Wie auch immer, ich betrete also den Unikeller – für alle die dort noch nicht waren: es handelt sich um eine Musikkneipe, und im Moment läuft auch passend zum geplanten Programm locker rockige Musik. Die winzige Bühne am hinteren Ende der Kneipe macht mir klar, dass die Bands nicht etwa in einem separaten Raum auftreten werden. Mir kommt der Gedanke, dass dies wohl eher ein Kneipenbesuch mit netter Begleitmusik wird, statt ein ausgewachsenes Konzert. Aber gut, ich schnappe mir einen Barhocker, klemme mich hinter einen Stehtisch gegenüber der Bühne und mustere die zirka 30 Mann, die sich in der Kneipe aufhalten. Sehr viele Junge Leute dabei, hauptsächlich schwarz gekleidet. Schulterzuckend bestelle ich mir ´ne Cola und werfe einen Blick auf die Uhr. Punkt Neun, jetzt sollten eigentlich die ersten Musiker erscheinen. Aber nichts da. Erst um kurz vor halb zehn, als ich gerade dabei bin mir die zweite Cola zu bestellen, betritt jemand die Bühne und fängt an, an seiner Gitarre rumzufingern.

Es ist hier inzwischen eng geworden, 50 oder 60 Anwesende, würde ich sagen, alle in schwarz… und mit dem Auftauchen der ersten Band gibt es auch schon das erste Jubeln: offensichtlich hat hier jemand jede Menge Fans mitgebracht. Ich mache mich schlau welche der beiden Bands da vorne denn nun steht: es ist Trish, die Allstar-Band, in der unter anderem Mitglieder von „Filigrane Chaos“, „The Cutes“ und „Burnside Estate“ mitmischen. Der knapp bemessene Raum vor der Bühne ist überfüllt mit Fans, dahinter drängen sich weitere Menschen zwischen die Stehtische. Gut dass ich einen Sitzplatz habe. Langsam sieht es hier doch wie ein Konzert aus. Als Trish anfangen zu spielen, wird die Aufmerksamkeit aller Kneipengäste unweigerlich auf die Musik gelenkt, denn mit Lautstärke wird hier nicht gespart.

Nach einem knackigen Intro, bei dem anfangs die Technik nicht mitzuspielen scheint, starten Trish mit ihren ersten Songs. Von dem was ich live höre, gehen sie eindeutig Richtung MetalCore, das Publikum wird mit einer ziemlich harten Soundwand konfrontiert, nicht schlecht. Der Frontmann hat ein paar nette Shouts drauf, besonders gefällt mir auch die männliche Zweitstimme, die ihn ab und an unterstützt. Dann wäre da auch noch die weibliche Sängerin, aber leider scheint ihr Mikro defekt oder völlig mangelhaft eingestellt zu sein, von ihr hört man nämlich leider fast garnichts… das Publikum geht dennoch gut mit, vor allem direkt vor der Bühne sieht man fortwährend energisches Kopfnicken, und jeder Song wird mit ordentlichem Beifall belohnt.

Schon nach einer halben Stunde Spielzeit sind Trish am Ende ihres letzten Songs angekommen. Der Frontmann gibt alles, und kreischt die letzten Zeilen auf dem Boden kniend aus der Lunge. Zehn Uhr ist es, als die Band unter Beifall die Bühne verlässt.Geil!

Innerhalb der nächsten zehn Minuten reduziert sich das Publikum drastisch, nahezu alle schwarzgekleideten Personen ziehen davon, sie alle haben scheinbar noch was anderes vor. So verbleibt ungefähr die Hälfte der ursprünglichen Masse, um zu sehen wie die Jungs von Stonefish die Bühne betreten und einen kurzen Soundcheck durchziehen. Immerhin hat man jetzt ein bisschen mehr Luft zum Atmen, es war vorher doch unangenehm eng in der Kneipe. Schade ist, dass ausgerechnet der Raum vor der Bühne geräumt wurde, es sieht fast aus als ob die Leute die Boxen meiden.

Um 22:15 Uhr fangen Stonefish an zu spielen und überzeugen sofort mit professionellem, glasklaren Sound. Das weit entfernte Publikum ist deutlich begeistert, und der Applaus ist stürmisch, trotz der geringen Anzahl an Leuten. Die Jungs rocken wirklich, aber niemand aus dem Publikum ist bereit sich auch nur einen Schritt der Bühne zu nähern. Vergeblich versucht Stonefish’s Frontmann ein paar mal, die Leute zum Näherkommen zu bewegen. Auch seine Tanz- und Hüpfeinlagen zwischendurch fruchten nicht. Vielleicht ist der Sound für diese kleine Kneipe doch zu laut aufgedreht? Die Leute klatschen lieber aus der Entfernung, dafür aber gleichbleibend stürmisch bei allen elf Songs. Am Ende ist das Publikum derart begeistert, dass es nach einer Zugabe schreit, und es soll eine bekommen. Ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Zuschauer inzwischen zur Homepage der Band gesurft ist (www.stonefish-music.de), dort stehen unter anderem Demos der Band zum Download.

Als sich Stonefish verabschieden, ist es 23:15 Uhr geworden, der letzte Applaus verklingt, eine Durchsage verkündet, man könne jetzt im ‚Gewölbe’ zu rockiger Musik weiterfeiern.

Das ‚Gewölbe’ sehe ich mir noch an: es ist tatsächlich ein Gewölbe, fertiggemacht als Partyraum, mit DJ Pult und viel Platz zum Tanzen Bilder davon gibt es auf der Homepage des Unikellers. Ganz nett, aber mich verschlägt es jetzt heimwärts.

Es war ein nettes Konzert, auch wenn der Unikeller vielleicht nicht gerade die optimale Location für derartige Veranstaltungen ist. Aber hey, Livemusik für 0 Euro, wer beschwert sich da? Den Unikeller könnt ihr euch übrigens ruhig mal ansehen, auch wenn gerade keine Band im Programm ist. Ist ein netter Ort um mal einen trinken zu gehen.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen