Das es auch anders geht und aus dem hohen Norden auch mal Metal in einer eher klassischen Variante kommen kann, beweisen uns die Twilight Guardians nun bereits zum vierten Mal mit ihrem Album ”Ghost Reborn”.

Schon der Vorgänger “Sintrade“ war ja nicht von schlechten Eltern. Auf ihrem neuen Silberling präsentieren sich die fünf Musiker allerdings deutlich gereift. Das ganze Album versprüht das Gefühl, dass diese Combo einen großen Schritt nach vorne gemacht hat. Und dieser Schritt geht ein wenig zu Lasten der Geschwindigkeit. Fanden sich auf der letzten Scheibe hauptsächlich Up-Tempo Songs der besten Power Metal Sorte, so ist dieser Release weit deutlicher im Mid-Tempo angesiedelt. Groove ist in diesem Fall die Devise. Und den zu erzeugen gelingt vor allem der Rythmussektion mit Drummer Henri Suominen und Basser Mikko Tång bestens. Zusätzlich schleicht sich aber immer auch ein Schuss Melancholie in die Songs ein. Eine Tatsache, die man oft bei Bands aus dieser Region beobachten kann. Ob das was mit dem Wetter und dem langen Winter zu tun hat? Da werden wir uns wohl auch noch in den nächsten hundert Jahren den wildesten Spekulationen hingeben.

Ähnlich wie die Rythmussektion muss im übrigen auch Sänger Vesa Virtanen gelobt werden. Seine charakteristische Stimme fügt sich bestens in die Songsstrukturen ein. Dennoch bleibt sie immer das entscheidende Element in jedem Lied. Ohne würde auf diesem Album mächtig was fehlen. Denn die Melodiearbeit von Gitarrist Carl-Johann Gustafsson ist nicht gerade überragend. Handwerklich sicherlich fehlerfrei, fehlen hier einfach die zündenden Ideen. Standardriffs und zu oft gehörte Soli beherrschen das Gitarrenspiel. Das geht definitiv besser. Ähnliche Kritik muss wohl auch Keyboarder Jari Pailamo über sich ergehen lassen. Er dudelt meistens nur belanglos im Hintergrund rum. Viel würde dem Album nicht fehlen, wenn er seine Mitwirkung versagt hätte.

Insgesamt haben wir es also mit einer Scheibe zu tun, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Groove und eine gewisse nordische Melancholie. Was hingegen fehlt sind die zündenden Ideen, um aus Songs Hits und aus Titeln Partykracher werden zu lassen. Wer allerdings auf etwas langsameren Power Metal der Marke Sonata Arctica steht, der kann ruhig mal in “Ghost Reborn“ reinhören. Gelingt es den Twilight Guardians allerdings nicht ihre durchaus guten Ansätze weiter zu entwickeln, dann werden sie nie aus diesem großen Schatten heraus treten.