Etwa um 18.40 Uhr standen zwei Freunde und meine Wenigkeit vor den Toren des Aladin. Eine verhältnismäßig kurze Schlange bot einen einigermaßen wunderlichen Eindruck, handelte es sich doch um einen Künstler, der auf dieser Tournee und in den letzten Tagen, fast täglich vor ausverkauftem Haus spielen konnte. Mir war es wurscht, denn ich habe mir die sinnige Gleichung aufgestellt „Kürzere Schlange = schneller rein = besserer Platz“. Das ich damit gar nicht mal falsch lag, stellte sich dann drinnen raus.

Das Aladin ist ein verhältnismäßig übersichtlicher Laden, da er größtenteils aus einer Konzert- und Veranstaltungshalle besteht. Aufgrund der architektonischen Gegebenheit, dass es breiter als lang ist, bot das Aladin aus jeder Position einen guten Blick und eine recht gute Bühnennähe.

Ich ließ meinen Blick einmal durch den Raum schweifen und erblickte auch gleich mal den Grafen, der umringt von seinen Anhängern fleißig Gelegenheit für Fotos gab und nebenbei signierte, was das Zeug hielt.

Nach der Abgabe unserer, in der mittlerweile arg warm gewordenen Halle, überflüssigen Jacken und einem, preislich durchschnittlichen 3 Euro Bier zur Abkühlung begann das Konzert um ziemlich genau 20 Uhr mit FAQ. Das Kürzel steht im übrigen tatsächlich für den online weitaus bekannten Begriff „Frequently Asked Questions“.

Die Elektroniker aus der Schweiz haben von uns, die wir eigentlich hinter der eigens für Raucher hochgezogenen Plexiglaswand im Raucher-Tresenbereich saßen, nur Aufmerksamkeit bekommen, da auf einmal ein Wummern durch den Raum ging als würde eine Kanone abgefeuert werden. Keine Kanone, dafür drei vornehm schwarz gekleidete Personen fanden wir dann aber schließlich auf der Bühne. Der ganz stark an Placebo Sänger Brian Molko erinnernde Sänger Philip Noirjean verrenkte sich bereits wie von starken inneren Schmerzen gequält auf der Bühne, neben ihm Gitarrist Pille und am Keyboard der Unheilig Keyboarder und FAQ Produzent Henning Vorlage.

Das erinnerte mich doch glatt an das Hamburger Konzert, wo der Henning ja schon einmal im Vorprogramm die Tasten drückte. Wie bereits erwähnt boten FAQ gewaltig Druck. Mit lautem sogar recht schnellen und, unter anderen Umständen, sehr tanzbaren Electro/Industrial versuchten die Schweizer das Bremer Publikum zu bewegen. Leider, wirklich leider, denn die Leistung der, mir nur von der Schattenspiel Tour CD bekannten, Band war wirklich gut, wollten die Bremer um mich herum nicht so richtig gut abgehen, Publikumsspiele wie das Mitklatschen wurden weitestgehend ignoriert und es wirkte, als würde ein gewisser Teil sogar etwas genervt sein. Wie gesagt, kann ich mich dieser Gefühlslage nicht anschließen.

Es wurde eine gute Show geliefert, die durchaus amüsant war und gute Musik gebracht hat.

Mit einem kleinen, selbstironischen Witz zur eigenen Herkunft und der Herkunft des „überragenden, weltbekannten“ Mitschweizers DJ Bobo wurde der letzte Song angekündigt und es folgte die Umbaupause, das Equipment verschwand und drei große Kerzenständer, die in kein mittelständisches Wohnzimmer zu passen scheinen, nahmen ihre Plätze ein. Genug Platz für den Grafen, seine bekanntermaßen platzintensive Bühnenshow zu vollziehen.

Nach etwa 20 Minuten ging es dann auch los. Mit dem Lieblingssong unserer weiblichen Begleitung, für die dieses Konzert ihr erstes ihrer jungen Jahre war, wurde der unheilige Abend eingeläutet: „Spiegelbild“.

Wenn es einen Künstler gibt, von dem man behaupten kann, das sein erster Auftritt auf der Bühne wie ein Knall wirkt, dann ist es der Graf. Mit Sprüngen kommt der Mann, von dem man wohl ohne Übertreibung behaupten kann, der ganze Saal hätte auf ihn allein gewartet, auf die Bühne und gab sich und uns die Ehre.

Ein jubelnder Sturm der Begeisterung war wie entfesselt, die fast ausverkaufte Halle des Aladin empfing Unheilig mit allen Ehren.

Eine gelungene Mischung „alte und neue“ Songs wurde dargeboten, zunächst neuere Titel wie das eben erwähnte „Spiegelbild“ und dann nach einigen dankbaren Worten an das Publikum, welches Unheilig eine so erfolgreiche Tour bescherte, „Fang mich auf“. Daraufhin, beginnend mit „Schutzengel“ wurde die Stimmung stark vertieft, „Sage Ja“, „Auf zum Mond“ und „Astronaut“ sind nach wie vor Live sehr gern gehörte Tracks die stets Publikumsresonanz erzeugen und Titel sind, die so ein Konzert tragen.

