Wertung: 9 von 10

Davon, dass Vader live mitreißen können, konnte sich der geneigte Hörer erst kürzlich zusammen mit Krisiun im Bastard-Club in Osnabrück höchst eindrucksvoll überzeugen lassen. Mit „Welcome To The Morbid Reich“ erscheint nun das neue Album und greift vom Titel her auf das 1990er Demo „Morbid Reich“ zurück. Back To The Roots also?


Diese Frage erübrigt sich ja eigentlich von selbst, denn Vader stehen nunmehr seit 25 Jahren für klassichen Death-Metal polnischer Prägung und können getrost als dessen würdige Begründer angesehen werden. Was wird aber nun auf „Welcome To The Morbid Reich“ geboten und hat sich vielleicht doch etwas verändert? Das erfahrt ihr im aktuellen Review!

Nachdem der langjährige Gitarrrist Mauser die Band vor einigen Jahren verlassen hat, hat sich die Bandbesetzung stetig verändert und man hatte zunehmend das Gefühl Vader würden sich immer mehr zu einer Art Solo-Projekt von Peter entwickeln. Das 2006er „Impressions In Blood“ stellt die letzte gemeinsame Errungenschaft der beiden Herren dar. Und zudem blieb der Abgang des langjährigen Wegbegleiters Mauser nicht ganz ohne Konsequenzen, denn die nachfolgende CD „Necropolis“ konnte den Qualitätsstandards aus meiner Sicht nicht ganz halten. Erklärbar ist dies durch die Tatsache, dass Mauser neben Peter das einzige Bandmitglied bei Vader war, welches beim Songwriting-Prozess beteiligt war und eigene Ideen einfließen lassen konnte. „Necropolis“ entstand folglich unter alleiniger Regie von dem charismatischen Frontmann, welcher zudem alle Instrumente bis auf das Schlagzeug alleine einspielte, und kränkte an der Eindimensionalität und Berechenbarkeit der einzelnen Lieder. Man hatte stets das Gefühl Peter würde, jedenfalls aus seiner von mir antizipierten Sichtweise, ein starker Partner fehlen. Dieser hat sich offensichtlich in dem neuen Gitarristen Spider gefunden, denn der werte Herr hat an mehreren Songs mitgewirkt und manche selbst komponiert. So z.B. das Lied „I Am Who Feasts Upon Your Soul“. Dieser Song verkörpert perfekt wie Vader anno 2011 klingen wollen. Die Songstruktur ist variantenreicher, anspruchsvoller, melodiöser, klassischer und schlichtweg interresanter ausgefallen als noch auf dem vorangegangenen Werk. So beginnt der Track mit einem gelungenen elektronischen Intro und entfaltet sich in der Folge nach und nach immer mehr. So lassen sich im Verlauf Gitarrenpassagen festmachen, welche von der melodiösen Seite her an die breiten, sägenden Gitarrenläufe schwedischen Death-Metals erinnern. Es wird gekonnt mit Tempovariationen gespielt, welche unter anderem durch die hervorrangenden Soli von Spider umgesetzt werden. Ist man von Peter hauptsächlich die slayeresken Quietsch-Soli gewohnt, geht Spider deutlich klassischer und variantenreicher zu Werke. Dabei werden natürlich zu keiner Zeit die sonstigen typischen Vader-Ingredenzien, wie z.B. das tiefe, breite und druckvolle Organ von Peter und das erhabene Schlagzeugspiel von Pawel, vernachlässigt. Letzterer hatte schon vor den Studio-Aufnahmen seinen Abgang bei Vader angekündigt und wird nun durch den 21-jährigen Engländer James Stewart als dauerhaftes Bandmitglied ersetzt. Von den Qualitäten dieses jungen Herren konnte ich mich schon auf dem diesjährigen Summer Breeze selbst überzeugen, aber dies sei nur so am Rande vermerkt.

Zudem hat sich aber noch eine weitere Neuerung bei Vader eingeschlichen, welche sich am starken Opener „Return To The Morbid Reich“ festmachen lässt. Nach dem kurzen Intro „Ultima Thule“ beginnt dieser mit einem äußerst fiesen langgezogenen Growl und entwickelt sich in bester „Shadow Fear“-Manier zur Abrissbirne allererster Güte. Gewürzt wird der Opener durch eine stimmliche Variation in Form von zum Ende hin hochtönig gezogenen Screams von Peter. Diese kleine Innovation fügt sich sehr gut in das Klangbild des Songs ein und so ist diese Technik auch in weiteren Songs des Albums zu finden. Eine Ausnahme stellt dabei „Decapitated Saints“ dar, der den Vader-Spezialisten von euch schon vom 1989er Demo „Necrolust“ bekannt sein dürfte. An sich hat sich an der Songstuktur nichts verändern, allerdings wertet Spider auch dieses Lied mit seinen Soli, die so nicht in der Originalversion zu hören waren, merklich auf.

