Als ich davon hörte, dass die Summer-Campaign-Tour, bestückt mit zwei der besten Bands des Death-Metal-Genres, Vader als Headliner und Krisiun als Co-Headliner, den Bastard-Club in Osnabrück beglücken würde, war mir sofort klar, da musst du dabei sein. Klar Vader und Krisiun hatte ich schon mehrmals vorher gesehen, aber nie in einem kleinen Club. In Erwartung einer intensiven Metal-Show machte ich mich also auf gen Osten in die Buersche-Straße.


Unterstützt wurden Vader und Krisiun von der dänischen Support-Band Essence aus Aalborg. Leider war es zu Beginn des Sets der jungen Dänen doch recht übersichtlich vor der Bühne, was jedoch nicht an fehlender spielerischer Klasse gelegen haben kann. So überzeugte Essence mit technisch, herausragend dargebotenem Thrash-Metal, welcher nicht stumpf heruntergezockt wurde, sondern durch fantastische Soli der Saitenfraktion bereichert erste Headbanger in die spärlich gefüllten Reihen vor die Bühne lockte. Jedem der Musiker merkte man den Spaß an der Sache deutlich an. Hervorzuheben ist zudem das kurze aber hochklassige Bass-Solo, welches Szeneapplaus ernten konnte. Nach knapp 30 Minuten war für Essence Schluss.

Die zweite eigentlich eingeplante Support-Band Resistance war aus mir unbekannten Gründen nicht mit dabei, aber das machte mir persönlich nichts aus. Bei mir und auch den anderen Konzertbesucher war nun deutlich zu spüren, dass die Anspannung stieg, denn nun war es nicht mehr lange hin, bis die brasilianischen Krawallbrüder von Krisiun die Bühne entern sollten.

Krisiun stehen schon seit knapp mehr als 20 Jahren für extremen, technisch anspruchsvollen und kompromisslosen Metal und zusammen mit ihren Landsmännern von Sepultura stellen sie die Speerspitze harter Musik vom Zuckerhut dar. So beginnen die Drei nach kurzer Begrüßung des Publikums mit „We Are Krisiun!“ gewohnt brutal mit „Ageless Venomous“, dem Titelsong ihres vierten Albums. Dieser Song besticht schon zu Anfang durch irre Schlagzeugrhythmen, die dank des vollen Sounds innerhalb weniger Momente die Köpfe der Fans zum Kreisen bringen. In dieser Manier wird sich gnadenlos durch die Setlist geknüppelt. Allen voran Sänger Alex Camargo, aber auch Gitarrist Moyses Kolesne und Schlagzeuger Max Kolesne, stehen dabei in ständigem Kontakt zum Publikum und werden nicht müde sich bei diesem mit zwar etwas prolligen, vielgehörten Phrasen und vielgesehenen Gesten zu bedanken. Das gute dabei ist jedoch, dass man den Jungs diese Anerkennung für ihre Fans jederzeit bei jedem Song, jedem Solo und jedem Double-Bass-Gewitter abnimmt. Krisiun sind spirchwörtlich mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, denn anders sind diese intensiven, schlauchenden Songs nicht auf der Bühne zu realisieren. Aber auch die Osnabrücker Fans werden nicht geschont und so verschmilzt der Bastard-Club mitsamt den angestrengten aber glücklichen Besuchern zu einer einzigen schwitzenden Masse. Auf die Spitze wird dies mit „Dissident Abomination“, einem neuen Lied des kommenden, Ende des Jahres erscheinendem Albums, getrieben. Dieser Song beginnt sehr getragen und animiert unmittelbar zu den absurdensten Genick- und Halsverengungen. Über die gesamte Songlänge hält sich dieser unglaubliche Drive, dem sich keiner, der nur annähernd des Metals frönt, entziehen kann. Aus meiner Sicht kann sich der geneigte Krisiun-Konsument auf ein nächstes Meisterwerk der drei Südamerikaner freuen, wenn auch nur im geringsten Maße dieses Qualitätslevel über die Albumlänge gehalten werden kann, von dem man anhand des bisherigen Referenz-Albums des Brutal Death-Metal „Southern Storm“ getrost ausgehen kann. Das auf diesen Song folgende Doppelpack mit „Bloodcraft“ und „Vicious Wrath“ vom „AssassiNation“-Album verlangt den Headbangern nochmal alles ab und so wird auch anständig mitgegröhlt. Nach gut 50 Minuten hinterlassen Krisiun eine verschwitzte, ausgepowerte aber voll befriedigte schwarze Menschenmasse, die mit „King Of Killings“ vom Album „Apocalyptic Revelation“ in den vorläufigen Feierabend entlassen wird.

