Mittwoch

Die britische Independent-Band New Model Army um Leadsänger und Gitarrist Justin Sullivan geben am Mittwoch auf der Headbanger Stage ein großartiges und souveränes Konzert mit feinsten Post Punk Einflüssen. Eine gute Mischung aus alten Klassikern der frühen 80ern und vielen neuen Songs bescheren den Zuhörern eine wunderbar kraft- und gefühlvollen Auftritt. Selbstverständlich dürfen auch Songs aus ihrem Album „Thunder and Consolation“ nicht fehlen.

Donnerstag

Nachdem wie auch in den vergangenen Jahren das Infield traditionell von Skyline eröffnet wurde, kommt gegen 16:00 Uhr schon der erste Leckerbissen auf die Besucher zu. Nicht nur Mr. Udo Dirkschneider himself steht mit U.D.O. auf der Bühne, er hat auch noch gleich das Musikkorps der Bundeswehr unter der Leitung von Guido Scheibling mit im Gepäck. Die rund 60 Musiker unterstützen das deutsche Metal Urgestein kraftvoll bei seiner energiegeladenen Show, welche eine ganze Reihe seine Klassiker beinhaltet. Der Sound ist gut und die überarbeiteten Versionen von Songs wie zum Beispiel „Animal House“, „Future Land“ oder „Trainride in Russia“ klingen sehr überzeugend und kommen auch beim Publikum gut an. Da kann man das miese Wetter schon mal vergessen. Zum Abschluss gibt es dann mit „Metal Heart“ und „Princess of the Dawn“ dann noch zwei Accept Klassiker. Alles in allem ein sehr gelungener Auftritt.

In Extremo Wacken Open air 2015Auch bei den dann folgenden In Extremo ist die Stimmung vor der Bühne ausgelassen. Bereits der Opener „Frei zu sein“ wird von der Meute vor der Bühne lauthals mitgesungen und die Band gut abgefeiert. Viel Bewegung ist sonst aber nicht vor der Bühne. Das ist aber wohl überwiegend auf die katastrophalen Platzverhältnisse zurückzuführen. Auf dem kompletten Infield ist kein Stück Grün mehr zu sehen und die Besucher werden immer wieder von Regenschauern belästigt. Der heftige Wind trägt immer wieder vieles vom Sound weg, sodass das Hörerlebnis doch schon etwas getrübt wird. Nichts desto trotz ziehen die sieben Vaganten eine klasse Show durch, welche sich vornehmlich auf die jüngere Bandgeschichte beschränkt. Bei „Nur ihr allein“ dichtet Sänger Michael Rhein den Refrain dann noch spontan zu „…Ihr, nur ihr allein, könnt ein Teil des Wacken sein.“, was auch lauthals mitgegrölt wird. Und auch beim abschließenden „Sängerkrieg“ hört man tausende Stimmen das obligatorische „Ho, Ho Ho“ singen.

Horror-Regisseur, Veranstalter, Comiczeichner und Vollblut-Musiker. Rob Zombie hat viele Gesichter. In Wacken lernen die Metalheads heute letzteres ausgiebig kennen. Der erste Auftritt des Schockrockers auf den heiligen Brettern des W:O:A ist wahrlich ein Fest. Viele eigene Songs kombiniert mit Coversongs der Ramones, Metallica und Alice Cooper, präsentiert auf einer Bühne die an die alten Zeiten zu Beginn des Horror-Genres auf den Leinwänden erinnert. Leider hält sich die eigentliche Bühnenshow im Gegensatz zu seinen Konzerten etwas zurück. Dennoch darf Rob gern wieder nach Wacken kommen.

Manch einer dürfte sich bei der Bestätigung der norwegischen Aggrotech Band Combichrist gefragt haben „What the Fuck???“ Kennt man diese Band doch eigentlich eher aus dem elektronischen Bereich. Passt so eine Band überhaupt auf das W:O:A? Kurz und knapp: JA, verdammt! Sound, Bühnenperformance und Songs wie „What the Fuck is Wrong With You“ oder „Blut Royale“ überzeugen live absolut. Der in den letzten Jahren stetig wachsende Einfluss von E-Gitarren in die Musik von Combichrist war sicherlich auch ein Punkt warum die Band 2009 als Tour-Support von niemand geringerem als Rammstein war. Combichrist, ihr dürft gern wieder nach Wacken kommen!

Und dann kommt das, worauf alle schon voller Erwartung und Vorfreude gewartet haben. Jon Oliva feiert seine Savatage Reunion. Und hinzu kommt noch die erst Festival Performance des Trans Siberian Orchestra. Der Gig beginnt mit einem hammermäßigen Intro bevor der Überhit „Gutter Ballet“ aus den Boxen knallt. Der Sound ist voll da und Oliva ist bestens bei Stimme. Die Licht- und Lasershow ist einfach atemberaubend und lässt den ein- oder anderen Metalhead mit offenem Mund dastehen. Nach einem etwa 40 minütigen Set, welches Klassiker wie „Edge of Thorns“, „Dead Winter Dead“ und natürlich „Hall of the mountain King“ enthält fällt zunächst der Vorhang auf der Blackstage und die Show wird auf der True Metal Stage vom Trans Siberian Orchestra nahtlos weitergeführt, welches ebenfalls mit einer überragenden Performance überzeugen kann. Neben den bewährten Klassikern wie „Another way you can die“ oder „Beethoven“ präsentiert die Band auch einige Stücke ihres neuen Albums „Letters from the Labyrinth“, welche im Übrigen schon einmal richtig Lust auf das diesen Herbst erscheinenden Album machen. Verstärkt durch eine ganze Reihe Backgroundsänger, Tänzer und eine epochale Lichtshow liefert das Trans Siberian Orchestra in ihrem ebenfalls ca. 40 minütigen Set einen richtig coolen Auftritt ab, welcher durch das absolut geniale „A last Illusion“ angemessen beendet wird. Doch damit nicht genug. Denn nun folgt, was keiner so recht glauben will. Während das Trans Siberian Orchestra die True Metal Stage bespielt, finden sich auf der Black Stage auch die Savatage Mitglieder wieder ein und spielen gemeinsam und zeitgleich einen etwa einstündigen Gig ab. Damit schreiben sie Geschichte, denn das hat man so noch nicht gesehen. In dieser Konstellation wirken Songs wie „Chance“, „Turns to me“ oder ganz besonders „Morhpine Child“ noch einmal ganz anders. Gerade zumal der Sound auch super abgestimmt ist und die Musiker auf beiden Bühnen exakt wie ein Schweizer Uhrwerk zusammenspielen. Bei dem, was da alles auf den Bühnen abgeht, weiß man zwischenzeitlich gar nicht mehr, wo man überhaupt hinschauen soll. So eine opulente und zudem noch gut choreografierte Bühnenshow mit den vielen Videoeinspielungen ist einfach nur atemberaubend. So etwas sucht tatsächlich seinesgleichen. Für Gänsehautmomente sorgen dann natürlich noch einmal die wunderschöne Ballade „Believe“ und das fulminante Ende, bei welchem ordentlich Feuerwerk in den Wackener Nachthimmel geschossen wird. Hier wurde heute definitiv Geschichte geschrieben. Wahnsinn.

Freitag

2015-07-30 - WOA 25Spätestens die schwerttragenden Mannen (und Frau) um Sänger Petri Lindroos und Mastermind Markus Toivonen wecken den Holy Ground am Freitagvormittag mit einer gehörigen Portion bestem finnischem Folk Metal. Die Finnen liefern eine gewohnt klasse Performance ab und bringen viele Songs quer durch alle bisher veröffentlichten Alben. Ein Highlight seit der Veröffentlichung des aktuellen Albums „One Man Army“ ist natürlich die Live Performance des Songs „Two Of Spades“. Der klassische „Iron“ Abschluss bleibt den Fans allerdings dieses Mal leider verwehrt.

Die Brasilianer von Sepultura treten in diesem Jahr bereits zum dritten Mal in Wacken auf. Noch dazu feiert die Band ihr 30-jähriges Jubiläum, wie es dem Bühnenbanner zu entnehmen ist. Nach einem großartigen Konzert auf dem W:O:A zusammen mit dem sechzenköpfigen Perkussion-Ensemble „Les Tambours du Bronx“ aus Frankreich im Jahre 2012 muss die Band schon einiges darbieten um diese Performance zu toppen. Meiner Meinung nach gelingt es den Jungs aus Belo Horizonte heute annähernd.

Eine schöne Runde Old School Power Metal legen dann Stratovarius auf der Party Stage hin. Das Gelände vor der Bühne ist zwar noch stark von den Regenfällen der vergangenen Tage gezeichnet, dennoch hat sich eine ordentliche Menge Metalheads eingefunden um mit den Finnen eine schöne Party zu feiern. Und die geht auch sogleich los, als mit „Black Diamond“ direkt ein Klassiker des „Visions“ Albums aus der PA ballert. Kotipeltos Gesang kommt vor der Bühne gut durch und man merkt der Band die Spielfreude wahrlich an. Die Band lässt die Meute nicht zur Ruhe kommen und schiebt mit „Eagleheart“ sowie „Against the wind“ direkt noch mal zwei Uptempo Nummern hinterher. Wow, hätte gar nicht gedacht, dass die „alten“ Herren es noch so drauf haben. Auch „Shine in the dark“ vom im September erscheinenden Album „Eternal“ kommt gut an und sorgt für reichlich ausgestreckte Pommesgabeln. Das macht Lust auf mehr. Zum großen Finale holt die Band dann noch einmal den Partyknaller „Hunting High and Low“ raus und veranstaltet dazu ein lustiges Sing und Klatschspiel. Ein toller Auftritt. Einziger Wermutstropfen bleibt, dass es im hinteren Bereich mal wieder zu Soundüberschneidungen mit der Blackstage kommt und der Sound hier auch insgesamt etwas matschig wirkt.
Quasi als Auftakt für ihre Europatournee „Europe In The Blood Tour 2015“ (Start Ende September) statten die Jungs von Annihilator dem Wacken Open Air einen Besuch ab. Diesmal zeigt die Thrash Metal Band aus Kanada ihr Können auf der Party Stage. Dieses Jahr allerdings ohne Sänger Dave Padden. Dieser hatte die Band Ende 2014 verlassen, da er keine Lust mehr hatte auf Tour zu gehen. Dem Auftritt mangelt es jedoch weder an Qualität, noch an Klasse. Jeff Waters hat die Vocals wieder souverän übernommen sodass der Abgang von Padden nur wenig Schmerz verursacht. Im Repertoire haben die Jungs mittlerweile Material aus 14 Studioalben. Das 15. Album „Suicide Society“ befindet sich in Arbeit.

Unterdessen zerlegen Thyrfing im Bullhead City Circus die Headbanger Stage nach allen Regeln der Kunst. Bei super Sound ziehen die Schweden im richtig gut gefüllten Zelt eine sehr epische Black Metal Show ab. Die tiefen Growls von Sänger Jens Rydén kommen dabei besonders gut durch und die gekonnt eingesetzten weiblichen Gesangsparts runden das Ganze gut ab. Hinzu kommt eine gelungene Lichtshow, die immer wieder von Feuersäulen unterstützt wird. Entsprechend gut ist auch die Stimmung bei den Anwesenden und man sieht immer wieder in die Luft gestreckte Pommesgabeln und schwingende Matten. Sehr cool.

Bereits zum dritten Mal in Folge kapern Mr. Hurley & Die Pulveraffen die Wackinger Stage. Nicht nur zum dritten Jahr im Folge, sondern auch drei Tage hintereinander locken die Osnabrücker mit ihrem frühneuzeitlich inspirierten Piraten-Folk das beschauliche Wackinger Village und locken mehr als 13.000 tanzwillige Gäste vor die kleine Bühne. Für die Show am Samstag hat sich die Band kräftige Unterstützung in Form eines Schlagzeug, Bass & E-Gitarre geholt und performt ihre Plankrock Show passend zur gleichnamigen EP.