Hervorzuheben ist auch noch „Black Velvet And Skulls Of Steel“, welcher aus meiner Sicht zu einem der besten Songs des neuen Albums gehört. Hier wird zum Abschluss der Langrille das Tempo zunächst ordentlich gedrosselt und vorwiegend auf derben Groove gesetzt. Dabei spielt das äußerst filigran verzierte Schlagzeugspiel eine immens wichtige Rolle, denn mit jedem weiteren Hördurchgang lassen sich hier und da immer wieder neue gekonnt gesetzte Einsprengsel ausmachen. Vom Gedrumme her lässt sich dieser Song am besten mit dem variantenreichen Schlagzeugspiel von „The Book“ vom 2006er „Impressions In Blood“ vergleichen. Der mitreißende Groove wirkt sich auch auf das Soli-Spiel der Herren Spider und Peter aus, welches durch zähes Tapping und schleppende Melodielinien aufhorchen lässt. Zum Ende des Songs wird der Refrain zweistimmig vorgetragen und diese Death-Metal-Perle mit den dezent unterlegten elektronisch ausladenden Samples auf dem groovigen Doublebass-Klangteppich des Schlagzeugs beendet.

Die mir vorliegende Special-Edition wird zudem von zwei Cover-Versionen angereichert, welche man nicht unbedingt auf einem Album der polnischen Death-Metal-Pioniere erwartet hätte, denn Vader wildern in fremden Gefilden. Das Erste ist „Troops Of Tomorrow“ von der Punk-Band The Exploited. Dieser wird zu einem erstklassigen Doom-Metal Song transformiert und steht Vader sehr gut zu Gesicht. Das zweite Cover „Raping The Earth“ von der englischen Grind- und Crustcore Band Extreme Noise Terror gefällt mir im Original wesentlich besser und geht aus meiner Sicht im Gesamtkontext der Langrille etwas unter.

Fazit:

„Welcome To The Morbid Reich“ stellt ein erstklassiges Album dar, welches zur Weltspitze des Death Metal gezählt werden muss. Der Sound von der neuen Vader genügt qualitativ technisch den höchsten Ansprüchen, versprüht aber zu jeder Zeit einen klassischen Charme und verbindet alle Schaffensperioden der vier Mannen aus Katowice perfekt miteinander. Da werden mit „Decapitated Saints“ oder dem straffen „Lord Of Thorns“ die Anfangstage der Band gewürdigt, zugleich aber mit „I Am Who Feast Upon Your Soul“ und „Black Velvet And Skulls Of Steel“ den 2000er Werken Rechnung getragen. Als wirklicher Glücksgriff entpuppt sich zudem der neue Gitarrist Spider, bei dem man nur hoffen kann, dass er Peter und Vader stets die Treue halten wird. Beobachtet man die beiden bei aktuellen Konzerten auf der Bühne ist jederzeit die beidseitige Wertschätzung füreinander zu spüren. Die dezenten Neuerungen im Gesang und das wieder variantenreichere Gitarrenspiel heben das Qualitätsniveau immens und fügen sich nahtlos in den typischen Vader-Sound ein. Garnier wird „Welcome To The Morbid Reich“ mit einem genialen gemalten Cover, welches vom Zeichenstil an die „The Ultimate Incantation“ erinnert. Von meiner Seite gibt es eine klare Kaufempfehlung!!!

Tracklist:

  • 01. Ultima Thule
  • 02. Return To The Morbid Reich
  • 03. The Black Eye
  • 04. Come And See My Sacrifice
  • 05. Only Hell Knows
  • 06. I Am Who Feasts Upon Your Soul
  • 07. Don´t Rip The Beast´s Heart Out
  • 08. I Had A Dream…
  • 09. Lord Of Thorns
  • 10. Decapitated Saints
  • 11. They´re Coming
  • 12. Black Velvet And Skulls Of Steel
  • 13. Troops Of Tomorrow(Bonus-Track)
  • 14. Raping The Earth(Bonus-Track)

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