Wacken Open Air 2006 „Metal Battle“ 27.01.2006

Zum zweiten Mal besucht der W:O:A Metal Battle die Osnabrücker Lagerhalle. Mit im Gepäck sind 6 Bands, darunter die Osnabrücker Band Bitter Piece.

Wie auch im letzten Jahr findet im jedem Bundesland eine Vorausscheidung mit 6 Bands statt. Der beste der „nordischen“ Bundesländer darf dann zum Semi-Finale nach Hamburg und sich mit den Siegern der anderen Bundesländer um einen Platz auf dem Wacken Open Air streiten. Dort muss er gegen die internationale Konkurrenz antreten …

Der Gewinner erhält dann einen Plattenvertrag bei Armageddon Music.

Da ich auch im letzten Jahr dabei war, kann ich sagen, dass in diesem Jahr weit mehr Besucher gekommen sind. Geschätzt dürfen es ca. 400 gewesen sein, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Eine Band hatte extra einen Reisebus für ihre Fans organisiert und eine andere ist mit den Fans über 3 Stunden Zug gefahren. Und Aufgrund dieser vielen Fans der herrschte eine wunderbare Stimmung und man merkte, dass sich alle auf einen geilen Abend freuten.

Bandliste für den Vorausscheid Niedersachsen:
D.A.M.N www.seelensumpf.de
Drone www.droneband.de
Distressed www.distressed-metal.com
Distream www.distream.de
Bitter Piece www.bitter-piece.de
Ancient Existence www.ancientexistence.com
Special Guest: Gorilla Monsoon www.gorilla-monsoon.de

Pünktlich um 20 Uhr rief dann der Gong der Lagerhalle dazu auf, in den Saal zu kommen. Als erste Band startete dann D.A.M.N in den Abend. Das sie der Opener des Abends waren merkte man zu keiner Sekunde. Schon bei den ersten Songs ging es vor der Bühne gut ab. Nicht so verhalten wie im letzten Jahr wo erst ab der 4 Band mal ein Moshpit entstand. Und die Überraschung: eine SängerIN. Und die sah dazu richtig gut aus! D.A.M.N. spielten schönen Deathcore den die Frontröhre Antonie sehr grindig rüberbrachte. Eine sehr gute Show!

Nach einer kurzen Umbaupause machten sich Drone auf, die Bühne zu erobern. Und schon beim Aufbauen erdröhnte die ganze Zeit „DRONE ALTER“ durch den Saal. Die mitgebrachten Fans machten ordentlichen Stimmung vor der Bühne. Und direkt beim ersten Lied ging es gewaltig vorne ab. Drone schien es richtig Spaß zu machen und sie zauberten eine herrliche Show. Sehr geiler Thrash Metal der etwas an „Machinehead“ erinnert. Die Band hat schon ihr erstes Demo auf dem Markt und auch ein Video wurde schon gedreht.

Welche Plattenfirma da wohl hinter steht? 🙂

Danach startete Distressed in den Abend. Powermetal war angesagt! Aber nach dem ersten Song war klar: Eigentlich ist das Death Metal. Technisch sehr anspruchsvoll und der Sänger überzeugte mit seiner tiefen Stimme.Leider wurde dies aber durch den Schlagzeuger mit seinem „Heavymetalhintergrundgesang“ versaut. Die mitgebrachten Fans machten vor der Bühne zwar richtig Stimmung, konnten aber die Vorlage von Drone nicht halten.

Nach einer kurzen Pause ging es mit Distream weiter. Schöner Death Metal mit geilen Gitarrenparts. So muss das! Durch die Fans entstand auch wieder ein kleiner Moshpit. Es ging aber eher ruhig zu und die meisten fieberten wohl dem Auftritt von Bitter Piece entgegen.

Der wohl „heimliche Headliner“ des Abends begann nach der 20minütigen Show von Distream. Vor der Bühne hatten sich schon Fans von Bitter Piece versammelt und grölten zusammen um die Wette. Alleine als der Leadgitarrist seine Amp hochhob brach vorne eine Geschrei aus … Gänsehautfeeling pur …

Trotz kleiner technischer Probleme konnte dann rechtzeitig gestartet werden. Und Bitter Piece legten richtig los. Ihren Thrash Metal hämmerten sie in den Saal hinein und das blieb nicht ohne Wirkung. Direkt entstand vorne ein großer Moshpit und schon konnte der erste Stagediver bewundert werden. Diese Stimmung konnte die ganze Zeit gehalten werden und als Sänger Mariano beim letzten Lied direkt ins Publikum sprang war kein Halten mehr. Überall flogen die Haare und ein Stagediver nach dem anderen flog über die Maßen. Man merkte wie es Bitter Piece Spaß machte. Nach 20 Minuten Spielzeit war leider schon wieder alles vorbei.

Danach läutete Ancient Existence den Schluß des Battles ein. Leider merkte man bei dieser Deathmetal Kappele den Spaß nicht wirklich an. Ich glaube über die ganzen 20 Minuten hat sich kaum einer von der Band bewegt. Etwas schade, da die Musik nicht schlecht war. Groovender Death Metal der nicht in Stumpfsinnigkeiten ausartet. Dies war der erste Teil des Abends. Die Bands mußten jetzt auf die Entscheidung der Jury warten, in der auch 2 Kollegen, namentlich Peeper und Rebekka, von OsnaMetal.de beteiligt waren!

Damit keine Langeweile auftrat, eroberten direkt Gorilla Monsoon die Bühne. Die Gewinner des letzten Metal Battle boten eine herrliche Show. Vor allem das Mikro mit dem Wacken Kopf war geil! Trotzdem war die Stimmung am Anfang etwas verhalten da wohl auch die Fans der anderen Bands erst mal eine Pause brauchten. Doch zum Ende hin wurde es richtig geil und auch Gorilla Monsoon drehte noch mal richtig auf. Eine Band, die man auf jeden Fall im Auge behalten sollte!

CD Tipp!

Nach 10 Minuten betrat Enno vom Wacken Orga-Komiteé dann gemeinsam mit der Jury die Bühne. Er bedankte sich noch mal für den super Abend. Als er dann mit dem Satz begann „wir können leider nicht nach dem Publikum gehen…“ war für viele die Sachen wohl klar, dass Bitter Piece als lokale Band nicht zu den Gewinnern zählen sollte.

Dies bestätigte sich auch und der Gewinner des Vorentscheides hieß: DRONE.

Herzlichen Glückwunsch von dieser Stelle von OsnaMetal.de! Wir hoffen das ihr Niedersachsen angemessen in Hamburg vertretet! 😉

An dieser Stelle auch noch mal ein fettes DANKESCHÖN an das Team vom Wacken und der Lagerhalle für die klasse Orga, den guten Sound und eine sehr geile Lightshow!

Es war ein toller Abend und es hat sich gezeigt, das es in Osnabrück nicht nur noch Emo gibt! Bitter Piece hält die Osnabrücker Metalfahne hoch und hat sich wohl am Freitag in die Herzen gespielt. Über 40 CD´s wurden umsonst verteilt und waren heißbegehrt. Dazu durften die 5 ihre ersten Autogramme schreiben.

Und nicht vergessen: Bitter Piece ist auch unser Headliner bei der Rock the Night 2

Autor: Dennis

Wacken WarmUp Party 2006 mit: Stunned & Predator & Drone 23.06.2006

Es war mal wieder soweit! Am 23.06.2006 präsentierte OsnaMetal.de die einzige „Wacken WarmUp Party 2006“ im Osnabrücker Raum. Bei guter Besucherzahl heizten Bands wie Stunned, Predator und Drone den Metalheadz im JZ WestWerk ordentlich ein …

Den Anfang machte an diesem Abend die Newcomerband Stunned aus dem Raum Münster/Osnabrück. Die 6köpfige Combo um die beiden Frontmänner Arthur Diener und Mathias Leeker komplettiert durch Martin Nigbur (Drums), Thomas Teepe (Bass), Christoph Heitmann (Gitarre) und Timo Erhard (Gitarre) kann zwar erst auf eine relativ kurze, jedoch schon erfolgsversprechende Biographie zurückschauen.

Mit ihrem Melodic Thrash Metal, der durch seinen abwechselnd harten und melodischen Gesang etwas an Slipknot erinnert, standen sie bereits auf Bühnen wie dem Matrix in Bochum und der Essigfabrik in Köln und machten sich auch beim Emergenza-Bandcontest NRW/ Niedersachsen einen Namen, indem sie das Finale erreichten. All dies geschah innerhalb von einem Jahr Zusammenspiel und lässt für die Zukunft Bestes hoffen.

An diesem Abend haben die Jungs leider die goldene A-Karte gezogen und müssen als erstes von drei Bands ran, was sich anhand der noch relativ mäßig gefüllten Halle 1 des JZ WestWerk und der, noch überwiegend nüchternen, Zuschauerschaft als gar nicht so einfach erweist, da zu Beginn nicht recht Stimmung aufkommen will. Zu sehr hält das Publikum Abstand zur Bühne, wo die 6 Recken sich wirklich alle erdenkliche Mühe geben, das Eis zu brechen.

Nach mehrmaligen Aufforderungen und Angeboten von Seiten der Band lassen sich dann doch einige bangfreudige Besucher vor die Bühne zerren, die ab dem 4. Lied („Fallacy“) ihre Mähnen schütteln und die musikalische Untermalung optisch aufwerten. Passend dazu liefern Stunned eine schweißtreibende Bühnenshow ab, die nun endlich die Masse erreicht zu haben scheint und bei jedem mindestens einen zuckenden Fuß verursacht. Auch Applaus und erhobene Hände haben mittlerweile ein Maß der Angemessenheit erreicht.

Abräumer der Band waren jedoch neben „Cellardoor“ die letzten beiden Lieder „Forget Me Not“ und „201 Black“, die vom gut eingestimmten Publikum mit den ersten Pogotänzen honoriert werden.

Einzig und allein der Sound erhält einen Minuspunkt, da der Gesang und die Gitarren oft in dem Schlagzeug- und Bassgewummer untergingen bzw. nicht klar definierbar waren. Schade, aber ansonsten ein gut gemanageter Auftritt, der mit kleinen Problemen zu kämpfen hatte.

Nach diesem Einstieg war jeder froh, sich eine Zeit lang zurückziehen und auf einer Sitzgelegenheit an der frischen Luft sein Bier genießen zu können. Denn als nächstes standen die Osnabrücker Lokalmatadore Predator auf dem Plan, die den Erfahrungen nach ihren Zuhörern immer das letzte bisschen Energie abverlangen.

Predator starten dann nach einer 30 minütigen Umbaupause auch gewohnt furios nach einem melodischen Intro mit dem bandbetitelten Song „Predator“ ins Set. Von Anfang an ist die Stimmung da und die Band hat ihr Publikum voll im Griff. So wundert es nicht, dass bereits nach dem dritten Lied Forderungen wie „Ausziehen, Ausziehen!“ von Seiten der mitbangenden Zuhörerschaft im Raum stehen, denen dann Frontmann Jan Kleinheider und Bassist Max Schmieding auch artig nachkommen und ihre strahlenden Oberkörper für uns entblößen.

Korrekte Sache! So macht man sich Freunde!

Das Publikum ist jedenfalls begeistert und revanchiert sich mit gnadenloser Ergebenheit und Tanzbereitschaft. Als der erste Killer der Band erweist sich „Burried Alive“, dicht gefolgt von „Life Is War“, „Hollow Words“ und „APHS War inside“, bei dem sich der gut gelaunte Frontmann auch zu einem „Ritt“ auf den Schultern eines Bereitwilligen durch die tanzende Masse hinreißen lässt.

Die Stimmung steigt stetig und die Luft wird immer unerträglicher. Predator kennen jedoch keine Gnade und bombadieren die Ohren der Anwesenden weiterhin mit Heavy Metal der besseren Sorte. Die logische Folge davon lautet: Der Schweiß fließt stärker und die Luft ist noch beschissener.

Die Alien-Gegner laufen zu Hochform auf und schmettern den Zuhörern „King Of The Kill“ und „APHS – War Inside“ entgegen, die diese beiden Machwerke schwammgleich in sich aufsaugen und durch zuckende Gliedmaßen wieder zum Vorschein bringen.

Zum Schluß haben Predator noch ein Bonbon in Form eines Coversongs für uns parat, dass zu überraschen weiß. Denn nichts anderes als AC/DC’s „TNT“ knallt aus den Boxen. Das Publikum ist begeistert und da natürlich auch jeder den Text kennt, entstehen die ersten „Sing Alongs“ des Abends. Auch der Band ist der Spaß und die Freude an diesem Gig anzusehen, was sie neben ihren lockeren und nicht gekünstelt wirkenden Ansagen noch sympathischer erscheinen lässt. Dementsprechend frenetisch wird die Band dann auch verabschiedet und erst mal kräftig durch gelüftet, während schon die ersten „Drone (Alter!)“ – Rufe ertönen, doch dafür ist noch ein Fläschchen Bier Zeit.

Die aus Celle stammenden Drone scheinen bereits ihren eigenen Fanclub zu besitzen und diesen kurzerhand nach Osnabrück mitgebracht zu haben, denn im Laufe des Abends waren immer wieder vereinzelte „Drone (Alter!) – Rufe zu vernehmen, die sich jetzt natürlich im Angesicht des baldigen Auftritts der Band häufen.

Gleich zu Beginn des Gigs wird bereits eines klar: Hier stehen keine Amateure auf den Brettern. Zwar existiert die Combo erst seit Beginn 2005, jedoch haben die Mitglieder schon zuvor in anderen Bands gelernt was es heißt einen gesunden Mix aus spielerischem Können, Präsenz auf der Bühne und Interaktion mit dem Publikum zu finden und diesen auch angemessen umzusetzen. Aus diesen Erfahrungen schöpfend starten Drone ihr Set selbstbewusst mit einem klassischen Opener.

„Theopractical“ macht klar wofür Drone stehen: Eingängige, druckvolle Parts unterstützt von brachialem Groove umrahmt von melodiöser Härte. Dieser Mix erfindet zwar das „Metalrad“ nicht neu, allerdings geht er ins Ohr und ist durchaus tanzbar, was die mähnenschüttelnde Masse nochmals unterstreicht.

Frontmann Moritz „Mutz“ Hempel versucht das ohnehin schon gut temperierte Publikum noch ein wenig mehr anzuheizen, indem er verlauten lässt, dass das Osnabrücker Publikum im hannoveraner Raum doch für seine Ausdauer und Begeisterungsfähigkeit bekannt sei. Die Metalheadz vor der Bühne nehmen diesen Handkuss natürlich gerne entgegen und schleudern sich wild tanzend durch die Gegend. Immer wieder bekommt die Band am Rand der Bühne kurz Besuch von fliegenden oder stagedivenden Körpern, die dann augenblicklich schon wieder im Getümmel verschwinden, um kurze Zeit später wieder vor der Bühne aufzutauchen. Da wundert es auch nicht, dass plötzlich ein blutender Mitarbeiter vom OsnaMetal.de – Team vor mir steht, und seinen blutenden Arm betrachtet, der eben hat feststellen müssen, das der Bühnenboden doch aus Massivholz ist und auch die Metallbeschläge nur sehr wenig nachgeben. Ein Foto, ein Grinsen und schon ist er wieder beim Tanzen verschwunden. Inklusive tropfendem Arm! Das ist Metal!

Und da Drone gerade sowieso zur „Chainsaw Symphony“ aufrufen ist auch das Thema nicht allzu weit hergeholt.

Mittlerweile ist die Luft in Halle 1 des WestWerks zum Schneiden dick und Sauerstoff sucht man in dieser Wolke eh vergebens. Doch niemand möchte auch nur eine Minute des Wacken WarmUp Finales verpassen, was angesichts der Leistung des Headliners auch verständlich erscheint.

Gitarrist Marcelo Vasquez Rocha spielt sich die Flitzfingerchen wund, Bassist Martin Froese verwechselt sein Instrument mit einer Abrissbirne, Schlagzeuger Felix Hoffmeyer testet die Haltbarkeit der Felle in Extremsituationen und Sänger/ Gitarrist Mutz dirigiert das Publikum und fordert es auf, sich zum letzten Lied in einen großen Moshpit zu werfen.

Nach Beendigung des Sets und angemessenen Huldigungen der Combo, stolpern viele ins Freie, um frische Luft und ein kühles Bier zu genießen, andere wiederum sind vom Fußballvirus befallen und versuchen es auf dem kleinen Vorhof des WestWerks Ronaldo & Co. gleichzutun.

Schöner Abend, geile Bands, ich freu mich schon aufs nächste Jahr!

Setlist Stunned:
1. Badittude
2. Cellardoor
3. Goog Night Kiss
4. Fallacy
5. Welcome
6. A Source Of Arrogance
7. Forget Me Not
8. 201 – Black

Setlist Predator:
1. Predator
2. Step Into The Fire
3. Burried Alive
4. Life Is War
5. Hollow Words
6. We Are The Scourge
7. King Of The Kill
8. APHS – War Inside
9. Addicted To Pain
10. Insomniac
11. TNT (AC/DC – Cover)

Setlist Drone:
1. Theopractical
2. Intimidation
3. Carnophile
4. Chainsaw Symphony
5. In The End
6. Stampmark
7. One In A Million
8. High Octane
9. Welcome To The Pit

Autor: Scoom

Festivalbericht Wacken Open Air 2006 03.08.2006

OsnaMetal.de goes Wacken!

Für die OsnaMetal-Crew hieß es das schon am Mittwochmorgen um fünf. Da startete nämlich der Bus, leider ohne Marc. Wie sich das Rudel ohne unser Leittier so machte, kann ich leider nicht sagen, da ich erst am Donnerstag folgte, mit Kollege Kiwi von unserer Radiosendung „Hard?!“ und der Konkurrenz ;o) von „What’s Metal?“..

Was ich von den, darauf folgenden, Scorpions leider nicht so sagen kann. Zwar durchweg professionell (wär bei diesen Riesen ja auch echt peinlich, wenn nicht), von viertel vor zehn bis Mitternacht und mit special guests Hermann Rarebell, Uli Jon Roth und (Überraschung!) Michael Schenker am Start, aber ich hatte das Gefühl, dass unter diesem ganzen Anspruch die Begeisterung etwas flöten gegangen war.

Selbstverständlich war es vor der Stage rappelvoll, aber eine bestimmte Ausstrahlung oder Stimmung konnte ich nicht feststellen. Vielleicht hatte ich auch bloß übersteigerte Erwartungen an die Helden meiner Vorpubertät, ohne die ich niemals zum Rock n’ Roll oder irgendeiner Gitarrenmusik gekommen wäre, und die auch noch aus meiner Geburtsstadt stammen.

Trotzdem hatte ich dafür die Punker/Hardcorer COR aus Rügen sausen lassen, die zum gleichen Zeitpunkt auf der W.E.T. Stage standen und die ich mir eigentlich auch anschauen wollte. Dafür bekam ich dort noch den Schluss des überaus talentierten und ernstzunehmenden Singer-Songwriters (hehe) Mambo Kurt mit, der mit seinen Coverversionen diverser Metalklassiker auf der Heimorgel für Stimmung sorgte. Wie immer in stylishem Outfit, jedoch diesmal ohne seine Praktikantin (Na, haste dich deiner Affäre entledigt, Mambo, oder was? Hehe!). Nachdem dieser die Bühne verlassen hatte, nicht ohne zuvor seine Orgel mit einem bestimmten Rhythmus auf Dauerschleife gestellt zu haben, beschloss ich, meinen komplett verschwundenen Begleitern zu folgen und schlafen zu gehen.

Kurz vor der Brücke zum VIP-Zeltplatz jedoch begegnete ich einer Gruppe partywütiger Studenten, von denen anscheinend drei Geburtstag hatten und die mich überzeugen konnten, dieses großartige Ereignis noch ein wenig mit ihnen zu feiern. Also wieder ab zur W.E.T.Stage, Metal Karaoke bewundern! Danach bekam ich erstmals einen Eindruck des riesigen Campinggeländes, wo ich mit meinen neuen Freunden den Abend ausklingen ließ, bzw. den neuen Morgen begrüßte.

Netterweise hatten selbige genau 1 halbes 6-Mann-Zelt, 1 Isomatte und 1 Schlafsack zuviel an Bord, so dass ich mich nicht um meinen Schlafplatz zu sorgen brauchte. Musikalische Menschen sind halt immer noch die freundlichsten! Nach ein paar wenigen Stunden Schlaf begann ich, meine Leute dann doch zu vermissen. Ich bedankte mich bei den netten Menschen und stiefelte los.

Erwähnte ich bereits, dass das Campinggelände riesig ist? Entweder lag es daran, oder die Nacht steckte mir noch in den Knochen, ich verlief mich dreimal. Nur um nach einer geschätzten Stunde festzustellen, dass das Bühnengelände und damit auch der Eingang zu meinem Zeltplatz, noch gesperrt waren. Es dauerte eine weitere halbe Stunde, bis ich mich zu einem Durchgang durchgefragt hatte. Man muss mir meine Erleichterung angesehen haben, als ich unseren Pavillon endlich gefunden hatte (Danke für den Spruch, Karsten! ;o)). Kurz ausruhen, frischmachen, frühstücken, dann begleitete ich Mercedes und Claudia zum shoppen, diverse Sonnenbrillen und Hüte ausprobieren. Danach folgte für mich das erste Highlight des Tages: Danko Jones auf der True Metal Stage! Die leicht lispelnde coole Sau („…but your girlfriend calls me baby!“) trug eine Augenklappe und war zu Scherzen aufgelegt („Was macht eine Rock n’ Roll-Band auf der True Metal Stage?“). Er machte keinen Hehl daraus, woher die einäugige Blindheit stammte („I’ll keep on jerking off, till the other eye gets blind, too!“) und ließ sich auch von einem tief kreisenden Hubschrauber, in dem ein winkender Mensch stand, nicht die Show stehlen („Don’t look at that fuckin’ Helicopter, look at me!“). Danach brachte er der Menschenmenge noch bei, wie er sich behilft, seitdem der Arzt ihm das Headbangen verboten hat. Er macht den „Sedanko“. Leicht vornüber fallen, dabei mit dem Kopf das Mikro berühren. Tock!

Die stechende Sonne ließ mich unter den Pavillon zurückkehren. Ich hatte zwar für gutes Wetter gebetet, und dass es nicht regnen würde, aber sengende Hitze kann auch zu schaffen machen. Also chillen im Schatten, Bier trinken und irgendwann waren alle fit für In Extremo um viertel vor sieben auf der True Stage. Begeisterungsstürme um mich herum bei Gassenhauern wie dem „Spielmannsfluch“.

Danach räumten die umstrittenen Carnivore auf der Black Stage ab. Peter Steeles erste Band (evtl. war dies der letzte Auftritt in Europa) erschien in rot-schwarzen Shirts vor dem gleichfarbigen Logo und erinnerte damit ein wenig an eine Action-Figur-Truppe. Zum letzten Song (Wie hieß er noch? Äh…) erschienen rechts und links von Mr. Peter Steele, der jetzt mit offenen und wehenden Haaren an eine überdimensionale Vogelscheuche denken ließ, drei barbusige Schönheiten, die aus Supersoakern und Eimern rote Flüssigkeit in den ersten Reihen verteilten. Gut, dass ich mich doch nicht bis nach vorne gemogelt hatte!

Bei den Children of Bodom und Celtic Frost war Biergarten angesagt (Celtic Frost! Schon wieder verpasst! Erst auf dem Rock Hard, und dann hier!), danach ließ JD sich überreden, sich mit mir wenigstens den Schluss von Ministry anzuschauen.

Perfekter Sound, hätte ja fast aus der Konserve kommen können… Bei Amon Amarth soll das Wikinger Camp zum Zuge gekommen sein, dessen Schwertkampfproben ich jedes Mal auf dem Weg zu den Toiletten bewundern durfte, ich war allerdings, öhm, müde und ging schlafen (Jawohl, ich gebe es zu, ich habe geschwächelt!). Vorher erkundigte ich mich bei dem Duschen- und Toilettenmann, um wieviel Uhr das Wasser denn am Wahrscheinlichsten warm wäre. Er erklärte mir mit dem Brustton der Überzeugung, das Wasser wäre zu 99,9% IMMER warm, die Uhrzeit sei egal. „Ja, ne. Is klar!“ dachte ich mir und selbstverständlich hatte ich kurz vor neun am nächsten Tag eisig kaltes Wasser. Das machte aber nichts, schlau wie ich bin, hatte ich schon damit gerechnet. Wenigstens war ich danach wirklich wach und konnte mir um kurz vor eins Caliban auf der True Metal Stage anschauen. Die gaben ihr Bestes bei dem Versuch, das Publikum zu einer Wall of Death zu animieren. Klappte nicht so ganz, die Langhaarigen stolperten bloß halbherzig aufeinander zu. Und bei dem vorhergehenden Aufruf zum Circle Pit hakten sich zwei Witzbolde neben mir unter und liefen polkamäßig umeinander herum. Auch nicht schlecht! An dieser Stelle fiel mir einmal mehr auf, dass die Bandinfos im Programmheft nicht immer 100%ig der Wahrheit entsprachen. Wenn Calibans Sänger Andreas problemlos den Wechsel zwischen growligem Gesang und cleanen Vocals beherrscht (tut er, laut dem Heft), warum hat er dann beim klaren Gesang den Mund geschlossen? Und wofür hat Gitarrist Denis ein Mikro? Hmm, man weiß es nicht…

Erstmal war wieder Flucht vor der Sonne angesagt und dann die großartigen Fear Factory, deren Sound mir anfangs noch Sorgen machte. Denn gerade der Gesang, der bei dieser Band soviel ausmacht, kam nicht ganz so klar rüber. Das änderte sich im Verlauf und schlauerweise wurden Klassiker wie „Shock“ erst gegen Ende ausgepackt. Dann gaben sich Morbid Angel auf der Black Stage die Ehre, leider war ich von Fear Factory noch so beeindruckt, dass bei mir nicht viel hängen blieb…

Autor: Rebekka

Wacken Metal Battle Vorentscheid Niedersachsen/Bremen 08.03.2007 mit: Antagonist & Wasteland & D.A.M.N. & Magna Mortalis & Obscure & Cast In Silence & Drone

Wer kennt ihn nicht, den Wacken:Metal:Battle, der alljährlich stattfindet, um einer der antretenden Newcomerbands einen Auftritt auf dem legendären Metal-Festival zu verschaffen. So gewannen 2006 Drone aus Celle den begehrten Auftritt und schafften es auf diese Weise, ihr Ansehen in der Szene zu erhöhen …

Auch dieses Jahr gaben sich in der Osnabrücker Lagerhalle sechs Bands aus Niedersachsen die Ehre um zu ermitteln, wer die Besten seien und wer dieses im Nordderby am 05. Mai 2007 in Hannover auch unter Beweis stellen soll.

Es legten als erste Antagonist aus Bremen los, die uns ausgefeilten Thrash Metal um die Ohren knallten. Schade nur, dass sich zu Beginn nur ca. 20 Leute vor der Bühne aufhielten. Headbangend zeigte das Quartett, was in ihm steckte und trotz der treibenden Härte konnte man die Vocals relativ gut verstehen. Das lockte auch noch weitere Metalheads in den Zuschauerraum, so dass sich während des ersten Songs die Zuschauerzahl knapp verdoppelte. Die Mucke gefiel, so dass ich von leicht doomigen Anleihen über dampfwalzenmäßig treibende Drums bis zu melodischen Anleihen alles passend und überzeugend fand.

Antagonist gaben mit viel Dynamik Stoff und waren meine absoluten Favoriten des Abends. Mit etwas Sprechgesang und einem längeren Instumentalteil, gewürzt mit Tamburin, leitete die Band dann ihr Set aus und übergab das Mikro an Wasteland. Mit zunächst stark an Metallica erinnernden Riffs starteten die fünf Wolfsburger ihr Set. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich immerhin schon 40 Leute im Saal und zwei ganz Mutige waren sogar am Headbangen. Mit dynamischem Stageacting und teilweise weiterhin musikalisch nahe an Metallica gab das Quintett alles.

Dabei variierten die Vocals interessanterweise von Growling bis zu Gekeife, was mich zunächst etwas verwirrte. Das Drumming überzeugte durch Tempo, Druck und Dynamik, so dass nach dem ersten Song sogar „Wasteland“-Rufe zu hören waren. Großes Plus dieser Band waren die stark variierenden Passagen, allerdings stagnierten die Zuschauerzahlen bei ca. 50. Nicht so überzeugend fand ich die Songtitel, aber da kommt wohl mein prüdes Gemüt durch.

Nach einer Umbaupause legten dann D.A.M.N. los, die als Einzige mit einem weiblichen Part in ihrer Besetzung aufwarteten und bereits durch ihre Fronterin an Holy Moses und Cripper erinnerten. Nach einem A-Team Intro deathten die fünf Deathcorer, die auch letztes Jahr schon in der Lagerhalle gespielt hatten, dann los und rissen die mittlerweile knapp 60 Leute und Fans im Saal teilweise mit. Aber trotz der Nähe zu Holy Moses überzeugten die Vocals nicht so richtig, es gab relativ wenig Variation und die Songs waren alle ziemlich gleich gestrickt, so dass etwas Monotonie aufkam. Möglicherweise bekam ich deshalb gar nicht mit, dass der erste Song auf Deutsch gesungen wurde…

In Sachen Stageacting waren die Braunschweiger das Highlight des Abends, die Abstimmung der Bewegungen war perfekt und passte ideal zum Sound. Schade war allerdings die fehlende Abwechslung und die geringe Auflockerung in dem harten Soundbrett, dass einem geboten wurde. Auch die Ansagen in den Pausen sind deutlich verbesserungswürdig (was allerdings für alle sechs Teilnehmer dieses Abends gilt). Insgesamt lieferten die fünf keine schlechte Leistung ab, allerdings konnten sie auch nicht mit etwas Neuem oder Überraschenden punkten. Schade.

Gefolgt wurde von Magna Mortalis, die damit ihren bisher zweiten Auftritt gekonnt absolvierten. Größter Pluspunkt war der Fronter, der abging wie ein Tier und so seine Vocals absolut überzeugend transportierte. Leider waren Bassist und Gitarrist hinsichtlich des Acting etwas steif, spielten dafür jedoch einwandfrei, so dass die Musik mir nur so um die Ohren krachte. Es hielten sich auch weiterhin ca. 60 Leute im Saal auf, darunter jedoch höchstens 35 zahlende, was etwas schade war. Erst Magna Mortalis versuchten dann auch gezielt, die „Menge“ vor die Bühne zu locken. Die Mucke war dabei hart, aggressiv, von klebrig bis treibend. Die Kombination gelang und so war auch diese Band einer meiner Favoriten an diesem Abend. Vor allem die „kürzeste Ballade der Welt“ war interessant und die Mucke war absolut zum headbangen geeignet.

Weiter ging es dann mit den, wie sich später herausstellte, Gewinnern des Abends: Obscure aus Wolfsburg thrashten die Bühne. Schon beim Intro waren sie sehr kraftvoll und hatten auch einige Fans mitgebracht, die zu einer erheblichen Veränderung der Atmosphäre vor der Bühne beitrugen. Das Gesamtkonzept der Jungs war stimmig, und auch, wenn ab und an unsauber gespielt wurde, wussten die vier Jungmetaller zu begeistern. Vor allem die abwechslungsreiche Struktur und die griffigen Vocals, die von cleanen zu gegrowlten Parts wechselten, kamen gut an, zunächst immer untermalt von einer treibenden Doublebase. Unbedingt hatten die Jungs die bewegungsreichste Show des Abends. Gegen Ende des Sets bildete sich aus den Bangern vor der Bühne gar ein kleiner Circlepit, der in eine Poge ausartete. Auch eine kleine Wall of Death wurde gestartet, aber leider reichten die Fans dafür dann doch nicht aus. Insgesamt war es ein gelungener Auftritt, der für mich ohne Frage das Highlight des Abends war. Dennoch ist er noch stark verbesserungswürdig, damit die Jungens dann am 05.Mai in Hannover die restlichen Bands übertrumpfen können.

Als letzte Band in der Konkurrenz gaben sich Cast in Silence die Ehre, wobei leider im gesamten Saal nur noch ca. 30 Zuschauer anwesend waren und vor der Bühne gar nur noch 10 standen. Mein Kollege meinte, ihr erster Track erinnere an System Of A Down und nahm sogar ein Cover an. Ich kann das absolut nicht beurteilen, da ich – Asche über mein Haupt – System Of A Down nicht höre. Generell kamen die Songs ruhiger rüber, auch wenn die musikalischen Parts, vor allem das Drumming, viel Druck machten und immer die Erwartung hervorriefen, das auch der Fronter bald abgehen würde – was er freilich nicht tat. Mittlerweile hatten auch die draußen Sitzenden erkannt, dass es weiterging, und der Saal füllte sich wieder. Das Hardcorebrett, das den musikalischen Aspekt stark prägte, und die eher ruhigen Vocals erschienen mir nicht ganz zu passen, wobei mir jemand zuflüstere, dass man Cast In Silence gut mit Pantera oder Sepultura vergleichen könne- aber die höre ich auch nicht. Somit bin ich wohl nicht die Richtige, um die Mucke der Metalcorer aus dem schönen Harz zu beurteilen.

Drone Alter! Als nächstes gaben sich Drone aus Celle die Ehre, die das letztjährige Metal Battle gewinnen konnten und so auch auf dem Wacken spielen durften. Nach einem amosphärischen Intro und einem geilen Auftritt sowie brillantem Stageacting war es gut, dass sie außer Konkurrenz spielten, sonst hätten sie auch dieses Mal sicherlich gewonnen. Man merkte den Jungs die Professionalität, die sie sich erspielt haben, sofort an und daher war es nicht verwunderlich, dass sich nun die höchste Zuschauerdichte des Abends vor der Bühne ansammelte. Das Auftreten war viel selbstverständlicher, die Ansprachen sauberer und durchdachter als die der sechs vorigen Bands und das Stageacting sehr stimmig. Es gab dann auch noch eine, von der „Menge“ geforderte Zugabe. Da kann ich nur sagen: DRONE ALTER!!!

Dann verkündete die Jury, die in der Zwischenzeit beraten hatte, dass die Jungs von Obscure ins Nordderby einziehen würden – allerdings mit dem kritischen Hinweis, dass ganz generell eine schwache Leistung der Bands vorgelegen habe- was ich persönlich so allerdings nicht unterschreiben würde.

Generell war es schade, dass keine Osnabrücker Band vertreten war, was die relativ geringe Zuschauerdichte plausibel erklären würde. Also, liebe Bands aus Osna: nächstes Jahr anmelden und dann viele Leute anziehen, damit die Stimmung wieder hochkochen kann wie im letzten Jahr!

Setlist Antagonist:
01. The Fall Of Mankind
02. Civitas Dei
03. Mondblut
04. Gathering Storm

Setlist Wasteland:
01. Savoury Human Body Parts
02. Merciless Sluthunt
03. Demon
04. Break Choke Dance
05. Gang- Bang- Bitchcraft

Setlist D.A.M.N.:
01. Tränen der Einsamkeit
02. Close To The Border
03. „Neuer Song ohne Titel“

Setlist Magna Mortalis:
01. Of Man’s Defeat
02. Crypts of Knowledge
03. Anthithesis of Creation
04. Onward Into Agony
05. Flaming Rain

Setlist Obscure:
01. Enough Is Enough
02. Feel The Epidemic
03. 7 Faces
04. Between The Masser
05. Unreachable

Setlist Cast In Silence:
01. 2 Minutes Hate
02. Last Straw
03. If Morning Never Comes
04. Where There Is No Darkness
05. Misery Inn

Setlist Drone:
01. High Octane
02. Stampmark
03. Chainsaw Symphony
04. One In A Million
05. Theopractical
06. Welcome To The Pit
Zugabe:
Live Of Riley

Bericht: Mandra

Wacken Open Air 2008 mit u.a.: Iron Maiden & Nightwish & Lordi & Grave & Children of Bodom & Gorgoroth

Wacken 2008 – alles Maiden oder was? Mitnichten! Wenn das W:O:A im neunzehnten Jahr seines Bestehens bereits Mitte März das „sold out“ – Schild an das Wacken-Büro hängt, kann dies nicht an einer einzigen Band liegen. Mit Nightwish, dem ersten Deutschland-Auftritt von Avantasia, Children Of Bodom, Gorgoroth und etlichen anderen Hochkarätern hieß es wieder drei Tage Metal satt. Bauer Tredes Felder sind von Kühen befreit, die letzten Traktoren in Sicherheit gebracht. Das 1.800 Seelendörfchen lädt ein …

Donnerstag 31.07.2008

Dieser Tag wurde um 16:00 Uhr von Girlschool auf der Black Stage eröffnet. Die Damen aus England zeigen nicht nur, dass sie richtig rocken können, sondern ließen sich vom Spaß am Spielen überwältigen und heizten dem Publikum ein. Auf das neue Album der Mädels von Girlschool dürfen wir gespannt sein.

Um 17.15 Uhr war dann Lauren Harris, Tocher des Iron Maiden Urgesteins Steve Harris, an der Reihe. Allein aus diesem Grund ein Anlass, festzustellen, ob das Talent ihres Vaters weitervererbt wurde.

Leider war der erste Eindruck auf mich nicht sehr berauschend, da es sich in meinen Augen größtenteils um US-mäßigen Mainstream Rock handelte, so dass der akustische Genuss nicht an den optischen heranreichen konnte.

Iron Maiden selbst betraten um 21.30 Uhr die True Metal Stage des 19. W:O:A. Die ersten 20 Meter vor der Bühne werden von einem nach vorn drängenden Geschiebe und Geschubse beherrscht, das eine Flucht nach hinten für die meisten leider unvermeidbar machte. Dank der Video-Walls jedoch, die zwischen Black- und True Metal Stage sowie jeweils daneben aufgestellt waren, ließ sich die Show auch aus den hinteren Reihen gut genießen. Etwas weiter hinten zu stehen hatte unter anderem den Vorteil des kühlen Bieres, das vorne im Gedränge bei der Hitze wohl Mangelware war. Die Band eröffnete ihren Gig mit „Aces High“ und setzte es souverän fort, spätestens bei „Fear of the Dark“ gab es bei allen Iron Maiden-Fans kein Halten mehr.

Freitag 01.08.2008

Der Tag begann bereits um 11Uhr mit Grave auf der Black Metal Stage sowie Primordial , die zeitgleich auf der Partystage spielen. Das Wetter war sonnig und zugleich ziemlich schwül, das Gelände schon früh gut gefüllt.

Ich habe mir Primordial als ersten Act an diesem Tag angeschaut und muss zugeben, dass die Band unter Frontmann Alan Nemtheanga mal wieder alles zum Besten gegeben hat. Klasse Auftritt und ein super Start in den Tag.

Um 15 Uhr begannen dann Ensiferum mit ihrem Auftritt. Nach ihrem obligatorischen Intro haute „Hero In A Dream“ die Füße aus den Schuhen. Endlich haben Ensiferum mal einen geilen Sound, der den Folk-Metal der Finnen richtig herausstellt. Gute Laune haben sie eigentlich auch immer, und so wurde mit dem schwertschwenkenden Publikum mächtig Krawall gemacht. Bassist Sauli strahlte bald ununterbrochen und bezeugte mit „Prost – Brust“ seine ersten Deutsch-Kenntnisse.

Nach dem Track „Tolken Of Time“ erklingen Ensiferums majestätische Keyboards. Gänsehautfeeling. „To The Battle“ vertreibt die letzten Regenwolken und sorgt für ausufernde Pits, „Ahti“ lässt die Metalheads die Fäuste in den Himmel strecken. Somit waren Ensiferum einer meiner persönlichen Favoriten des W:O:A 2008.

Mittlerweile hatten sich vor und neben der Black Stage die ersten Schlammgruben gebildet und es dauerte nicht lange, bis die ersten Metalheads mit einer Schlammschlecht begonnen. Darum ging es mit einem Umweg über eine Bierbude zur True Metal Stage, wo Kamelot ihren Gig begannen.

Ihr Power Metal macht schlichtweg Spaß, strotzt vor Energie und Melodie, doch so richtig ging das Publikum nicht ab. Möglicherweise, weil einfach zu viel für das Auge geboten wurde? Pyro-Effekte, Feuer und eine nett anzuschauende Background-Sängerin liessen die meisten Köpfe obenbleiben.

Auf der Black Stage ging es weiter mit den Schweden von Soilwork. Der Sänger Bjorn Strid verstand es, die Menge anzuheizen, indem er der Menge klarmachte, dass ganz am Ende des Festivalgeländes seine Oma stünde und die Metalheads eine Schneise zu bilden hätten. Das Schauspiel, das der Zusammenprall beider Parteien zu Beginn des nächsten Songs bot, war großartig.

Gegen 21 Uhr blies ein Sturm die Wolken weg, der es in sich hatte – ein Stum namens Children Of Bodom. Diese starten ihren Gig mit dem Song „Sixpounder“. Sehr früh konnten sie damit das Publikum für sich begeistern und es lang in ihren Bann halten, auch mit Alexis typischen Ansagen mit seinen unzählingen „F***´s“. Die Band war lustig und locker drauf und feierte mit dem Publikum ihr Bandjubiläum: Vor genau 10 Jahren waren die Finnen das erste Mal in der norddeutschen Einöde aufgetreten.

Auf der Black Metal Stage ging es danach weiter mit Corvus Corax und ihrem neuen Album „Cantus Buranus II“, das zeitgleich im Handel erschienen war. Mal wieder waren die „Könige der Spielleute“ mit ganzem Orchester angerückt und lieferten bei einer viel zu großen Bühne, die leider das Ambiente etwas zerstörte, eine gewohnt gute Show ab.

Nach dem Aufritt von Corvus Corax erfüllte Tobias Sammet allen Fans dem Wunsch, endlich einmal die großartigen Songs seines Projekts Avantasia live zu hören. Als einzige Show in Deutschland hatte Tobias Sammet’s Avantasia das Wacken Open Air gewählt.

Was das Projekt so besonders macht ist die Tatsache, dass unzählige Gastsänger die dazugehörige CD veredeln. Auch heute sollte diese Tradition beibehalten werden, viele Gäste duellierten sich gesanglich mit „Hellfire-Tobi“. Nicht immer hörbar, denn der Soundmann hatte seine Ohren offenbar woanders.

Zwischendurch schnappte Tobias Sammet sich erneut das Mikro und erklärte, dass man kurz überlegt hätte, ob man den folgenden Song überhaupt spielen sollte. Doch „Lost In Space“ ist nun wahrlich ein starker Song, auch wenn der Stempel „Metal“ nur bedingt draufpasst, so dass die Entscheidung letztlich nur gut war. Mit dem Song „The Seven Angels“ und einer großen Pyroshow endet ein beeindruckendes Konzert.

Mit den Norwegern von Gorgoroth sollte der zweite Festivaltag beendet werden. Ghaal und Konsorten hatten erneut weder Kosten und Mühen gescheut, um vier junge Menschen dazu zu bringen, sich splitternackt und nur mit einem Tuch über den Kopf an Kreuze fesseln zu lassen.

Nicht allein wegen der Tatsache, dass ich mir männliche Geschlechtsteile in Großaufnahme ansehen musste, konnte mich die Musik wenig begeistern: Zu matschig ertönten die diabolischen Hassfetzen Songs aus den Boxen.

Samstag 02.08.2008

Nach dem Konzertmarathon vom Vortag hatten sich die Veranstalter wohl überlegt, die MetalhHeads heute etwas länger ruhen zu lassen: Konzertbeginn war erst um 12.00 Uhr angesagt.

Also ging es erst einmal ab zum Frühstückszelt, um sich rasch „Festival Today“ Wacken Zeitung zu holen.. In dieser Stand ein für mich sehr erschreckender Bericht: In der Nacht hatte es ein vermutlich durch Brandstiftung gezündetes Feuer auf dem Campingareal U gegeben, bei dem zum Glück niemand ernsthaft verletzt wurde. Ein schlafender Steinfurter wurde rechtzeitig von einem Polizisten aus seinem abbrennenden Zelt herausgezogen, doch für seinen Wagen und seine Sachen war es zu spät.

Die Sanitäter hatten während der ersten zwei Tage ganze 14.000 Einsätze gezählt, 120 Festivalbesucher warem sogar ins Krankenhaus eingeliefert worden. Die meisten Fälle hatten mit zuviel Suff in der Sonne zu tun. Insgesamt habe ich aber eine gesteigerte Aufmerksamkeit gegenüber apathisch herumliegenden Leuten beobachtet, die von Gästen und Sanitätern ausging.

Um 12.00 Uhr begann der Tag mit 3 Inches Of Blood, welche mich positiv überraschten. Mit ihrem Mix aus Death- und True-Metal konnten die Kanadier bereits um diese unchristliche Zeit Zehntausende in das Infield locken. Auch das Wetter spielte mit und bescherte den Fans neben Sonnenschein auch reichlich Wind.

Den Abend erleuchteten Nightwish, deren Auftritt mit einem Feuerwerk an Pyrotechnik ausgeleuchtet wurde. Ich war zum erneuten Male erstaunt über die neue Sängerin Anette Olzon, die natürlich kein Tarja-Ersatz ist (und auch nicht sein soll), aber trotzdem auch ältere Nightwish-Tracks gut rüberbringen kann. Ich hatte diese Nightwish-Kombo bereits Ende 2007 in Oberhausen gesehen und war auch hier begeistert.

Als sie „Amaranth“ spielen,war die Atmosphäre echt magisch. Auch „Ever Dream“ und „The Siren“ liessen keine Wünsche beim Publikum übrig. Das Fantastische an Anettes Stimme ist das rauhe Rockige, was sie sehr gut dosieren und einsetzen kann. Kein Wunder, dass das aktuelle Album richtig oft verkauft wurde.

Mit dem tanzbeinschwingenden „Wish I Had An Angel“ verabschiedeten sich die Finnen und die Schwedin unter dem donnernden Jubel ihrer Anhänger in die Nacht,

Die letzte Schlacht stand unmittelbar bevor. Unsere Lieblingsmonster von Lordi sorgten in diesem Jahr für den stimmungsvollen Abschied. Mit „Bringing Back The Balls To The Rock“ eröffnen die Finnen ein unterhaltsames Best-Of Set, bei dem kein Knaller fehlt. Ob „Devil Is A Loser“, „Blood Red Sandman“ oder „Who’s Your Daddy“ – alle sind sie gekommen. Bei „They Only Come Out At Night“ betrat niemand geringeres als U.D.O die Bühne und schrie sich die Seele aus dem Leib.

Die Stimmung war kurz vor dem Ende atemberaubend. Jeder ließ den Kopf noch ein letztes Mal kreisen, um bei „Would You Love A Monsterman“ und dem abschließenden „Hard Rock Hallelujah“ die letzten Energiereserven dem Körper zu entreißen. Die Meinung aller Anwesenden ist eindeutig: Lordi sollten von nun an jedes Jahr das Festival abschließen. So macht ein Abschied Spaß!

Am nächsten Morgen dann hieß es „Abfahrt und ab nach Hause“.

Letztendlich ist jedoch über das Wacken Open Air zu sagen, dass es sich zum größten Metal Festival der Welt gemausert hat und dieses Jahr eine offizielle Zahl von 75.000 Gästen anwesend war. Preismäßig ist festzuhalten, dass ein 0,4l Bierbecher 3,50€ (Cola etc. 3,00€ ) kostete, war für ein Festival in diesem Ausmaß im akzeptablen Bereich liegt.

Was jedoch nicht ganz so im Bereich des Akzeptablen lag, waren die Preise mancher Imbissbude: Ein Hot Dog beispielsweise kostete happige 5,00€!

Aber dennoch: Nach einem Wochenende voll musikalischer Highlights bleiben jede Menge Erinnerungen im Kopf und die Gewissheit, dass man sich nächstes Jahr wieder sieht.

Autor: Bericht: Daniel (Gast-Redakteur)

Wacken Open Air 2009

20 Years Louder Than Hell hieß dieses Jahr das Motto des größten Heavy Metal – Festivals der Welt, dem Wacken Open Air oder schlicht „WACKEN“. Das muss natürlich kräftig gefeiert werden. Und da Metalfans aus aller Welt mitfeiern wollten, kamen in diesem Jahr etwa 77.000 Besucher in das kleine Örtchen Wacken in Schleswig-Holstein.

Donnerstag, 30.07.2009

Musikalisch wurde das Festival am Donnerstag gegen 16.00 Uhr von der Band Skyline auf der Black Stage eröffnet. Allerdings konnten wir uns diesen Gig leider nicht anschauen, sondern nur anhören da man uns nicht vom Campground in Richtung Festivalgelände ließ.

Somit begann für uns das Festival erst richtig mit der Band Schandmaul. Die Münchener Gruppe gibt es nun schon seit mehr als zehn Jahren und sie verstehen es, dem Publikum mit ihrem mittelalterlichem Folk-Rock richtig einzuheizen. Außerdem wurde Schandmaul dieses Jahr für einen Echo nominiert, und das soll schon was heißen.

Danach sollte eine noch geheime Band mit einer Secret Show die Band Anthrax auf der Party-Stage vertreten. Diese hatten ihren Aufritt zum Ärger vieler Metalheads kurzfristig abgesagt. Als Ersatz erschienen schließlich J.B.O., die mit ihrem spaßigen Auftritt zu überzeugen wussten und die Fraktion aus und um Osnabrück auf das bald bevorstehende Hütte Rockt-Festival einstimmten.

Ein kurzer Schwenk auf das Festivalgelände: Als neues Event besiedelten „die Wackinger“ in diesem Jahr erstmalig einen Teil des Heavy-Metal-Ackers. Dort gab es allerhand zu sehen: Ein Wrestling-Zelt, Wickinger-Spiele, Shisha Verleih, ein Fußball Feld und einen weiteren Biergarten. Auf jeden Fall war es einen Besuch wert.

Danach ging es wieder aufs Festivalgelände, wo auch schon Running Wild ihr Abschiedskonzert auf der Black Stage zum Besten gaben. Der Grund: Bandchef und Frontmann Rolf Kasparek will sich eigenen Angaben nach mehr auf andere Dinge des Lebens konzentrieren.

Zu späterer Stund spielte dann die Band Heaven & Hell welche schon eine gefühlte Ewigkeit die Bühne ihr zu Hause nennen. Sie ließen den ersten Abend des Jubiläums mit reichlich Licht und Musik perfekt ausklingen.

Freitag, 31.07.2009

Den Anfang an diesem sonnigen Freitag machte um 11 Uhr die norwegische Band Vreid auf der Black Stage und Napalm Death auf der Party Stage.

Unser Tag jedoch begann mit den Jungs von Endstille. Die Musik von Endstille ist von dissonanten Akkorden und unterschwelligen, durch extreme Verzerrung oft nur schwer zu erkennenden Gitarrenmelodien geprägter Black Metal. Einfach ein perfekter Start in den Tag.

Danach belagerten auch schon die Hardcore-Metaller von Walls of Jericho die Black-Stage. Die amerikanische Band um die Frontfrau Candance Kucsulian lieferten eine gewohnt geniale Show ab.

Nach so vielen glorreichen Bands ging es zum Shoppen zum „Metal Market“. Auch in diesem Jahr stellten wieder zahlreiche Aussteller aus ganz Deutschland ihr Sortiment zum Verkauf bereit. Neben diversen Merchandise Artikeln gab es auch eine große Auswahl an Piercings, Nietenarmbändern, Fun-Shirts, Schuhen, Schmuck und Klamotten aller Art. Der Metal Market ist also jedes Jahr einen Besuch wert.

Nach einer ausgedehnten Shopping-Tour ging es wieder zurück aufs Gelände wo auch schon Dragonforce ihr Bestes auf der Party-Stage gaben. Da wir die Engländer dieses Jahr allerdings schon einmal bestaunt hatten, wurde eine kurze Pause eingelegt, um passend zu In Flames wieder aufzutauchen, die dieses Jahr einen großartigen Auftritt und ein riesiges Feuerwerk ablieferten. Die Menge tobte zum melodischen Metal schwedischen Band, die übrigens ebenso wie das Wacken Open Air im Jahr 1990 gegründet wurde.

Dann war es so weit. Man sah von weitem schon ein Schiff auf der Black Stage einlaufen. Dann war Stille, Nebel nahm langsam die Bühne ein, bis das Schiff verschwunden war.

Dann ertönten Kriegstrommeln und der Auftritt von Amon Amarth begann. Wir hatten uns sehr auf den Auftritt der Wikinger aus Tumba gefreut, wurden aber leider auf Grund der schlechten Tonqualität und der zu geringen Lautstärke doch sehr enttäuscht. Der Auftritt mag großartig gewesen sein, aber das bringt leider nichts wenn man von der Musik kaum etwas hört und der Sänger sogar komplett von der Technik verschlungen wird.

Samstag, 01.08.2009

Bereits seit 12 Uhr waren Einherjer auf der Black Stage, sowie zeitgleich Suidakra auf der Party Stage kräftig zu Gange. Trotz des optimalen Wetters schienen zu dieser Zeit dennoch viele ihren Rausch vom Vortag auszuschlafen, da das Gelände recht wenig Besucher aufwies.

Pünktlich zu 13 Uhr begannen Rage, auf der True Metal Stage ihren Fans wortwörtlich einzuheizen. Neben der Pyrotechnik, die recht üppig ausfiel, hatten Rage ihren Fans noch ein paar extra Bonbons zu ihrem 25jährigem Bühnen-Jubiläum mitgebracht: Neben dem mittlerweile leicht ergrauten Hansi Kürsch (Blind Guardian) und Schmier (Destruction) hatten ebenfalls Eric Hecht (Subway To Sally) und Jen Majura (Backingvocals Rage / Blind Guardian) ihr Kommen zugesagt und begeisterten zusammen mit Peavy und Co die Massen.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es auch schon mit der Metalcore Band Heaven Shall Burn weiter. Sänger Marcus Bischoff scheint an diesem Tag der Inbegriff des Adrenalins gewesen zu sein, aber auch die Fans schienen zur Hochform aufzulaufen.

Etliche Metaller ließen sich beim Stage Diving zur Bühne tragen, ein Mosh Pit folgte dem nächsten. Marcus Bischoff lies es sich wie schon beim Auftritt 2007 nicht nehmen, die Fans weiter anzuheizen und sie zu einem Circle Pit zu animieren. Wer sich nicht in die Massen traute, konnte auf den Leinwänden das ganze Chaos verfolgen und sehen, wie etliche Metaller wie die Irren um den Turm rannten.

Nach einem bisher recht warmen und schwülen Tag, ging es um 19.15 Uhr dann auch mit unseren Mittelalter Freunden von In Extremo weiter.

Bässe drücken in der Tiefe, Flammen schießen in die Höhe, ganz oben aber fliegen die Harmonien der Dudelsäcke und beißen sich ihren Weg durch Rauch und Schweiß. Die Berliner inszenieren ein Konzertspektakel, das die Freunde des schwer geschmiedeten Rocks mitreißen lässt. Besonders amüsant wurde es, als Michael Robert Rhein (alias „Das Letzte Einhorn“) die Fans bei dem Song „Ai Vis Lo Lop“ zum mitsingen mitreißen wollte.

Bis auf ein unverständliches Genuschel konnte man keine eindeutigen Wörter aus der Masse verstehen, bis Michael dem Publikum entgegenkam und meinte: „wer den Text nicht kann, der singt einfach lalalala“. Daraufhin merkte man sofort, dass anscheinend doch nicht sonderlich viele Metaller des Textes mächtig waren, ihr „lalala“ jedoch doppelt so laut mitgröhlten.

Kurz nach zwei Uhr spielten Subway To Sally dann viel zu viele neue Stücke, außerdem war man ständig mit Crowdsurfern beschäftigt. Die richtig geile Stimmung kam nur selten auf. Die neuen Stücke vermitteln mir einfach keine so guten Bilder wie die alten, von denen nur „Veitstanz“, „Knochenschiff“ und „Falscher Heiland“ gespielt wurden.

Danach hörte man zunächst, wie die Masse das Stück „Julia und die Räuber“ anstimmte. Als auch die anschließenden „Zugabe“-Rufe nichts fruchteten, kam es zu enttäuschten „Buh“-Rufen.

Damit war das 20. Wacken Open Air vorbei. Das Wetter war wunderbar, jedoch wurde das Festival von vielen Absagen überschattet, unter anderem von Thin Lizzy, Anthrax und Kampfar. Schade auch, dass beim diesjährigen Jubiläum nicht das Line-Up anderer Jahren überboten werden konnte. So haben im letzten Jahr noch Nightwish, Lordi und Iron Maiden ihr Bestes gegeben.

Wir waren ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht von dem groß angepriesenem Jubiläum des größten Metal Festivals der Welt und hoffen auf Besserung im Jahre 2010, wenn es wieder heißt: Faster – Harder – Louder „see you in Wacken – rain or shine“.

Autor: Bericht: Daniel J. Krone (Gast-Redakteur)

Wacken Open Air 2010 – No rain, only shine!

Ein Jahr nach dem 20. Jubiläum des Wacken Open Air (W:O:A) trafen sich wieder allerhand große und bekannte Bands (dieses Mal 115 an der Zahl) mit über 75000 Metalheads auf dem wohl bekanntesten Acker der Welt. Rechnet man alle Gäste, VIP´s, Bands, Presse, Helfer, Sanitäter und Securitys zusammen, kommt man sogar auf etwa 82.500 Personen.

Donnerstag 05.08.2010

Nachdem wir bereits am Mittwoch (ohne Stau) angereist und eingecheckt waren, konnten wir den Donnerstag ganz entspannt beginnen lassen. Als erste Band eröffneten standesgemäß, nach einer Eröffnungsrede von Thomas Jensen und Holger Hübner, die Coverband Skyline die Black Stage auf dem Infield. Sie trumpften mit Gästen wie Doro Pesch und U.D.O. auf, die jeweils die Wacken-Hymnen 2009 und 2010 sangen.

Direkt im Anschluss wurden, wie im letzten Jahr bereits, die Metalhammer Awards verliehen. Preisrichter Marcel „Schmier“ Schirmer von der Band Destruction verlieh u.a. Preise an Eluveitie (Bester Newcomer) und an Rammstein (Bestes Album).

Als die Metalhammer Awards vergeben waren, betrat Harry Metal (W:O:A Podcaster) die Bühne. Er wies alle Festivalbesucher darauf hin, dass in diesem Jahr keine Moshpit´s, Circlepit´s oder Walls of Death´s erwünscht seien. Ebenfalls erklärte er, dass Alice Cooper wohlauf sei und keine Hilfe beim Laufen brauche. Dies sollte er nun auf der großen True Metal Stage dem Publikum beweisen.

Und Harry hatte Recht! Der Schockrocker Alice Cooper lieferte eine grandiose Bühnenshow ab. Er heizte der Menge mit Songs wie „School´s Out“, „Billion Dollar Babies“ und „Poison“ kräftig ein. Nach einer 90-minütigen Show, in der Alice Cooper vergiftet, geköpft, erhängt und durchbohrt wurde, verließ er unter heftigen Applaus die Bühne. Die „Night to Remember“ war eingeläutet.

Um 20:00 Uhr betraten Mötley Crüe die Bühne. Die US-amerikanischen Glam Metaller um Sänger Vince Neil brachen die Metalheads mit Songs wie „Saints of Los Angeles“ und „Mutherfucker of the Year“ für den Headliner des Abends in die richtige Partystimmung. Und dann war es endlich soweit. Nach ihrem Wacken-Debüt 2008 waren sie wieder da – the one and only Iron Maiden! Während einer begeisternden Show wies Sänger Bruce Dickinson die Fans darauf hin, dass am Freitag den 13. August ihr neues Album „The Final Frontier“ erscheinen würde. Um das Album mit der gleichnamigen Single ranken sich schon seit der Veröffentlichung des Titels die Gerüchte, es könne das letzte Maiden-Album sein. Zu diesen Gerüchten äußerte sich die Band auf der Bühne jedoch nicht.

Freitag 06.08.2010

Der Freitag begann mit Dew-Scented auf der Black Metal Stage. Bei wolkenfreiem Himmel und einem kühlen Bier lauschte man den harten Riffs der „taufrisch duftenden“ Death Metaler aus Norddeutschland, bevor anschließend Amorphis die Bühne betreten sollten.

Ich persönlich durfte die finnische Band bereits zum wiederholten Male sehen und war begeistert. Amorphis gelang es mit der grandiosen Stimme von Sänger Tomi Joutsen, sowohl Balladen als auch härtere Songs gut zu transportieren..

Nach einer kurzen Hitzepause bei gefühlten mehr als 30 Grad und wolkenfreiem Himmel begaben wir uns zu den „Wackingern“. Dort wurden all jene, die an krankhafter Nüchternheit leiden, zum Met-Schiff beordert. Dort gab es den Met oder wahlweise das Wackinger Blut stilecht aus Tonkrügen. Ebenfalls wurde dem Publikum die Möglichkeit geboten, sich beim „Eierknacken“ zu bewähren. Bei diesem Spiel musste man eine Metallkugel auf ein Hühnerei werfen, das auf einem Baumstumpf lag. Da wir immer wieder darauf hingewiesen wurden, dass wir in Wacken und nicht im Kindergarten seien, war es oberste Regel, das Ei komplett zu zerstören und ihm nicht nur einen Knacks verpassen.

Gefühlte 30 Eier später ging es dann zurück auf’s Gelände zu den Apokalyptischen Reitern. Jedes Mal denke ich aufs neue, dass der Keyboarder Mark aka Dr. Pest eine Wette verloren hat. Häufig zeigt er sich bei Auftritten in einem sehr ‚gewagtem‘ Kostüm.

Später betraten Endstille die Bühne. Leider konnten Sie in diesem Jahr nicht so überzeugen wie bei ihrem letzten Auftritt in Wacken. Der Sänger klang etwas abgenutzt und der Funke sprang einfach nicht so wirklich über.

Um 20.30 Uhr betraten zwei Bands die Bühnen welche wir uns nicht entgehen lassen wollten. Zum einen die melodischen Death-Metaler von Arch Enemy und zum anderen die ehemalige Nightwish-Sängerin Tarja Turunen. Da diese Bands jedoch zum einen auf der Black Metal Stage und zum anderen auf der Party Stage spielten musste sich ein Weg finden lassen sich beide Bands anzuschauen. Die Lösung: Man stelle sich einfach in die Mitte beider Bühnen. Das Ergebnis war eine Mischung aus dem Song „Nemesis“ von Arch Enemy und „Wishmaster“ von Tarja Turunen. Beide Künstler lieferten ein großartiges Konzert ab.

Nach Arch Enemy wurde es still – sehr still – und dann hallte das Geräusch eines Dudelsacks über den Platz. Die Bagpipers betraten die Bühne mit etwa 30 Mann und spielten die schottische Nationalhymne. Sie stimmten das Publikum auf Grave Digger ein. Die Gladbecker um Chris Boltendahl feierten ihr 30 jähriges Bühnenjubiläum und trumpften mit allerhand Überraschungen auf. Die Metal-A Cappella Gruppe Van Canto unterstützte Grave Digger im Hintergrund und Hansi Kürsch von Blind Guardian sang den Song „Rebellion“.

Unseren Abend ließen wir stilvoll mit einer kalifornischen Band ausklingen, deren Namen schon Tage vorher über’s Gelände schallte. Die Rede ist von niemand Geringerem als Slayer. Die Trash Metal-Heroen trumpften überragend wie eh und je auf. Nach den Rückenproblemen und einer schweren O.P. von Sänger Tom Araya mussten Slayer viele Konzerte in 2009 und 2010 verschieben, standen nun aber kraftvoll auf der Bühne, wie ihr Publikum es wünschte.

Samstag 07.08.2010

Pünktlich zur Mittagszeit ließen bereits Ektomorf auf der Black Stage die Hölle rocken. Trotz brutaler Hitze brachten Sänger Zoltán „Zoli“ Farkas und seine ungarischen Kollegen die Fans noch mal zusätzlich ins Schwitzen. Schade, dass man dann aber bei Songs wie „Redemption“ oder „Abush In The Night“ durch die riesige Staubwolke vor der Bühne teilweise gar nichts mehr von der Show zu sehen bekam.

Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann auch bereits um 13:15 Uhr mit den deutschen Metalcore-Kollegen von Caliban weiter.

Bei Songs wie „Calibans Revenge“ und „I Will Never Let You Down“ ließen die ersten „Walls of Deaths“ und Circle Pits auch nicht mehr lange auf sich warten.

Die Mittagszeit über versuchte man sich im Schatten aufzuhalten, um seine Reserven für den Abend aufzusparen, da es dann pünktlich um 18:15 Uhr mit den Altrockern von W.A.S.P. weiterging. Bei Songs wie „On Your Knees“ oder „I wanna be Somebody“ merkte man den Fans nach wie vor keinerlei Müdigkeit an. Eine tolle Show, die keine Wünsche offen ließ.

Pünktlich zu 19:30 Uhr rotierte die Slotmachine auf der Leinwand – coming next: Cannibal Corpse! George „Corpsegrinder“ Fisher schien von vielen Fans bereits hoffnungsvoll erwartet zu werden, da sich das Festivalgelände mit jeder Minute weiterhin füllte. Mit Klassikern wie „ I Will Kill You“ und „Hammer Shmashed Face“ wurde die Masse wieder zum Toben gebracht.

Nach einer Stunde war der Spaß dann aber leider auch wieder vorbei und man schwenkte an dem Abend wieder mal zur True Metal Stage, wo bereits Edguy heiß erwartet wurden.

Selbstverständlich durften Songs wie „King of Fools“ oder „Lavatory Lovemachine“ nicht fehlen und wurden von den Fans auch ordentlich mitgefeiert. Große Freude war zu verspüren, als der Szene-Paradiesvogel Tobias Sammet noch einen Gast auf die Bühne holte. Wer hätte gedacht dass „Markus Großkopf“, der Bassist von Helloween, mit Tobi auf der Bühne gemeinsam rumblödeln und die Massen zusätzlich anheizen würde – was natürlich auch einwandfrei funktionierte. Wie sich letztendlich rausstellte, hatte Markus’ Auftritt einen ganz anderen Hintergrund: Man war sich bis kurz vor dem Auftritt nicht sicher, ob Originalbasser Eggi wegen der Geburt seines Kindes den Auftritt überhaupt absolvieren konnte, deshalb wurde das gesamte Set mit Markus Grosskopf einstudiert.

Punkt 22 Uhr stand die erste Bandbestätigung für das W:O:A: 2010 auf der Black Stage: Immortal. Neben der Pyrotechnik, die meiner Meinung nach kein besonderes Highlight war, lieferten die drei Norweger dennoch eine ziemlich geile Show ab. Viele Fans feierten auf dem Festival Gelände, als von Abbath und Co. Songs wie: „The Rise Of The Darkness“ ,„Damned In Black“ oder „Beyond The North Waves“ gespielt wurden. Trotz der unspektakulären Bühnenshow erwies sich der Auftritt als sehr gelungen.

Last but not least präsentierte das Wacken einen grandiosen Aufrtitt von Soulfly. Die brasilianischen Thrash Metaller ließen keine Wünsche offen. Schon alleine mit dem Eröffnungssong „Blood Fire War Hate“ brachte Max Cavalera die Massen zum Toben. Neben dem Klassiker „Roots, Bloody Roots“ scheinen die Fans sehr dankbar gewesen zu sein, das Max mehrere Male zum Circle Pit aufrief. Obwohl die Organisatoren über Leindwandeinblendungen darum baten, dies zu unterlassen, waren die Soulfly-Fans nicht mehr aufzuhalten.

Damit endet auch das 21. Wacken Open Air mit grandiosem Wetter und einem fast als unschlagbar zu betitelndem Line-Up, das auch das Jubiläumsaufgebot des vergangenen Jahres nicht übertrumpfen konnte.Festzuhalten sind zudem gesteigerte Sicherheitsvorkehrungen durch die Organisatoren als auch Getränkepreise, die denen der Vorjahre entsprechen. Demnach gilt auch dieses Mal wieder:

Wacken … wir sehen uns im nächsten Jahr wieder. Rain or Shine!!!

Autor: Bericht: Daniel J. Krone (Gast-Redakteur)

Wacken 2011 – 22 Years Faster Harder Louder

Das 22. Wacken Open Air ist Geschichte. Nicht nur weil es leider schon vorbei ist, sondern auch weil es (mal wieder) Geschichte geschrieben hat. In diesem Jahr lag die Besucherzahl bei knapp 86.000 Menschen, davon 75.000 zahlende Besucher sowie 10.780 weitere Teilnehmer. Damit löste das Wacken Open Air erstmals Rock am Ring nicht nur nach Anzahl der Bands (125 an der Zahl), sondern auch von der Besucherzahl her, als Nummer eins ab. Auch der Wettergott meinte es in diesem Jahr wieder mehr als gut und bescherte den Metalheads größtenteils großartiges Wetter mit wolkenfreiem Himmel.

Mittwoch 03.08.2011

In diesem Jahr startete unsere Reise gen Wacken bereits um 06.30 Uhr in der früh. Die Anreise gestaltete sich in diesem Jahr fast staufrei und ohne nennenswerte Probleme. Nach dem Check-in fuhren wir auf unseren Campground und schlugen unser Lager auf. Schon während des Aufbaus brach die Wolkendecke auf und erschwerte aufgrund der Hitze unseren Aufbau 😉 Gleich freundete man sich mit den Nachbarn an. In diesem Jahr handelte es sich um einen Podcaster des NDR. Nachdem wir uns eingerichtet hatten ging es los auf die anderen Campgrounds und den Biergarten, da das Infield noch nicht geöffnet hatte. In diesem Jahr gestaltete es sich alles ein klein wenig größer. So wurde z.B. das Bullhead City Wrestling Zelt von einem 4-Master in einen 8-Master umgestaltet und die FOH der Hauptbühnen um eine weitere Video-Wall erweitert. Den restlichen Mittwoch verbrachten wir mit der Erkundung des Geländes…….und natürlich viel Alkohol im Biergarten bei Musik von Blechblosn und den W:o:a Firefighters.
Donnerstag 04.08.2011

Das 22. W:O:A wurde wie schon in jedem Jahr von der Band Skyline eröffnet welche auch in diesem Jahr mit hochkarätigen Gästen wie Doro Pesch, U.D.O und Chris Boltendahl auftrumpften. Nach einer kurzen Pause gab es eine Premiere auf der Black-Stage. Bülent Ceylan betrat die Bühne und brachte das Publikum mit einer Mischung aus Einkaufen, Adolf Hilter und einem CD-Player zum gröhlen.

Spätestens jetzt waren die Metalheads in der passenden Laune für Frei.Wild. Die südtiroler Jungs brachten den Acker gewaltig zu beben und feierten zeitgleich ihr zehnjähriges Jubiläum. Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit ein wenig Powermetal von Helloween aus Hamburg. Nun waren Blind Guardian um Sänger Hansi Kürsch an der Reihe. Wie gewohnt folgte eineinhalb Stunden eine Reise in Ländereien von Tolkien bis nach Valhalla. Auch durfte natürlich ein Abstecher in „The Forest“ mit der von den Fans wie üblich im Alleingang gesungenen Ballade „The Bard’s Song“ nicht fehlen.

Nach einer grandiosen Show wurde das eh schon prall gefüllte Gelände noch voller und die Masse wartete gespannt auf den einen…..auf den wahren…..FUCKING PRINCE OF DARKNESS!!!

Ozzy Osbourne. Der Godfather of Metal betrat pünktlich die True Metal Stage und riss eine Show vom allerfeinsten ab. Es waren viele bekannte, aber auch neue Stücke untergebracht. Ebenfalls Songs aus seiner Zeit mit Black Sabbath. Spätestens nachdem er sich und die ersten Reihen wortwörtlich eingeschäumt hatte, waren auch die letzten Metalheads auf dem lautesten Acker der Welt dem Bann Prince of Darkness verfallen.

Freitag 05.08.2011

Der Freitag beginnt nach einem ausgiebigem Frühstück und ein paar Aufwärm-Bierchen für mich um 12 Uhr vor der Black Stage, wo Ensiferum eine unterhaltsame Show abliefern. Das Infield ist für diese frühe Zeit schon sehr gut gefüllt und die Zuschauer sind nur allzu bereit ordentlich die Matten zu schütteln. Aber auch die Finnen scheinen wirklich Spaß zu haben und nur der teilweise recht miese Sound trübt den Auftritt ein wenig. Weiter geht es für mich dann auf der zu dieser Zeit gemütlichen Wackinger Stage. Dort bereiten sich gerade Ignis Fatuu auf ihren Auftritt vor. Die Mittelalter Rocker aus Franken haben Anfang des Jahres gerade ihr starkes neues Album „Neue Ufer“ veröffentlicht und beginnen ihren Set erwartungsgemäß mit Stoff von eben diesem Album. „Wörterschmied“ und „Scheerenschnitte“, werden vom feierwilligen Publikum gebührend abgefeiert und es entwickelt sich eine schöne Partystimmung vor der Bühne. Der Sound ist ordentlich und die Spielleute überzeugen durch musikalisches Können. Fast zeitgleich spielen im Bullhead Zelt Betontod. Die machen zwar keinen Metal, dafür aber knallharten Deutschpunk mit kompromisslosen Texten, wummerndem Schlagzeug und krächzenden Gitarren. Heute sind die Jungs sehr gut aufgelegt und verwandeln das Zelt schnell in eine einzig große Party. Band Klassiker wie „Glück Auf“, „Kinder des Zorns“ und „Exzessiver Alkoholgenuss“ werden begeistert mitgegrölt und auch der sich vor der Bühne auftuende Moshpit ist nicht zu verachten. Sauber Jungs. Weiter so.

Nach kurzer Pause geht es auf der Party Stage mit den Fantasy Metallern „Rhapsody of Fire“ weiter. Überraschenderweise ist das Gelände vor der Bühne recht gut gefüllt. Ist es doch ruhig geworden um die Italiener, die ihre besten Jahre sicherlich schon hinter sich haben. Das zeigt sich auch heute. Der Sound ist fast durchgehend schwammig und die Setlist lässt sehr zu wünschen übrig. Der Schwerpunkt liegt auf den neueren, sehr komplexen Werken, die live einfach schlecht rüber kommen. Natürlich kommt die Band um Songs wie „Holy Thunderforce“ und „Dawn Of Victory“ nicht herum, das Debut Album „Legendary Tales“ wird aber komplett außer Acht gelassen und vom, meiner Meinung nach, besten Album „Symphony Of Enchanted Lands“ wird nur „Emerald Sword“ zum Besten gegeben. Mastermind und Gittarero Luca Turilli langweilt mit endlosen Soli und italienischen Operngesang muss ich auf dem W.O.A auch nicht unbedingt haben. Heldenbeerdigung.

Ein ganz anderes Kaliber ist dagegen die Metalcore Institution Heaven Shall Burn. Einheitlich im rot-schwarzen Dress gekleidet entern die Thüringer die Black Stage und beginnen ihren Set eher unklassisch mit „Profane Belivers“. Sofort beginnt die Meute vor der Bühne zu springen und es erhebt sich eine Staubwolke. Der Sound ist druckvoll und auch im hinteren Bereich noch gut zu vernehmen. Es folgt ein gut gemischtes Best-Of Programm, welches keine Wünsche übrig lässt. Der sonst übliche Circle Pit um den Mischer muss heute leider ausfallen. Dafür gibt es zwei Circle Pits um die Delay Türme, was sehr beeindruckend aussieht. Geiles Brett.

Kommen wir nun zum unumstrittenen Headliner des Festivals. Judas Priest haben mit Zwei ein Viertel Stunden Spielzeit den mit Abstand größten Slot. Und diesen wissen sie auch mit Metal-Klassikern ansprechend zu füllen. „Rapid Fire“, „Judas Rising“, „Night Crawler“ und „Turbo Lover“ sind da nur wenige Beispiele. Hier wird so mancher Metalhead in Erinnerungen schwelgen. Die gigantische Lichtshow untermalt den Gig hervorragend und der Sound ist laut und druckvoll. Allerdings muss man hier auch anmerken, dass den Herren auf der Bühne, allen voran Rob Halford, ihr Alter deutlich anzumerken ist. Dass der alte Herr stimmlich nicht mehr in der Lage ist Klassiker wie „Painkiller“ angemessen zu singen, dürfte klar sein. Aber dass er seine Augen keine fünf Minuten mehr vom Teleprompter lassen kann ohne den Text zu vergessen ist schon ein wenig peinlich. Judas Priest haben die Metal Szene in den letzten dreißig Jahren zwar beeinflusst wie kaum eine andere Band, irgendwann ist aber für jede Band der Tag gekommen sich zu verabschieden. Und das haben Judas Priest gut erkannt.

Beim Gang über den Festivalvorplatz nötigen mich die vielen verschiedenen Gerüche der verschiedensten Fressbuden quasi zur Nahrungsaufnahme. Die Frage ist nur, was man essen soll. Vom klassischen Steak über Nudeln bis hin zu veganem Essen ist hier wirklich alles vertreten (Pluspunkt). Wenn ich mir dann allerdings die Preistafeln anschaue, wird mir fast schlecht. Eigentlich kann man sich auch gleich die fünf Euro Scheine parat legen und bei jeden Essen pauschal auf den Tresen hauen. Ich entscheide mich für eine Pommes mit Mayo. Kostenpunkt 3,50€ (Minuspunkt). Die Getränkepreise sind zwar seit einigen Jahren stabil, aber dennoch enorm hoch. 3,50€ für ein 0,4l Bier find ich immer noch frech. Aber es bleibt einem ja nichts anderes übrig. Schließlich stehen heute noch ein paar Bands auf dem Programm. Um 0.00 Uhr finde ich mich wieder einmal im Bullhead Zelt ein um den zarten Klängen der Hannoveraner Spaß-Metaller Excrementory Grindfuckers zu lauschen. Diese scheinen sichtlich Spaß zu haben und heizen dem gut gefüllten Zelt so richtig ein. Die Mischung aus Schlager, Popmusik und Grindcore kommt beim Publikum gut an und die Texte von „Ein bisschen Grind muss sein“ oder „I‘ve been looking for Grindcore“ werden aus vollem Halse mitgesungen. Ganz besonders hat es den Jungs der kleine Steg angetan, der von der Bühne zu einem Boxring in der Mitte des Zeltes führt. Hier duellieren sich abwechselnd Him, Rob und Horn mit Mikro und Gitarre. Das macht richtig Spaß. Einziger Minuspunkt ist der viel zu laute Sound, der gerade bei den Grunz-Passagen schon richtig in den Ohren schmerzt. Ansonsten aber ein cooler Auftritt. Nun schnell ein fliegender Wechsel zur True Metal Stage, wo mich ein Feuerwerk australischer Lebensfreude und erdiger Aussie-Hardrock erwartet. Airbourne stehen auf der Bühne und feiern mit den verbliebenen Headbangern eine ausgelassene Party. Zwar ist die Lautstärke bei weitem nicht so laut, wie noch bei ihrem Auftritt auf dem W.O.A. 2008, soundtechnisch ist aber alles soweit in Ordnung. Die Gitarren klingen böse und Sänger Joel O‘Keefe, mit freiem Oberkörper grölt enthusiastisch ins Mikro. Auch die obligatorische Besteigung der Bühne darf natürlich nicht fehlen. Zum Abschluss des Abends dürfen dann auf der Party Stage noch die Jungs von Saltatio Mortis ran. Die Mittelalter-Rocker haben mich bereits auf dem Rockharz Open Air schwer begeistert und können auch heute ihre Klasse als Partyband bestätigen. Sänger Alea ist stimmlich voll und ganz auf der Höhe und ein guter Sound sorgt dafür, dass auch der Rest der Band gut zu hören ist. Positiv wirkt sich hier aus, dass die Menge vor der Bühne, für Wacken Verhältnisse, recht überschaubar ist. So kommt man auch ohne größere Anstrengungen ziemlich nah vor die Bühne. Es entwickelt sich eine ausgelassene Feierstimmung und das von Alea angefeuerte Publikum, tanzt, springt und singt beherzt mit. Höhepunkt ist natürlich neben dem abschließenden „Spielmannsschwur“ der Gastauftritt von Doro Pesch bei „Salome“. Aber auch das neu vorgestellte Stück „Til Eulenspiegel“ wird wohlwollend aufgenommen. Auch wenn sich die Setlist weitestgehend bekannt war und ich die Band vor wenigen Wochen bereits gesehen hatte, war es doch ein kurzweiliger Auftritt, der Lust auf mehr macht.

Samstag 06.08.2011

Am Samstag zeigen sich dann doch die ersten Ermüdung-serscheinungen und darum lasse ich es etwas ruhiger angehen. Während Kataklysm die Black Stage in Schutt und Asche legen, schlendere ich ein wenig über den Metalmarkt, der durch sein breites Angebot an Merchandise zu überzeugen versucht. Leider ist zu beobachten, dass die Qualität der einzelnen Stände in den letzten Jahren immer mehr abgenommen hat. Masse statt Klasse scheint hier das Motto zu sein. Wer jedoch ein wenig Zeit und Geduld aufbringt, kann sicherlich das ein oder andere Schnäppchen schlagen. Als ich dann bei Dir En Grey das Infield betrete, fühle ich mich irgendwie um sieben oder acht Jahre in der Zeit zurückversetzt, denn so leer habe ich das Gelände an einem Samstagnachmittag schon lange nicht mehr gesehen. Mir wird aber schnell klar, woran das liegt nachdem ich die ersten Töne der Japanischen J-Rock Band vernehme. Für mich klingt der Gesang wie eine Mischung aus Angela Gossow, Tarja Turunen und Danni Filth und der Rest klingt, diplomatisch ausgedrückt, auch eher bescheiden. Leider nichts für meine Ohren.

Richtig voll wird es dann bei Knorkator, die unverständlicher Weise auf der Party Stage auftreten, während auf der Black Stage Mayhem rocken. Glücklicherweise befinde ich mich schon auf dem Gelände, denn wer jetzt noch kommt, muss sich auf Warten einstellen. Erst ca. 20 Minuten nachdem Knorkator ihren Gig begonnen haben, lässt der Strom an Zuschauern nach und vor der Bühne wird es richtig eng. Jetzt zeigt sich auch, dass die Party Stage für Knorkator total unterdimensioniert ist. Denn während der Sound vorne noch ganz ordentlich ist, kommt hinten nur noch ein einziger Brei an, der zudem auch noch viel zu leise ist. Von der Sicht auf die Bühne wollen wir mal gar nicht sprechen. Dennoch gefällt den meisten, was Alf Ator, Stumpen und Co. da vorne auf der Bühne fabrizieren. Ein ganz besonderes Highlight ist aber das Huckepack pogen, bei dem man sich auf die Schultern seines Vordermannes setzt und dann heftig anfängt die umstehenden Leute anzupogen. Auch Knorkator haben auf der Bühne sichtlich Spaß und so vergehen die 60 Minuten Spielzeit wie im Fluge. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verfolge ich dann den Auftritt von Iced Earth, denn heute ist der letzte Auftritt von Sänger Matt Barlow. Sehr schade, denn der Sänger mit der charismatischen Stimme hat Iced Earth stets zu etwas ganz Besonderem gemacht. So auch heute. Die Band gibt einen Querschnitt durch ihre Schaffenskarriere zu bestem und überzeugt mit sehr gutem Sound und spielerischer Klasse. Leider kommt die Lichtshow wegen der noch frühen Spielzeit nicht so gut zur Geltung. Aber das ist nur ein kleiner Wermutstropfen, denn ansonsten sind Iced Earth sehr stark. Die Setlist beschränkt sich zwar auf ältere Songs mit Schwerpunkt auf der „Something Wicked This Way Comes“-Ära, allerdings wird auch die Ripper Ära mit „Declaration Day“ bedacht. Zum Ende des Gigs gibt es dann noch ein wenig Pathos der Marke John Schaeffer und die üblichen Verbrüderungsumarmungen zwischen Barlow und Schaeffer. Gegen 18.00 Uhr schließen die Amis ihren Auftritt dann mit „Iced Earth“ stilecht ab.

Bereits bei seinem ersten Auftritt mit Avantasia in Wacken konnte Tobias Sammet auf ganzer Linier überzeugen. Großartige Songs, großartige Musiker und eine tolle Atmosphäre. Und so war es klar, dass die All-Star Truppe auch in diesem Jahr wieder auf meinem persönlichen Billing stand. Leider meint es das Wetter nicht so gut mit uns und es beginnt quasi pünktlich zum Konzertbeginn an zu regnen. Dies trübt natürlich die Stimmung, nicht jedoch die musikalische Klasse von Avantasia. Die vielen Gastsänger (u.a. Michael Kiske, Jorn Lande und Kai Hansen) legen sich richtig ins Zeug und hauchen den Songs sehr viel Leben ein. Ob es nun die kräftig rauchige Stimme von Jorn Lande bei „The Scarecrow“ oder das charismatische Auftreten von Kai Hansen (mit Stock und Zylinder) bei „Death Is Just A Feeling“ ist. Die Gänsehaut ist hier vorprogrammiert. Und dass man Hansen und Kiske noch mal zusammen auf einer Bühne sieht, hätte vor einigen Jahren auch niemand gedacht. Alles in allem also eine gelungene Vorstellung. Für Wiederholungstäter allerdings ist die Setlist leicht vorhersehbar, gleicht sie doch in weiten Teilen der des letzten Wacken Auftritts. Das ist aber neben dem Wetter aber auch der einzige Kritikpunkt.

Als man dann gegen kurz vor elf eine rauchig kratzende Stimme mit den Worten „Good evening. We are Motörhead, and we play Rock`n`Roll“ vernimmt, da wird jedem schnell klar, dass man keine große Pyroshow oder atemberaubende Lichteffekte für eine gute Show braucht. Das Trio um Frontwarze Lemmy kann das jedenfalls auch ohne. Gitarre und Bass kommen rotzfrech aus den Boxen und Drummer Mikkey D. trommelt sich mal wieder die Seele aus dem Leib, als gäb`s kein Morgen mehr. Gut 90 Minuten geben die Herren alles und räumen kräftig ab. Das Infield ist so voll, dass die Haupteingänge teilweise schon gesperrt sind und auch der Vorplatz sowie der Platz vor der Videoleinwand am Party-Stage Eingang sind gut gefüllt. Keiner will sich die Rock’n’Roll Legende entgehen lassen. Und so feiern alle ausgelassen bei bestem Sound und beschließen damit das Wacken Open Air 2011 standesgemäß.

Das Wacken Open Air 2011 hat wieder einmal alle Rekorde gesprengt und sich noch fester in der internationalen Festival-Landschaft manifestiert. Seit dem Chaos-Jahr 2007 hat sich das Festival zu einem der am besten organisierten Festivals entwickelt und es ist einfach Wahnsinn, was sich hier abspielt. Die Versorgungssituation auf den Zeltplätzen ist weitestgehend in Ordnung und auch das Angebot an Speisen und Getränken ist so vielfältig, wie ich es auf noch keinem anderen Festival erlebt hab. Wacken ist und bleibt Kult. Tausende Menschen aus alle Herren Länder feiern zusammen eine riesige Metal-Party. Top-Acts aus allen Bereichen des Heavy Metal sind vertreten und die Stimmung ist der Wahnsinn. Allerdings hat diese Entwicklung auch seine Schattenseiten. Das gesamte Festival gibt sich nach und nach dem kommerziellem Ausverkauf hin und die einst so familiäre und friedliche Atmosphäre geht immer mehr verloren. Seien es nun die unzähligen Wacken Devotionalien oder die überdimensionale Präsenz in den Medien. Mit dem eigentlichen Wacken Geist hat das nicht mehr viel zu tun. Man hat das Gefühl, dass es vielen Besuchern nur noch um den Kult „Wacken“ geht und nicht mehr um die Bands die sich auf den Bühnen den Arsch abrocken. Außerdem wird es für die Veranstalter immer schwieriger etwas Neues, Interessantes und vor allem Besonderes auf die Beine zu stellen. Klar. Acts wie Ozzy Osbourne oder Judas Priest sieht man nicht mal eben auf dem Schützenfest in Klein Kleckerdorf. Aber ob es nun so viel besser ist sie auf der Leinwand zu sehen, weil vor der Bühne kein Platz mehr ist, sei mal dahin gestellt. Dann wären da noch die vielen Bandüberschneidungen, die es teilweise unmöglich machen alles Bands zu sehen, die man gerne sehen möchte. Und was den Sound betrifft, so ist er auch in diesem Jahr bei vielen Bands wieder einmal „nur“ durchschnittlich. Meistens ist es voll. Sei es auf den Toilettencontainern, bei den Duschen oder beim Bier holen. Überall wartet man. Hinzu kommt noch, dass der großen Auswahl an Speisen derbe gesalzene Preise gegenüber stehen.

Wacken 2011 war in vielerlei Hinsicht gut und in keiner Hinsicht so richtig schlecht und wird für die meisten auch in Zukunft eine Reise wert sein. Wer auf ausgelassenes Feiern im Biergarten und ein rundum-Entertainment Programm steht, der wird sich in Wacken sehr wohl fühlen. Wem guter Sound und stressfreies Band-Schauen wichtig ist, der sollte sich allerdings kleineren Festivals zuwenden. Auch Festival-Neulingen lege ich kleinere Festivals ans Herz.

Autor: Bericht: Daniel J. Krone (Gast-Redakteur) / Erle

Festivalbericht Wacken Open Air 2012

Wacken 2012 – Willkommen im Dreck … so lautete dieses Jahr vermutlich das Motto des diesjährigen 23. Wacken Open Air. Schon eine Woche vor Festivalbeginn meldete der sehr informative Podcast von Harry Metal, dass mehr oder weniger 50 Liter pro Stunde und pro Quadratmeter das „Holy Wacken Land“ aufgeweicht hatten und man sich nicht sicher ist, ob nun die Campingflächen befahren werden dürften oder nicht. Eines war aber schon vorher sicher: Die über 120 Bands aus aller Welt würden sich es auch trotz schlechtem Wetter nicht nehmen lassen, ihr bestes zu geben!

Donnerstag, 02.08.2012

Nachdem wir bereits am Mittwoch angereist waren und das Gelände bereits ordentlich erkundet hatten, ging es erst einmal früh morgens zu den Duschen. Danach ging’s nach einem guten Frühstück auf’s Gelände und den Metalmarkt. Für das 23. W:O:A haben sich die Veranstalter einiges neues einfallen lassen. Neben dem „Trash of The Titans Field“ auf dem Schauspieler in einer endzeitlichen Kulisse ihre Kunststücke mit umgebauten Traktoren, Robotern und viel Feuer zum Besten gaben, hatte man sich eines der größten mobilen Zirkuszelte auf den Acker geholt. Dabei handelte es sich um ein 8 Master-Pagodenzelt mit einer Fläche von rund 6350m². Dank einer Länge von 110m und einer Breite von 60m hat hier nun auch neben der neu etablierten Headbanger-Stage auch die W.E.T. Stage ihren neuen Platz gefunden. Das bedeutete im Umkehrschluss ein Zelt weniger auf dem Infield. Natürlich waren auch wieder die Wackinger mit dabei, die schon seit einigen Jahren den Vorplatz mit leckerem Essen, Kämpfen, Handwerk und Spielen bevölkern.

Der Metalmarkt bot in diesem, wie auch in den letzten Jahren, mit einem großen Aufgebot an Händlern auf. Dort gab es alles, was das Herz eines Metalheads begehrt. Von Shirts bis Shorts über Piercings, Tattoos, CDs, Flaggen und offiziellem W:O:A-Merch. Nach einem kurzen Zwischenstopp im Biergarten öffneten sich auch schon die Tore des Infields. Die großen Bühnen wurden auch wie in jedem Jahr von der Band SKYLINE eröffnet. Viele Gäste waren wieder mit dabei. Unter anderem gaben Udo Dirkschneider und Doro Pesch sich die Ehre. Danach ging es für uns auf den Campground. Dieser war von dem schlechten Wetter der letzten Tage und dem hohen Verkehrsaufkommen schon sichtbar gezeichnet. Nach meiner Ansicht aber hatte das W:O:A-Team die Lage allerdings voll im Griff und leitete den Verkehr auf weniger befahrene Flächen um und teilte des öfteren Camping und Parken, sofern es die Flächen nicht zuließen direkt am Fahrzeug sein Lager aufzuschlagen. Nach einem weiteren Besuch bei den Wackingern und im Biergarten waren nun schon die Dänen von VOLBEAT an der Reihe. Wir hatten uns trotz der Massen an Metalheads bis ziemlich weit vor die True Metal Stage durchgeschoben. Es sah aus als würden alle 75.000 Festivalbesucher nur darauf warten, dass VOLBEAT die Bühne betreten würden.

Nach dem großartigen Auftakt mit „The Human Instrument“ und „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ führten uns die Jungs aus Dänemark 1,5 Stunden über Johnny Cash und Elvis bis zu einem Gastauftritt von Barney Greenway (NAPALM DEATH). Auch ein Snippet von einem neuen Song spielte man der Menge vor. Wir sind auf das neue Album gespannt (April 2013). Dann sehen wir wieder was passiert (lt. Sänger Michael Schøn Poulsen), wenn man schon in seiner Kindheit von der einen Seite mit dem King und Cash und von der anderen Seite mit Napalm Death und Slayer zugedröhnt wird.

Das Ergebnis ist, und wird sicher, auf jeden Fall wieder großartig!

Freitag, 03.08.2012

Früh morgens raus aus dem Zelt und ab zu den Duschen. Wir freuen uns, dass trotz des nicht so schönen Wetterberichts die Sonne von keiner einzigen Wolke verdeckt wird. Noch ist uns nicht klar, dass wir vom norddeutschen Wetter bald eines besseren belehrt werden sollten. Die erste Band an diesem Morgen waren BETONTOD. Von diesen bekamen wir direkt den Befehl „Wir müssen aufhören weniger zu trinken“. Gesagt, getan! Mit einem kühlen Bier ging es direkt weiter zu den Jungs von ENDSTILLE. Noch während des Konzertes konnten wir allerdings beobachten wie sich der Himmel über Wacken zuzog. Wir stimmten ab, uns in Richtung Lager zu bewegen und uns auf das angekündigte Unwetter vorzubereiten. Wenige Minuten später war es dann soweit. Ein Sturm kam auf. Begleitet von einem heftigen Gewitter und starken Platzregen. Wir und unsere Nachbarn hatten alle Hände voll damit zu tun unsere Pavillons, Zelte und sonstigen Bauwerke zu sichern und festzuhalten. Währenddessen wurde der Boden zu unseren Füßen immer weicher und wässriger.

Wir vermochten nicht mehr zu vernehmen ob der Donner nun von den nahegelegenen Bühnen oder aus dem Himmel über uns kam. Nach einer halben Stunde war dieses „Schauspiel“ allerdings auch schon wieder vorüber. Wie die neue Wacken App (Android / iOS) später informierte, kamen in dieser halben Stunde 20 Liter Regen pro Quadratmeter auf uns herunter. Wir waren einige Zeit damit beschäftigt, unser Lager wieder herzurichten. Nachdem der Himmel wieder aufklarte ging es ab zu THE BOSS HOSS. Festes Schuhwerk war ab jetzt Pflicht geworden. Die ersten Schlammschlachten wurden auf dem Infield ausgetragen, auf dem mittlerweile kein Gras mehr zu sehen war. Die Berliner Boss Burns und Hoss Power sorgten mit ihrem außergewöhnlichem Countrystil, dass die Sonne sich noch einmal blicken ließ. Doch kaum endete das Konzert, kam schon wieder ein Unwetter auf. Der Festivaltag war für uns ab hier leider krankheitsbedingt beendet.

Samstag, 04.08.2012

In der Nacht war das Wetter weiter wechselhaft. Der Boden in unserem Pavillon war zwar wieder einigermaßen begehbar, doch die Wege zu den sanitären Anlagen gestalteten die morgendliche Wäsche zu einem Problem. Der Boden war durchweicht, schlammig und man blieb bei jedem zweiten Schritt stecken. Ein weiteres Problem war das krankheitsbedingte Unwohlsein, welches uns vermutlich durch das schlechte Wetter des Vortages immer noch geblieben war. Wir entschieden uns nach einigen weiteren Schauern am Samstagmittag die Heimreise anzutreten. Als wir den richtigen Moment zwischen den Schauern abgepasst hatten, bauten wir unser Lager ab und wollten den Campground verlassen. FEHLANZEIGE!

Die Security hatte in Abstimmung mit den örtlichen Behörden ein komplettes Fahrverbot für das gesamte Gelände verhangen. Dies stieß bei einigen Gästen, welche ebenfalls das Feld verlassen wollten, auf Unverständnis. Es war gar von Freiheitsberaubung die Rede gewesen als sich ein Gast mit der Security vor der versperrten Ausfahrt auseinandersetzte. Wenig später kamen eine Hand voll Polizisten hinzu und versuchten die Situation zu schlichten. Dies brachte sichtlich mehr oder weniger Erfolg. Das Gelände wurde zwar später wieder geöffnet, jedoch war die Abreise aufgrund der unterspülten Straßen nur auf eigene Gefahr und ohne das Recht auf Rückkehr möglich. Das war nun unsere Chance gewesen. Wir brauchten genug Schwung, um durch die Schlammpfütze an der Ausfahrt zu kommen. Einige Abreisende hatten diese Hürde zu langsam genommen und blieben schlichtweg stecken. Ein hilfsbereiter Camper war allerdings schon mit seinem Allrad-Geländewagen zur Stelle und half dem Hilflosen aus seiner misslichen Lage. Nun war die Ausfahrt wieder frei gewesen. Ich startete den Motor, stellte die

Schaltung auf manuell, atmete einmal tief durch und gelangte mit genug Schwung durch den Schlamm in die Freiheit. Die Rückfahrt gestaltete sich trotz der schlechten Straßenverhältnisse in und um Wacken entspannt. Lediglich ein Stau auf dem Weg in Richtung Hamburg zwang und zu einer anderen Route. Gegen Abend kamen wir erschöpft, verschmutzt und gesundheitlich angeschlagen zu Hause an. Ich bin schon seit einigen Jahren auf vielen Festivals gewesen, doch so viele (und vor allem heftige Unwetter) habe ich auf noch keinem Festival erlebt. Allerdings muss ich hier den Hut vor dem W:O:A-Team ziehen, welches die Einflüsse dieser höheren Gewalt super bewältigt hat. Man fühlte sich zu keiner Zeit allein gelassen. Die Security war immer hilfsbereit und die Informationsversorgung über die Smartphone App, das Mobilportal oder auch über die Wacken-Zeitung war super. Wir werden nächstes Jahr auf jeden Fall wieder am Start sein. Dann hoffentlich gesund und bei bestem Wetter wenn es zum 24. mal heißt: FASTER, HARDER, LOUDER See you in Wacken – Rain or Shine

Autor: Bericht: Daniel J. Krone (Gast-Redakteur) / Erle

Rain or Shine – 24 Jahre Wacken Open Air – W:O:A 2013

Das größte Metalfestival Deutschlands geht in die 24. Runde. Beachtlich, was aus dem kleinen Maisfeld doch für eine Touristenattraktion geworden ist. Mit ausverkauftem Status können sich die Betreiber des W:O:A in diesem (und wohl auch im nächsten) Jahr jedenfalls nicht über die Besucherzahlen beschweren. Zu Recht, denn was hier an Line-up geboten wird, sucht Seinesgleichen im Festivalparadies Deutschland.

Headliner Rammstein, Nightwish, Doro, Alice Cooper. Bis auf Doro, die ja scheinbar eine Dauerkarte für das W:O:A besitzt, ein echtes Highlight.

Und auch das weitere Set ist mehr als beachtungswürdig. Wer den Podcast von Harry Metal verfolgte, konnte sich bereits im Vorfeld des Festivals ein Bild davon machen, dass in diesem Jahr alles ein wenig größer ausfällt. Nicht nur die Mainstages nahmen nochmal an Größe zu, sondern auch an einigen anderen Ecken wurde nachgebessert und vergrößert. So fallen zum Beispiel einige Anpassungen im Bereich der Festivalsicherheit und der neue Schädel auf. Dieser prangt, wie auch der alte Schädel zuvor, hoch oben zwischen den Mainstages. Jeden Abend nach Sonnenuntergang wird der Schädel angefeuert. Dieses Jahr um einiges eindrucksvoller als in den letzten Jahren. Der alte Schädel hat übrigens einen neuen Platz bei den Wackingern bekommen.

Mittwoch 31.07.2013

Der Tag beginnt sehr früh. Nach einer weitestgehend problemlosen, staufreien Anreise erreichen wir gegen 8.30 Uhr den Check-In. Hier geht es dieses Jahr um einiges schneller als im letzten Jahr. Mit unserem dort erworbenem „Wristband“ geht es auf den Campground. Dort werden wir von einigen überforderten Platzeinweisern begrüßt, die uns nach einigem hin und her dann doch noch fast kompetent auf ein schönes Plätzchen verweisen. Nach dem Aufbau unseres Lagers geht es in Richtung Festivalgelände, wo schon allerhand los ist. Feuerschwanz heizen in gewohnt guter Manier dem Publikum im Wackinger Dorf ein. Die Parodieband aus Erlangen begleitet dann auch das ganze Festival über die Meute mit ihren Klängen. („Met & Miezen“ lassen grüßen.) Auf dem Weg Richtung Plaza machen sich schnell die neuen Security Checkpoints bemerkbar, welche die Veranstalter zwecks Vermeidung von Glasflaschen aller Art rund um das Wackinger Village postiert haben. Diese erfüllen ihren Zweck zwar sehr gut, müssen allerdings zeitlich mit eingeplant werden. Hier sammeln sich immer wieder große Menschenmengen an, die zur teilweisen Überforderung der Security führen. Vom Wackinger Village geht es in Richtung Wacken Village. An jeder Ecke gibt es hier wie immer freundliche Einwohner, die selbstgebackene Spezialitäten, Souvenirs oder einfach nur Getränke verkaufen. An beinahe jedem Haus flaggt ein W:O:A-Wimpel und Kinder fahren Vorräte mit ihren Fahrrädern oder Tretautos vom dorfeigenen EDEKA gegen eine geringe Gebühr in Richtung Campground. Ja, endlich sind wir wieder zu Hause!

Später am Tag kommt es zur eigentlich offiziellen Eröffnung des W:O:A. Wie in jedem Jahr spielt die Wackener Feuerwehrkapelle unter dem Namen W:O:A Firefighters auf der Beegarden Stage. Bei bestem Wetter und dem ein oder anderem kühlen Bier (oder Cocktail) wird man von der Stimmung, die von den Festival Urgesteinen ausgeht, einfach mitgerissen.

Donnerstag 01.08.2013

Der Donnerstag fängt für uns etwas chaotisch an. Während wir dem für viele Festivalbesucher komplizierten Begriff „Hygiene“ nachgehen, merken wir, wie der Wind auf dem Gelände spürbar zunimmt. Die ersten Pavillons verbeugen sich hier bereits vor Mutter Natur. Auch wir beobachten zuerst nur unaufmerksam das unbewohnte Wohnzimmer unserer Nachbarn, wie es im Wind zu tanzen beginnt. Bereits kurz danach liegt das Dach eben dieses Wohnzimmers auf unserem Pavillon und stellt nunmehr ein Problem dar. Da niemand der Bewohner in greifbarer Nähe ist, richten wir uns an einen der Parkeinweiser. Dieser rät uns, den Pavillon abzureißen bevor Menschen, Autos oder sonstige Gegenstände zu Schaden kommen. Gesagt, getan. Mit Hilfe anderer Festivalbewohner wird der Pavillon kurzer Hand dem Erdboden gleich gemacht. Gerade in dem Moment, als das letzte Teil demontiert ist, entschieden sich die Besitzer des Unruhestifters ihr nun in Einzelteile zerlegtes Wohnzimmer wieder zu bewohnen. Zu ihrem Leid (aber auch Verständnisses) wurde der Pavillon nicht in gewohnter Form aufgefunden. Nach etwas nachbarschaftlicher Hilfe findet sich jedoch eine Lösung und der Pavillon erstrahlt kurze Zeit später wieder in all seiner Pracht. (Zumindest für etwa 24 Stunden, bevor er wieder die Grätsche macht.)

Mittlerweile ist 16 Uhr und das Infield öffnet seine Tore. Auch dieses Jahr eröffnen Skyline die Black Stage. Wie gewohnt, mit zahlreichen Coversongs, ist dies ein gelungener Auftakt in der prallen Nachmittagssonne. Nachdem Skyline von der Bühne verschwunden sind, gesellen sich Annihilator mit ihrem Gitarrengott Jeff Waters auf die Bühne. Bei nunmehr über 30 Grad in der Sonne starten die kanadischen Thrasher mit „Smear Campaign“ ihren Gig. Etwa eine Stunde liefern sie mit zahlreichen Hits wie „King of the Kill!“, „No Way Out“, „Clown Parade“ oder „Fun Palace“ ein super Set. Gegen 18 Uhr verlässt die Band die Black Stage. Hoffentlich dauert es nicht wieder zehn Jahre bis sie das nächste Mal auf dem Holy Ground spielen.

Nach einer kurzen Pause und einem Abstecher auf den Metal Market, auf dem sich wieder zahlreiche Händler aus aller Welt tummeln, beginnt die „Night to Remember“ erst richtig. Das Infield füllt sich relativ schnell und ein Teil der Zuschauer wartet auf eine Band, die nicht nur den englischen Hard Rock geprägt haben, sondern auch im Guinness-Buch der Rekorde stehen. Die Rede ist von Deep Purple. Da ich, wie vermutlich viele andere der anwesenden Gäste, nicht viel mehr als „Smoke On The Water“ kenne, ist es für die einen eine gute Gelegenheit einmal ein wenig mehr von dieser Band zu hören. Für alle anderen gestaltet sich der Auftritt der Engländer als Geduldsprobe. Und zwar insofern, dass sich viele laut die Frage stellten „Wann sind die endlich fertig, ich will Rammstein sehen“. Meiner Meinung nach ziemlich ungerechtfertigt, hat die Band doch trotz des häufigen Personalwechsels in ihrer Laufbahn einen sehr guten Auftritt hingelegt. Natürlich darf auch der Klassiker „Smoke On The Water“ nicht fehlen. Hier singen dann vermutlich selbst die ungeduldigen Festivalbesucher mit, die nur wegen Rammstein gekommen sind.

Und dann ist es endlich soweit. Die Sonne ist untergegangen, das Infield wird immer voller und wir ziehen so nah es eben geht vor die True Metal Stage. Um ca. 22.15 Uhr erhellen dann mehrere Salven an Leuchtgeschossen den Nachthimmel über Wacken. Rammstein beginnen ihren Auftritt mit dem zeitweise in der Vergangenheit indizierten Song „Ich tu dir weh“. Noch bevor der Vorhang fällt, werden einige Pyro-Effekte vom Stapel gelassen. Dann, als es wenige Sekunden später nach gefühlter ewiger Stille und der letzten Pyro-Salve den Vorhang nach unten fallen lässt, legt die Band richtig los. Sänger Till Lindemann fährt auf einer funkensprühenden Plattform, gekleidet in eine pinke Flokati-Jacke, vom Himmel der True Metal Stage gen Bühnenboden. Die Menge tobte und alles singt lauthals mit. Alles ist bei diesem Auftritt aufeinander abgestimmt. Licht, Effekte, Bühnenshow, ja selbst die Bühnenausstattung selbst koordiniert sich laufend neu. So wird die bereits genannte funkensprühende Plattform zu einem beweglichen Lichtelement über den Köpfen der Band. Rammstein, man kann es nicht anders sagen, haben scheinbar nur Hits auf Lager. „Ich hab keine Lust“, „Feuer frei!“, „Wollt ihr das Bett in Flammen sehen?“ Beim Song „Mein Teil“ kommt Lindemann dann mit einem überdimensionalen Kochtopf auf die Bühne. Darin: Keyboarder Flake Lorenz, dem nur kurze Zeit später mit einem riesigen Flammenwerfer Feuer unterm Arsch gemacht wird. Und das alles bevor er zum Song „Bück dich“ von Lindemann mit einer Penisnachbildung scheinbar richtig penetriert wird. Es scheint, als kenne jeder der über 75.000 Besucher jede Zeile eines jeden Songs. Ein Jeder wird von immer eindrucksvolleren Pyro-Effekten à la Rammstein begleitet. Ob Feuermasken, brennende Mikros, ein brennender Mensch oder ein eindrucksvolles Feuerwerk, welches über ein Seilsystem über den Köpfen der Zuschauer stattfindet: Rammstein machen ihrem Ruf alle Ehre und liefern eine grandiose Show ab. Eine Show, die man kaum in noch mehr Worte fassen kann. Man musste einfach dabei sein. Wenn Rammstein nach ihrer angekündigten Auszeit wieder einmal auf Tour gehen, müsst ihr es unbedingt einmal live miterleben.

Der Abend neigt sich dem Ende. Nach einem Dankeschön an die Fans des sonst eher wortkargen Frontmanns Lindemann darf man in der Zugabe einer Piano-Version von „Mein Herz brennt“ lauschen. Diese Version des Songs beweist, dass Rammstein nicht nur „voll in die Fresse“ können, sondern auch sanfte Klänge wohl beherrschen. Und dann komm der wohl im Nachhinein medienträchtigste Moment des Festivals. Rammstein spielen „Sonne“, und zum letzten Refrain kündig Frontmann Till Lindemann den deutschen Schlagerstar Heino an. Dieser hat ja bekanntermaßen auf seinem letzten Album neben Bands wie Die Ärzte auch den Song „Sonne“ von Rammstein gecovert. Bereits im Vorfeld machten sich Gerüchte breit, dass Heino dem Wacken Open Air einen Besuch abstatten würde. Stimmlich etwas schwach auf der Brust kommt er nicht gegen die Band an und verläßt auch wenige Minuten später die Bühne wieder. Nach dem letzten Song „Pussy“ verabschieden Rammstein sich endgültig vom Publikum und beenden ihren grandiosen Auftritt.

Freitag 02.08.2013

Die Sonne knallt unbarmherzig auf uns hernieder, als wir uns am frühen Vormittag aus den Zelten pellen. Der vorige Abend hat seine Spuren hinterlassen. Nichtsdestotrotz muss es heute weitergehen. Denn nachdem die Herren Journalisten am Donnerstagabend ausgiebig zu Rammstein und Deep Purple gefeiert haben, geht es am Freitagmittag in sengender Hitze gen Eisbrecher vor die Partystage. Trotz gefühlter Millionen und ’n Dutzend Grad hält die Partystage, was ihr Name verspricht. Kollege Wesselsky scheint bester Stimmung zu sein, und bietet eine deutlich bessere Leistung als auf dem Rockharz Festival. Die Setlist ist nahezu identisch, somit kommen Fans und Feierwütige in den puren NDH-Genuss und bekommen einen guten Querschnitt der letzten Schöpfungen des Checkers. Beim beliebten Megaherz-Klassiker „Miststück“ rastet die Menge noch einmal komplett aus und gönnt sich im Anschluss erstmal ein Wasser. Was(ser)?! Oh ja. Das Thermometer klettert immer weiter hinauf, und schon stehen wir, im eigenen Saft garend, vor der True Metal Stage. Es wird spirituell: Powerwolf betreten die Bühne. Zwischen Songs ihres aktuellen Meisterwerks „Preachers of the Night“ schmettern die Jungs aus Saarbrücken (und Rumänien) Hits ihrer letzten Alben „Blood of the Saints“ und „Bible of the Beast“ herunter. Mit „vielen Dankeschön“ bedankt sich Goldkehle Attila Dorn beim textsicheren Publikum. Starker Auftritt, der bis in die „Coleus Sanctus“ zieht.

Aufgrund der Wärme machen wir einen kurzen Break und kehren zu einem meiner persönlichen Favoriten des diesjährigen W:O:A zurück: Sabaton. Mit absolut großartiger Leistung bieten die Mannen aus der schwedischen Rockstadt Falun mal wieder ein Konzert erster Güter. Man könnte fast behaupten, es wäre ein solider Auftritt, da außer einem Tausch der eigenen Weste des Sängers Joakim Brodén mit einem Fan nichts Außergewöhnliches passiert ist. Doch wer Sabaton schon einmal live erlebt hat weiß, wie sehr der charismatische Brodén sein Publikum im Griff hat. Immer einen lässigen Spruch parat, immer „noch ein Bier“ mehr in glühender Sonne. Und immer eine stimmliche Topleistung. Der Band geht es nicht anders. Beste Spiellaune und geehrt auf den großen Festivalbrettern unseres Nordens zu spielen. Das Publikum ist begeistert und feiert die „Swedish Pagans“. Geiles Ding!

Die Hitze macht sich spürbar in Gesichtern und Launen der Besucher bemerkbar. Die Sani-Zelte haben heute Hochkonjunktur. Bier und Sonne… naja, solange Mama davon nichts erfährt, ist ja alles gut. Das Infield füllt sich im Anschluss an Sabaton bedenklich schnell. Kein Wunder, denn Rocklegende Lemmy und seine Jungs von Motörhead stehen in den Startlöchern. Nach zahlreichen abgesagten Festivalgigs aufgrund gesundheitlicher Schwierigkeiten seitens Mr. Kilmisters, steht heute der erste Auftritt an. Neben Doro haben auch Motörhead meines Erachtens nach eine Dauerkarte für das W:O:A, dennoch sind sie ein Garant für ein starkes Konzert, nach dem man sich erst einmal zwei Stunden lang nur noch anbrüllen kann. „We are Motörhead and we play rock ‚n roll!“ oder doch nicht? Nach einer knappen halben Stunde verschwindet Lemmy hinter der Bühne und kehrt nicht zurück! Spekulationen im Publikum, es wird unruhig in der Menge. Nach kurzer Ansage des Veranstalters ist klar: an dieser Stelle ist mit Motörhead für heute Sense. Lemmys noch angeschlagener Gesundheitszustand (und vermutlich die ein oder andere Flasche Jacky) müssen der Hitze Tribut zollen und so wird der Auftritt gecanceled. So viel zum Thema Bier und Sonne… Schade, aber wir wünschen an dieser Stelle natürlich weiterhin gute Besserung und auf ein nächstes Jahr mit einem gesunden Lemmy am Mikro.

Langsam beginnt es dunkel über den Maisfeldern zu werden. Passende Stimmung für meinen zweiten Favoriten: ASP. Die Jungs aus Frankfurt a. M. haben gerade ihre neueste Schöpfung „Maskenhaft“ in die Läden gebracht, und der geneigte Fan erwartet sehnsüchtig ein paar Hörproben von Großmeister Alexander Spreng. Das Publikum wirkt ausgedünnt. Ob der Hitze des Tages oder der doch recht eigenen musikalischen Kreationen der Band verschuldet, bleibt ungewiss. Ich persönlich freue mich auf den Auftritt zu so passender Uhrzeit und Dunkelheit. Nach dem bereits bekannten Intro „A prayer for sanctuary“ des Vorgängeralbums „fremd“ folgen mit „Wechselbalg“, „Kokon“ und „Krabat“ bekannte Hits, bei denen sich das Publikum stimmlich auslassen kann. Mit „Löcher in der Menge“ gibt ASP erstmalig einen Neuankömmling zum Besten. Das Publikum lauscht gespannt und interessiert. Nach dem namensgebenden Song zur letzten EP „GeistErfahrer“, wartet die Band mit einem der allseits beliebten Coversongs auf, die es bisher nur als Livegenuss zu erleben gilt. In memoriam an Pete Steele melancholiert der wahre Satan „I don’t wanna be me“ von Type O’ Negative daher. Wahnsinn. Es folgen weitere Liveklassiker, wie „Werben“ und „Schwarzes Blut“ bis das Konzert schließlich mit dem Publikumsliebling „Ich will brennen“ in einem Flammenmeer zu Ende geht. Ich bin, mal wieder, echt begeistert, freue mich wie Bolle auf die im Herbst anstehende Tour und brauche erst einmal ein kühles Blondes, um die Gänsehaut loszuwerden.

Doch es bleibt kaum Zeit. Der werte Kollege hat vom Tag wohl noch nicht genug, und so freuen wir uns mit schmerzverzerrtem Gesicht, ob der offenen Füße, auf eine wunderbare True-Metal-Band und den letzten Auftritt des heutigen Abends. Grave Digger entern zum Intro ihres aktuellen Machtwerks „Clash of the gods“ zur Stimme von In Extremo Frontmann Das Letzte Einhorn/Michael Rhein die Bühne, und mit ihnen als Background-Sänger niemand Geringeres als die Herren und wunderschöne Frau von Van Canto! Welch Überraschung! Nach zahlreichen Klassikern und Hits ihrer Schaffenswelt wie „Hammer of the Scots“, „Excalibur“, „Knights of the Cross“, „Ballad of a Hangman“ und „Wedding Day“, bei denen das sichtlich gealterte Publikum tapfer mit letzten Kräften Stimme und Fäuste erheben, folgt die nächste Überraschung: Chris Boltendahl bittet Joakim Brodén, Frontsau von Sabaton, auf die Bühne und singt zusammen mit ihm und den Van Cantos den Überhit „Rebellion“. Nach dem üblichen „Heavy Metal Breakdown“ ist auch für uns an dieser Stelle Feierabend und „The clans are marching“ in Richtung Campground.

Samstag 03.08.2013

Der Samstag beginnt mit wesentlich angenehmeren Temperaturen als noch der Freitag. Der Himmel ist heute leicht bewölkt und so lässt es sich gut vor der Bühne aushalten, als Alestorm die Party Stage entern. Mit ihren Liedern von Seeräubern, ausgelassenen Feiern und schönen Frauen sind die Schotten eigentlich genau die richtige Band, um angemessen in den Wacken-Samstag zu starten. Aber irgendwie zünden die Songs heute noch nicht so richtig. Der Sound ist überwiegend matschig. Ganz besonders im hinteren Bereich ist es fast unerträglich. Zwischenzeitlich ist kein Gesang zu hören, was den Auftritt eher semi-gut macht. Auch die Band selbst wirkt noch etwas müde und kann das Publikum nicht wirklich nicht mitreissen. Nicht einmal das teilweise auf Deutsch gesungene “Wenches and Mead” kann da helfen. Das habe ich schon besser gesehen.

Im Anschluss liefern Die Apokalyptischen Reiter einen gewohnt guten Auftritt und kommen deutlich agiler rüber als die Scottish Pirates zuvor. Sicherlich kommt ihnen auch der gut ausgesteuerte und volle Sound der True Metal Stage entgegen. Aber auch in Sachen Performance geben die Reiter mal wieder Vollgas. Fuchs tobt von rechts nach links über die Bühne, Dr. Pest schaukelt fröhlich vor seinem Keyboard und schwingt die Peitsche und auch dem Rest der Band scheint es heute richtig Spaß zu machen. Songtechnisch ist leider nicht viel Neues dabei, aber wir dürfen uns auf ein neues Doppelalbum im Herbst freuen. Ansonsten ist aber eigentlich für jeden etwas dabei. Bis auf „Allegro Barbaro“ ist jedes Album mit wenigstens einem Song vertreten. Bereits bei den ersten zwei Songs „Komm“ und „Kleiner Wicht“ geht im Publikum richtig die Post ab. Aber auch der Rest des Programms wird ordentlich abgefeiert. „Moral und Wahnsinn“ bietet dann auch noch etwas fürs Auge, als Volkman und Ady plötzlich mit Gasmasken auf der Bühne stehen. Ganz besonders gut kommt bei den Leuten aber des Gastauftritt von Lord Abbadon bei „Metal will never die“ an. Die angekündigten T-Shirt-Kanonen dürfen nicht eingesetzt werden und so bleibt lediglich den ersten Einhundert Besuchern der Autogrammstunde die Möglichkeit, eines der begehrten Sondereditionen zu ergattern. Schade. Den Abschluss bildet dann der Coversong „Ghostriders in the Sky“. Alles in allem ein guter Auftritt.

Passend zur Enttäuschung ob der Reiter-Shirts beginnt es dann auch noch zu regnen. Der Kollege bezeichnete es als kleinen Monsun. Recht hat er. Getreu dem Motto „Rain or shine“ verwandelt sich der Boden unter unseren Stühlen in einen Bach, der spontan die leeren Petflaschen über den Campground mit sich trägt. Innerhalb kürzester Zeit ist aus dem staubtrockenen Acker eine Seen- und Sumpflandschaft geworden, auf der man nur noch mit gutem Schuhwerk voran kommt. Erinnerungen an das vergangene Jahr werden wach, und die Schlammschlacht ist vorprogrammiert. Endlich dürfen wir uns nicht nur benehmen wie die Schweine, sondern auch so aussehen. Schlamm soll ja bekanntlich kühlen, und wer den mehr als geruchsarmen Wackenschlamm kennt, weiß, dass die meisten Besucher spätestens jetzt auch noch duften wie selbige.

Glenn Danzig kümmert das alles nicht. Er zieht auf der Black Stage souverän seine Show durch und begeistert die Leute. Irgendjemand muss auch am Lautstärkeregler gespielt haben, ist es doch um einiges lauter als noch am Vormittag. Im hinteren Bereich des Geländes hat man allerdings neben den teichartigen Pfützen auch mit dem Wind zu kämpfen, der den Sound teilweise mit Leichtigkeit weg trägt. Ansonsten bietet die Show wenig Aufregendes. Erst als der Düsterrocker den Misfits-Klassiker „Last caress“ einleitet, tut sich was im Publikum, und die Leute grölen ordentlich mit. Zum Abschluss folgt dann noch das obligatorische „Mother“, was den Gig insgesamt solide rüberkommen lässt.

Im neuen Zelt der Headbangers Stage, die mit der Wet Stage in das Wackinger Dorf verlegt wurde, erwarten mich am frühen Abend die Jungs von Serum 114. Schön, dass Deutschrock auch seinen Platz auf Wacken erhält. Sänger Esche hat mal wieder nur Blödsinn in der Rübe und lässt sich samt Gitarre über das Publikum zum Bierstand tragen, auf den er, in bester Campino Manier, hochklettert und oben weiterzockt. Geiles Schauspiel. Die Menge pogt, circlet, schwitzt und ist begeistert. Die Band scheint auch eine Menge Spaß zu haben. Wen an dieser Stelle die interne Sichtweise der Jungs interessiert, kann gern deren Bericht zum Auftritt auf ihrer Facebookseite nachlesen. Der Sound ist leider etwas verschwommen, was der Akustik des Zeltes zu verschulden ist.

Richtig voll wird es dann bei Alice Cooper. Ich würde fast sagen, dass der Shock-Rocker mehr Leute auf das Infield lockt, als Rammstein. Jedenfalls ist vor der Bühne deutlich mehr Gedränge. Das Set beginnt mit einem Funkenregen, aus dem Cooper dann irgendwann auftaucht. Dabei wirkt er bestens aufgelegt und in Party-Stimmung. Mit viel Action auf der Bühne und häufigen Kostümwechseln wird der Auftritt somit zu einer kurzweiligen Angelegenheit. Songs wie „Hey Stupid“ oder „No more Mr. Nice Guy“ kommen beim Publikum super an. Auch showtechnisch lässt die gesamte Band keine Wünsche übrig. Mit Guillotine, verrückten Krankenschwestern und allerlei weiteren Horror-Accessoires wirkt das Bild bizarr, bekloppt und einzigartig. Höhepunkte sind neben der Köpf-Szene natürlich der Megahit „Poison“ und das abschließende „Schools Out“, bei dem sowohl Band, wie auch Publikum noch einmal alles geben. Das hat richtig Spaß gemacht.

Nightwish sind für mich die Überraschung des Festivals und zugleich ein würdiger Headliner. Mit ihrer bombastischen Show überzeugen sie mich heute vollends. Floor Jansen macht am Gesang einen super Job. Die älteren Stücke aus der Tarja-Ära wie zum Beispiel „She`s my sin“ oder „Bless the Child“ meistert sie problemlos und gibt den Songs einen besonderen Touch. Und die neuen, mit Anette Olzon eingesungenen Lieder, bringt Floor noch mal einen Schlag kraftvoller und intensiver rüber. Ganz besonders deutlich wird das beim extrem geilen, mit Uilleann Pipe begleiteten „I want my tears back“ deutlich. Im Wechselgesang mit Marco Hietala versprüht sie eine unheimliche und zugleich magische Stimmung. Dazu kommt die wunderbar auf das Set abgestimmte Licht- und Pyro-Show. Auch das Publikum ist heute richtig gut drauf und feiert die Finnen (und Niederländerin /Anm. d. Red.) nach aller Kunst fett ab. Ob das nun daran liegt, dass die heutige Show auf DVD aufgenommen wird, sei mal dahin gestellt. Auf jeden Fall liefern Nightwish heute einen super Auftritt ab, der mit einem dezent, aber gekonnt platzierten Feuerwerk abschließt. Erinnert irgendwie ein wenig an den geilen Auftritt auf dem W:O:A 2005.

Parallel dazu gibt es ein paar Meter weiter deutsche Rockmusik zum Mitgrölen: Kärbholz geben sich die Ehre. Die NRWler mit ihrem selbstbenannten Country Core heizen der Menge, die nicht bei Nightwish vor der True Metal Stage steht, ordentlich ein. Auch hier wird getanzt, gefeiert, gesungen. Die Festivalbesucher scheinen sichtlich erschöpft. Kein Wunder, wenn man bereits am Montag oder Dienstag angereist ist. Das Zelt ist voll, die Stimmung ist klasse, die Songs ihres aktuellen Albums „Rastlos“ und einige Evergreens kommen gut beim Publikum an. Die Band selbst wirkt überrascht, nicht nur auf Festivals wie der G.O.N.D oder dem Ehrlich & Laut ordentlich gefeiert zu werden, bedankt sich sehr herzlich und verlässt nach guten 45 Minuten das Set.

Und bevor das Festival endgültig zu Ende geht, wartet mit Lingua Mortis Feat. Rage noch ein besonderer Leckerbissen auf mich. Bereits 1997 konnte man das Lingua Mortis Orchestra auf dem W:O:A bewundern. Seither hat sich viel getan. Das Besetzungs-Karussell bei Rage hat sich kräftig gedreht und auch das heute auf der Bühne sitzende Orchester ist mittlerweile anders zusammengestellt. Am wichtigsten ist allerdings das erst am Vortag erschienene neue Album „LMO“. Hierauf vereinen Rage tiefgreifende und bombastische Klassik-Elemente mit aggressiven Metal-Riffs. Bereits beim ersten Song „Cleansed by fire“ hört man auch heraus, wer hier für die Orchester-Arrangements zuständig war. Gitarren-Virtuose Viktor Smolski selbst hat die größten Teile verfasst. Daher fällt die Ausrichtung der Stücke auch wohl deutlich progressiver aus als auf den früheren Lingua Mortis Werken. Insgesamt liefern die Künstler auf der Bühne eine solide Show ab, die sich bis auf wenige Ausnahmen wie „Empty Hollows“ oder „Straight to Hell“ auf das neue Songmaterial beschränkt. Dafür gibt es von den Zuschauern zustimmendes Klatschen, die großen Stimmungsausbrüche bleiben aber erwartungsgemäß aus. Die Songs sind doch wohl eher etwas für einen gemütlichen Abend auf der Couch als für den Wacken-Acker.

Fazit:

Persönlich hat uns das W:O:A mal wieder gut gefallen. Die Shows der Bands waren bis auf ganz wenige Ausnahmen wieder einmal atemberaubend. Gerade in Anbetracht des super Billings, das Deutschlandweit seinesgleichen sucht, war das Wacken Open Air eine Reise wert. Außerdem war auch die Organisation einmal mehr von allererster Güte. Auch im Sanitärbereich gab es dieses Jahr unserer Ansicht nach nichts zu meckern. Da kann sich so mancher Veranstalter eine Scheibe abschneiden.

Minuspunkte gibt es allerdings beim Preis-Leistungsverhältnis bei Getränken und Speisen. Vier Euro für eine Pommes mit Mayo finde ich schon fast unverschämt. Drei Euro für ein 0,3l Bier ist auch schon heftig, aber wenn für einen Liter Mineralwasser zehn Euro verlangt wird, dann grenzt das schon an Abzocke. Aber das wird sicher so lange weitergehen, wie es noch genügend Festival-Lämmer gibt, die bereit sind sich zur Schlachtbank führen zu lassen.

Darüber hinaus ist es sehr schade zu beobachten, wie das W:O:A immer mehr zu einer Massenattraktion als zu einem tollen Metalfestival wird. Wenn man von Festivalbesuchern hört, dass sie zwar bereits am Montag angereist sind und auch schon zehn Fässer Bier am Zeltplatz geleert haben, aber bis zum Samstagabend außer den Firefighters noch nicht eine einzige Band gesehen haben, dann fragen wir uns schon, was das noch mit Heavy Metal zu tun hat. Dem Push durch die Medien und dem Herauswachsen der Metalszene aus ihren Undergroundschuhen geschuldet, wollen wohl viele Metal-Fans (und einstige Wacken-Fans) nicht mehr nach Wacken fahren. Journalistisch ist das Festival eine tolle Erfahrung und bietet die Möglichkeit sich über vieles auszutauschen. Mit dem Wacken von vor zehn, 15 oder 20 Jahren, das wir als Metalheads lieben gelernt haben, hat das aber nichts mehr gemeinsam.

Autor: Daniel (Mittwoch/Donnerstag); Desti & Erle (Freitag/Samstag)

25 Years Louder than Hell – Wacken Open Air 2014

„25 years louder than hell“. Wenn sich im hohen Norden die Kühe ihre weißen Flecken einfärben und die Maiskolben Angst vor dem Morgengrauen entwickeln, wissen wir: es ist wieder einmal soweit. Das Wacken Open Air öffnet seine Tore. Und das in diesem Jahr bereits zum 25. Mal. Ein Jubiläum, das kräftig gefeiert werden muss. Urgesteine wie Lemmy und Doro warten bereits seit 360 Tagen auf ihren nächsten (Wacken-)Gig.

Aber auch die Kollegen von Kreator, Slayer, Saxon und Accept sind zum großen Geburtstag eingeladen. Die Gästeliste ist lang, und für jede Vorliebe des geneigten Headbangers soll sich der passende Unterhaltungskünstler einfinden. Special Guest ist in diesem Jahr King Diamond. Auch die Firefighters, sowie Blechbos‘n haben ihre metallenen Instrumente poliert, es kann losgehen. Und zum Jubiläum hat sich in Wacken einiges verändert, was sich bereits kurz nach der Anreise bemerkbar macht.

Mittwoch 30. Juli 2014

Die größte Veränderung ist wohl, dass die Sicherheitskontrollen so verlegt wurden, dass für das gesamte Festivalgelände inklusive des Vorplatzes nur noch „eine große Kontrolle“ durchgeführt werden muss statt der vielen kleinen. Das verkürzt die Wartezeiten am Einlass zum Infield merklich. Auch der Vorplatz, das Wacken Center, ist viel weitläufiger und übersichtlicher als bisher. Der Biergarten wurde in Richtung Metal Market verlegt und so gestaltet sich der Übergang von Wacken Plaza zum eigentlichen Infield sehr flüssig. Alles in allem hat sich das Gelände im Vergleich zu den Vorjahren weiterentwickelt. Auch hinter den Kulissen hat sich einiges geändert. Statt des üblichen Campgrounds für Künstler & Pressevertreter/VIPs direkt neben den Hauptbühnen, haben sich die Veranstalter dieses Jahr dazu entschlossen, diese Personengruppen weit weg des Troubles auf einem separaten Campground unterzubringen. Für den Transport zwischen Campground und Infield steht ein Shuttle Bus zur Verfügung.

Bei so vielen Neuheiten vergeht der erste Tag schnell mit der Erkundung des neuen Geländes. Nebenbei lauschen wir einigen Bands wie Megabosch, die mit ihren apokalyptischen Sounds das neu gestaltete Wasteland in Wallung bringen. Bei den Wackingern geben Mr. Hurley & Die Pulveraffen aus Osnabrück etwas Seemannsgarn zum Besten. Da sie die erste Band sind die auf dem diesjährigen Wacken spielen, ist die Resonanz für eine so kleine Band überraschend gut. Dadurch aus der Ruhe bringen lassen sie sich jedoch nicht und heizen der Menge mit Stücken wie „Blau wie das Meer“ oder dem „Plankentanz“ ein.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Der Donnerstag beginnt dieses Jahr warm und entspannt. Diese Wärme soll sich die kommenden Festivaltage halten und sogar noch verbessern (oder verschlimmern, je nachdem wie man es nimmt). Musikalisch beginnt der Tag für uns auf dem Weg zu den großen Bühnen wieder mit den Piraten von Mr. Hurley & Die Pulveraffen. Danach geht es direkt weiter zur Black Stage auf der Skyline mit Gastkünstlern wie Doro Pesch die Mainstages auch in diesem Jahr eröffnen. Wie in jedem Jahr spielen Skyline Songs aus ihrem eigenen Repertoire, sowie bekannte Songs mit ihren Gastkünstlern, oder auch mal gecoverte Songs.

Rüber zur True Metal Stage, auf welcher der türkische Comedian Bülent Ceylan sein Programm den Metalheads ein wenig näher bringt. Mit musikalischen, sowie Comedy Einlagen unterhält er uns bei strahlendem Sonnenschein und über 30 Grad vom Feinsten. Auch das Publikum wird mit eingebunden. So wird der Unterscheid zwischen einer deutschen sowie einer schweizerischen Laola-Welle erläutert. Die deutsche Laola-Welle bewegt sich in rund zehn Sekunden durch knapp 30.000 Metalheads. Die schweizer Laola-Welle braucht für die gleiche Strecke dann knapp fünf Minuten.

Switch zur Black Stage zu etwas Power Metal alter Schule. Hammerfall bestreiten Ihr Konzert beim Wacken-Jubiläum gewohnt souverän. Die schwedische Band spielt ihr Programm gekonnt runter und heizt der Masse damit so richtig ein. Dann sind auf der True Stage die Glamrocker von Steel Panther an der Reihe. Jeder der Steel Panther schon einmal gesehen hat weiß, dass sie ihre Shows gewohnt kitschig, albern und vor allem mit viel nackter Haut (besonders beim weiblichen Publikum) ausschmücken. Alles in allem mal wieder eine sehr sehenswerte Show der optisch schon etwas in die Jahre gekommenen Rocker aus den USA, die sich scheinbar selbst nicht ganz für voll nehmen. Obwohl die Band erst im Jahre 2000 gegründet wurde, sind sie vom Aussehen her irgendwann in den 1980ern stehen geblieben.

Auf der Blackstage machen sich derweil die Metal Urgesteine und fast schon Inventar-Band des W:O:A Saxon, bereit. Saxon sind einfach Kult. 25 Jahre Wacken, 35 Jahre Saxon. Und sie rocken immer noch. Dieses Jahr mit Verstärkung in Form von vier Streicherinnen und einem Perkussionisten. Das Set wirkt erwartungsgemäß etwas klassischer als man es sonst von Saxon gewohnt ist. In diesem Gewand präsentieren sie Songs wie „Crusader“, „Battalions of Steel“ oder „The Eagle has landed“. Aber auch ihre anderen Hits, wie „Sacrifice“ oder „Heavy Metal Thunder“, dürfen natürlich nicht fehlen.

Nach so vielen grandiosen Künstlern schon zu Beginn des Festivals ziehen wir uns in das große Zirkuszelt, dem Bullhead Circus, zurück und warten auf den Auftritt von Starchild. Starchild sind eine noch weitestgehend unbekannte Power Metal Band aus Deutschland. Ihr Sound geht, wie sie selbst sagen, in den Bereich SciFi Metal. Da sollte jeder mal reingehört haben. In einem Moment der Unachtsamkeit wird eine Orgel auf die Bühne geschoben. Hinter dieser Orgel sitzt niemand Geringeres als Helge Schneider. Manche mögen sich nun Fragen, wie Power-SciFi Metal und Orgelmusik von Helge Schneider zusammenpassen. Aber bereits auf dem aktuellen „Starchild“ Album wirkt Schneider mit Orgeleinlagen in zwei Songs mit. Wer sich nun fragt wie eine kleine Band wie Starchild zu einem begnadeten Musiker wie Helge Schneider kommt – Der Bandchef von Starchild Sandro Giampietro spielt auch in Schneiders Jazz Band. Auf jeden Fall kommt dieser Überraschungsbesuch nicht nur bei uns sondern auch den restlichen Metalheads sehr gut an. Ein echtes Highlight in der W:O:A Geschichte.

Freitag, 01. August 2014

Man mag ja über die Kommerzialisierung des W:OA und das Begleitprogramm rund um das Festival sagen, was man will. Aber wenn man am Freitagmorgen bei strahlendem Sonnenschein das Infield betritt, muss man unweigerlich die Mundwinkel nach oben ziehen und grinsen. Zu diesem Zeitpunkt ist es vor den Bühnen auch noch nicht so brechend voll und man kann auf angenehme Weise der Hair Metal Legende Skid Row lauschen. Obwohl die Jungs schon etwas in die Jahre gekommen sind, können sie noch ganz gut rocken. Außer den Klassikern wie „18 and life“, „I remember you“ oder „Monkey Business“ hat die Band aber nicht viel zu bieten. Dementsprechend bescheiden ist auch die Stimmung vor der Bühne. Ganz anders sieht das bei Knorkator aus. Da stellt sich gleich die Frage, warum Alf Ator, Stumpen und Co. schon wieder einmal auf der Partystage ran müssen. Bereits 2011 war es hier sowohl platztechnisch, wie auch vom Sound her ein Desaster. Und heute ist nicht besser. Weiter vorne mag das noch ganz ok sein. Aber ab kurz nach dem FOH Turm kommt so gut wie nichts mehr an. Das ist umso mehr schade, als dass die Band heute hervorragend aufgelegt ist und das Publikum direkt zu Anfang mit seiner ulkigen Art veräppelt. So schmettert Sänger Stumpen voller Inbrunst erst einmal Helene Fischers „Atemlos“ raus und blickt in verwunderte Gesichter. Doch dann geht es richtig los und es wird ein bunter Strauß an Knorkator Melodien zum Besten gegeben. Darunter auch „Zoo“, „31.Buchstabe“ und „Du bist Schuld“ bei welchem natürlich mal wieder jemand aus dem Publikum als Schuldiger herhalten muss.

Parallel dazu zocken Endstille auf der Black Stage, was irgendwie ein wenig surreal wirkt. Sonnenschein und 25° Grad passen einfach nicht zu Corpse Paint, verzerrten Gitarren und bizarren Texten über Krieg und Tod. Den Fans vor der Bühne scheint es aber zu gefallen und so werden zu den pfeilschnellen Gitarrenriffs und dem, wie ein Maschinengewehr ratternden, Schlagzeug ordentlich die Matten geschwungen. Und das in einer Lautstärke, wie es dem Wacken Open Air würdig ist. Die Musik ist zwar ganz klar Geschmackssache, technisch gibt es hier aber nichts zu meckern. Während ich mir dann einen leckeren Met beim Beerenweine.de Stand einverleibe, lausche ich den Klängen der Rock’n`Roll Piraten von Mr. Hurley & Die Pulveraffen, die mittlerweile ihren dritten Auftritt auf diesem Wacken Open Air haben. Die Band sorgt in der heißen Mittagssonne für ordentlich Stimmung auf der Wackinger Stage. In ihren lustigen Piratenkostümen und einer musikalischen Ausrichtung irgendwo zwischen Santiano und Alestorm kommen sie bei den Anwesenden bestens an. Vor der Bühne wird jedenfalls kräftig getanzt und gerockt. Sehr angenehme Frühschoppen Musik.

Nächster Programmpunkt sind dann eigentlich Heaven Shall Burn. Doch auf dem Weg vom Camp zum Infield passiert das, was wohl jedem schon einmal passiert ist. Man schlendert zur Bushaltestelle, biegt um die Ecke und sieht gerade noch die Rücklichter. Mist. Bus verpasst. Und als Konsequenz daraus geht dann etwa drei Viertel des Gigs verloren und es bleiben nur noch die letzten vier Songs. Aber die haben es noch einmal in sich. Bei „Black Tears“ ist sogar Edge Of Sanity Mastermind Dan Svanö mit auf der Bühne. Und beim mittlerweile wohl zur inoffiziellen Bandhymne aufgestiegenen „Endzeit“ zerlegt die Thüringische Metalcore Institution dann das komplette Infield, als sich vor der Bühne eine riesige Wall of Death aufbaut. Bei „Trespassing the Shores of your World“ folgt dann der obligatorische Circle Pit um den Mischer, was sich heute allerdings als nicht so ganz einfach darstellt und von daher recht gemächlich von Statten geht. Nichtsdestotrotz ein tolles Bild. Den Abschluss bildet dann das Blind Guardian Cover „Vallhalla“, welches Sänger Marcus Bischoff gewohnt stimmgewaltig vorträgt. Somit geht ein kraftvoller und energiegeladener Auftritt zu Ende. Schade nur, dass ich einen Großteil davon nicht sehen konnte.

Pünktlich zum Abendbrot kommen die Children Of Bodom aus ihrem Spielzimmer und ballern gut gelaunt und spielfreudig einmal quer durch ihr Repertoire. Hits wie „Needled 24/7“, „Are you dead yet“, „Towards dead end“, „Downfall“, “Halo of Blood”, “Hate me!”, “In your face” oder der Klassiker “Lake Bodom” lassen über den, leider immer noch sehr verwaschenen, Sound der CoBler hinwegsehen. Die Booze Brothers liefern einen starken Auftritt und die Menge feiert jedes „Fuck“ ab. Deutlich gediegener, aber nicht minder stimmungsvoll geht es zur gleichen Zeit auf der Party Stage ab. Santiano sind sicherlich alles andere als Heavy Metal. Nichtsdestotrotz ist es vor der Party Stage brechend voll und die Stimmung bombig. Damit sind die norddeutschen Shanty-Rocker der lebendige Beweis dafür, inwieweit sich das Wacken Open Air gewandelt hat. Vor fünfzehn Jahren hätte diese Band allenfalls morgens um elf im Biergarten eine Chance gehabt. Doch heute sorgt sie vor einer wild tanzenden und singenden Menge für richtig Party. Was das musikalische Können der Jungs angeht, gibt es nichts zu meckern und auch der Sound ist trotz des aufkommenden Windes absolut in Ordnung. Die dezente Pyroshow rundet den Auftritt ab.

Der staubige Weg führt im Anschluss weiter zur Wet-Stage und den Herren von Hämatom. Beides ist in diesem Fall namensgebend, denn wo die Deutschmetaller zuschlagen, bleiben blaue Flecken zurück. Das Zelt ist gut besucht und noch während die letzten Leichen aus Onkel Toms Keller hinaustorkeln, stützen die 4 Himmelsrichtungen ihre Setlist auf den „Säulen des Wahnsinns“. Das Publikum rockt, singt, gröhlt und tanzt. Während bereits nach 3 Songs Nords Schminke eigene Wege geht, bestätigen wir, dass „Eva nicht ganz so heilig“ ist und feiern mit dem dem EAV-Klassiker „Neandertal“ unsere Trivialität. Mit dem aktuellen Smasher vom letzten Silberling „Keinzeitmensch“„Alte Liebe rostet nicht“ und dem allseits beliebten Hasstrack „Leck mich“ vom 2008er Album „Wut“ verabschieden sich die Blutergüsse und man darf wieder frische Luft schnappen.

Doch zum verschnaufen bleibt keine Zeit, denn von der True Metal Stage kann man bereits kurze Zeit später die allseits bekannte Ansage: „We are Motörhead, and we play Rock’n’Roll“ hören. Lemmy, der heute einen fitten Eindruck macht, wird von seinen Fans lautstark begrüßt und alsbald nimmt die rockige Show ihren Lauf. Im vergangenen Jahr dauerte diese Show dann aufgrund der angeschlagenen Gesundheit von Mr. Kilmister dann nur drei Songs. Doch heute geht es über die volle Distanz. Dabei vertraut das Trio von der Insel überwiegend auf Klassiker aus der Frühphase der Band. Gut die Hälfte der heutigen Songs finden sich auf „Overkill“ „Bomber“ „Ace of Spades“ und „1916“. Und die Luft brennt. Es ist einfach unglaublich mit welcher Energie die drei Musiker, die mittlerweile alle über fünfzig sind, diese Meilensteine der Musikgeschichte unters Volk ballern. Zum Abschluss darf dann auch die deutsche Metal Queen Doro noch mal mit auf die Bühne und bei „Killed by Death“ ein wenig mitträllern. Endgültig abgefertigt wird die Meute dann mit „Ace of Spades“ und, wie sollte es anders sein, „Overkill“ als Zugabe.

Die Hard Mercyful Fate und King Diamond Fans mögen es mir verzeihen. Aber bislang sind mir beide Projekte lediglich namentlich bekannt. Für mich Grund genug, mal ein Ohr zu riskieren. Und so finde ich mich pünktlich zur Geisterstunde vor der Black Stage ein. Dann ertönt das Intro und ich blicke auf eine in blau-rotes Licht gehüllte Bühne, die mit umgedrehten Kreuzen, einem hohen Zaun und diversen weiteren Utensilien dekoriert ist. Das Ganze wirkt schon sehr diabolisch. Ich bin also gespannt, was ich da jetzt um die Ohren geblasen bekomme. Und plötzlich steht er da, der über den alle sagen, er gehöre zur Heavy Metal Grundausbildung. Mit angemaltem Gesicht, Zylinder und einem überdimensional großen Mikro. Doch als er dann anfängt zu singen, bin ich erst einmal geschockt, denn das hatte ich nicht erwartet. Mit schriller hoher Stimme, die durch Mark und Bein geht, beginnt er die Vorstellung. Dazu ein verschlepptes Tempo und langatmige Gitarrenriffs. Sorry Jungs, aber das ist nichts für mich. Technisch mag das alles wirklich sehr gut sein. Gerade der Stimmumfang ist beachtlich. Wirklich packen kann mich das aber nicht. Da gebe ich mir zum Abschluss des Tages lieber etwas gute Laune Mittelalter Metal von Saltatio Mortis. Denn auch, wenn ich die Band schon häufig gesehen habe, machen sie immer wieder Spaß. Auch heute gibt es nichts zu meckern. Schwerpunktmäßig werden erwartungsgemäß die Songs der letzten zwei Alben „Das schwarze IXI“ und „Sturm aufs Paradies“ gespielt. Song wie „Früher war alles besser“ und „Wachstum über alles“ kommen super an und sorgen zu später Stunde noch mal für Bewegung vor der Bühne. Gemischt wird das Ganze mit Klassikern der Marke „Prometheus“ oder „Uns gehört die Welt“. Die Anwesenden feiern also eine super Party, welche standesgemäß mit dem „Spielmannsschwur“ beendet wird. Ein gutes Konzert, welches zwar keine Überraschungen liefert, aber das zahlreich erschienene Publikum doch zufrieden zurücklässt.

Samstag, 02. August 2014

Eh man sich versieht, ist es auch schon wieder Samstag und der Festival-Endspurt wird eingeleitet. Und dieser Samstag beginnt bereits zum Mittag, denn Arch Enemy stehen auf der Black Stage. Neben mir sind noch ein paar Tausend Metalheads mehr sehr geil auf die Band. Bis zum FOH Turm stehen die Leute dicht gedrängt und schlagen damit die am Vortag eröffnenden Skid Row um Längen, was die erreichten Zuschauer angeht. Auch was die Agilität angeht, hat Arch Enemy eindeutig die Nase vorn. Die gesamte Band scheint trotz der frühen Uhrzeit extrem gut aufgelegt zu sein und mischt den Pit vor der Bühne ordentlich auf. Die ersten Circle Pits bilden sich, und auch die Crowdsurfer Frequenz steigt schon wieder beachtlich. Und das bei einem super Sound. So machen Songs wie „As the Pages burn“, „Dead Eyes see no future“ oder auch „No Gods, no Masters“ richtig Spaß. Bei allen Songs beweist die neue Sängerin Alizza-White Gluz, dass sie ein absolut würdiger Ersatz für Angela Gossow ist und auch gut mit dem Rest der Band harmoniert. So sieht ein guter Start in den letzten Festivaltag aus.

Ein weiteres Wacken Urgestein macht dann auf der True Metal Stage die Bühne unsicher. Tom Angelripper zeigt mit Sodom, dass sie noch lange nicht zum alten Eisen gehören und zelebrieren eine Thrash Metal Orgie allererster Güte. Neben ein paar neuen Sachen, wie zum Beispiel dem extrem groovenden „In war and pieces“ verlässt sich das Ruhrpott Trio dabei vorwiegend auf die bewährten Klassiker. Ob „Outbreak of Evil“, „Agent Orange“ oder „The Saw is the law“, alles wird von den Thrashern vor der Bühne abgefeiert wie nichts Gutes. Man gebe dabei zu bedenken, dass es mitten am Tag ist, und der Lorenz vom Himmel knallt wie in der Sahara. Da fühlt man sich dann fast wie „Ausgebombt“, wenn der Auftritt mit dem All-Time Hit „Remember the Fallen“ zu Ende geht und die Anwesenden noch einmal alles geben.

An dieser Stelle zahlt sich übrigens ein nettes kleines Gimmick aus dem Full Metal Bag, welches jeder Besucher am Eingang erhalten hat, aus. Nämlich ein ca. 1 Liter großer Trinkbeutel, den man mittels eines Karabiners an seiner Hose befestigen kann. Ohne Wasser geht es jetzt nämlich einfach nicht mehr. Und wer nicht sein halbes Monatsgehalt an einer der Getränkebuden ausgeben will, der ist mit diesem Beutel gut beraten. Doch eines muss ohnehin jedem Wackengänger heuer bekannt sein: Ohne einen dicken Geldbeutel sollte man eh nicht aufs größte Metal Festival der Welt fahren. Mit Bierpreisen von zehn Euro pro Liter ist man auf Oktoberfest Niveau. Und der Einfachheit halber wird dann für Cola/Wasser und Co. auch direkt der gleiche Preis fällig. Beim Essen sei auf die qualitativ höherwertigen Stände im Wackingerdorf verwiesen. Hier bezahlt man zwar 10-50% mehr, bekommt dafür aber auch wirklich leckere Sachen. In Sachen Essensauswahl gibt es aber einmal mehr nichts zu meckern.

Aber zurück zum musikalischen Programm. Und das geht für uns dann auf der True Metal Stage mit Amon Amarth weiter. Die Schweden haben sich in den letzten Jahren extrem weiterentwickelt und sich so eine enorme Fanbase erspielt. Dabei schlagen sicher der konsequente musikalische Kurs und die Authentizität erfolgreich zu Buche. Und so schaffen sie heute, was eigentlich nur Rammstein im vergangenen Jahr zu Prime Time geschafft haben: ein nahezu komplett ausgefülltes Infield. Als das Intro ertönt, ist die Bühne in blaues Licht gehüllt und vor dem Backdrop erheben sich zwei große, rauch-spuckende, Drachenköpfe, welche den Bandmitgliedern hin und wieder als Turngeräte zur Verfügung stehen. Frontwickinger Johann Hegg sieht aus, als hätte er entweder zu viel Sonne, oder zu viel Met genossen, und auch wenn von beidem vielleicht ein Teil stimmen mag so brauen sich akustische Gewitterwolken über der True-Stage zusammen. Die „Guardians of Asgard“ schlagen zu und hinterlassen ein „Twilight of the Thundergods“ bei dem kein Auge trocken und keine Faust ungeballt bleibt. 70 Minuten pure Power prasseln auf uns hernieder und bescheren uns einen kurzweiligen Auftritt. Das Publikum ist ebenfalls gut drauf und lässt sich von der Performance anstecken. Vor der Bühne bilden sich immer wieder kleinere und größere Circle Pits und die Security im Graben hat mit dem Herausziehen der Crowdsurfer gut zu tun. Jeder, der Amon Amarth bis dato noch nicht kannte, weiß spätestens jetzt ob der Qualität der Schweden-Deather. Definitiv einer der besten Gigs des ganzen W:O:A 2014.

Als Tobias Sammet 2001 seine Metal Opera herausbrachte, hat er wohl nicht im Traum daran gedacht, wohin ihn das mal führen würde. Dreizehn Jahre später ist er heute bereits zum dritten Mal mit Avantasia live auf dem Wacken Open Air. Und das, wo dieses Projekt eigentlich niemals live aufgeführt werden sollte. Schon verrückt, wie das Leben manchmal so spielt. Zur besten Samstagsabendzeit und mit einem Slot von satten zwei Stunden darf sich der Paradiesvogel austoben. Zur Freude seiner Fans. Und natürlich hat er auch dieses Mal wieder jede Menge großartige Musiker mit an Bord. Den Anfang bei Tobis All-Star Stelldichein macht Pretty Maids Fronter Ronnie Atkins, der sichtlich Spaß an der Show hat. Auch Bob Catley ist wieder mit von der Partie und macht einmal mehr einen guten Job. Eine stimmliche Freude ist auch immer wieder Michael Kiske, der besonders beim Song „Avantasia“ glänzen kann. Und beim gemeinsam vom Sammet, Catley und Kiske gesungenen „Shelter from the rain“ bekommt man beinahe eine Gänsehaut. Wahnsinn, welche Emotionen diese Sänger in die Songs legen können. In „Dying for an angel“ kann sich der geneigte Zuhörer dann von den Sangesqualitäten von Eric Martin, seines Zeichens Sänger von Mr. Big, überzeugen. Im Background Gesang, und der Instrumentalfraktion finden sich allerlei alte Bekannte wie zum Beispiel Amanda Sommerville, Felix Bohnke oder Sascha Paeth, um nur Einige zu nennen. Alles in allem also ein echtes Starensemble. Ein Ensemble, das liefert und dabei von der Bühnenshow bestens in Szene gesetzt wird.

Die stimmungsvolle Lichtshow verbunden mit der riesigen Videoleinwand im Hintergrund der Bühne, auf der animierte Filmsequenzen aus dem Avantasia Universum abgespielt werden, setzen immer wieder neue Akzente. Das hier heute ist, wie an sich immer bei Avantasia Gigs, weit mehr also nur Musik. Es ist das Gesamtpaket, was überzeugt und den Zuschauer bei jedem Song aufs Neue in eine entzückende und atemberaubende Welt entführt. Und so vergehen die zwei Stunden Spielzeit wie im Fluge und plötzlich ist schon Zeit für „Lost in Space“, den letzten Song des Programms. Zuvor jedoch neckt Tobi noch ein wenig die vor der Black Stage wartenden Kreator Fans. Natürlich nur zum Spaß. Während der Zugabe kommen dann noch einmal alle Musiker auf die Bühne und singen gemeinsam das Medley aus „Sign of the cross“ und „Seven Angels“, dem traditionell letzten Stücks. Wow, das muss ich jetzt erst einmal sacken lassen, bevor es weitergeht.

Und wem Tobis selbsternannter „Pussy-Metal“ zu belanglos erscheint und nicht mit den bereits genervten Kreator Fans auf Mille & Co. warten möchte, der kann bei einem Becher Met dem Auftritt der ungarischen Folk-Punker von Firkin auf der Wackinger Stage Beiwohnen. Hände in die Hüften gestemmt und im irischen-Folk-Gewand losgetanzt.

Im Anschluss geht es weiter zur Party Stage, denn dort erwarten uns Van Canto, die bereits im Vorfeld bekannt gegeben haben, dass es heute einige „Special Guests“ geben wird. Rakkatakka und es geht los. Die Menge ist erstaunt ob der fantastischen gesanglichen Leistungen der Stimmwunder. Da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Während die Zuschauer auf die einschlägigen Cover-Songs der Band warten, spekulieren wir, welche Gäste wir denn noch sehen werden. Doch das Rätselraten findet ein schnelles Ende, denn schon steht Chris Boltendahl auf der Bühne und schmettert in bester Manier den Grave Digger Ohrwurm „Rebellion“ vor sich hin. Während im vergangenen Jahr noch Van Canto als Background bei Grave Digger fungierten, so dreht sich in diesem Jahr das Rad. Doch nicht nur im Gesangsbereich hat sich Van Canto heute Verstärkung geholt. So wirkt beispielsweise bei „One to Ten“ Rage Sechssaiter Victor Smolski mit. Auch Jörg Michael zeigt am Schlagzeug, was er kann. Und dann bricht plötzlich frenetischer Jubel im Publikum aus, denn Lady Tarja Turunen herself enters the stage. Nachdem dann zunächst Tarjas Song „Antaroom of Death“, bei welchem Van Canto seinerzeit mitwirkten, zum Besten gegeben wird, ereignet sich dann etwas Geschichtliches. Tarja Turunen singt nach neun Jahren wieder den „Wishmaster“ in Wacken. Und das wie zu besten Nightwish Zeiten, nur halt nun mit den stimmlich deutlich gereiften Van Cantos. Zum Abschluss gibt es dann noch den Iron Maiden Evergreen „Fear of the Dark“, der noch einmal kräftig abgefeiert wird. Klasse Auftritt.

Es ist spät geworden und das Infield hat sich merklich geleert. Viele Metalheads werden wohl schon im Zelt liegen, oder am Zelt noch das letzte Bier des Festivals trinken. Ein großer Teil wird auch schon gen Autobahn unterwegs sein. Dementsprechend spärlich gefüllt ist es auch vor der Bühne, als Schandmaul ihren Gig beginnen. Auch wir beobachten den Auftritt aus „sicherer“ Entfernung und nehmen nebenher noch einen kleinen Gute Nacht Snack ein. Das Schöne ist, dass es zu so später kein Gedränge mehr gibt und die meisten störenden Nebengeräusche ebenfalls passé sind. Der Sound ist erstaunlich klar, laut und deutlich. Selbst im Biergarten kann man den Klängen der Folk Rocker noch angenehm lauschen. Die Setlist ist bunt gemischt und so ist für jeden etwas dabei. Sei es nun der atmosphärische Opener „In deinem Namen“ vom neuen Album, oder aber das markante „Teufelsweib“, Alt und Neu werden gekonnt verbunden. Und alle, die nach der knappen Stunde Spielzeit noch stehen und tanzen können, feiern dann natürlich noch einmal gemeinsam mit den Schandmäulern die „Walpurgisnacht“. In der Zugabe macht die Band mit „Bunt, nicht Braun“ noch einmal unmissverständlich klar, wie zu hirnlosen Parolen und Versteifungen im rechten Arm steht. Und wie könnte ein Schandmaul Auftritt ohne das schönste aller Liebeslieder, nämlich „Dein Anblick“ zu Ende gehen.

Und damit schließt sich unser Bericht. Ein Bericht über ein Festival, das wieder einmal eine Reise wert war. Auch wenn in diesem Jahr der ganz große Über-Headliner gefehlt hat, so war es doch schön.

Autor: Daniel (Mittwoch/Donnerstag); Desti & Erle (Freitag/Samstag)


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