Schnelle Beats, scheinbar endlose Gitarrenriffs und ein rauer Whisky-Grind in der Stimme – das bringt Metaller zum Headbangen und lässt das Rockerherz höher schlagen. Doch mit welchem Equipment entlockst du Stimme und Instrumenten den gewünschten Sound? Wir geben dir einen Überblick über Mikrofone unterschiedlicher Bauart und ihre Klangqualitäten.

Brauchen Metaller und Rocker andere Mikros als Schlager-, Pop- und Countrysänger?

Metalheads und Rocker lieben den rauchig-kratzigen Sound ihrer Musik. Im Pop- und Schlagerbereich müssen Chartstürmer und Ohrwürmer doch vor allem eins sein: eingängig. Dazu ist ein klarer Sound gefragt, der Strophe und Refrain gleichermaßen gut verständlich transportiert. So hat sich das transistorisierte Großmembran-Kondensatormikrofon zum Go-to-Tonabnehmer der Popmusik entwickelt. Auch Country-Stars und Singer-Songwriter wissen die Gr0ßmembran-Klassiker zu schätzen. Doch ab und an kommt auch ein Tauchspulenmikrofon zum Einsatz. Immer beliebter wird das Bändchenmikrofon, das der Stimme einen erdigen, fast dröhnenden Klang verleiht, aber auch Umgebungsgeräusche aufgrund der Richtcharakteristik hörbar mit aufnimmt.

Richtcharakteristik – was ist das?

Aus welcher Richtung der Ton am stärksten aufgenommen wird, darüber entscheidet der Richtcharakter eines Mikrofons. Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Formen:

Kugel – ungerichtet: Mikrofon nimmt Schall aus jeder Richtung auf
Acht – zweigerichtet: Mikrofon nimmt Schall von vorne und hinten am stärksten auf
Keule – gerichtet: Mikrofon nimmt Schall überwiegend aus einer Richtung auf

Hinzu kommen verschiedene Mischformen, die im Querschnitt dem Aufriss einer Niere ähnlich sehen.

Doch nicht nur die Form, sondern auch die inneren Werte eines Mikrofons sind in Sachen Tonaufnahme entscheidend.

Kondensator- oder dynamisches Mikrofon – was ist besser?

Denken wir an Heavy Metal, sehen wir Drum Legends wie Dave Lombardo vor unserem inneren Auge. Keine Classic-Rock-Band ohne zumindest einen Gitarristen! Ikonen wie Jimmy Page, Brian May und Jimi Hendrix haben diese Musikrichtung mit ihren Fingerkünsten geprägt. Gerne wird dabei die Rolle des Sängers übergangen. Doch in den meisten Musikstilen unserer Zeit ist die Stimme das wichtigste Instrument überhaupt. So individuell wie der Mensch selbst fallen auch seine Stimmbänder aus.

Kein Wunder, dass nicht jedes Mikrofon zu jedem Sänger passt. Hier hilft nur: Probieren geht über studieren. Als kleine Orientierungshilfe erklären wir dir die Funktionsweise und Klangeigenschaften der wichtigsten Mikros.

Sowohl im Rock- als auch im Metalbereich haben Kondensator- sowie dynamische Mikrofone ihren Platz. Schließlich sind beide Genres alles andere als homogen. Rock lässt sich nochmals unterteilen in:

– Hard Rock
– Indie Rock
– Glam Rock
u. v. m.

Ganz ähnlich sieht es bei den Metallern aus. Hier nur eine kleine Auswahl der Genre-Vielfalt von Heavy Metal:

– Death Metal
– Speed Metal
– Nu Metal

All diese Subgenres setzen ihren Fokus an bestimmter Stelle. Mal ist der Output melodiöser, mal steht das Drum Set im Vordergrund, mal die Gitarre. Werden die Lyrics an einer Stelle geradezu geschrien oder regelrecht dahingegrunzt, gibt es an anderer Stelle die durchkomponierte Ballade mit kräftigen bis zerbrechlichen Vocals. Gemeinsam ist den Musikstilen jedoch ihr stets kerniger Sound. Metalsänger müssen mitunter eine ganze Bandbreite von Gesangsstilen abdecken. Über wie viel Oktaven die Stimme reicht, tritt in Anbetracht der verschiedenen Gesangstechniken dabei womöglich in den Hintergrund. Wichtig ist der authentisch roughe Ausdruck, der oft nicht spurlos an den Stimmbändern der Frontmänner vorbeigeht.