Auch Harpyie liefern im Anschluss daran ein tolle Show ab. Es ist zwar deutlich weniger los, die Party der „Sturmvögel“ dafür aber umso besser. Die ostwestfälischen Spielleute präsentieren sich in bester Spiellaune und feiern mit dem Publikum eine fette Party bei der gekonnt die Verschmelzung folkloristischer Instrumente mit harten metallischen Klängen zelebriert wird. Und dann wird mit „Elisa“ so ganz nebenbei noch ein Song vom neuen, im Herbst erscheinenden Album „Freakshow“ präsentiert, welcher schon mal so richtig Lust auf mehr macht. Zum Ende zaubern sie mit ihrer Coverversion von Eiffel 65’s Hit „Blue“ noch mal ein breites Grinsen in die Gesichter der Zuschauer.

2015-07-30 - WOA 36Das Infield ist brechend voll, als ich versuche mich bei In Flames in eine der vorderen Reihen zu kämpfen. Aufgrund von Enge, Dunkelheit, Matsch und Pfützen gebe ich dieses Unterfangen dann auch in etwa auf Höhe des FOH Turm auf und begnüge mich mit einem Platz etwas abseits der True Metal Stage. Glücklicherweise läuft der Sound auch über die Black Stage, sodass man das Konzert auch von dort aus gut beobachten kann. In Flames starten etwas holprig mit „Only for the weak“ in ihren Gig. Der Sound ist matschig und mitunter fehlen Gesang und Gitarre. Das hat leider nichts mit den Magic Moments zu tun, die In Flames hier in Wacken schon kreiert haben. Der heutige Auftritt versprüht insgesamt ein anderes Feeling. Anders Friden im weißen Golfer Outfit mit Basecap passt irgendwie nicht ins Bild und hat nicht mehr viel mit den einstigen Helden des Gothenburg Metals zu tun. Dem Publikum scheint es überwiegend trotzdem zu gefallen, denn sie jubeln den Schweden zu und machen, soweit es das Gelände zulässt, auch mit. Nach „Cloud Connected“ sind dann auch die ersten „In Flames, In Flames,….“ Chöre zu hören. Mittlerweile ist auch der Sound merklich besser geworden und so kommt ein Song wie „The chosen pessimist“ sehr gut rüber und wird auch von einer tollen Lichtshow untermalt. Auch ansonsten hat lässt die Bühnenshow inklusive der vielen Pyros wieder einmal keine Wünsche übrig. Und zum Ende hat man mit „My sweet shadow“ auch noch mal einen echten Klassiker im Set um die Show würdig zu beenden. Alles in allem bleibt aber ein gemischtes Gefühl. In Flames haben eine gute Show abgeliefert und ihr Publikum begeistert. Mit ihrer neuen musikalischen Ausrichtung können sie aber nicht wirklich an die großen Erfolge in Wacken von 2003 oder 2007 anknüpfen.

Die Symphonic Metal Band Wihtin Temptation aus den Niederladen tritt in diesem Jahr erst zum zweiten Mal beim Wacken Open Air auf. Im letzten Jahr veröffentlichte die Band das Album „Hydra“ mit vielen Gastkünstlern. Darunter befand sich auch niemand geringeres als Tarja Turunen oder Rapper Xzibit. Meine Hoffnung, dass wenigstens einer dieser Gastkünstler auch auf dem W:O:A zugegen sein würde, hat sich leider nicht bestätigt. Dafür wird die Performance der besagten Musiker auf einer großen Videowall im Bühnenaufbau präsentiert. Trotzdem ein gelungener Auftritt einer Band, die meiner Meinung nach viel zu selten auf den Brettern des Wacken Open Air zu sehen ist.

2015-07-30 - WOA 41Zum Abschluss des Tages gibt es dann noch eine Runde Piraten Metal mit Running Wild. Nach dem zeitweiligen Aus und dem eher unrühmlichen Abgang auf dem 2009er Wacken Open Air bin ich gespannt, was Rock’n‘Rolf Kasparek heute so zu bieten hat. Los geht es nach dem kurzen Intro dann sofort mit einem Klassiker. „Under Jolly Roger“ dröhnt aus den Boxen und wird von den Metalheads jubelnd aufgenommen. Mit „Jennings Revenge“ und „Ghengis Khan“ folgen direkt zwei weitere Gassenhauer bevor dann „Locomotive“ vom „Shadwomaker“ Album sein Live Premiere feiert. Das kommt dann weniger gut an, kann von der Band jedoch mit „Riding the storm“ kompensiert werden. Aber irgendwie wirkt die ganze Show nach einiger Zeit doch ziemlich uninspiriert und ähnlich gesichtslos wie der 2009er Abschiedsshow. Zwar ist die Lichtshow toll und es knallt auch ordentlich Pyros. Aber das allein reicht eben nicht. Kaspareks Ansagen sind knapp und sein Stageacting ziemlich steif. Auch scheint es so, als hätte die Band bereits jetzt ihr Pulver komplett verschossen. Denn auch wenn mit „Bad to the Bone“ und „Diamonds of the black chest“ noch mal zwei Klasse Nummern folgen so kann das Gesamtkonzept nicht überzeugen. Es fehlen ganz klar Songs wie „Port Royal“ oder „Conquistadores“. Die Songs des neuen Albums „Resilient“ haben einfach nicht die Live Power und scheinen die Zuschauer auch nicht so wirklich zu interessieren. Und so geht dieser Running Wild Auftritt auch etwas unspektakulär mit dem eigentlich gar nicht so schlechten aber etwas deplatzierten „Little Big Horn“ zu Ende. Schade, davon hatte ich mir mehr versprochen.

Samstag

Was gibt es besseres als sich am letzten Festivaltag morgens noch einmal die Gehörgänge mit einer kräftigen Portion Death Metal durchzupusten? Richtig, nichts. Das denkt sich neben mir auch noch eine ansehnliche Meute, die sich zu Kataklysm vor der Party Stage eingefunden hat. Wie bereits bei ihrem Auftritt auf dem Rockharz Open Air sind die Kanadier auch heute bestens aufgelegt und heizen dem Publikum richtig ein. Die Setlist ist weitestgehend identisch mit der vom Rockharz und beinhaltet mit „The Black Sheep“, und „Thy serpents tongue“ auch wieder zwei Stücke vom neuen Album „Of Ghosts and Gods“, welche im Übrigen gut ankommen. Zusammenfassend kann man sagen, dass Kataklysm auch in Wacken einfach alles wegbolzen und somit ein toller Einstieg in den Tag sind.

2015-07-30 - WOA 45Als nächstes zelebrieren Powerwolf dann auf der True Metal Stage die einzige „Heilige Heavy Metal Messe Europas“. Die etwas skurrile Show mit ihrem sakralen Touch kommt bei den Festivalbesuchern bestens an und so werden Sänger Attila Dorn und sein Mannen bei strahlendem Sonnenschein und bestem Sound einmal mehr nach allen Regeln der Kunst abgefeiert. Dabei gehen auch gerade die Stücke des neuen Albums „Blessed and Possessed“ richtig gut ab. Bei „Armata Strigoi“ veranstaltet die Band gar ein kleines Männer-gegen-Frauen Mitsingspielchen. Aber auch die altbewährten Stücke wie „Resurrection by Erection“ oder „We drink your blood“, die natürlich wieder mit den üblichen lustigen Ansagen angekündigt werden, sorgen für reichlich viele ausgestreckte Pommesgabeln und sogar etwas Bewegung im Pit. Den absoluten Höhepunkt markiert aber das abschließende „Lupus Die“ bei welchem sich vor der Bühne ein großer Circle Pit bildet in dem die Leute rückwärts laufen.

Die finnische Metalband um Sänger Tomi Joutsen hat sich zum 25-jährigem Bandjubiläum etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Amorphis machen ihren Auftritt zu einer Special Show bei welcher sie beinahe das komplette „Tales from the Thousand Lakes“ Album spielt. Damit machen sie nochmal klar wie prägend und wegweisend dieses Album für die Band gewesen ist (und noch immer ist). Auch für mich gehört diese Platte zu einer der besten Scheiben.

Beyond the Black sind wohl die Symphonic Metal Senkrechtstarter des Jahres. Bereits vor einem Jahr standen sie an gleicher Stelle auf der Bühne und konnten mit einer tollen Performance überzeugen. Seither hat sich einiges getan. Neben der Veröffentlichung des ersten eigenen Albums „Songs of Love and Death“ hat man unter anderem auch bereits eine Tour im Vorprogramm im Saxon erfolgreich absolviert und war in diversen TV Shows zu sehen. Kein Wunder also, dass das Bullhead City Circus Zelt rappelvoll ist und die Mannheimer mit frenetischem Klatschen begrüßt. Diese lassen sich nicht lange bitte und hauen zunächst den Album Opener „In the shadows“ raus. Die Stimmung scheint bereits jetzt fast überzukochen. Die Band scheint davon nur noch mehr angetrieben zu werden und sprudelt nur so vor Spielfreude. Richtig gut kommt auch die diesjährige offizielle Wacken Hymne „Rage before the storm“ an. Diese wird von Sängerin Jennifer Haben im Duett mit Herbie Langhans mit viel Hingabe zum Besten gegeben. Nicht weniger ergreifend ist das dann folgende Motörhead Cover „Love me Forever“ zu dem sich Jennifer Haben sich selbst am Keyboard begleitet. Nach gut 45 Minuten wird Beyond the Black dann unter lautstarkem Applaus von der Bühne verabschiedet. Definitiv eines der besten Auftritte auf dem diesjährigen Wacken Open Air. Es bleibt zu hoffen, dass es von dieser Band noch viel zu hören gibt.

Rock meets Classic ist eine Konzertreihe, die seit 2010 regelmäßig einmal im Jahr in Deutschland stattfindet. So beschreibt es Wikipedia. Damit greift Rock meets Classic den aktuellen Kult auf, Rock- bzw. Metalmusik immer mehr orchestral zu untermalen. Jedoch gibt es einfach Songs und Bands, die man nicht mit einem Orchester kombinieren sollte. Dazu zählte auch der erste Song an diesem Nachmittag. „Thunderstruck“ von AC/DC. Am liebsten wäre ich direkt umgekehrt uns hätte mich von einer anderen Band beschallen lassen. Aber zum Glück bin ich geblieben. Denn der Auftritt des Bohemian Symphony Orchestra Prag (welches für die musikalische Untermalung von Rock meets Classic zuständig ist) entwickelt sich doch noch zu einem absoluten Highlight des Festivals. Und zwar zu dem Zeitpunkt als niemand geringeres als Dee Snider (Twisted Sister) die Bühne betritt. Wer Dee kennt, weiß um seine Entertainer-Qualitäten. So fordert er das Publikum persönlich und über den Aufdruck auf seinen Shirts mit viel Witz und Charme dazu auf doch bitte mit diesem dämlichen Selfies aufzuhören. Das Publikum stimmt ihm lauthals zu. Spätestens mit dem Song „I Wanna Rock“ hat er das Publikum dann in seiner Hand. Ein überaus gelungener Gig.

Seit ihrem letzten Aufritt in Wacken im Jahr 2013 ist viel passiert bei den Jungs von Sabaton. So wurde mit großem Erfolg das Album „Heroes“ veröffentlicht und ein eigenes Festival gegründet. Sabaton haben dieses Jahr für ihren W:O:A Auftritt keine Kosten und Mühen gescheut. Hat man doch zwei Panzer auf der Bühne auffahren lassen. Auf einem thront Drummer Hannes Van Dahl und beginnt den Gig mit Feuer aus allen Rohren in Form eines Feuerwerks aus den Geschütztürmen des Panzers zum Song „Ghost Division“. Wie sich herausstellt sind dieser Aufbau und die vielen Pyroeffekte nicht umsonst so bombastisch. Die Band verkündet den Auftritt aufzuzeichnen und mit der nächsten Live-DVD zu veröffentlichen. Begleitet von anfänglichen Soundproblemen schallen die Rufe von zehntausenden Sabaton-Fans bei bestem Wetter über den Holy Ground. „Noch ein Bier, Noch ein Bier“. Diese Aufforderung hat sich über Jahre fest bei jedem Sabaton Auftritt integriert. Sänger Joakim Brodén kommt ihr immer noch gerne nach. So ext er auch dieses Mal das ein oder andere Bier unter Jubel der Masse. Auch eine Spezialversion des Songs „Gott mit Uns“ wandelt man in einen „Noch ein Bier“-Mix um. Natürlich dürfen auch Songs wie „Coat of Arms“, „Panzer Battalion“, „To Hell and Back“ oder „Primo Victoria“ nicht fehlen. Den Abschluss feiert die Band mit einer großen Konfetti-Explosion und einem bombastischen Feuerwerk.

2015-07-30 - WOA 08Es ist Samstagnacht und gegen 0.00 Uhr betrittt nach 3 Jahren Cradle of Filth mit Dani Filth (Gesang), Richard Shaw (Gitarre), Ashok (Gitarre), Daniel Firth (Bassgitarre), Martin Skaroupka (Schlagzeug) und Lindsay Schoolcraft (Keyboard und Gesang) zu dem Intro “ At the Gates of Midian“ die Black Metal Stage. Der Vollmond in dieser Nacht unterstreicht die düstere Atmosphäre der dunklen Klänge zu vielen großartigen alten Songs wie „Summer Dying Fast“ aus dem Album „The Principle of Evil Made Flesh“ von 1994, „Funeral in Carpathia“ aus dem Album „Dusk and her Embrace“ von 1996, „Cthulhu Dawn“ und „Her Ghost in the Fog“ aus dem Album „Midian“ von 2000. Dani Filth heizt der Menge durch seine mystischen Ansprachen ordentlich ein. Sein kreischen und schrillen Schreie sind bis heute unverkennbar geblieben. Die Stimme der Lindsay Schoolcraft am Keyboard kann sich hören lassen. In den passenden Passagen wie zum Song Nymphetamine aus dem gleichnamigen Album von 2004, kann wohl spätestens ihr Gesangstalent festgestellt werden. Auch der Song „Right Wing of the Garden Triptych“ aus dem neusten Album „Hammer of the Witches“ das im Juli 2015 erschienen ist, kann sich hören lassen. Viele Liebhaber der Dark/Extreme Metal Band sollen in diesem Jahr mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen. Der letzte Song „From the Cradle to Enslave“ aus dem Album „Live Bait for the Dead“ vom 2002 sorgt noch mal für eine besondere Stimmung und einem unvergesslichen Auftritt der Band.
Und was bleibt? Auf jeden Fall die Erinnerung an eines der schlammigsten Festivals, das ich bisher erlebt habe. Was dabei aber auf keinen Fall vergessen werden darf ist, dass sowohl Veranstalter, Sicherheitskräfte wie auch die Besucher alles dafür gegeben haben, dieses Festival auch unter diesen schwierigen Umständen zu einer möglichst stressfreien Party zu machen. Und das ist auch weitestgehend gelungen. Hinzu kommen ein überragender Auftritt von Savatage und TSO, die in Wacken Festivalgeschichte geschrieben haben, sowie viele weitere tolle Auftritte, ganz besonders auch abseits der großen Bühnen.

Natürlich kann man auch hier wieder die üblichen Kritikpunkte wie „Kommerzialisierung“, „Ausverkauf“ usw. anführen, aber das möchte ich jetzt einmal hinten anstellen. Wer nach Wacken fährt weiß, worauf er sich einlässt. Die Preise für Essen und Trinken sind definitiv gesalzen und man muss mit einem gewissen Anteil Jahrmarkt und Festival-Tourismus klar kommen. Gefühlt hat da aber auch schon eine gewisse Gegenbewegung eingesetzt. Zumindest waren in diesem Jahr wieder mehr Metal-Shirts und weniger Hasenkostüme, Borat-Strings o. ä. auf dem Infield zu sehen. Warten wir ab, wie es sich in den nächsten Jahren entwickeln wird. Die 2016er Ausgabe des Festivals ist auf jeden Fall schon wieder ausverkauft.