Metaller.de – Heavy Metal, die gelebte Musikrichtung

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Von den Ursprüngen des Heavy Metal

Ihren Ursprung finden die meisten Bands Ende der 60er Jahre in den Industriemetropolen Englands. Die aus dem Arbeitermilieu geprägte Generation distanzierte sich damals bewusst von der populären Popmusik oder der Hippie-Bewegung. Auch der Punk hatte seine Hochphase erreicht, und so gewann der sogenannte New Wave of Britisch Heavy Metal an Energie und Kraft. Die an dröhnende Motoren und schreiende Kettensägen angelehnten musikalischen Kompositionen hatten nicht mehr viel mit der sauberen Popmusik zu tun. Aber nicht nur der musikalische Stil, sondern insbesondere die Texte prägten das Genre des Heavy Metal. Anfangs handelten diese insbesondere von einer Welt voller Zerstörung, Hoffnungslosigkeit, Gewalt, Hass und Verzweiflung.

Die ohnehin düstere Atmosphäre der Musik wurde zudem geprägt von den stilistischen Mitteln, die die Bands in der Öffentlichkeit zur Schau stellten: Okkulte Symbole wie Pentagramme oder umgedrehte Kreuze brachten die Musikrichtung und ihre Anhänger in Verbindung mit dem Satanismus. Berichterstattungen über Tieropfer bei Konzerten oder anderen schwarzen Ritualen sorgten für einen Boykott von der Fachpresse und den Radiostationen – und dennoch für volle Konzerthallen der Musiker. Denn Ende der 60er Jahre war der Satanismus ein beherrschendes Thema in den Medien. Bis heute taucht die Verbindung der Musikrichtung mit dem Satanismus immer wieder auf.

Am Anfang war es Schwermetall

In den 70er Jahren aus dem Hardrock entsprungen, wird Heavy Metal als eine Musikrichtung bezeichnet, die sich vor allem durch harte Gitarren, der durchdringenden Basslinie und lautem sowie melodischem Gesang von anderen Musiksparten unterscheidet. Der Begriff „Heavy Metal“ steht dabei aber explizit für die Musik, die den Spielweisen der späten 1970er und 1980er Jahre entspricht.

Entwicklung in den 70er und 80er Jahren

Dabei kann man musikalisch vom eigentlichen Stil des Heavy Metal erst ab Mitte der 70er Jahre sprechen. In dieser Zeit fanden sich die festen Muster in Text, Komposition und dem Auftreten der Bands. Ein nahezu einheitliches Bild sowohl in der Layoutgestaltung des Plattencovers wie auch im öffentlichen Auftreten ermöglichte eine klare, öffentliche Definition. Auch die gesellschaftliche Abgrenzung zu anderen Jugendkulturen spielte dabei eine große Rolle. Im Gegensatz zu den friedlich demonstrierenden Hippies der Zeit, schrien und brüllten Heavy Metal Bands gesellschaftliche Missstände in die Welt.

Die Songtexte befassten sich immer häufiger mit Krieg, Kampf, Ehre und Männlichkeit. Anfang der 80er Jahre entwickelte der Heavy Metal viele Subgenres: Thrash Metal, Speed Metal und Death Metal beinhalteten neue Spielweisen, differenzierten zwischen den Bands je nach Inhalten und Themen der Texte und sorgten damit zeitgleich für eine größere Anhängerschaft.

Heavy Metal im neuen Zeitalter

Anfang der 90er Jahre erreichte Heavy Metal trotz gelebter Techno-Kultur seinen kommerziellen Höhepunkt. Mit der Entwicklung der Subgenres entstanden viele neue Bands, die frischen Wind in die angestaubte musikalische Entwicklung brachten. Es wurde ein interessantes Zeitalter der Musikrichtung. Die Musik wurde härter, der Tonfall vieler junger Bands politisch motiviert oder zumindest hart an einer gesellschaftlichen Kritik. Nichtsdestotrotz konnten auch die alteingesessenen Bands weiterhin große Erfolge verzeichnen. So hatten Bands wie Metallica und AC/DC ihre größten Erfolge Ende der 90er Jahre. Heute ist Heavy Metal mit seinen Subgenres fast schon gesellschaftsfähig.

Große Events wie das Wacken Festival oder die Full Metal Cruise ziehen Tausende Anhänger aus der ganzen Welt an. Dennoch ist die musikalische Ausrichtung nach wie vor konservativ und ihren Wurzeln treu geblieben. Ehrliche Dynamik, harte Gesänge und kraftgeladene, verzerrte Gitarren definieren bis heute den typischen Sound.

Heavy Metal als Philosophie

Für viele Anhänger der Szene ist Heavy Metal mehr als nur Musik, die sie gerne hören. Für sie ist es eine Lebensphilosophie. Das drückt sich nicht nur in ihrem Erscheinungsbild aus, sondern ist auch häufig in der Wahrnehmung der Musik zu finden. Die meist einheitlich wirkende Anhängerschaft erscheint oft in den T-Shirts einer geliebten Band, langen Haaren, schwarzen Lederjacken, dicken, schweren Schuhen und einem manchmal ungepflegt wirkendem Äußeren. Das lässt viele Mitmenschen auf den ersten Blick abschrecken. Fans der Musikrichtung gelten musikalisch als nicht sehr tolerant. Minimale Abweichungen gewohnter Kompositionen oder gar Experimente in der musikalischen Ausweitung werden scheinbar ungern gesehen und gehört.

Das öffentliche Bild der Szene mag kein gutes Licht auf deren Anhänger werfen. So wird das Bild von Anfang an assoziiert mit rüpelhaftem, schlechtem Benehmen und der Querverbindung zum Satanismus. Auch heute flammen immer wieder mediale Diskussionen bei jüngsten Amokläufen auf, ob die musikalische Ausrichtung des Täters Einfluss auf seine Taten und Gedanken hatte. Doch schaut man sich die Anhänger der musikalischen Ausrichtung an, können sich die Vorurteile oftmals nicht halten.

Metaller – Gelebte Lebensart

Die meisten definieren ihre Lebensphilosophie mit einer gradlinigen, prinzipientreuen Lebensweise. Viele sind politisch und sozial aufgeklärt. Der oft sehr hohe Zusammenhalt der Anhänger zeugt von einer großen Loyalität und einer engen, persönlichen Bindung untereinander. Die Fans dieser musikalischen Richtung unterscheiden sich in wenigen, für sie aber wichtigen Aspekten, von anderen. Eine Anpassung an gesellschaftliche Normen wird nicht erwartet. Auch politische Meinungen werden nicht leise kundgegeben. Im Gegensatz zu den heutigen Hipstern nehmen Heavy Metal Anhänger kein Blatt vor den Mund oder sprechen Dinge sanft aus. Für sie müssen einige Fakten gesagt werden, wie sie sind. Auch wenn dies oberflächlich nach brutaler Gewalt und Unnachgiebigkeit aussehen mag. Für viele ist die Entdeckung der Musik mehr als eine gelebte Phase. Einmalig infiziert von ihr, bleibt sie häufig eine tatsächliche Lebensform.

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