Auch dieses Jahr ging es im sächsischen Roitzschjora heiß her und das nicht nur musikalisch. Über 60 Bands und mehr als 30 Grad hinterließen auf dem With Full Force XVI sichtliche Spuren bei den Besuchern. Bewaffnet mit Sonnencreme und kühlenden Getränken, stürzte ich mich aber ins Getümmel.


Donnerstag bereits angekommen, konnte man entspannt den vielen genialen Bands entgegen fiebern. Unser Platz war ca. zwei Minuten zu Fuß von der Mainstage entfernt und somit absolut wunderbar. Nebenan die weniger wunderbaren Dixi-Toiletten. Aber zum Glück waren die Spülklos in Reichweite. Für 50Cent konnte man sich dort das Nirwana für seinen Po kaufen. Die Duschen waren mit 1,50€ auch in Ordnung.

Nachdem die Lage sondiert wurde, konnte man sich mental auf den morgigen Tag vorbereiten, denn Bands wie God Forbid, Static X, Devildriver, Legion Of The Damned, Mastodon, Maroon, Carcass, Soulfly und natürlich die grandiosen Kassierer ließen mein Herz höher schlagen.

Um 14.30 Uhr eröffneten am Freitag Facebreaker mit ihren Death-Metal Klängen den musikalischen Teil des Festivals. Die Hitze machte es aber vielen unmöglich, daran teilzunehmen. Auch ich zog für diesen Moment den Platz unter dem Sonnenschirm vor. Andere wiederum vergnügten sich im anliegenden Baggersee. Verständlich!

Trotz der Hitze, haben sich wirklich viele Menschen bei Static X zusammen gefunden. Mr. Wayne Static hatte seine Frau Tera Wray mit auf der Bühne (leicht bekleidet). Die Stimmung war super und die Menge ließ sich von der Hitze nicht beeindrucken. Static X spielten sich durch verschiedene Alben, aber besonders die Klassiker fanden Anklang bei den Fans. Lieder wie „I´m with stupid“, „Black and white“ und „Push it“ wurden richtig abgefeiert. Leider hatte die Band mit unschönen Tonstörungen und Mikroausfällen zu kämpfen, aber besonders der Basser Tony Campos machte das Beste daraus und tanzte samt Bass über die Bühne.

Meine Freude kannte kein Halten mehr, als die Jungs von Legion Of The Damned die Bühne betraten – eine Band, die fast nur aus Haaren besteht. Herrlich. Der Fronter Maurice Swinkels wusste, wie er die Menge zum Kochen bringt – heiß genug war es schließlich, man musste nur noch „rühren“. Circle Pits durchzogen die Menge, die zu „Son of the jackal“, “Cult of the dead“, „House of possession”, “Diabolist” und “Legion of the damned” richtig abgingen. Der Sound war klasse und die Bühnenpräsenz lud zum Mitmachen ein.

Bislang hielt ich mich nur an der Mainstage auf und wollte nun auch mal das Zelt erobern. Die fünf Jungs von Maroon sollten dort spielen. Ich kannte einige Sachen von ihnen und wollte einfach mal die Livequalitäten des Quintetts testen. Ich stand in der ersten Reihe mittig und war gespannt. Kaum auf der Bühne, kam der Fronter Andre Moraweck auch gleich zur Sache. Die Menge war nicht mehr zu halten. Unendlich viele Stagediver huschten über meinen Kopf. Ich wusste gar nicht, worauf ich mich konzentrieren sollte. Die Stimmung war wirklich abgefahren. Unaufmerksam wie ich war, verpasste ich die Aufforderung zur „Wall of death“ – ich stand genau in der Mitte. Nasenbluten und eine Rippenprellung erlaubten mir, dass ich lediglich den Coversong „Teenage kicks“ mitbekommen hab. Ich kämpfte mich aus der Menge und steuerte wieder die Mainstage an, wo Mastodon spielten.

Mit Mastodon regenerierte sich langsam mein Körper und ich entspannte, sitzend, bei Liedern wie „Oblivion“, „The lzar“, „Blood and thunder“ und „Iron tusk“. Herrliche Atmosphäre und wunderbarer Auftritt.

Danach kamen die Engländer von Carcass – Vorreiter des bestialischen Medical-Core. Bill Steer wusste zu überzeugen, die Menge feierte das verbale Schlachtfest mit Krachern wie zum Beispiel „Heartwork“, „This mortal coil“, „No love lost“ und natürlich „Corporal jigsore quandary“.

Inzwischen war es kurz vor 21Uhr. Langsam kam die lang erhoffte Kühle. Also tat ich das, was Frauen bekanntlich am Besten können – shoppen. Unmengen an kleinen Ständen mit lauter unnützen Sachen erzeugten ein Funkeln in meinen Augen. Natürlich auch der typische „Merchandise-With Full Force-Stand“. Die Preise waren wirklich fern ab von Gut und Böse. Bei den CD´s konnte man einige Schnäppchen machen, aber das WFF-Shirt gab es ab 25Euro aufwärts. Ich gönnte mir dann erstmal einen „Schmutz“. Die Verkäuferin am Stand wusste gar nicht was ich wollte, mir wurde dann gesagt, dass man Cola-Bier hier „Diesel“ nennt. Mit 4,40 Euro war ich dabei. Die Cocktailbar hatten aber immer noch die höchsten Preise: Whisky-Cola (0,25L) fünf Euro. Cocktail ab sechs Euro oder zehn Euro.

Dann mal Prost!

Von der „Tentstage“ hörte ich bekannte Klänge: Die Kassierer fingen gerade an. Ich machte mich sofort auf den Weg, denn für mich als heimlichen Wölfi-Fan war dies ein absolutes Muss. Natürlich kam ich gerade rechtzeitig, denn Die Kassierer legten schon richtig los. Mit dem Lied „Hodensack“ und einem Publikumsstrip sank das Niveau im Sekundentakt – ich war zu Hause. Gröhlende Massen und eine gutgelaunte Band ließen mich die Strapazen vom Tag vergessen. „Sex mit dem Sozialarbeiter“, „Besoffen sein“, „Mein Vater war ein Hurenbock“, „Blumenkohl am Pillemann“, „Großes Glied“ und „Mach die Titten frei, ich will wichsen“ waren nur eine kleine Songauswahl.

Mit Soulfly endete für einen Großteil der Besucher der erste offizielle Festivaltag. Ein „müder“ Max Cavalera begeisterte mich nicht wirklich. Die Menge feierte die Band aber trotzdem. Songtechnisch gab es ein buntes Allerei, „Back to the primitives“, „Warmageddon“, „Eye for an eye“ und „Roots bloody roots“ waren nur ein kurzer Einblick in die Setlist.

Wo für Viele das Ende war, war für mich erst der Anfang. Die langersehnte „Knüppelnacht“ auf der „Tentstage“. Hier tummelten sich Bands wie Pestilence, God Seed, Asphyx, Helheim, Vader und natürlich Eisregen. Das Spektakel ging bis kurz nach fünf. Großartige Shows und eine Mordsstimmung (im wahrsten Sinne des Wortes bei den Eisregen-Songs) Als letzte Band an diesem Tag, rundeten sie mit „1000 tote Nutten“, „Thüringen“ und „Elektrohexe“ den Tag perfekt ab.

Langes Schlafen war unmöglich, auch wenn es sich nachts abgekühlt hatte. Ab halb acht pellte ich mich aus meinem Zelt und döste unter dem Sonnenschirm weiter. Die lange Nacht steckte mir noch in den Knochen, dabei wollte ich fit sein für den heutigen Tag. Warbringer, All Shall Perish, Suicidal Tendencies, Sepultura, Amon Amarth und Hatebreed sollten für den heutigen Tag reichen.

Gegen 15.40 Uhr erklommen die kalifornischen Thrash-Metaller von Warbringer die Bühne. Sehr motivierte Jungs, die absolut abgingen. Besonders der Frontman John Kevill hatte es mir angetan. Er feierte seine Musik sehr und man merkte, dass es allen Spass bereitete. Seine Stimme ähnelt sehr der von Tom Araya (Slayer), was offensichtlich vielen gefiel. Zudem Songs wie „Total war“, „Living in a whirlwind“, „Born of the ruins“, „Shadow from the tomb“, „Prey for death“ forderten unendlich viele Mosh-Pits, Walls of Death und Stagediver.

Zeit zum Erholen blieb einem kaum. Der nächste Act hatte es wirklich in sich. All Shall Perish ließen kaum jemanden ruhig stehen, die bissigen Riffs und die enorme Geschwindigkeit und Härte des Schlagzeugers versetzten alle in Vibration. Die Gitarren waren fantastisch, technisch versiert und gingen wirklich ab. Die Band spielte sich durch diverse Alben und ließ der Menge mit Liedern wie: „When life ment more“, „Never again“, „Black gold reign“, „Deconstruction“, „Stabbing to purge dissimulation“, „Better living through catastrophe“ und „Wage slaves“ keine Pause.

Danach kam mein persönliches Highlight. Zwar war ich noch kaputt von All Shall Perish, aber gespannt auf Suicidal Tendencies. Immerhin gehören die Jungs nicht mehr zu den Jüngsten und albumtechnisch hat man auch schon länger kein Lebenszeichen mehr gehhört. Doch als Fronter Mike Muir die Bühne betrat, kannten viele kein Halten mehr. Er wurde gefeiert wie kaum ein Anderer an diesem Tag. Besonders die älteren Generationen erfreuten sich am hyperaktiven Mike. „You can´t bring me down“, „War inside my head“, „Possessed to skate“, „No fucking problem“, „Two wrongs don´t make a right” und “Fascist pig”, sollte nur eine kleine Auswahl der geballten Suicidal-Kraft reflektieren. Anzumerken wäre noch, dass die Jungs von Suicidal Tendencies ein neues Album am Start haben: „Year of the Cycos“ heißt das gute Stück. Besonders beeindruckt war ich von den akrobatischen Einlagen des Drummers Eric Moore. Er jonglierte seine Drumsticks mit solch einem Können, ich kann es kaum beschreiben. Die Menge hüpfte, sang und stagedivte. Grandios!

