Nutzen Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?

Möglicherweise ja. Menschen, die seit Jahrzehnten mit Elefanten am kenianischen Mount Elgon leben und arbeiten, berichten von Tieren, die bei auffälligem Gesundheitszustand gezielt bestimmte Pflanzen aufsuchen. Eine neue Studie hat diese Beobachtungen erstmals systematisch erfasst. Ob die Pflanzen den Elefanten tatsächlich helfen, ist damit noch nicht bewiesen. Dafür braucht es direkte Beobachtungen und weitere Untersuchungen.

Nutzen afrikanische Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?

Nutzen Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?
Nutzen Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?
Frage Was die Studie zeigt Was offenbleibt
Wie wurde geforscht? Acht erfahrene lokale Fachleute wurden ausführlich befragt. Genannte Pflanzen wurden botanisch bestimmt und mit Fachliteratur abgeglichen. Die berichteten Situationen wurden im Rahmen dieser Untersuchung nicht durchgehend direkt gefilmt oder experimentell überprüft.
Welche Ressourcen wurden genannt? 39 natürliche Ressourcen, darunter 35 Pflanzenarten und vier Arten von Boden, Ton oder mineralischem Material. Die Nennung einer Ressource beweist noch keine medizinische Nutzung.
Wie groß ist die Überschneidung mit menschlicher Nutzung? 34 der 39 Ressourcen werden laut den Befragten auch von Menschen der Region traditionell medizinisch genutzt. Eine ähnliche Nutzung durch Mensch und Elefant belegt keine gleiche Wirkung.
Gibt es besonders auffällige Fälle? Bei acht Pflanzenarten beschrieben die Forschenden Verhaltensweisen, die zu einer gezielten Aufnahme bei Beschwerden passen könnten. Krankheitsursache, aufgenommene Menge und gesundheitlicher Effekt müssen genauer untersucht werden.

Faktenbox: Die wichtigste Einordnung

Die Studie liefert Hinweise auf mögliche Selbstmedikation afrikanischer Elefanten. Sie beruht wesentlich auf dem langjährigen Wissen lokaler Beobachter. Aus den Berichten folgt weder, dass alle genannten Pflanzen medizinisch wirken, noch, dass Elefanten Krankheiten gezielt diagnostizieren oder behandeln wie Menschen.

Was ist bei den Elefanten am Mount Elgon beobachtet worden?

Der Mount Elgon liegt an der Grenze zwischen Kenia und Uganda. Die Landschaft bietet Elefanten verschiedene Pflanzen und mineralische Ressourcen. Für die neue Untersuchung interessierte sich ein Forschungsteam um Fabien Schultz vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin besonders für Beobachtungen auf der kenianischen Seite: Greifen Elefanten in bestimmten Situationen auf Pflanzen zurück, die über ihren üblichen Speiseplan hinaus eine Rolle spielen könnten?

Die Befragten berichteten unter anderem von Tieren, die offenbar geschwächt oder krank waren und anschließend bestimmte Blätter oder Rinden fraßen. Einige Elefanten sollen dafür einen bestimmten Baum gezielt angesteuert haben, ohne unterwegs zu fressen. Solche Beobachtungen sind interessant, weil die Auswahl und die Umstände der Nahrungsaufnahme Hinweise auf einen anderen Zweck als die gewöhnliche Ernährung geben können.

Die Meldung betrifft allerdings zunächst beobachtetes Verhalten und dessen Deutung. Ein Elefant kann eine Pflanze aus mehreren Gründen aufsuchen: wegen ihrer Nährstoffe, ihres Geschmacks, ihrer Verfügbarkeit oder möglicherweise wegen einer Wirkung auf seinen Körper. Welche Erklärung im Einzelfall zutrifft, lässt sich aus einer Beobachtung allein schwer ableiten.

Warum ist die Untersuchung eine Nachricht wert?