Dynamisches Mikrofon – der Allrounder auf der Bühne

Sowohl dynamische als auch Kondensatormikrofone wandeln analoge Frequenzen – Schallwellen – in elektrische Spannung um. Der Ton wird über eine Membran aufgenommen, die durch Schalldruck – etwa durch Singen oder das Spielen eines Instruments – in Bewegung versetzt wird. Trotzdem gibt es nach Bauart Unterschiede bei der Umwandlung von Schall in elektrische Spannung.

Dynamische Mikrofone funktionieren dabei wie ein Lautsprecher – nur umgekehrt: Die auf die Membran montierte Schwingspule taucht unter dem Einfluss von Schalldruck in ein Magnetfeld. Nach dem Prinzip der elektromagnetischen Induktion wird dadurch ein Spannungsimpuls abgegeben. Daraus ergibt sich der erste Pluspunkt für dynamische Mikrofone: Sie kommen ohne externe Stromzufuhr aus.

Doch dynamisches Mikrofon ist nicht gleich dynamisches Mikrofon. Im Gegensatz zu einem herkömmlichen Tauchspulenmikrofon ist ein Bändchenmikrofon überaus sensibel. Das „Bändchen“ ist ein dünner Aluminiumstreifen, der durch Schalleinfluss zwischen zwei Polen eines Magnetfelds in Schwingung gerät und so Spannung induziert. Während das Bändchenmikrofon vor allem früher in Tonstudios zur Grundausrüstung gehörte, wird es zunehmend aufgrund seiner starken Empfindlichkeit ausrangiert. Ein Metaller wird wohl kaum in Beührung mit einem Bändchenmikrofon kommen.

Metalheads und Rocker greifen vorzugsweise zu einem robusten Tauchspulenmikrofon wie dem Sennheiser MD 421 oder dem Shure SM7B. Für die Feinabstimmung und um für satten Sound zu sorgen, kommst du um die Anschaffung eines hochwertigen Preamps nicht herum.

Vorteile des Tauchspulenmikrofons im Überblick

– robust
– kaum anfällig für Rückkopplungen
– klare Richtcharakteristik / wenig Umgebungsgeräusche
– unempfindlich gegen hohen Schalldruck (z. B. durch Schreien)

Doch das Tauchspulenmikrofon hat auch eine Kehrseite. So reagiert es relativ empfindlich auf Körperschall. Während es ein praktischer Allrounder zur Aufnahme von Gesang und Instrumenten auf der Bühne ist, bietet es nicht dieselbe Auflösung wie ein Kondensatormikrofon.

Das Hochauflösende – Kondensatormikrofon fürs Tonstudio und mehr

In einem Kondensatormikrofon ist eine hauchdünne, elektrisch leitfähige Membran dicht vor einer zumeist gelochten Metallplatte verbaut, die als Gegenelektrode fungiert. Treffen Schallwellen auf die Membran, verändert sich der Abstand zur Metallplatte. Um diese Veränderung als elektrisches Spannungssignal einzufangen, bedarf es einer Vorspannung – also einer externen Stromzufuhr. Im Grunde funktioniert jedes Kondensatormikrofon wie ein Plattenkondensator – daher auch der Name.

Kondensatormikrofone sind zwar empfindlicher als Tauchspulenmikrofone, jedoch auch klanggetreuer. Großmembran-Mikros reagieren besonders sensibel auf akustische Reize. Sie nehmen auch die leisen Stellen zuverlässig auf und überzeugen mit wenig Eigenrauschen. Geht es jedoch um Reaktionsfähigkeit bei der Tonaufnahme, haben Kleinmembran-Mikros die Nase vorn. Sie nehmen schnelle Beats und hohe Frequenzen besser als Kondensatormikros mit großer Membran wahr.

Vorteile von Kondensatormikrofonen im Überblick

– starke Klangtreue
– gutes Impulsverhalten / Reaktionsfähigkeit
– klare Tonqualität, auch bei leisen Stellen

Und die Nachteile? Lautes Schreien verträgt das sensible Kondensatormikrofon nur begrenzt. Es ist auch ansonsten etwas sanfter anzufassen. Nicht nur zu hoher Schalldruck, sondern auch andere mechanische Einflüsse wie etwa Schütteln, Werfen oder Fallenlassen können diesem Mikro zu schaffen machen. So ist es die richtige Wahl für Balladen und hochauflösende Aufnahmen im Tonstudio – wo weniger geheadbanged wird.


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