Dennoch hatte ich das Gefühl das, das neue Album „Puppenspiel“, das der Tour auch den Namen gab, einiges an Zugkraft hatte, neue Fans zu werben.

Das ist auch gar nicht weiter schlimm, war aber Live ein interessanter Anblick:

Zwischen Gothics in schönster Tracht und dunkelstem Schwarz waren Menschen jeder Altersklasse und Fason gestreut. Was alle wohl gleichermaßen erleben durften war allerdings ein erwartungsgemäß emotionales Konzert.

Die zweite Hälfte war geprägt von bekannten Liveknallern wie etwa „Freiheit“ oder „Maschine“.

Alles in allem eine ausgezeichnete Playlist mit reichlich Publikumsbeteiligung und genug Schweiß vom triefenden Grafen. Dieser verbrauchte während 17 Songs 3 Mikrofone und musste zwangsläufig nach jedem Song hinter der Bühne verschwinden um sich abzutrocknen. Dennoch, die Schweißtropfen flogen in Massen in die ersten Reihen.

Dies könnte auch an den unfassbar stickigen Luftverhältnissen in der Halle liegen, ich hatte mehrfach das Gefühl, die Bässe würden aus meiner Lunge jegliche Luft herauspressen und neue Luft einzuatmen war kaum möglich, da die Luft stand; fast schon zum heraustragen gedrückt wirkte. Zwar waren an der Decke so etwas wie Ventilatoren auszumachen aber entweder waren die nicht eingeschaltet oder funktionierten nicht.

Zu den Ansagen: Es war eindeutig ein bisschen Wehmut in der Mimik und Gestik der Band zu sehen, die nun eine ereignisreiche Tour beendete. Es wurde der schweren Erkrankung des Sängers gedacht, die ihm wohl so schwer zu schaffen gemacht hatte, dass es fraglich war, ob denn überhaupt noch ein Auftritt kommen mag, als Ansage für „Sei Mein Licht“, mit dem er den Fans danken wollte, dass sie ihn mit ihrer Resonanz wieder aufbauten und schließlich motivierten weiter zu machen. Aber auch Tränen, die zu einem schweren Verlust vergossen worden waren und den Song „An Deiner Seite“ inspirierten kamen zur Sprache. Man mag behaupten was man will, aber das Beben in der Stimme, die Mimik und bitteren Tränen im Gesicht des Grafen, die verkrampften Züge und die schweren Worte, all dies, mag man behaupten, sei nichts als hervorragende, schauspielerische Kunst. Ich für meinen Teil, nicht nur als Freund von Unheilig, glaubte jede Sekunde und glaube sie immer noch. So etwas kann man nicht imitieren.

Aber das muss man wohl selbst gesehen haben.

Reichlich dürftig für einen solchen Abend fielen dann allerdings für meinen Geschmack die Zugaben aus. Es waren nämlich eigentlich nur zwei. Dafür wurde aber den gesamten Abend über ordentlich Vollgas gegeben und somit war dann zum Ende hin jedermann versöhnt. Wir verweilten noch eine halbe Stunde in der Halle, setzten uns auf eine Bank, genossen noch ein mehr als nötiges und vor allem kaltes Bier und trafen noch einige Bekannte. Kurz bevor wir uns nun, wie so viele vor uns schon, auch auf den Weg nach Hause machen wollten kam der Graf, begleitet von Security und anderen, zum üblichen After – Show – Plausch, grüßte die schon seit Ende der Show anwesenden FAQ – Leute und huschte zum Merchandise Stand. Ungewöhnlich für ein Unheilig Konzert war dann aber doch die sehr überschaubare Zahl derer, die noch ein Autogramm, Foto oder einfach Gespräch mit dem Grafen suchten. Allerdings war auch Sonntag, das arbeitende Volk musste ins Bett, sich für den elenden, immer wiederkehrenden Montag ausschlafen. Also war nicht viel anderes zu erwarten. Wir verzichteten mal darauf uns noch mit anzustellen, holten unsere Habseligkeiten und fuhren nach Hause.

Ein herausragendes Konzert und würdiger Abschluss der eigentlichen Tour.

Setlist Unheilig:

  • 1. Spiegelbild
  • 2. Fang mich auf
  • 3. Schutzengel
  • 4. sage ja
  • 5. Auf zum Mond
  • 6. Astronaut
  • 7. Tanz mit dem Feuer
  • 8. Spielzeugmann
  • 9. An deiner Seite
  • 10. Feuerengel
  • 11. Sei mein Licht
  • 12. Lampenfieber
  • 13. Maschine
  • 14. Freiheit
  • 15. Mein Stern
  • 16. Ich will alles

———————————

  • 17. Mein König
  • 18. Der Vorhang fällt

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen