Eine zusätzliche Cannabissteuer auf den Verkauf an Erwachsene lässt sich sinnvoll erst diskutieren, wenn ein regulierter gewerblicher Verkaufsweg existiert. Genau der fehlt in Deutschland bislang. Der Branchenverband Cannabiswirtschaft begrüßt deshalb, dass Bayerns Ministerpräsident Markus Söder das Thema aufgreift, fordert aber zugleich eine gesetzliche Grundlage für wissenschaftlich begleitete Modellprojekte mit lizenzierten Fachgeschäften.
Cannabissteuer: Wie soll sie ohne legale Fachgeschäfte funktionieren?
| Bereich | Heutige Situation | Bedeutung für eine Cannabissteuer |
|---|---|---|
| Privater Eigenanbau | Erwachsene dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen selbst anbauen. | Es gibt keinen Verkauf der eigenen Ernte, an den eine Verkaufssteuer anknüpfen könnte. |
| Anbauvereinigungen | Mitglieder organisieren gemeinschaftlichen Eigenanbau ohne gewerblichen Verkauf. | Eine zusätzliche Sondersteuer würde ein anderes Modell treffen als den kommerziellen Handel. |
| Medizinalcannabis | Die Abgabe erfolgt im medizinischen Bereich auf ärztliche Verschreibung. | Medizinische Versorgung und Freizeitmarkt müssen steuerlich getrennt betrachtet werden. |
| Lizenzierte Fachgeschäfte | Für Konsumcannabis gibt es derzeit keinen allgemeinen legalen Fachhandel. | Erst ein rechtlich geregelter Verkauf böte einen klaren Ansatzpunkt für eine spezielle Verkaufssteuer. |
Was ist in der Debatte über die Cannabissteuer passiert?
Der Branchenverband Cannabiswirtschaft e. V., kurz BvCW, reagierte am 28. September 2026 auf Äußerungen von Markus Söder zur Einführung einer speziellen Cannabissteuer. Der Verband begrüßt, dass ein führender CSU-Politiker mögliche Steuereinnahmen durch Cannabis zum Thema macht. Seine zentrale Einschränkung lautet jedoch: Ohne legalen kommerziellen Handel fehlt die Grundlage für die erhofften Einnahmen.
Der Verband fordert deshalb die Genehmigung wissenschaftlich begleiteter Modellprojekte mit lizenzierten Fachgeschäften. Dort könnten Erwachsene unter festgelegten Bedingungen Cannabis erwerben. Zugleich ließen sich Fragen zu Jugendschutz, Produktqualität, Nachfrage, Preisen und Auswirkungen auf den illegalen Markt untersuchen. Die vollständige Stellungnahme des BvCW zur Cannabissteuer findest du hier.
Faktenbox: Worüber wird eigentlich gesprochen?
Bei der diskutierten Cannabissteuer geht es um eine mögliche zusätzliche Abgabe auf legal gehandeltes Konsumcannabis. Das ist etwas anderes als die Umsatzsteuer auf steuerpflichtige Lieferungen oder Leistungen. Eine neue Steuer existiert durch Söders Debattenbeitrag noch nicht. Ihre Einführung würde konkrete gesetzliche Regeln zu Steuergegenstand, Steuerschuldner und Höhe erfordern.
Warum braucht eine Cannabissteuer einen legalen Markt?
Eine Steuer auf Verkäufe setzt nachvollziehbare Verkäufe voraus. Ein lizenzierter Betrieb könnte Mengen dokumentieren, Steuern abführen und kontrollierte Produkte anbieten. Beim privaten Eigenanbau entsteht dagegen kein Verkauf. Anbauvereinigungen wiederum beruhen auf gemeinschaftlichem Eigenanbau und der Weitergabe an Mitglieder. Sie sind nach dem Konsumcannabisgesetz keine frei zugänglichen Geschäfte.
Aus deutscher Sicht bedeutet das … die Politik muss zuerst entscheiden, welche Form des legalen Handels sie überhaupt zulassen will. Danach kann sie prüfen, ob eine spezielle Cannabissteuer sinnvoll ist und wie hoch diese ausfallen sollte. Wer zuerst Einnahmen verspricht, ohne einen entsprechenden Verkaufsweg zu schaffen, lässt die wichtigste Voraussetzung offen.
Auch die Höhe wäre entscheidend. Eine zu hohe Belastung könnte legale Produkte verteuern und ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem illegalen Markt schwächen. Eine moderate Steuer könnte dagegen Einnahmen schaffen, sofern ausreichend legale Angebote erreichbar sind. Ob und in welchem Umfang das tatsächlich gelingt, müsste anhand von Daten überprüft werden.
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Wo bleibt Säule 2, Cannabis Fachgeschäfte?