Zum Schluss forderte Mike die Menge auf, auf die Bühne zu kommen. Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie die Leute die Security-Menschen umrannten. Anfängliche Versuche, die tobende Masse in den Griff zu bekommen, scheiterten kläglich, so dass das Sicherheitspersonal nur noch zuschauen konnte, wie immer mehr Leute auf der Bühne standen. Die Band war irgendwann von den Leuten eingenommen, man konnte nur noch einen singenden Mike hören – aber nicht sehen. Trotzdem wurde bis zum Schluss gespielt.

Immer noch im Rausch des letzten Konzertes, sicherte ich mir wieder einen guten Platz für Sepultura. Nachdem ich ein wenig enttäuscht war von Max Cavalera bei seinem Auftritt mit Soulfly, war ich sehr interessiert, was Derrick Leon Green mit seinen Jungs leisten würde. Der riesige Derrick hat eine unglaublich tiefe Stimme sowie eine beeindruckende Bühnenpräsenz. Zudem gab es eine gut gewählte Setlist, die mich mit Stücken wie „Dead embryonic cells“, Territory“, „Inner Self“, „Escape to the void“, „Roots bloody roots“, „Refuse/Resist“, „Filthy Rot“, „Arise“ überzeugen konnte.

Der letzte Act für mich an diesem Tag sollten Hatebreed werden. Um 22.30 Uhr ging das Geknüppel los und die Menge rastete total aus. Die Amis machten ordentlich Stimmung, während ich die Kühle und das „Weniger werden“ des Schweissgeruchs der Männer um mich herum genoss. Die musikalische Exkursion führte durch diverse Hatebreed-Alben. Lieder wie „Defeatist“, „To the threshhold“, „Destroy everything“, „As diehards as they come“, „Live for this“, “Doomsayer”, “This is now”, “Beholder of justice” waren absolute passend für diesen Moment, wenn auch der Sound vielleicht ein wenig leise war, namentlich für diejenigen, die sich weiter hinten aufhielten. Der Mehrheit war das jedoch egal, sie feierte nur ihre Lieblingsband und genoss die friedliche Atmosphäre.

Gebeutelt von der Hitze und diversen verbrannten Körperstellen vegetierte ich am folgenden Tag zunächst unter unserem Sonnenschirm und vermied es tunlichst, mich übermäßig zu bewegen. Der letzte Festivaltag war angebrochen und ich wollte fit in die letzte Runde.

Da ich erst ab 19 Uhr einsatzbereit sein musste, genoss ich das volle Programm. Und konnte es langsam angehen lassen. Abends war es kühler und die Hitze zehrte nicht so an meinen minimalen Kräften.

Pünktlich zum Down-Auftritt machte ich es mir in der Menge gemütlich. Für Viele war dieser Auftritt ein Highlight, ich ließ mich zunächst überraschen. Schon der Auftakt, bei dem die Jungs mir härter schienen als auf CD, machte Lust auf mehr. „Hail the leaf“, „Lifer“, „Tempations wings“, „Stone the crow“, „Bury me in smoke“, „N.O.D.“, „New Orleans is a dying whore“ waren einige der Stücke, die sie dem feienden Publikum präsentierten.

Seichtere Klänge stimmten Social Distorsion an. Eigentlich eine absolut fette Punkrock-Band, aber dieser Auftritt hatte es nicht so wirklich in sich. Stimmung war zwar da, aber mich persönlich konnten die Vier nicht überzeugen, auch wenn Stücke wie „Sick Boy’s“, „Don’t drag me down“, „Ring of fire“, „Grave Rubber“, „Nickels and dimes“, „Born to lose“ und „Story of my life“ die Menge in Wallung versetzten.

Mit Motörhead schloss sich dann der Kreis der Headliner an diesem Wochenende. Laut, lauter, Motörhead (wobei das in den hinteren Reihen nicht zutreffend war). Lemmy mit seiner unglaublichen rauchigen Whiskystimme konnte dieses kleine Manko aber wieder wett machen. Mehr muss man wirklich nicht schreiben.

Viele waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Heimweg, aber für die, die immer noch nicht genug hatten, konnten sich „The Last Supper“ auf der „Tentstage“ abholen. End Of Green, My Dying Bride und Anathema sorgten ordentlich für Abschiedsstimmung. Melancholisch schöne Songs durchdrangen die Nacht und boten einen wunderschönen Abschluss.

Fazit: Erstmal vorweg:

Enttäuschungen:

  • Devildriver (Dez Fafara war nicht in Höchstform)
  • Soulfly

Grandios:

  • Legion Of The Damned
  • Warbringer
  • Suicidal Tendencies
  • Anathema

Absolut geiles Billing. Auch wenn Getränke, Essen und Merchandise nicht gerade billig waren, hat die super Atmosphäre das neutralisiert. Die Hitze war natürlich nicht fördernd – meckert man nicht immer über das Wetter?

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