Angekündigt sind die Untoten mit ihrer Grabsteinland Tour. Und das Warten hatte sich gelohnt, es wurde durchgetanzt und sie war so begeistert, dass sie zugleich CD und Poster erstand. Ein Jahr nach der Beendigung ihrer Grabsteinland Trilogie präsentieren uns die Untoten nun etwas ganz Neues. Mit ihrem neuen Album “Die Blutgräfin” haben Greta Csatlos und David A. Line etwas einzigartig Schönes geschaffen. Gehüllt in ein schwarzromantisches Singspiel, erzählt man die intensive Lebens- und Leidensgeschichte der berüchtigten Gräfin Elisabeth Báthory, die von 1560 – 1614 in Ungarn lebte. Die „Blutgräfin“ soll zu Lebzeiten etwa 600 junge Mädchen gefoltert und getötet haben, um in ihrem Blut baden zu können und so ihre Schönheit aufrecht zu erhalten. Diese beliebte Thematik, die von vielen Büchern (z.B. in Wolfgang Holbeins Chronik der Unsterblichen) und Liedern (z.B. Kamelot „One Cold Winter’s Night“) aufgegriffen wird ist allerdings lange nicht so weit verbreitet, wie die Geschichte von Dracula, was sie umso reizvoller macht. Angelehnt ist die von den Untoten erzählte Geschichte an die überlieferten Begebenheiten, es wird jedoch nicht nur wiedergegeben, sondern vielmehr ein moderner Kontext geschaffen. Ausgangspunkt ist ein Event, das ca. 400 Jahre nach dem Wirken Elisabeth’s auf Schloß Csejthe stattfinden soll. Nach einigen unheilschwangeren, mysteriösen Ereignissen, erwacht die junge Studentin Henriette (die eine auffallende Ähnlichkeit mit Elisabeths damaliger Dienstbotin und Geliebten aufweist) im 16. Jahrhundert wieder und steht dem Geiste Elisabeths gegenüber. Diese beginnt Henriette ihr ganzes Leben zu erzählen. Das Konzept geht auf. Die Geschichte wird untermalt von stimmungsvollen Piano-Klängen, die die ausdrucksvollen weiblichen Stimmen, die allesamt von Greta gesungen werden, begleiten. Es gibt trotz dieser komplexen Handlungsvielfalt keine Gastsänger auf der Scheibe. So singt Greta die Blutgräfin, Henriette, Bluthündinnen und Geistermädchen und David singt Gregory und Fiezko, was sehr eindrucksvoll gelingt. Jede Figur hat ihre eigenen Charakterzüge, die eine sofortige Wiedererkennung gewährleisten. Besonders empfehlenswert sind die Duette der Beiden, die die atmosphärischen Spannungsbögen untermauern. Die Auseinandersetzung mit der „Blutgräfin“ als Menschen gelingt genial, die allesamt sehr ruhig gehaltenen Stücke bringen die Stimmung bestens rüber und die Einteilung in Akte und die visuelle Untermalung durch das Booklett, das die Bilder zu den einzelnen Songs beschreibt, leisten ihr Übriges. Insgesamt eine außergewöhnliche, heraus stechende Leistung, deren Qualität auch durch Artwork und 36 seitiges Booklett untermalt wird. Nicht nur Fans von Hörbüchern oder Gothic sollten mal in dieses Konzeptalbum hineinhören. In diesem Sinne 4,5 von 5 Gitarren!