Setlist Krisiun:

  • 01. Ageless Venomous
  • 02. Combustion Inferno
  • 03. Vengeances Revelation
  • 04. Dissident Abomination (New Song)
  • 05. Hatred Inherit
  • 06. Vicious Wrath
  • 07. Bloodcraft
  • 08. Sentenced Morning
  • 09. King Of Killings

Angesichts dieser intensiven Show brauche ich erstmals eine Verschnaufpause mit einem kühlen Staropramen auf dem Parkplatz. Dabei stellt sich mir die Frage, wie um alles in der Welt ich denn noch Vader überstehen soll. Aber schon nach wenigen Minuten nähert sich meine Körpertemperatur wieder der 37 ° Grad-Marke und so begebe ich mich zurück in die Tiefen des Bastard-Clubs. Wie ich sofort feststellen kann ist dieser nun noch besser gefüllt als bei Krisiun und so steigt nicht nur bei mir minütlich die Vorfreude auf das polnische Death-Metal-Urgestein Vader.

So klassisch wie Krisiun steigen auch Vader in ihren gut 60-minütigen Gig ein. Das bewährte Song-Duo, bestehend aus „This Is The War“ und „Lead Us“, verliert auch offensichtlich nach mehreren Jahren nicht ihre einschlagende Wirkung. Schon nach wenigen Minuten steht der Bastard-Club Kopf: es gibt Solo-Mosher, Mosh-Quartette, Crowd-Sufer und Stagediver, die mehr oder weniger erfolgreich an der niedrigen Decke entlangschleifen. Dachte man die Masse der Metalheads wäre schon bei Krisiun extremst abgegangen, so wird man eines Besseren belehrt. Es gibt schlichtweg kein Halten mehr und niemand im Club kann sich dieser Macht entziehen. Dabei geht es so eng zu, dass es unmöglich für den ambitionierten Konzert-Reviewer ist (Das wäre ja dann ja wohl „Je“), alle gespielten Songs adäquat auf einem Zettel festzuhalten, geschweige denn noch annähernd brauchbare Fotos zu schießen. Wie auch schon bei Krisiun erhält auch bei Vader ein neuer Song Einzug in die Playlist. Der noch namentlich unbekannte Song wird auf dem ebenfalls Ende des Jahres erscheinendem Album „Welcome To The Morbid Reich“ erscheinen. Soviel sei gesagt: wo Vader drauf steht ist auch zu 100% Vader drin! Peter und seine Mannen beenden ihren Auftritt auf das vehemente Verlangen der Konzertbesucher mit einem Cover-Doppelschlag: zunächst wird ein Black-Sabbath-Cover zum Besten gegeben, ehe mit Slayers Klassiker „Raining Blood“ der Abend standesgemäß im 80th-Feeling beendet wird.

Setlist Vader:

  • 01. This Is The War
  • 02. Lead Us
  • 03. ???
  • 04. Crucified Ones
  • 05. Come And See My Sacrifice (New Song)
  • 06. Rise Of The Undead
  • 07. Shadow Fear
  • 08. Carnal
  • 09. Silent Empire
  • 10. Fire
  • 11. Black Sabbath-Cover
  • 12. Raining Blood (Slayer-Cover)

Was bleibt nun zu diesem Abend abschließend zu sagen?

Eigentlich kann man darauf nur mit einem markerschütternden „Fucking-Metal-Schrei“ antworten!

Nackenschmerzen, leichtes Ohrenfiepen, verschwitzte Klamotten, blaue Flecken, Schrammen an den Beinen, erschlagende Müdigkeit aber glücklich wie eine Katze vor einem gut gefüllten Fressnapf…so muss ein perfekter Metal-Abend aussehen. Von diesem Konzert werde ich noch lange Zeit zehren und mich immer gerne daran zurückerinnern. So nun noch ein abschließendes „Horns-Up“ …Good Night Osnabrück!!!

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