi eine neue Formel für Rock in dem sie einfache Maschinen nutzen. Unterstützt wurden sie dabei von Drummer Frank Bagnoud. Die ersten Konzerte waren wie Elektroschoks. Dargeboten mit Gesang, Drums, Sampler … und fettesten Gitarrenwänden aber ohne Gitarren. So etwas hatte man bis dahin noch nicht gehört.

Nachdem 1987 das erste Album erschien, schrieb die Britische Presse „The Young Gods are the next big thing, they are what happens next …“

Anfang der 90er ersetzte Al Comet Cesare Pizzi am Sampler. In der Besetzung erschien das Album „T.V. Sky“ mit der Single „Skinflowers“, die Dank einer MTV Rotation die Tür nach Amerika aufstieß.

David Bowie, U2 und Nine Inch Nails benannten The Young Gods als Inspirationsquelle, die Dinge entwickelten sich in einem atemberaubenden Tempo bis alles zu viel wurde…

Zu Beginn der 2000er Jahre reformierte sich die Band dann wieder in Genf und rückte musikalisch deutlich dichter in Richtung Electro/Techno und Bernard Trontin ersetzte Üse Hiestand an den Drums.

2005 feierten The Young Gods beim Montreux Jazz Festival ihr zwanzigjähriges Jubiläum mit Mike Patton (Faith No More, Mr.Bungle, Fantômas). als Sänger. Sie waren Teil des“Amazonia Ambient Project” für des Genfer Wissenschaftsmuseum, interpretierten das legendäre Woodstock Festival von 1969 und kollaborierten mit den alternativen Hip-Hopern von Dälek, dem Improvisations Trio Koch, Schütz & Studer und der Band Nação Zumbi.

2008 erschien das Akustik-Album „Knock On Wood“ mit dem sie auf Tour gingen bevor sie dann für das 2010er Albbum „Everybody Knows“ abermals die Maschinen anwarfen bei dem auch flesh-and-blood Gitarrist Vincent Hänni mitwirkte. Dann spielten sie ihre ersten beiden Alben “The Young Gods” und “L'Eau rouge” live zusammen mit dem Gründungsmitglied Cesare Pizzi an den Samplern.

Und wie sieht nun die musikalische Zukunft von The Young Gods aus? Treichler, Pizzi and Trontin zeigten sich 2015 beim Cully Jazz Festival. Drei Jahre später steht das 12. Album in den Startlöchern und wird im Februar 2019 veröffentlicht. Eine Europatour folgt im März/April, gefolgt von einer Welttour.

Am 28. März spielen The Young Gods in Berlin.

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