Es war der griechische Philosoph Heraklit, der mit seiner Aussage „Alles fließt“ die Tatsache in eine philosophische Gesetzmäßigkeit verpackte, dass alles einem steten Wandel unterliegt.

Einen gewissen Realitätsanspruch, den derartige klassische Erkenntnisse auch heutzutage vielfach haben, beweist uns beispielsweise die Geschichte vieler Bands, die gegründet werden, oftmals mit, vielfach ohne zahlreiche Besetzungswechsel erfolgreich werden – oder auch nicht. Und die sich, um die stetige Bandentwicklung abzuschließen, auch irgendwann wieder auflösen.


So geschehen bei der Band Boozed, einem der Osnabrücker Vorzeigeobjekte, geht es um gute, handgemachte Gitarrenmusik. Doch gerade die Tatsache, dass das Projekt gegenwärtig von seinen Gründern zu Grabe getragen wird, verschafft dem Neuengagement von Boozed-Frontmann Markus Strothmann starken Auftrieb. Wie sonst ist es erklärbar, dass die neu gegründete Formation Turbine Weststadt ihren ersten Auftritt auf der Prestige-Veranstaltung Osnabrücker Maiwoche verbuchen konnte und darüber hinaus von der hiesigen Lokalpresse bereits im Vorfeld kräftig abgefeiert wurde?

Um es kurz zu machen: Den erteilten Vorschusslorbeeren wurde das Quartett gerecht. Wie von Boozed gewohnt und wie auch in diesem Fall erhofft rotzt, kracht und rockt die Musik und, um in den Klischeejargon vieler Rock-Rezensenten zu verfallen: Sie „hat Eier“. Wer allerdings eine Kopie von Boozed erwartetet hatte, dürfte enttäuscht werden: Die Gruppe hat durchaus einen eigenständigen Klang und wirkte auf diesem ersten Gig trotz aller Energie weniger ekstatisch, als man es von ‚Boozed gewohnt ist.

Der Hauptunterschied besteht jedoch zweifelsohne in den Texten, die der neue Hoffnungsträger am hasestädtischen Bandhimmel nunmehr auf deutsch präsentiert. Wessen Geistes Kind bei der Texterstellung die Feder führt, zeigt die Auswahl zweier präsentierter Coverstücke: Herbert Grönemeyers Alkohol markiert in der ruppigen Turbinenversion wohl ebenso wie das Stück „Know your enemy“ der umtriebigen politischen Agitatoren Rage Against The Machine jenen jugendlichen Grad an Kritikbedürfnis (vulgo: Wut), der auch die weitere musikalische Karriere von Markus Strothmann und seinen Mitmusikern begleiten will. An herausfordernden Seitenhieben auf das gegenüber der Bühne positionierte Maidorf einer gelegentlich kritisierten Osnabrücker Diskothek fehlte es zumindest nicht.

Besagte Mitmusiker sind im Osnabrücker Bandgeschehen ebenso wie Markus Strothmann keine Unbekannten mehr. Bassist Matthias Jansen leiht beispielsweise der Partyband Real Spirit seine Saiten, ist aber auch in der in Szenekreisen bekannten Formation Yes, Please! aktiv, die Finalist beim renommierten „Rock in der Region“-Wettbewerb im Jahr 2009 war. Sein Kollege an der Gitarre, Alexander Schmitz, ist Teil des Osnabrücker Singer/Songwriter-Projektes Traumrekorder und musiziert bei der ebenfalls recht bekannten Partyband Smile. Dies verbindet ihm mit dem Vierten im Bunde, Schlagzeuger Sven Jentgens, der neben Smile und Turbine Weststadt unter u.a. bei der Osnabrücker Soulgruppe Melody & Soul im Einsatz ist. Gefunden haben sich die vier Musiker am Institut für Musik (IfM) der Fachhochschule Osnabrück. Die musikalische Leistungsfähigkeit, die das Quintett auf der Maiwoche bot, darf demnach nicht verwundern. Bleibt zu hoffen, dass die Entwicklung dieser Band erfreulich verläuft. die Inbetriebnahme der Turbine kann jedenfalls als voller Erfolg gewertet werden.

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