Hinweise auf tierische Selbstmedikation gibt es bereits bei verschiedenen Arten. Bei wildlebenden afrikanischen Elefanten war eine breite, systematische Erfassung solcher Berichte bislang jedoch selten. Die Forschenden haben deshalb das Wissen von Menschen zusammengetragen, die Elefanten über lange Zeit in derselben Landschaft beobachten. Das macht mögliche Verhaltensmuster sichtbar, die ein kurzer Forschungsaufenthalt leicht übersehen würde.

Für den Naturschutz ist die Frage ebenfalls relevant. Wenn bestimmte Pflanzenstandorte für Elefanten eine besondere Bedeutung haben, könnte der Verlust dieser Standorte mehr Folgen haben als den Wegfall gewöhnlicher Nahrung. Noch ist offen, welche der erfassten Pflanzen tatsächlich eine solche Bedeutung besitzen.

Nutzen Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?
Nutzen Elefanten Heilpflanzen zur Selbstmedikation?

Wie haben die Forschenden die Berichte geprüft?

Das Team führte leitfadengestützte Gespräche mit acht Personen, die über langjährige Erfahrung mit Elefanten und der Pflanzenwelt am Mount Elgon verfügen. Dazu gehörten Menschen aus lokalen Gemeinschaften und Personen mit beruflicher Erfahrung in der Wildtierbeobachtung. Bei solchen Gesprächen gibt ein Fragenkatalog eine gemeinsame Struktur vor. Gleichzeitig können die Befragten ausführlich beschreiben, was sie gesehen haben und wie sie es einordnen.

Die Forschenden ließen es nicht bei Pflanzennamen aus den Interviews bewenden. Sie sammelten Belegexemplare der genannten Arten, ließen diese botanisch bestimmen und glichen die Bezeichnungen mit Datenbanken ab. Das ist wichtig, weil regionale Namen mehrere Arten bezeichnen können und umgekehrt dieselbe Art verschiedene lokale Namen haben kann.

Anschließend wertete das Team aus, welche Ressourcen von mehreren Personen genannt wurden, welche Pflanzenteile Menschen und Elefanten nach den Berichten nutzen und welche traditionellen Anwendungen vor Ort bekannt sind. Ergänzend prüften die Forschenden wissenschaftliche Veröffentlichungen zu Inhaltsstoffen und untersuchten Eigenschaften einiger Pflanzen.

Faktenbox: Was bedeutet „ethnobotanisch“?

Ethnobotanik untersucht die Beziehungen zwischen Menschen und Pflanzen. In dieser Studie hilft sie dabei, lokales Wissen über Pflanzen zu erfassen und mit den Berichten über das Verhalten der Elefanten zu vergleichen. Traditionelle Verwendung ist dabei ein Forschungsansatz, kein Wirksamkeitsnachweis.

Wo liegen die Grenzen dieser Methode?

Die acht Befragten bringen viel Erfahrung mit. Ihre Berichte können besonders wertvoll sein, wenn sich ein seltenes Verhalten nur über viele Jahre beobachten lässt. Gleichzeitig bleibt die Stichprobe klein. Erinnerungen können unvollständig sein, und ein Verhalten kann unterschiedlich interpretiert werden. Wenn mehrere Personen Ähnliches schildern, stärkt das einen Hinweis, ersetzt aber keine direkte Prüfung.

Besonders anspruchsvoll ist die Frage, ob ein Elefant wirklich krank war. Sichtbare Zeichen wie eine Verletzung, Durchfall oder auffällige Schwäche können Hinweise liefern. Andere Erkrankungen sind von außen kaum zu erkennen. Selbst wenn nach dem Fressen eine Besserung eintritt, steht damit noch nicht fest, ob die Pflanze dafür verantwortlich war. Das Tier könnte sich auch ohne sie erholt haben.

Was bedeutet Selbstmedikation bei Tieren?

Forschende verwenden für die Untersuchung möglicherweise medizinisch bedeutsamer Stoffe im Verhalten von Tieren den Begriff Zoopharmakognosie. Dahinter steht die Frage, ob Tiere natürliche Materialien so auswählen oder anwenden, dass sie Beschwerden vermeiden oder lindern können. Ein solches Verhalten muss nicht dieselbe bewusste Entscheidung voraussetzen, die ein Mensch beim Griff zu einem Arzneimittel trifft.

