Unterstützt wurden Vader und Krisiun von der dänischen Support-Band Essence aus Aalborg. Leider war es zu Beginn des Sets der jungen Dänen doch recht übersichtlich vor der Bühne, was jedoch nicht an fehlender spielerischer Klasse gelegen haben kann. So überzeugte Essence mit technisch, herausragend dargebotenem Thrash-Metal, welcher nicht stumpf heruntergezockt wurde, sondern durch fantastische Soli der Saitenfraktion bereichert erste Headbanger in die spärlich gefüllten Reihen vor die Bühne lockte. Jedem der Musiker merkte man den Spaß an der Sache deutlich an. Hervorzuheben ist zudem das kurze aber hochklassige Bass-Solo, welches Szeneapplaus ernten konnte. Nach knapp 30 Minuten war für Essence Schluss.

Vader, Krisiun, Essence – … And Blood Was Shed in Osnabrück (08. Juli 2011)

VaderDie zweite eigentlich eingeplante Support-Band Resistance war aus mir unbekannten Gründen nicht mit dabei, aber das machte mir persönlich nichts aus. Bei mir und auch den anderen Konzertbesucher war nun deutlich zu spüren, dass die Anspannung stieg, denn nun war es nicht mehr lange hin, bis die brasilianischen Krawallbrüder von Krisiun die Bühne entern sollten.

Krisiun stehen schon seit knapp mehr als 20 Jahren für extremen, technisch anspruchsvollen und kompromisslosen Metal und zusammen mit ihren Landsmännern von Sepultura stellen sie die Speerspitze harter Musik vom Zuckerhut dar. So beginnen die Drei nach kurzer Begrüßung des Publikums mit „We Are Krisiun!“ gewohnt brutal mit „Ageless Venomous“, dem Titelsong ihres vierten Albums. Dieser Song besticht schon zu Anfang durch irre Schlagzeugrhythmen, die dank des vollen Sounds innerhalb weniger Momente die Köpfe der Fans zum Kreisen bringen. In dieser Manier wird sich gnadenlos durch die Setlist geknüppelt. Allen voran Sänger Alex Camargo, aber auch Gitarrist Moyses Kolesne und Schlagzeuger Max Kolesne, stehen dabei in ständigem Kontakt zum Publikum und werden nicht müde sich bei diesem mit zwar etwas prolligen, vielgehörten Phrasen und vielgesehenen Gesten zu bedanken.

Das gute dabei ist jedoch, dass man den Jungs diese Anerkennung für ihre Fans jederzeit bei jedem Song, jedem Solo und jedem Double-Bass-Gewitter abnimmt. Krisiun sind spirchwörtlich mit vollem Körpereinsatz bei der Sache, denn anders sind diese intensiven, schlauchenden Songs nicht auf der Bühne zu realisieren. Aber auch die Osnabrücker Fans werden nicht geschont und so verschmilzt der Bastard-Club mitsamt den angestrengten aber glücklichen Besuchern zu einer einzigen schwitzenden Masse. Auf die Spitze wird dies mit „Dissident Abomination“, einem neuen Lied des kommenden, Ende des Jahres erscheinendem Albums, getrieben. Dieser Song beginnt sehr getragen und animiert unmittelbar zu den absurdensten Genick- und Halsverengungen. Über die gesamte Songlänge hält sich dieser unglaubliche Drive, dem sich keiner, der nur annähernd des Metals frönt, entziehen kann.

Aus meiner Sicht kann sich der geneigte Krisiun-Konsument auf ein nächstes Meisterwerk der drei Südamerikaner freuen, wenn auch nur im geringsten Maße dieses Qualitätslevel über die Albumlänge gehalten werden kann, von dem man anhand des bisherigen Referenz-Albums des Brutal Death-Metal „Southern Storm“ getrost ausgehen kann. Das auf diesen Song folgende Doppelpack mit „Bloodcraft“ und „Vicious Wrath“ vom „AssassiNation“-Album verlangt den Headbangern nochmal alles ab und so wird auch anständig mitgegröhlt. Nach gut 50 Minuten hinterlassen Krisiun eine verschwitzte, ausgepowerte aber voll befriedigte schwarze Menschenmasse, die mit „King Of Killings“ vom Album „Apocalyptic Revelation“ in den vorläufigen Feierabend entlassen wird.

Setlist Krisiun:
01. Ageless Venomous
02. Combustion Inferno
03. Vengeances Revelation
04. Dissident Abomination (New Song)
05. Hatred Inherit
06. Vicious Wrath
07. Bloodcraft
08. Sentenced Morning
09. King Of Killings

VADER – wo Vader drauf steht ist auch zu 100 Prozent Vader drin!

