„Privilege To Overcome“ ist ein von Beginn an äußerst kraftvolles Album. Der Opener „Spell Of The Moon“ donnert nach einem kurzen Wolfsgeheul direkt los und lässt im Hinblick auf Technik, Aggressivität und Produktion eigentlich keine Wünsche offen. Der Sound ist klar, wirkt jedoch in keinster Weise überproduziert. So sollte sich old-school-orientierter Thrash aus dem Jahr 2013 anhören. Gesanglich orientiert sich Frontmann und Gitarrist Loris Castiglia ein wenig in Richtung Chuck Billy von Testament, würzt seine Vocals allerdings stellenweise mit einem gewissen Death-Faktor. Ganz im Stile alter amerikanischer Thrash-Pioniere werden die Refrains vom Chor aus dem Hintergrund hereingerufen, und bleiben so schnell im Kopf des Zuhörers. Gute Voraussetzungen für Konzertbesuche. Das folgende Stück „L.F.D.Y.“ (Abkürzung für „Live Fast, Die Young“) startet mit einem wuchtigen Riff und wird anschließend von schnelltreibenden Drums weiter nach vorne geprügelt. Für mich definitiv ein Highlight aus dem Repertoire der jungen Italiener, die hier eindeutig ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Die vier Mannen schaffen es, dieses Niveau über das gesamte Album auf dem gleichen Level zu halten: Songs wie „Stigmatized Reality“ oder „Turn Into Dust“ sind weitere Highlights, die besten Thrash Metal in den Gehörgang schießen. Als kleinen Durchhänger könnte man den Titel „You’re Dead“ bezeichnen, da es sich hierbei um einen Lückenfüller von gerade mal 55 Sekunden Länge handelt. Nach dem mit Bass eingeleiteten „Metal Milizia“, welches in gewissen Teilen an den Sound von „Kill ‘Em All“ erinnert und somit zu den besonderen Anspieltipps gehört, wird es auf einmal ruhig und klar: „When Future & Past Collide“ ist als Intro zum finalen Gewemmse konzipiert, und nach diesem Ausflug in ruhigeres Fahrwasser bricht ein letzter Sturm los: Großartiges Schlagzeuggeprügel und sägende Sechssaiter blasen noch einmal den letzten verbliebenen Staub aus den Boxen und bilden einen gelungenes Finale. Passenderweise unter dem Songtitel „Ride Across The Storm“.

Sitzt man nach dem ersten Durchgang leicht geflasht vor seinem Wiedergabegerät, so entdeckt man, je häufiger man das Album hört, weitere Feinheiten und Spielereien, die einen immer wieder bewegen, die Play-Taste erneut zu betätigen. Allein im über acht Minuten langen „The Voodoo Cross“ gibt es einiges, was zu entdecken lohnt.

Abschließend lässt sich sagen, dass die Italiener mit ihrem Debüt ein sehr gelungenes Album rausgehauen haben, welches jedem geneigten Thrash-Fan einige intensive Minuten bescheren wird. Bleibt zu hoffen, dass die vier diesen eingeschlagenen Weg weiter gehen und auch in Zukunft solche Musik auf Platte bannen. Außerdem darf man gespannt sein, ob die Herren in entfernter Nähe den Weg nach Deutschland finden, sodass man sich auch hierzulande von einem Live-Auftritt überzeugen lassen kann.

Tracklist

  • 01. Spell Of The Moon
  • 02. L.F.D.Y.
  • 03. Order Of The Black
  • 04. Stigmatized Reality
  • 05. Restless Parasite
  • 06. Turn Into Dust
  • 07. The Voodoo Cross
  • 08. You’re Dead!
  • 09. The Beast Behind Your Back
  • 10. 10.000 Ways To Spread My Hate
  • 11. Metal Milizia
  • 12. When Future & Past Collide
  • 13. Ride Across The Storm