Blackie Lawless gibt sich die Ehre im Osnabrücker Rosenhof. Ein kleines Wunder, dass sich der für sein Rockstargehabe berüchtigte New Yorker überhaupt in solch verhältnismäßig kleinen Venues blicken lässt. Aber die Achtziger sind eben schon lange vorbei und die Früchte hängen nun für viele der ehemaligen Rockstars ein ganzes Stück höher. Also heißt es, sich zu strecken.


Doch bevor man seiner Eminenz lauschen darf, haben die Götter bzw. der Veranstalter dem geneigten Zuhörer noch zwei Vorbands vor die Nase gesetzt. Alles nicht wirklich doll, was uns die Harzer Dark At Dawn hier präsentieren. Die Stimme des Sängers nervt und die Songs sind derbe langweilig. Nach drei Stücken habe ich die Schnauze voll und suche erst mal die Raucherräumlichkeiten auf. Und ich bin nicht der Einzige hier: Der Rosenhof ist heute Abend wahrlich gut gefüllt und die Smoking-Area wird mal eben auf den gesamten Kellerbereich ausgedehnt.

Pünktlich zur zweiten Vorband Alpha Tiger bin ich wieder vor der Bühne und bin auch hier eher enttäuscht von der Darbietung. Die Jungs aus Sachsen spielen Power Metal mit starker Helloween-Schlagseite. Problem Nummer eins: Die Stimme des Sängers ist unangenehm hoch und kreischig. Problem Nummer zwei: Die Songs strotzen nicht grade vor Spannung. Problem Nummer drei: Der Sound ist derbe scheiße und lässt alles in einem übersteuerten Brei vermatschen.

Also wieder Retour zum Raucherbereich und den Anekdoten der dort Anwesenden W.A.S.P.-Lunatics gelauscht. Wilde Geschichten von früheren Konzerten machen die Runde: Blackie kommt gerne mal mit zweistündiger Verspätung auf die Bühne; Blackie spielt oft auch nur mal eine knappe Stunde, wenn er keinen richtigen Bock hat; Blackie verprügelt gerne kleine Kinder und ist auch sonst eine launische Diva.

Die Spannung steigt also, was uns hier heute vom Maestro geboten wird. Um 22 Uhr stehe ich zusammen mit allen anderen Anwesenden vor der Bühne und warte gespannt auf das Auftauchen seiner Majestät. Hier komme ich unter anderem ins Gespräch mit Christoph und Carmen aus Bad Oeynhausen und gelange zu der Erkenntnis, dass Carmen der geilste weibliche Vorname ever ist und außerdem wahnsinnig hübsche Frauen in Bad Oeynhausen zuhause sind.

Um 10 nach 10 ist es endlich soweit und das Intro knallt in ohrenbetäubender Lautstärke durch die P.A.. Und dann kommt ER: Nachdem der Rest seiner Band (Doug Blair, Gitarre / Mike Duda, Bass / Mike Dupke, Drums) die Bühne bereits betreten hat, stürmt auch Blackie auf die Bretter und wird mit einem ohrenbetäubenden Jubelsturm empfangen. Die Band legt mit “On Your Knees” los und der Schock folgt auf dem Fuße; der Sound ist in einem Wort nur eins: Grausam! Viel zu laut, total übersteuert und die Gitarren sind kaum als solche zu identifizieren. Na gut, denke ich mir, das werden sicherlich nur die anfänglichen Soundprobleme sein, die ganz bestimmt in den nächsten Minuten behoben werden. Leider habe ich mich in dieser Annahme aber getäuscht: Der Sound bleibt den ganzen Abend beschissen und führt somit zu einem ziemlich ernüchternden Konzertabend. Ich bin wahrlich kein Weichei, was Lautstärke bei Konzerten betrifft: Niemals Gehörschutz (immer die volle Dröhung, bin schließlich keine Pussy!), denn Loudness ist ein essenzieller Bestandteil eines gelungenen Rockkonzerts. Aber das hier spottet jeder Beschreibung: Der kreischige Mischmasch tut förmlich weh und sorgt überdies dafür, dass auch die größten Hits wie “L.O.V.E. Machine”, “Wild Child” und “I Wanna Be Somebody” kaum zu erkennen sind und mit den bekannten Studioaufnahmen fast nix mehr gemein haben. Da hilft auch das ansprechende Bühnenbild mit drei großen Leinwänden, auf denen die Videos zu den jeweiligen Songs gezeigt werden, nicht weiter.

Da die Hoffnung aber bekanntlich zuletzt stirbt, warte ich mit nun stark gedämpfter Vorfreude auf den angekündigten Mittelteil, in dem ein Song-Medley meines W.A.S.P.-Lieblingsalbums “The Crimson Idol” dargeboten werden soll. Aber auch hier folgt keine Besserung: Der Sound versaut einem komplett den Spaß an den dargebotenen Liedern. Nach dem Ende des “The Crimson Idol”-Blocks klemme ich mir die noch folgende Zugabe und mache mich mit Symptomen, die den Verdacht eines Hörsturzes nahelegen, auf den Heimweg durch das winterliche Osnabrück.

Fazit: Die mehrmonatige Vorfreude auf dieses Konzertereignis wurde in einem ohrenbetäubenden Orkan aus Soundmatsch regelrecht zerschmettert. Vor allem, wenn ich daran denke, wie geil dieses Konzert aufgrund der Best-Of-Setlist zum 30-jährigen Bandjubiläum von W.A.S.P. hätte werden können, kommen mir fast die Tränen. So sitze ich also einen Tag später mit immer noch klingelnden Ohren hier vor meinem Heimcomputer und hoffe inständig, dass sich mein Gehör bis zum Wochenende wieder normalisiert haben wird. Einer so großen Band wie W.A.S.P. sollte man eigentlich zutrauen können, dass sie in der Lage ist, für einen einigermaßen ansprechenden Sound auf ihren Konzerten zu sorgen.

Eins bleibt mir zum Schluss aber noch zu sagen: Das Publikum und die Angestellten im Rosenhof waren wie immer supernett und zuvorkommend und somit freue ich mich nichtsdestotrotz auf mein nächstes Konzert in für mein Empfinden Osnabrücks gemütlichster und bester Konzertlocation.

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