Den Anfang an diesem Abend machten die Amis von Hurtlocker. Wie für einen Opener normal, hatte man einen schweren Stand bei dem, erst in der Halle ankommenden, Publikum.. Geboten wurde eine moderne Thrash Metal Keule, welche mit leichten Hardcoreeinflüssen versetzt ist. Die Band wirkte ein wenig gelangweilt und nur der Bassist konnte durch seine unfreiwillig komischen Gesichtskrämpfe amüsieren. Die ersten Songs wurden ohne großartige Resonanz des Publikums runtergerattert und erst am Ende ihres Sets konnte man vereinzelte Banger vor der Bühne sehen.

Nach dem Auftritt bleibt nur ein fahler Nachgeschmack und die Erkenntnis, dass es nur besser werden kann.

Nach diesem etwas durchwachsenen Opener ging es schon mit Vesania weiter. Etwas ungewöhnlich war es schon, dass man eine Black Metal Band in dieses durch Death und Thrash Metal dominiertes Billing nahm. Aber die Vorurteile verflogen schon nach den ersten Tönen. Rasante Blast Beats treffen auf ein verdammt schnelles und tightes Drumming. Beste Vorraussetzungen also für einen gelungenen Black Metal Auftritt, welcher vor Energie nur so strotze. Etwas nervig waren jedoch die Keyboardsounds, welche den guten Eindruck schon fast umkehrte. Durch den Death Metal Anteil in der Musik, musste man unweigerlich an die Landsmänner von „Behemoth“ denken, weil das Optische sich ebenfalls erheblich glich.

Die Deathgrinder Aborted mussten als Dritte ran. Aber zumindest thematisch waren sie die „Opener der Herzen“, da sich eigentlich nur Death-Metal-Fans im Saal befanden.

Leider war das dem Tontechniker wohl entgangen, denn der mischte einen Sound zusammen, der selbst den bekifftesten Doom-Metallern zu schwammig gewesen wäre. So klangen die Belgier, die eigentlich für ihre wilden Shows bekannt sind, dann auch – einschläfernd.

Die Bühnenperformance hätte da zwar noch einiges rausreißen können, aber es schien fast so, als hätte man keine Lust oder Energie mehr gehabt. Die Fans reagierten dementsprechend mit enttäuschten Gesichtsausdrücken oder ein paar Runden an der Bar.

Als einzige Deutsche im LineUp hatten Dew-Scented natürlich keine Probleme die Menge mit ein paar Sprüchen anzuheizen. Aber auch die Musik kam wie gelegen, denn allmählich wurde man schon zappelig und die Headliner waren noch in weiter ferne.

Nummern wie das geniale Groovemonster „Cities Of The Dead“ sorgten da schnell für Abhilfe und nach kürzester Zeit bildete sich ein recht respektabler Pit. Selbst mittendrin dürfte man aber keine Probleme gehabt haben die Melodien herauszuhören, da die Abmischung besser zum Stil der Braunschweiger passte.

Dew-Scented waren eindeutig die Gewinner des Abends.

Nun wurde es endlich Zeit für den Co-Headliner dieses Konzerts und es war niemand anderes als die Death Metal Schweden von Grave.

Auf CD sind Grave kraftvoll und brutal zugleich, leider war davon auf der Bühne kaum etwas zu entdecken. Natürlich kann es am schlechten Sound gelegen haben, aber diesen mussten alle Bands verkraften. Irgendwie schien der ganze Auftritt ein wenig uninspiriert, aber das hielt einige Leute nicht davon ab den einzigen Pogopit des Abends ins Leben zu rufen.

Musikalisch orientierte man sich eher an den neueren Alben vom Schlage „Fiendish Regression“ und konnten damit besonders beim jüngeren Publikum punkten. Ich persönlich hätte mehr erwartet und war ein bisschen von Grave enttäuscht.

Cryptopsy. Allein beim Klang des Namens fielen im Vorfeld schon viele der Anwesenden auf die Knie und zeigten Reaktionen, die „Tokio Hotel“ bei pubertierenden Mädchen auslöst. Und wie sich herausstellte war das alles durchaus gerechtfertigt, denn die Kanadier haben in ihrer mehrjährigen Pause absolut nichts von ihrer Faszination verloren.

Solch technische Riffs sieht man in diesem Genre selten mit derart mitreißender Stimmung kombiniert. Der ganze Raum war jedes Mal am toben, wenn Lord Worm die Wörter „None So Vile“ (2. Cryptopsy-Album) in den Mund nahm. Das könnte zwar dran gelegen haben, dass man den Gesang überhaupt nicht entziffern konnte, aber was anderes hat eigentlich niemand von Lord Worm erwartet. Allein schon der Drummer Flo Mounier wäre die Anreise wert gewesen, denn der hat live gespielt, was andere nicht mal unter Studiobedingungen schaffen. Einziges Sorgenkind waren wieder die Gitarren, die soundbedingt ein wenig untergegangen sind. Aber wie schon erwähnt, verstummte die Ehrfurcht jegliche Kritik und man musste sich nur noch zwischen wildem Mitbangen und ungläubigem Starren entscheiden.

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