Wertung: 10 von 10

Sampler zu bewerten ist immer so eine Sache… Zu groß ist das Spektrum zwischen Support und Kommerz, gut und gut gemeint, flüssig oder überflüssig. Beim „A Chance für Metal Sampler“ kann ich gleich schon vorweg nehmen: Das Ding bekommt die Topscore!


Sampler rausbringen können (und tun leider auch) heutzutage viele, die irgendein Webzine oder Blog, eine Band oder was auch immer haben. Nicht selten steht dabei doch eher der kommerzielle Gedanke im Vordergrund; oftmals dürfen sich Undergroundbands nur dann auf den Silberlingen verewigen, wenn sie bereit sind, mehrere hundert Euro zu zahlen oder eine Mindestabnahme zum Verkaufspreis garantieren. Der Urheber des Produkts zählt dann seine Scheine und der Rest ist uninteressant. Umso erquickender zu sehen, dass die Macher des vorliegenden Samplers genau so nicht arbeiten! Die Bands durften, auch Dank der Mitarbeit von vielen Medienpartnern und Sponsoren, ihren Song zum Selbstkostenpreis beisteuern und erhielten noch eine annehmbare Anzahl der Produkte gratis zu freien Verwendung. Das ist praktizierter Underground-Support und wäre schon allein zehn Sterne wert! Aber durchleuchten wir mal die Scheibe, um zu schauen, ob es wirklich nur ein gut gemeintes Werk ist oder der geneigte Fan auch wirklich Qualität erhält.

Mit einer Laufzeit von guten 55 Minuten und 13 Tracks wurde das Potential der CD gut genutzt. Von namhaften (u.a. Bitter Piece, Custard, Dragonsfire, Steelpreacher) bishin zu (zumindest mir) unbekannten Combos, vorwiegend aus den Bereichen Thrash-, Power-, und Modern-Metal findet man einen gesunden Schnitt durch die metallische Landschaft. Die Qualität ist überwiegend gut, die Frequenzen vielschichtig und der Druck passt. Dass die Qualität mitunter schwankt liegt am Ausgangsmaterial der entsprechenden Bands. Man merkt ab und an den Unterschied zwischen professioneller Studioaufnahme und Demo; Einfluss auf den Spaß, den der Sampler macht, hat dies aber nicht.

Ich habe mich entschieden, den Sampler nicht global zu bewerten, sondern zu sezieren und die Bands einzeln kurz zu bewerten. Wem das zu lang wird, der möge direkt zum Fazit weiterscrollen.

Geordnet nach dem Alphabet, um keine Wertung mitzuschicken, beginnt der Sampler mit den Kölner Thrashern A-rise, die mit ihrem Song „Coma“ einen interessanten Mix zwischen Death und Thrash, Core und Progressive bieten. Machinehead meets Sepultura vielleicht. Nichts Neues, aber gut gemacht.

Mit „Horizon“ haben die Osnabrücker Apocalyptic Thrasher Bitter Piece ihr Aushängeschild des aktuellen Albums „Vastyrion Rising“ ins Rennen geschickt – für mich eines der besten Stücke des Samplers. Melodische Hooks treffen auf interessante Arrangements, ein wenig „Northern Hyperblast“ und Fronter Marianos vielseitige Stimme. Der Song geht direkt ins Ohr und bleibt dort auch haften. Mehrere Durchläufe sind zu empfehlen, um auch wirklich die gesamte Komplexität des Stücks erfassen zu können.

Die Tracks 3 bis 5 sind dann eine Belastungsprobe für mein Ohr. Technisch und musikalisch gibt es natürlich weder an Custards „Death from Above“, Dragonsfires „Speed Demon“ und Elvenpaths pathetischem „Guardians of the Underground“ was auszusetzen. Alle drei sind in ihrem Genre feste Größen, haben eine entsprechende Fanbase und wissen, was sie können. Für mich persönlich ist dieser „Eierkneif-Metal“ aber doch eine Nuance zu penetrant und gehörgangreizend – ohne das abwertend zu meinen. Es sind nunmal die klassischen und bekannten Elemente des True/Speed/Power Metal, welche dieses Genre ausmachen, und eben selbige kommen bei den drei Combos entsprechend zum Einsatz. Genre-Fans werden hier den Player sicherlich auf Repeat stellen!

