Hitze gehört mittlerweile genauso zum With Full Force wie das breit gefächerte Bandaufgebot mit dem besten aus Hardcore, Metal, Punk und artverwandtem. Auch im Jahre 2010 machten sich wieder ca. 32.000 Leute auf zum härtesten Acker Deutschlands.

Nach einer reibungslosen Anreise wurden schnell die Zelte aufgebaut und danach der nahe Baggersee aufgesucht, an dem gleich der Resttag verbracht wurde, anders ließ es sich bei der Hitze auch nicht aushalten.

Freitag, 2. Juli

Der erste Tag begann wieder, wie alle folgenden auch, mit einem Besuch am Baggersee, bevor Crowbar überpünktlich loslegten. Der Doom-Vierer aus New Orleans hat zwar ordentlich abgespeckt, “heavy” sind sie aber immer noch. Auch wenn die Musik der Band wohl eher den Nerv weniger Besucher getroffen haben dürfte, war der Platz vor der Bühne gut gefüllt.

Da Throwdown aus nicht bekannt gegebenen Gründen nicht spielen konnten, sprangen die Crossover-Pioniere Stuck Mojo für sie ein, die quasi ihren gecancelten WFF-Gig von 2008 nachholten. Die Änderung im Billing war aber nur an den Infocontainern bekannt gemacht worden, sodass so mancher Throwdown-Fan ziemlich blöd aus der Wäsche guckte. Doch Stuck Mojo machten das Beste draus und erspielten sich mit ihrer sympathischen Show, bei der vor allem Gitarrist Rich Ward wieder abging wie Nachbars Lumpi jede Menge neue Fans.

Nun folgten Fear Factory, die nach der umjubelten Hallentour Anfang des Jahres nun auch ihr Festival-Comeback geben wollten. Musikalisch war dabei alles Ok, der Sound drückte wie sonstwas und Gene Hoglan, Byron Stroud und Dino Cazares gaben ihr bestes, doch Sänger Bourton C. Bell war alles andere als gut bei Stimme und shoutete während der cleanen Reafrains einfach weiter, so blamierte er sich wenigstens nicht, auch wenn dadurch eins der Hauptmerkmale der Band fehlte. Für diesen Tag sollten Fear Factory auch die letzte Band bleiben, der See und Bier waren einfach verlockender.

Samstag, 3. Juli

Der Samstag begann mit Hitze, schwimmen und Vorfreude auf das Viertelfinalspiel gegen Argentinien. Grand Magus hatten leider das Pech, während des Spieles zu spielen, deswegen war die Menge vor der Bühne auch eher überschaubar und vermehrte sich erst, als auch auf der Leinwand an der Bühne das Spiel lief. Die sympathischen Schweden machten das Beste draus und freuten sich mit den Fans über das 1:0. Da die Veranstalter es Walls Of Jericho nicht zumuten wollten, auch während des Spiels zu spielen, ließ man diese kurzerhand gleichzeitig mit Venom auf der Zeltbühne als Headliner auftreten. Leider hatte man diese Information, genau wie die, dass Stuck Mojo statt Throwdown spielen, nur an den Infocontainern und am Einlass auf gelben DIN A4-Blättern ausgehängt und daher einige Fans dieser Bands natürlich ziemlich blöd aus der Wäsche geguckt haben. Wozu leistet sich ein Festival zwei riesige Videoleinwände, wenn darauf nicht einmal solche Informationen durchgegeben werden??

Direkt nach dem Schlusspfiff versuchte Exodus-Frontrüpel Rob Dukes sich mit einer zeitweise verkehrt herum umgehängten Deutschland-Flagge und “Fuck Argentina”-Sprüchen einzuschleimen. Nötig hatte er es zumindest nicht, denn der Pit war riesig, auch wenn das Publikum aufgrund der Hitze nicht ganz so energiegeladen waren, wie die Band das verdient gehabt hätte.

Auch Cannibal Corpse zeigten keinerlei Ermüdungserscheinungen, und der Corpsegrinder versuchte sich sogar an ein paar Ansagen, ansonsten war es ein sehr typischer Gig, die Band stagniert nunmal auf höchstem Niveau. Von Stagnation kann bei Heaven Shall Burn hingegen kaum die Rede sein. Mittlerweile hat sich die Band vom Nebenact auf der Zeltbühne zum Co-Headliner gemausert und bietet ihren Fans eine aufwendige Show mit drei Videowalls auf der Bühne auf der die Abrissbirnen der Band optisch untermalt wurden. Zu “Behind A Wall Of Silence” gabs dann den wohl größten Circle Pit den die Welt je gesehen hat, quasi einmal durchs ganze Festivalgelände. Dabei wurde dermaßen viel Staub aufgewirbelt, dass die Bühne nicht mehr sichtbar war, und die Band ihren Gig kurz unterbrechen musste. Krasse Aktion, wie wollen die Herren das denn bitte beim nächsten Mal übertreffen?

Danach wirkte die Black Metal-Legende Venom als Headliner reichlich deplatziert. Die Leinwand mit Beamer bot ein paar minderwertige Computeranimationen, und das letzte Grüdungsmitglied Cronos eine peinliche One man-Show in einem Outfit, dass schon vor 20 Jahren lächerlich gewesen wäre. Dabei hatten die Briten mit “Black Metal” und “Antichrist” sehr stark angefangen, verloren sich dann aber in zu vielen Songs aus der mittleren Phase der Band und konnten erst am Ende mit “In League With Satan” wieder begeistern. Ein eher durchwachsener Auftritt von Cronos und seinen Mitstreitern, die fast seine Söhne sein könnten.

Auch bei dem Bands vom “Saturday Night Fever” hatte es offenbar einige Verschiebungen gegeben, denn GWAR hatten mindestens zwanzig Minuten zu früh angefangen, warum wusste niemand so wirklich genau. Nichtsdestotrotz wurde das Konzert eine wunderbare Splatterorgie während auf der Bühne unter anderem ein Nazipapst, ein jüdischer geldgeiler Dämon und ein Fan (weil sein Penis länger als der von Sänger Oderus Urungus war) grausam dahin gemetzelt. Nach einer Stunde verließ eine blutige aber glückliche Menge das Zelt.

Sonntag, 4. Juli

Der Sonntag begann, welch Überraschung, mit Hitze und schwimmen und auf der Hauptbühne mit Heimorgel-Ikone Mambo Kurt der sich zwei “Rockbitches” zur Verstärkung mitgebracht hatte. Die Damen durften jeweils einen Songtitel vorlesen, und das Publikum entschied welcher Song gespielt wird, so schafften es auch Scooter und Vanilla Ice in Programm.

Nach verschiedenen Ritualen zur Flüssigkeitsaufnahme fand ich mich rechtzeitig zu Daath wieder vor der Hauptbühne ein. Die Band lieferte eine wie gewohnt sehr engagierte Show ab, konnte aber im Publikum noch nicht viel reißen, was nicht zuletzt am eintönigen Songmaterial liegen dürfte. Später am Nachmittag wurde es dann Zeit, die Kutten auszugraben, denn Sodom standen auf dem Programm. Die Ruhrpott-Thrash-Legende sprühte nur so vor Spielfreude und ballerte sich durch ein viel zu kurzes Set bei dem aber jede Phase der Band berücksichtigt wurde. In dieser Form bleiben und Tom Angelripper, Bobby und Bernemann hoffentlich noch lange erhalten!

Als Co-Headliner des letzten Tages war eine Band gebucht worden, die man nun nicht jedes Jahr überall sehen kann: NoFX.Mit der Begrüßung “Hello East-Germany” begann die Band um den ständig Cocktail trinkenden Fronter Fat Mike eine Show ab die ihresgleichen sucht, gepaart mit jeder Menge Blödeleien und dämlichem Gelaber zwischen den Songs. Großartig!

Dagegen sahen Slayer im wahrsten Sinne des Wortes alt aus. Bei den ersten drei Songs “World Painted Blood”, “Hate Worldwide” und “War Ensemble” dachten viele noch, einen der besseren Auftritte zu erleben, doch beim vierten Song “Disciple” merkte man, dass Tom Arayas Stimme angeschlagen war, denn er ließ einen Teil des Textes weg. Dies zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Auftritt. Zudem gab aus außer einem “Thank you.” vor dem Zugabenblock keinerlei Ansagen und die ganze Band wirkte äußerst demotiviert. Slayer sollten sich mal ihre Kollegen von Exodus und Sodom ansehen, und sich bei beiden eine dicke Scheibe abschneiden. Beide Bands sind genauso lange dabei, aber treten auf der Bühne wesentlich mehr Arsch.

Organisatorisch war dieses mal alles in Bester Ordnung, von den Bekanntmachungen der Änderungen in der Running Order mal abgesehen, hier sollte dringend nachgebessert werden!

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