Angesichts dieser intensiven Show brauche ich erstmals eine Verschnaufpause mit einem kühlen Staropramen auf dem Parkplatz. Dabei stellt sich mir die Frage, wie um alles in der Welt ich denn noch Vader überstehen soll. Aber schon nach wenigen Minuten nähert sich meine Körpertemperatur wieder der 37 ° Grad-Marke und so begebe ich mich zurück in die Tiefen des Bastard-Clubs. Wie ich sofort feststellen kann ist dieser nun noch besser gefüllt als bei Krisiun und so steigt nicht nur bei mir minütlich die Vorfreude auf das polnische Death-Metal-Urgestein Vader.

So klassisch wie Krisiun steigen auch Vader in ihren gut 60-minütigen Gig ein. Das bewährte Song-Duo, bestehend aus „This Is The War“ und „Lead Us“, verliert auch offensichtlich nach mehreren Jahren nicht ihre einschlagende Wirkung. Schon nach wenigen Minuten steht der Bastard-Club Kopf: es gibt Solo-Mosher, Mosh-Quartette, Crowd-Sufer und Stagediver, die mehr oder weniger erfolgreich an der niedrigen Decke entlangschleifen. Dachte man die Masse der Metalheads wäre schon bei Krisiun extremst abgegangen, so wird man eines Besseren belehrt. Es gibt schlichtweg kein Halten mehr und niemand im Club kann sich dieser Macht entziehen. Dabei geht es so eng zu, dass es unmöglich für den ambitionierten Konzert-Reviewer ist (Das wäre ja dann ja wohl „Je“), alle gespielten Songs adäquat auf einem Zettel festzuhalten, geschweige denn noch annähernd brauchbare Fotos zu schießen. Wie auch schon bei Krisiun erhält auch bei Vader ein neuer Song Einzug in die Playlist.

Der noch namentlich unbekannte Song wird auf dem ebenfalls Ende des Jahres erscheinendem Album „Welcome To The Morbid Reich“ erscheinen. Soviel sei gesagt: wo Vader drauf steht ist auch zu 100% Vader drin! Peter und seine Mannen beenden ihren Auftritt auf das vehemente Verlangen der Konzertbesucher mit einem Cover-Doppelschlag: zunächst wird ein Black-Sabbath-Cover zum Besten gegeben, ehe mit Slayers Klassiker „Raining Blood“ der Abend standesgemäß im 80th-Feeling beendet wird.

Setlist Vader:
01. This Is The War
02. Lead Us
03. ???
04. Crucified Ones
05. Come And See My Sacrifice (New Song)
06. Rise Of The Undead
07. Shadow Fear
08. Carnal
09. Silent Empire
10. Fire
11. Black Sabbath-Cover
12. Raining Blood (Slayer-Cover)

Was bleibt nun zu diesem Abend abschließend zu sagen?
Eigentlich kann man darauf nur mit einem markerschütternden „Fucking-Metal-Schrei“ antworten! Nackenschmerzen, leichtes Ohrenfiepen, verschwitzte Klamotten, blaue Flecken, Schrammen an den Beinen, erschlagende Müdigkeit aber glücklich wie eine Katze vor einem gut gefüllten Fressnapf…so muss ein perfekter Metal- Abend aussehen. Von diesem Konzert werde ich noch lange Zeit zehren und mich immer gerne daran zurückerinnern. So nun noch ein abschließendes „Horns-Up“ …Good Night Osnabrück!!!

Vader – Tibi Et Igni

Vader - Tibi Et Igni

Vader – Tibi Et Igni

Starten wir mit dem kurzen Intro, bevor „Go To Hell“ Fahrt aufnimmt und, eben wie ein typischer Vader Song, alles niederknüppelt. Schnell und ohne Schnörkel gibt’s einen an die Kauleiste. So darf ein Death Metal Album anfangen. Bei den nun folgenden „Where Angels Weep“ und „Armada In Fire“ wird klar, das Vader nicht nur gradeaus können, sondern durchaus viel an der Dynamik und den Songstrukturen gefeilt haben.

Aber keine Angst, die Trademarks bleiben trotzdem erhalten. Man höre nur das fiese Solo von „Armada In Fire“ oder die Slayer Hommage „Triumph Of Death“. Mein ganz persönlicher Favorit ist allerdings das Deutsch betitelte „Hexenkessel“. Geiler groove, fiese Abrissbirne und abwechslungsreich noch dazu. Da schlägt einem das Todesmetallerherz höher. Aber auch die darauf folgenden „Abandon All Hope“ oder „The Eye Of The Abyss“ brauchen sich nicht verstecken.

