Wenn Lunasphere auf Tour gehen, darf natürlich ein Stop in Osnabrück auf dem Tourplan nicht fehlen. Mit dabei hatten die Nienburger/Osnabrücker Melodic Deather die Death Thrash Metal-Band Contamination, deren Mitglieder allesamt aus dem Landkreis Osnabrück stammen. Außerdem waren die Gronauer Tastes Of Chaos und die ortsansässigen Sirius angetreten, um den insgesamt ca. 100 Besuchern des „Thrash ’til Death“ getauften Events ordentlich einzuheizen.

Los ging’s mit einer Viertelstunde Verspätung mit Tastes Of Chaos. Der simple Thrash Metal im Stil von Onkel Tom Angelripper kam sofort super an, und vor der Bühne flogen ab dem ersten Song die Haare. Die Band präsentierte sich von ihrer besten Seite und das Publikum zeigte sich überraschend textsicher. Mit Songs wie „Beer Invaders“, „Where Is Your God?“ und „Beer Boogie“ brachte man die Meute vor der Bühne noch weiter in Stimmung. Nebenbei verteilte die Band reichlich Bier an die Headbanger. Beim Song „Kings Of Beer“ bat die Band ihre Fans auf die Bühne, um den Refrain zu singen. Einer Dame gefiel dies offenbar so gut, dass sie einfach auf der Bühne blieb und es sie offenbar auch nicht störte, mehrmals herunterzufallen. Als man das Set durchgespielt hatte verlangte das Publikum lautstark nach einer Zugabe, und so bat Sänger „Beerkiller“ seinen Kumpel Oli auf die Bühne, um den Dimple Minds-Gassenhauer „Durstige Männer“ zum Besten zu geben. Mal wieder ein großartiger Auftritt einer sympathischen Band. Lediglich der sehr bescheidene Sound minderte den Spaß ein wenig. Denn obwohl die Musik zwar nicht sonderlich originell sein mag und auch die Texte nicht besonders anspruchsvoll sind: Es macht Spaß und das reicht.. Weiter so!

Nun waren Contamination an der Reihe. Diese hatten im Gegensatz zu ihren Vorgängern keine eigenen Fans dabei, aber dennoch schüttelten im Laufe des Sets immer mehr Leute ihr Haupthaar, und nach dem letzten Song verlangte man sogar eine Zugabe, die dann auch gewährt wurde. Mir persönlich sagte die Musik der Band leider überhaupt nicht zu, aber ich muss anerkennen, dass die Jungs ihre Instrumente gut beherrschen und gut aufeinander eingespielt rüberkamen. Auch hier war der Sound nicht wirklich gut, vor allem die Gitarren klangen wie ein einziger Brei, wodurch viele Feinheiten der Musik verloren gingen. Im Grunde müssten an dieser Stelle jetzt Bands genannt werden, an denen sich Contamination orientieren, aber da der Gesamtsound die meiste Zeit wie Matsche rüberkam kann ich leider nicht viel dazu sagen. Die Musik an sich ist jedenfalls sehr direkt und schnell inklusive einiger melodischer Passagen, also eigentlich ein Package, was überall recht gut ankommen sollte. In diesem Fall funktionierte es bestens.

Als die Band Sirius begann, dachten sich die wenigen Anwesenden wohl: „Wo sind denn alle?“, aber nach und nach füllte sich der Raum. Vermutlich hatte der Großteil zwischenzeitlich dem Gerstensaft zugesprochen, um ihn dann gleich beim Bangen wieder auszuschwitzen. Die Osnabrücker Combo bot einen sehr energiegeladenen Auftritt, der zugleich der letzte des Gitarristen Andi war.

Songs wie „This Damn Spiders Stole My Crack“, „Shemale Inferno“ und „Burnt Breast Barbecue“ mögen sich vielleicht vom Titel her lustig anhören, sind aber durchaus ernstzunehmende Death/Thrash/Core-Granaten bester Machart, zu denen die Band den gesamten Platz auf der Bühne ausnutzte. Vor allem Sänger Peeper zeigte sich als echte Rampensau. Zum ersten Mal am Abend hatte man auch das Gefühl, eine wirklich routinierte Band mit komplett ausgereiftem, eigenständigem Songmaterial vor sich zu sehen, und sogar der Sound wurde von Song zu Song immer besser. Nachdem man sich dermaßen den Arsch hatte versohlen lassen, stellte sich natürlich die Frage, ob der Headliner Lunarsphere das noch toppen kann.

Die Melodic Death Metaller konnten das Niveau jedoch locker halten, wenn nicht sogar noch ein wenig steigern, da die Band noch einen Tacken routinierter schien. Gespielt wurden neben den bekannten Songs des Albums „Barriers Of Infinity“ auch einige neue Stücke, die sich sehr gut in das Gesamtkonzept einfügten. Auf mich wirkten die neuen Stücke allerdings auch etwas härter als die älteren, eher rockig angehauchten.

Namentlich das Stageacting hat sich seit dem letzten von mir besuchten Konzert der Band stark verbessert. Das Publikum zeigte keinerlei Ermüdungserscheinungen und bangte weiterhin, das das Zeug hielt. Als dann noch „Episode 666“ von In Flames gecovert wurde, war die Stimmung zum wiederholten Male auf dem Höhepunkt. Dies war vermutlich einer der besten Auftritte, die Lunarsphere jemals gespielt haben. Sogar der Sound war gut – wieso hat das bei den beiden ersten Bands nicht geklappt?

Nach einer Zugabe war auch hier Schluss, und die Bands und einige Zuschauer versammelten sich noch auf einem Parkplatz in der Nähe, um den Abend bei einem gemeinsamen Grillen im Regen ausklingen zu lassen.

Mal wieder ein sehr geiler Konzertabend mit vier sehr engagierten Bands, bei dem das Preis-Leistungs-Verhältnis mehr als stimmte.

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Location: WestWerk 141
Datum: 23.01.2009
Autor: El Padre / Swaantje


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