Besonderes Augenmerk gilt Track Nummer 6. Mit Existence Failed haben die Sampler-Macher hier eine junge Band aus Indien an den Start gebracht, die mit ihrem Mix aus Modern Metal und melodischem Chorus ein weiteres Highlight der CD darstellt. „Everything means nothing“ ist eine tolle Komposition und dürfte sowohl die Death-, wie auch Melodic Metaller ansprechen!

Die Hamburger Expand stechen sowohl mit ihrem Stoner Rock/Grunge, wie auch von ihrer Vita ein wenig hervor. Bereits seit über zwei Dekaden stehen die Herren auf der Bühne. Der Song „Everytime I´m falling“ ist entsprechend gut arrangiert und wird für Genre-Fans sicher ein offenes Ohr finden.

Chains of Captivity“ der bajuvarischen Combo Minotaurus ist was für alle Fans des True/Folk Metal. Heroische Lyrics, eine eingängige Stimme, die singende Saitenfraktion, ein einprägsamer Chorus und natürlich die obligatorische Interlude zeichnen den Song aus. Auch hier wurde das Rad nicht neu erfunden, aber der Song geht ins Ohr und macht Laune.

Das letzte Viertel wird durch progressiven Power Metal mit klassischen Elementen eingeläutet. Nemesis aus der Nähe von Trier punkten vor allem mit der einprägsamen und wirklich gänsehautverursachenden Stimme von Rubina Amaranth, und der Song „When gods are calling“ gehört nicht zuletzt wegen ihrer Vocals zu meinen Anspieltipps.

Mit Purity gibt´s dann wieder mal einen doch recht bekannten Namen auf dem Sampler. Seit knapp 13 Jahren thrashen sich die Mainzer um Guido Holstein schon über die Bühnen Europas, erst 2012 spielten die Jungs beim Metalfest und Metalcamp. Ihr Song „Corruption“ bietet somit keine wirklichen Überraschungen; klassisch-ranziger umpta-umpta-Thrash im Stile alter Bay-Area Größen knallen hier aus den Boxen und machen Lust auf Bier, Bangen und Bratwurst.

In dieselbe Kerbe schlagen dann auch Spectral aus der Nähe von Köln. Bei so kreativen LineUp-Namen wie Teutonlord, Exkrementor oder Destructor, wie auch ihr Labale „CCP Records“ als Major-Label zu bezeichnen, stellt sich die Frage, wie ernst sich die Band selbst nimmt. Laut eigener Beschreibung soll´s Schwarzmetall sein, was das Quintett zelebriert, und die Anleihen sind auch vorhanden. Für mich persönlich klingt es aber dennoch eher sehr thrash-lastig mit ’ner Prise Pagen-Pathos.

Mein letzter Anspieltipp ist Steelpreachers „Bitchcraft“. Ein klassisch-geiler Hairmetalspandexhosenkutten-Song mit Party-Attitüde, der einfach nur gute Laune macht! Viel mehr muss man da auch nicht zu sagen. Reinschmeissen, abfeiern! Punkt!

Das Ende des Samplers mimt Thy Wicked, eine Pagan/Black Metal-Band aus der Nähe von Nürnberg. Mir persönlich unbekannt, dank des Samplers aber nun als absoluter Geheimtipp eingestuft! „In Hoffnung und Zuversicht“ bietet alle Klischees des Genre inklusive den einschlägig bekannten Lyrics und thematischen Inhalten zu Mythologie und Heidentum. Die Rhythmusfraktion treibt den Song voran, wechselseitiges Growl/Screaming bietet Abwechslung, der Chorus ist eingängig. Vergleiche mit Genre-Größen wie Varg oder Wolfchant sind sicher nicht von der Hand zu weisen, machen die Band aber eher noch interessanter.

Anspieltipps:

  • Bitter Piece – Horizon
  • Existence Failed – Everything means nothing
  • Nemesis – When gods are calling
  • Steelpreacher – Bitchcraft

Fazit: Hintergrund, Bandauswahl und Produktion lassen bei diesem Sampler nur die Topscore zu! Man darf sich getrost vor so einem Engagement verneigen und sollte den Sampler, wo immer man ihn sieht, mitnehmen!

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen