Wertung: 9 von 10

2012 scheint das Jahr der Weiterentwicklung zu sein. Die neuen Alben der bekannten Bands klingen irgendwie anders. Und gerade innerhalb von acht Jahren können viele Veränderungen einen Menschen heimsuchen.


Dass der Prozess der Veränderung ein ganzes Leben braucht, zeigt „Time I“. Denn nicht nur der Titel kündigt an, wie sehr dieses Album an die Zeit gebunden ist.

Das CD-Cover präsentiert sich wandelbar und vergänglich, ein Baum und ein Gesicht als Vertreter der Veränderung oder gar Vergänglichkeit. Mutet das Farbspiel doch recht kitschig an, so erkennt man beim Befassen mit Farbsymbolik ebenso die Zeit-Thematik. Besonders interessant ist es hierbei, sich der Bedeutung der Farben im asiatischen Raum zuzuwenden.

Das nur fünf Tracks umfassende Album startet mit einem ruhigen Intro. Die Vorstellung eines Hubschrauberflugs über eine finnische Winterlandschaft weicht, bedenkt man die Aussage Jari Mäenpääs, dass asiatische Filme ihn im Entwicklungsprozess des Albums stark beeinflusst hätten. Einen nahtlosen Übergang gibt es zum über 13-minütigen „Sons of Winter and Stars“. Hier gibt es neben donnernden Gitarren auch einen himmlischen Chor. „Land of Snow and Sorrow“ ist dann aber eindeutig finnischer Melancholie zuzuordnen, beschwört es doch das Bild eines beschwerlichen Gangs durch Schneeverwehungen inmitten tiefster Nacht herauf. Eingängige und dank Cleangesang erkennbare Lyrics laden zum Mitsingen ein. Dieser Track ist beinahe eine Erzählung, die Musik ist wie gemalte Bilder des Erlebten. Das ebenso kalte „Darkness and Frost“ ist leider kaum mehr als ein Interlude. Dieses hat „Time I“ aber bitter nötig. Das Album lebt vom hohen Anspruch der Musik, nicht von Masse an Tracks. Mit „Time“ findet das Album letztendlich seinen Ausklang, liefert nochmals einen grandiosen Höhepunkt.

Dass Wintersun, vor allem Jari Mäenpää, große Könner des Metiers sind, hat die Band bereits auf ihrem Debutalbum bewiesen. Doch „Time I“ zeigt, dass herausragende Dinge eben viel Zeit zur Entfaltung brauchen. Acht Jahre sind eine lange Zeit, rechtfertigen aber die aufwendige Produktion des Albums. Denn es war nicht das Songwriting selbst, dass Sänger, Gitarrist und Kopf der Band so viel Zeit raubte. Hier sollte bis zur letzten Note und Geige einfach alles perfekt werden. Das lässt sich hören: „Time I“ überzeugt mit Klangqualität.

Ruhige, beinahe meditative Parts sind vereint mit kraftvollen, einschlagenden Orchestereinlagen und typischen Metal-Gitarren. Dabei steht der instrumentale Teil vor dem Gesang, doch auch die harten Gitarren sind nicht so ausgeprägt wie auf „Wintersun“.

Die Beeinflussung durch fernöstliche Filme ist vornehmlich zu hören im Albumintro „When Time Fades Away“ und in „Time“. Zu sehen übrigens auch im Schriftzug des Albumtitels. Dennoch fehlt natürlich nicht die finnische Winteratmosphäre.

Das Piano-Outro des letzten Tracks kündigt es an: „Time II“ wird folgen, angeblich schon im nächsten Jahr. Länger zu warten wäre auch nicht sinnvoll. Das aktuelle Album kann nur sehr schwer für sich alleine stehen.

Ein bis ins kleinste Detail durchdachtes Gesamtwerk von hoher Qualität. Jedoch fehlt die Innovation. Denn auch Wintersun können den Metal nicht neu erfinden. Und so kann sich der Hörer an einigen Stellen des Albums an bekannte symphonische Bands einnert fühlen.

Tracklist

  • 01. When Time Fades Away
  • 02. Sons of Winter and Stars
  • 03. Land of Snow and Sorrow
  • 04. Darkness and Frost
  • 05. Time

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