Selbst nach über 30 Jahren Bandgeschichte sind Vader also keineswegs alt oder leise geworden. Auch wenn man beim finalen „The End“ tatsächlich einen Gang zurückschaltet und ein Groovemonster aus der Liga von Asphyx auspackt. Sehr
schön gemacht. Wer mal reinschnuppern will sollte mit „Hexenkessel“, „Triumph Of Death“ oder „Go To Hell“ recht gut fahren.

Tracklist
01.Go to Hell
02.Where Angels Weep
03.Armada on Fire
04.Triumph of Death
05.Hexenkessel
06.Abandon All Hope
07.Worms of Eden
08.The Eye of the Abyss
09.Light Reaper
10.The End“

Vader – Welcome To The Morbid Reich

Vader - Welcome To The Morbid Reich

Vader – Welcome To The Morbid Reich

Diese Frage erübrigt sich ja eigentlich von selbst, denn Vader stehen nunmehr seit 25 Jahren für klassichen Death-Metal polnischer Prägung und können getrost als dessen würdige Begründer angesehen werden. Was wird aber nun auf „Welcome To The Morbid Reich“ geboten und hat sich vielleicht doch etwas verändert? Das erfahrt ihr im aktuellen Review!

Nachdem der langjährige Gitarrrist Mauser die Band vor einigen Jahren verlassen hat, hat sich die Bandbesetzung stetig verändert und man hatte zunehmend das Gefühl Vader würden sich immer mehr zu einer Art Solo-Projekt von Peter entwickeln. Das 2006er „Impressions In Blood“ stellt die letzte gemeinsame Errungenschaft der beiden Herren dar. Und zudem blieb der Abgang des langjährigen Wegbegleiters Mauser nicht ganz ohne Konsequenzen, denn die nachfolgende CD „Necropolis“ konnte den Qualitätsstandards aus meiner Sicht nicht ganz halten. Erklärbar ist dies durch die Tatsache, dass Mauser neben Peter das einzige Bandmitglied bei Vader war, welches beim Songwriting-Prozess beteiligt war und eigene Ideen einfließen lassen konnte. „Necropolis“ entstand folglich unter alleiniger Regie von dem charismatischen Frontmann, welcher zudem alle Instrumente bis auf das Schlagzeug alleine einspielte, und kränkte an der Eindimensionalität und Berechenbarkeit der einzelnen Lieder. Man hatte stets das Gefühl Peter würde, jedenfalls aus seiner von mir antizipierten Sichtweise, ein starker Partner fehlen.

Dieser hat sich offensichtlich in dem neuen Gitarristen Spider gefunden, denn der werte Herr hat an mehreren Songs mitgewirkt und manche selbst komponiert. So z.B. das Lied „I Am Who Feasts Upon Your Soul“. Dieser Song verkörpert perfekt wie Vader anno 2011 klingen wollen. Die Songstruktur ist variantenreicher, anspruchsvoller, melodiöser, klassischer und schlichtweg interresanter ausgefallen als noch auf dem vorangegangenen Werk. So beginnt der Track mit einem gelungenen elektronischen Intro und entfaltet sich in der Folge nach und nach immer mehr. So lassen sich im Verlauf Gitarrenpassagen festmachen, welche von der melodiösen Seite her an die breiten, sägenden Gitarrenläufe schwedischen Death-Metals erinnern. Es wird gekonnt mit Tempovariationen gespielt, welche unter anderem durch die hervorrangenden Soli von Spider umgesetzt werden. Ist man von Peter hauptsächlich die slayeresken Quietsch-Soli gewohnt, geht Spider deutlich klassischer und variantenreicher zu Werke. Dabei werden natürlich zu keiner Zeit die sonstigen typischen Vader-Ingredenzien, wie z.B. das tiefe, breite und druckvolle Organ von Peter und das erhabene Schlagzeugspiel von Pawel, vernachlässigt. Letzterer hatte schon vor den Studio-Aufnahmen seinen Abgang bei Vader angekündigt und wird nun durch den 21-jährigen Engländer James Stewart als dauerhaftes Bandmitglied ersetzt. Von den Qualitäten dieses jungen Herren konnte ich mich schon auf dem diesjährigen Summer Breeze selbst überzeugen, aber dies sei nur so am Rande vermerkt.