Mögliche Beispiele reichen von der Aufnahme bestimmter Pflanzen über das Auftragen von Stoffen auf die Haut bis zur Nutzung von Materialien, die Parasiten fernhalten könnten. Entscheidend ist jeweils die Beweiskette: Tritt das Verhalten bei einem passenden Gesundheitsproblem auf? Ist die Ressource als gewöhnliches Futter wenig attraktiv? Gibt es eine plausible Wirkung? Und verbessert sich der Zustand des Tieres nachweisbar?

Für die Berichte vom Mount Elgon nutzte das Forschungsteam ein Schema mit mehreren Stufen. Besonders interessant sind Fälle, in denen offenbar beeinträchtigte Tiere eine ungewöhnliche Ressource gezielt und in kleinen Mengen aufnehmen. Die Studie ordnete acht Pflanzenarten einer solchen Kategorie zu. Das ist ein Hinweis auf mögliche Selbstmedikation, aber noch kein Beleg für einen Behandlungserfolg.

Welche Pflanzen fallen besonders auf?

Zu den in der Untersuchung diskutierten Arten gehören Aloe arborescens, Bersama abyssinica und Ficus natalensis. Die Berichte betreffen unter anderem Blätter und Rinde. Eine genaue botanische Bezeichnung ist hier wichtig: Arten derselben Gattung können sich in ihrer chemischen Zusammensetzung unterscheiden. Deshalb lassen sich Erkenntnisse über eine Pflanze nicht ohne Prüfung auf eine andere übertragen.

Für einige der genannten Arten wurden in früheren Arbeiten biologische Eigenschaften oder interessante Inhaltsstoffe beschrieben. Solche Laborbefunde können eine Forschungsfrage plausibler machen. Sie zeigen jedoch nicht automatisch, dass ein Elefant unter natürlichen Bedingungen eine wirksame Menge aufnimmt. Ebenso wenig begründen sie eine Empfehlung für die Anwendung beim Menschen.

Was verrät die Überschneidung mit traditionellem Pflanzenwissen?

Von den 39 erfassten natürlichen Ressourcen werden 34 nach Angaben der Befragten auch von Menschen in der Region traditionell medizinisch genutzt. Das entspricht rund 87 Prozent. Diese hohe Überschneidung ist eines der auffälligsten Ergebnisse der Studie. Sie zeigt, dass beide Arten in derselben Landschaft auf viele der gleichen Pflanzen und Materialien treffen und ihnen möglicherweise eine besondere Bedeutung zukommt.

Aus der Zahl lässt sich aber nicht schließen, dass Elefanten und Menschen dieselben Beschwerden mit denselben Pflanzen behandeln. Die genutzten Pflanzenteile, Mengen und Umstände können verschieden sein. Auch eine zufällige Überschneidung ist bei häufig vorkommenden oder vielseitig verwendeten Arten möglich. Gerade deshalb lohnt es sich, die konkreten Beobachtungen für jede einzelne Pflanze genauer anzusehen.

Die Untersuchung macht zudem deutlich, wie wichtig lokales ökologisches Wissen für die Forschung sein kann. Menschen vor Ort kennen Wege, Futterplätze und einzelne Herden häufig über viele Jahre. Sie können Veränderungen beschreiben, für die wissenschaftliche Projekte sonst langfristige Beobachtungsprogramme benötigen würden. Ihre Hinweise liefern konkrete Fragen, die anschließend mit weiteren Methoden überprüft werden können.

Was ist bei der Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften wichtig?

Das Wissen der Befragten ist ein wesentlicher Bestandteil der Studie. Wenn daraus weitere Forschung entsteht, sollten lokale Partner auch an der Planung, Interpretation und Darstellung der Ergebnisse beteiligt sein. Das betrifft besonders die Frage, welche Pflanzenstandorte öffentlich benannt werden und wie Erkenntnisse über traditionelle Anwendungen verwendet werden.

Für Leserinnen und Leser ist eine Unterscheidung hilfreich: Die Studie erfasst Wissen und Beobachtungen aus der Region. Sie bestätigt damit nicht pauschal jede traditionelle Anwendung als medizinisch wirksam. Sie nimmt die Beobachtungen aber ernst genug, um daraus überprüfbare wissenschaftliche Fragen zu entwickeln.

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Über den Autor: Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


Verabreichen Elefantenmütter ihren Kälbern Pflanzen?

Ein besonders spannender Teil der Interviews betrifft Berichte über Muttertiere und Kälber. Lokale Beobachter beschrieben Situationen, in denen Elefantenmütter ihrem Nachwuchs Pflanzenmaterial gegeben haben sollen. Fünf Ressourcen wurden im Zusammenhang mit solchen Berichten genannt. Die Forschenden prüfen nun, ob sich dieses Verhalten direkt auf Video dokumentieren lässt.

Hier ist Zurückhaltung wichtig. Bislang ist weder der genaue Ablauf ausreichend belegt noch ein gesundheitlicher Nutzen nachgewiesen. Es ist auch offen, ob das beschriebene Verhalten mit Krankheit zusammenhängt. Eine Mutter kann einem Kalb Pflanzenmaterial aus verschiedenen Gründen zugänglich machen. Erst wiederholte, gut dokumentierte Beobachtungen könnten zeigen, ob ein bestimmtes Muster vorliegt.

Sollte sich eine gezielte Weitergabe bestätigen, wäre auch die Frage nach erlerntem Verhalten interessant. Elefanten leben in sozialen Gruppen und Kälber verbringen viel Zeit mit erfahrenen Tieren. Ob die Nutzung einer bestimmten Pflanze durch Beobachtung erlernt wird, lässt sich aus der aktuellen Studie allerdings noch nicht ableiten.

Ist das Salzlecken in den Höhlen eine Form der Selbstmedikation?

Die Elefanten am Mount Elgon sind auch dafür bekannt, mineralreiches Material in Höhlen aufzunehmen. Die Befragten bestätigten dieses Verhalten. Sie beschrieben Ton und andere Materialien aus den Höhlen vor allem als Mineralstoffquelle. Anders als einige Pflanzen wurden die vier erfassten Boden-, Ton- und Mineralressourcen von ihnen nicht als Elefantenmedizin bezeichnet.

Die Studie wertet die Höhlennutzung deshalb nicht als Nachweis für Selbstmedikation. Das ist eine wichtige Grenze: Ein Stoff kann für die Ernährung oder Mineralstoffversorgung bedeutsam sein, ohne zur Behandlung einer Krankheit aufgenommen zu werden. Die Höhlen bleiben dennoch ein besonderer Teil des Lebensraums, dessen Nutzung und Schutz weitere Aufmerksamkeit verdienen.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Würde jede auffällige Aufnahme einer Pflanze oder eines Minerals sofort als „Medizin“ gelten, ließe sich die eigentliche Forschungsfrage kaum noch prüfen. Die Unterscheidung zwischen Nahrung, Mineralstoffversorgung und möglicher Behandlung hilft, stärkere und schwächere Hinweise auseinanderzuhalten. Gerade bei einem faszinierenden Verhalten wie dem Höhlenbesuch schützt sie vor vorschnellen Schlüssen.

Welche Bedeutung hat die Studie für den Naturschutz?

Elefanten brauchen zusammenhängende Lebensräume, erreichbare Wasserstellen und ausreichend Nahrung. Die Studie ergänzt dazu eine mögliche weitere Perspektive: Vielleicht sind bestimmte Pflanzen für einzelne Tiere in bestimmten gesundheitlichen Situationen besonders wichtig. Wenn solche Arten verschwinden oder ihre Standorte unzugänglich werden, könnte ein Teil des Verhaltensrepertoires verloren gehen.

Das ist derzeit eine plausible Naturschutzfrage, keine bereits bewiesene Abhängigkeit. Bevor einzelne Arten gezielt als „Elefantenapotheke“ geschützt werden, müsste genauer geklärt werden, wie häufig Elefanten sie nutzen und unter welchen Bedingungen. Für Schutzprojekte sind solche Informationen dennoch wertvoll. Sie lenken den Blick auf die Vielfalt des Lebensraums und auf Orte, die in einer reinen Betrachtung von Futtermenge leicht übersehen werden.

Am Mount Elgon arbeiten Forschungseinrichtungen und lokale Organisationen zusammen, um die Elefanten und ihren Lebensraum besser zu verstehen. Das Beispiel zeigt, warum Naturschutz oft mehr umfasst als den Schutz einzelner Tiere. Auch die Pflanzenwelt, wichtige Wege und das Wissen der Menschen, die mit den Tieren leben, spielen eine Rolle.

Faktenbox: Was bedeutet One Health?

Der One-Health-Ansatz betrachtet die Gesundheit von Menschen, Tieren und Umwelt gemeinsam. Am Mount Elgon teilen sich Menschen und Elefanten eine Landschaft mit vielen Pflanzenarten. Veränderungen dieser Landschaft können beide betreffen. Welche Folgen der Verlust einzelner Pflanzen für die Gesundheit der Elefanten hätte, muss jedoch erst untersucht werden.

Können aus den Pflanzen neue Medikamente entstehen?

Die Studie kann Ansatzpunkte für die Suche nach biologisch aktiven Stoffen liefern. Wenn eine Pflanze in lokalen Beobachtungen mehrfach auffällt und frühere Laborarbeiten interessante Eigenschaften zeigen, ist sie ein möglicher Kandidat für weitere Untersuchungen. Dabei müssten Forschende zunächst ihre Inhaltsstoffe bestimmen und prüfen, welche davon unter kontrollierten Bedingungen eine messbare Wirkung haben.

Von dort bis zu einem Arzneimittel wäre der Weg lang. Ein Stoff müsste ausreichend wirksam sein, in einer geeigneten Dosis eingesetzt werden können und vertretbare Risiken haben. Ergebnisse aus Zellversuchen lassen sich weder direkt auf Elefanten noch auf Menschen übertragen. Auch „natürlich“ bedeutet nicht automatisch „harmlos“.

Für dich als Leser ist deshalb entscheidend: Die Studie gibt keine Anleitung zur Selbstbehandlung mit den genannten Pflanzen. Sie untersucht das Verhalten von Elefanten und mögliche Verbindungen zu traditionellem Pflanzenwissen. Bei gesundheitlichen Beschwerden ersetzen solche Hinweise keine medizinische Diagnose oder Behandlung.

Welche Fragen sollte die Forschung als Nächstes klären?

Um die Hinweise zu prüfen, braucht es mehrere Bausteine. Besonders hilfreich wären langfristige Beobachtungen bekannter Elefanten, bei denen Forschende Gesundheitszustand, Pflanzenauswahl und Entwicklung der Tiere möglichst genau dokumentieren. Kameras oder Videoaufnahmen könnten außerdem einzelne Berichte über gezielte Pflanzenaufnahme und das Verhalten von Muttertieren überprüfen.

  1. Verhalten dokumentieren: Welche Elefanten nehmen welche Pflanzenteile auf, wie häufig und in welcher Situation?
  2. Gesundheitszustand einordnen: Gibt es unabhängig beobachtbare Hinweise auf eine Verletzung oder Erkrankung?
  3. Alternativen prüfen: Könnten Nährstoffbedarf, Jahreszeit oder Verfügbarkeit die Auswahl erklären?
  4. Pflanzen analysieren: Welche Inhaltsstoffe sind vorhanden und in welcher Menge werden sie tatsächlich aufgenommen?
  5. Veränderungen verfolgen: Gibt es nach der Aufnahme messbare Entwicklungen, die sich nicht besser anders erklären lassen?

Auch die soziale Weitergabe bleibt eine offene Frage. Nutzen verwandte Tiere dieselben Pflanzen? Lernen junge Elefanten an bestimmten Orten von älteren Herdenmitgliedern? Solche Fragen verlangen Geduld. Einzelne spektakuläre Beobachtungen sind spannend, belastbare Antworten entstehen meist erst aus vielen sauber dokumentierten Fällen.

Welche häufigen Fragen gibt es zu Elefanten und Heilpflanzen?

Ist bewiesen, dass afrikanische Elefanten Krankheiten mit Pflanzen behandeln?

Nein. Die Studie dokumentiert Berichte und mehrere auffällige Verhaltensmuster, die zu Selbstmedikation passen könnten. Ein direkter Nachweis, dass eine bestimmte Pflanze eine konkrete Erkrankung eines Elefanten behandelt hat, liegt damit noch nicht vor.

Warum wurden nur acht Menschen befragt?

Die Untersuchung setzte auf Personen mit besonders langer Erfahrung am Mount Elgon. Ihre Beobachtungen reichen teils über Jahrzehnte. Acht Interviews bilden aber keine umfassende Erhebung aller Elefanten und aller Gemeinschaften der Region. Die Ergebnisse sind ein Ausgangspunkt für weitere Forschung.

Bedeutet die Überschneidung von 87 Prozent, dass Mensch und Elefant dieselbe Medizin nutzen?

Nein. Die Zahl besagt, dass 34 der 39 erfassten Ressourcen nach Angaben der Befragten auch in der traditionellen medizinischen Nutzung durch Menschen vorkommen. Ob beide Arten dieselben Pflanzenteile bei denselben Beschwerden nutzen und ob eine Wirkung eintritt, ist damit nicht beantwortet.

Gehören die mineralreichen Höhlen zur möglichen Selbstmedikation?

Nach der Einordnung dieser Studie nicht. Die Befragten beschrieben das dort aufgenommene Material vor allem als Mineralstoffquelle und bezeichneten es nicht als Elefantenmedizin.

Was bedeutet die Studie für Menschen außerhalb Kenias?

Sie zeigt, wie lokale Langzeitbeobachtungen neue wissenschaftliche Fragen eröffnen können. Außerdem macht sie deutlich, dass sich Tierverhalten, Pflanzenvielfalt und Naturschutz gemeinsam betrachten lassen. Konkrete Gesundheitsempfehlungen für Menschen ergeben sich daraus nicht.

Was ist das Fazit zur Selbstmedikation bei Elefanten?

Die Untersuchung vom Mount Elgon liefert bemerkenswerte Hinweise darauf, dass afrikanische Elefanten bestimmte Pflanzen in besonderen Situationen gezielt auswählen könnten. Besonders interessant sind die Berichte über offenbar beeinträchtigte Tiere, ungewöhnliche Pflanzenaufnahmen und mögliche Interaktionen zwischen Müttern und Kälbern. Zugleich trennt die Studie Beobachtung und Nachweis: Eine medizinische Wirkung dieser Handlungen ist bisher nicht belegt.

Ihr Wert liegt auch darin, dass sie langjähriges lokales Wissen mit botanischer Bestimmung und wissenschaftlicher Literatur verbindet. Daraus entstehen konkrete Fragen für die Verhaltensforschung, Pflanzenanalyse und den Schutz des Lebensraums am Mount Elgon. Ob Elefanten dort tatsächlich einzelne Pflanzen zur Behandlung von Beschwerden nutzen, müssen die nächsten Untersuchungen zeigen.

Originalpublikation: Schultz, F. et al.: African elephants putatively self-medicate with medicinal plants in the Mount Elgon region, Kenya. Scientific Reports, 2026. DOI: 10.1038/s41598-026-53610-4.

Weitere Informationen: Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Quelle / Infos / Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news877918 und https://bnitm.de/


Über den Autor:

Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber


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