Wertung: 9 von 10

Es ist schon eine Weile her, dass man von einer nennenswerten, neuen Band im Mittelalter-Metal sprechen konnte. Meist bewegten sich diese Bands eher im unteren Mittelfeld und kopierten mehr, als dass sie eigene Ideen einbrachten und neue Akzente setzen konnten. Mit Vogelfrey tritt nun eine Band auf den Plan, die aus diesem Kreise ausbrechen und für eine neue Belebung des Genres sorgen könnte.


Gegründet 2004 in Hamburg, tourte der Sechser schon einige Jahre durch das Land und ist nun mit seinem Debut-Album „Wiegenlied“ am Start.

Auf „Wiegenlied“ präsentieren uns Vogelfrey eine bunte Mischung aus verspielter Folklore, eingängigen Melodien und düsterem, knallharten Metal. Die Texte sind durchweg deutsch und beschäftigen sich überwiegend mit den Themen Heidentum, Glaube und Krieg. Aber auch sozialkritische Themen werden behandelt. So wird in „Blutgericht“ beispielsweise das Gedicht der schlesischen Weber von Heinrich Heine vertont.

Hervorzuheben ist die musikalische Klasse der einzelnen Musiker. Die sehr gut gespielte Geige und das ebenfalls gut gespielte Cello, verbunden mit den teils sehr aggressiven Gitarren, ergeben eine abwechslungsreiche Mischung. So variiert die Stimmung der Stücke von lustig beschwingt, wie bei „In Acht und Bann“ bis hin zu düster und melancholisch wie bei „Waffenbruder“. Der sehr abwechslungsreiche, teils mehrstimmige Gesang wirkt hier unterstützend und das kraftvolle Schlagzeug gibt den Stücken einen ordentlichen Groove.

Die Produktion lässt ebenfalls nichts zu wünschen übrig. Hier können sich andere Bands noch mal eine Scheibe abschneiden. Die verspielten Melodien kommen genauso gut zum Ausdruck wie die kraftvollen Metal Elemente.

An manchen Ecken jedoch hat man das Gefühl, dass ein wenig zu viel bei anderen Bands „geklaut“ wurde. Einige Stücke der Platte klingen sehr verdächtig nach Schandmaul, Saltatio Mortis oder Corvus Corax, andere Stücke gehen sehr stark in eine Letzte Instanz– oder Rammstein– Richtung. Es mag sicherlich dem ein oder anderen gefallen, als Band sollte man aber nicht vergessen, dem Ganzen auch seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

Zusammenfasend lässt sich sagen, dass wir es hier mit einem guten Debut einer ambitionierten Band zu tun haben. Fans des Genres sollten sich diese Platte jedenfalls nicht entgehen lassen. Ob Vogelfrey einen eigenen unverwechselbaren Sound kreieren kann, muss die Band in Zukunft jedoch noch beweisen. Das Potential haben die jungen Musiker auf jeden Fall.

Tracklist

  • 01.Prolog
  • 02.In Acht und Bann
  • 03.Belsazar
  • 04.Heldentod
  • 05.Im schwarzen Hain
  • 06.Ball der Gehängten
  • 07.Blutgericht
  • 08.Waffenbruder
  • 09.Puella rufa
  • 10.Feenfleisch
  • 11.Epilog

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