Zudem hat sich aber noch eine weitere Neuerung bei Vader eingeschlichen, welche sich am starken Opener „Return To The Morbid Reich“ festmachen lässt. Nach dem kurzen Intro „Ultima Thule“ beginnt dieser mit einem äußerst fiesen langgezogenen Growl und entwickelt sich in bester „Shadow Fear“-Manier zur Abrissbirne allererster Güte. Gewürzt wird der Opener durch eine stimmliche Variation in Form von zum Ende hin hochtönig gezogenen Screams von Peter. Diese kleine Innovation fügt sich sehr gut in das Klangbild des Songs ein und so ist diese Technik auch in weiteren Songs des Albums zu finden. Eine Ausnahme stellt dabei „Decapitated Saints“ dar, der den Vader-Spezialisten von euch schon vom 1989er Demo „Necrolust“ bekannt sein dürfte. An sich hat sich an der Songstuktur nichts verändern, allerdings wertet Spider auch dieses Lied mit seinen Soli, die so nicht in der Originalversion zu hören waren, merklich auf.

Hervorzuheben ist auch noch „Black Velvet And Skulls Of Steel“, welcher aus meiner Sicht zu einem der besten Songs des neuen Albums gehört. Hier wird zum Abschluss der Langrille das Tempo zunächst ordentlich gedrosselt und vorwiegend auf derben Groove gesetzt. Dabei spielt das äußerst filigran verzierte Schlagzeugspiel eine immens wichtige Rolle, denn mit jedem weiteren Hördurchgang lassen sich hier und da immer wieder neue gekonnt gesetzte Einsprengsel ausmachen. Vom Gedrumme her lässt sich dieser Song am besten mit dem variantenreichen Schlagzeugspiel von „The Book“ vom 2006er „Impressions In Blood“ vergleichen. Der mitreißende Groove wirkt sich auch auf das Soli-Spiel der Herren Spider und Peter aus, welches durch zähes Tapping und schleppende Melodielinien aufhorchen lässt. Zum Ende des Songs wird der Refrain zweistimmig vorgetragen und diese Death-Metal-Perle mit den dezent unterlegten elektronisch ausladenden Samples auf dem groovigen Doublebass-Klangteppich des Schlagzeugs beendet.

Die mir vorliegende Special-Edition wird zudem von zwei Cover-Versionen angereichert, welche man nicht unbedingt auf einem Album der polnischen Death-Metal-Pioniere erwartet hätte, denn Vader wildern in fremden Gefilden. Das Erste ist „Troops Of Tomorrow“ von der Punk-Band The Exploited. Dieser wird zu einem erstklassigen Doom-Metal Song transformiert und steht Vader sehr gut zu Gesicht. Das zweite Cover „Raping The Earth“ von der englischen Grind- und Crustcore Band Extreme Noise Terror gefällt mir im Original wesentlich besser und geht aus meiner Sicht im Gesamtkontext der Langrille etwas unter.

Fazit:
„Welcome To The Morbid Reich“ stellt ein erstklassiges Album dar, welches zur Weltspitze des Death Metal gezählt werden muss. Der Sound von der neuen Vader genügt qualitativ technisch den höchsten Ansprüchen, versprüht aber zu jeder Zeit einen klassischen Charme und verbindet alle Schaffensperioden der vier Mannen aus Katowice perfekt miteinander. Da werden mit „Decapitated Saints“ oder dem straffen „Lord Of Thorns“ die Anfangstage der Band gewürdigt, zugleich aber mit „I Am Who Feast Upon Your Soul“ und „Black Velvet And Skulls Of Steel“ den 2000er Werken Rechnung getragen. Als wirklicher Glücksgriff entpuppt sich zudem der neue Gitarrist Spider, bei dem man nur hoffen kann, dass er Peter und Vader stets die Treue halten wird. Beobachtet man die beiden bei aktuellen Konzerten auf der Bühne ist jederzeit die beidseitige Wertschätzung füreinander zu spüren. Die dezenten Neuerungen im Gesang und das wieder variantenreichere Gitarrenspiel heben das Qualitätsniveau immens und fügen sich nahtlos in den typischen Vader-Sound ein. Garnier wird „Welcome To The Morbid Reich“ mit einem genialen gemalten Cover, welches vom Zeichenstil an die „The Ultimate Incantation“ erinnert. Von meiner Seite gibt es eine klare Kaufempfehlung!!!

Tracklist:
01. Ultima Thule
02. Return To The Morbid Reich
03. The Black Eye
04. Come And See My Sacrifice
05. Only Hell Knows
06. I Am Who Feasts Upon Your Soul
07. Don ́t Rip The Beast ́s Heart Out
08. I Had A Dream…
09. Lord Of Thorns
10. Decapitated Saints
11. They ́re Coming
12. Black Velvet And Skulls Of Steel
13. Troops Of Tomorrow(Bonus-Track)
14. Raping The Earth(Bonus-Track)

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Autor: ArchiVader


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