Als sogenannte Säule 2 waren regional begrenzte, wissenschaftlich begleitete Projekte zur kommerziellen Abgabe von Konsumcannabis vorgesehen. Gerade diese Projekte könnten zeigen, wie ein kontrollierter Fachhandel in Deutschland funktioniert. Bislang fehlt dafür nach Darstellung des BvCW eine geeignete neue gesetzliche Grundlage. Ein Antrag allein ersetzt diese Grundlage nicht.
Ich befürworte eine vollständige Legalisierung von Cannabis weltweit. Für Deutschland ist der nächste konkrete Schritt aus meiner Sicht ein regulierter Verkauf an Erwachsene in Cannabis Fachgeschäften. Er sollte klare Anforderungen an Zugang, Qualität, Kennzeichnung und Prävention erfüllen. Modellprojekte könnten dafür Erfahrungen liefern, bevor über eine dauerhafte bundesweite Regelung entschieden wird.
Das ist keine Garantie, dass jeder illegale Verkauf verschwindet. Erreichbarkeit, Preis, Produktauswahl und verlässliche Regeln würden mitentscheiden, ob Erwachsene tatsächlich auf legale Angebote wechseln. Gerade deshalb sollte die Debatte über die Cannabissteuer nicht bei einer möglichen Einnahmensumme stehen bleiben.
Was würde eine zusätzliche Steuer für Cannabisclubs bedeuten?
Für Cannabisclubs könnte das konkret heißen … höhere Kosten oder ein größerer Verwaltungsaufwand, falls der Gesetzgeber auch ihre Weitergabe an Mitglieder mit einer besonderen Abgabe belegen wollte. Beiträge müssten dann möglicherweise angepasst werden. Gerade kleinere Vereine hätten weniger Spielraum, zusätzliche Kosten aufzufangen.
Der BvCW lehnt eine solche Gleichsetzung mit gewerblichen Fachgeschäften ab. Sein Argument: Clubs dienen dem gemeinschaftlichen Eigenanbau und verfolgen keinen kommerziellen Verkauf an beliebige Kunden. Ob und wie einzelne Beiträge oder Leistungen eines Vereins umsatzsteuerlich behandelt werden, ist eine gesonderte Frage. Aus der Verbandsposition lässt sich keine pauschale steuerliche Aussage für jeden Club ableiten.
Faktenbox: Club und Fachgeschäft sind verschiedene Modelle
- Anbauvereinigung: Gemeinschaftlicher Eigenanbau und Weitergabe ausschließlich im gesetzlichen Rahmen an Mitglieder.
- Fachgeschäft: Denkbarer lizenzierter Verkaufsort für Erwachsene, der erst eine entsprechende gesetzliche Grundlage benötigt.
- Steuerliche Folge: Eine künftige Sondersteuer müsste festlegen, welches Modell sie erfasst. Die Modelle sollten nicht stillschweigend gleichgesetzt werden.
Warum sind die Hürden in Bayern besonders relevant?
In der Praxis scheitert es aktuell daran, dass … Anbauvereinigungen geeignete Flächen, Genehmigungen, Finanzierung und einen dauerhaft tragfähigen Betrieb brauchen. Der BvCW kritisiert insbesondere die Verweigerung von Sondernutzungsflächen in Bayern. Ob ein konkreter Standort zulässig ist, hängt allerdings vom jeweiligen Einzelfall und den geltenden Vorgaben ab.
Für interessierte Mitglieder ist das keine abstrakte Verwaltungsfrage. Wenn ein Club trotz Vorbereitung nicht starten kann, steht vor Ort auch dieser legale Zugangsweg nicht zur Verfügung. Fachgeschäfte gibt es für Konsumcannabis ebenfalls nicht. Aus meiner Sicht braucht Deutschland deshalb beides: weniger unnötige Blockaden für rechtmäßig arbeitende Cannabis Social Clubs, vor allem in Bayern, und einen realistischen Weg zu lizenzierten Fachgeschäften.
Welche Vorteile und offenen Fragen hätte ein regulierter Fachhandel?
Ein Fachhandel könnte dokumentierte Lieferketten und überprüfbare Produktinformationen ermöglichen. Er könnte außerdem eine Grundlage für reguläre Steuern und eine mögliche zusätzliche Cannabissteuer schaffen. Damit diese Vorteile eintreten, müssten Betriebe wirtschaftlich arbeiten können und Erwachsene die Angebote tatsächlich nutzen.
Vor einer Einführung sind mindestens vier Fragen zu klären:
- Welche gesetzliche Grundlage erlaubt wissenschaftliche Modellprojekte und wer genehmigt sie?
- Welche Anforderungen gelten für Produkte, Verkaufspersonal, Zugang und Prävention?
- Wie werden eine mögliche Cannabissteuer und andere steuerliche Pflichten voneinander abgegrenzt?
- Woran wird gemessen, ob legale Angebote den illegalen Markt tatsächlich zurückdrängen?
Die Interessen von Patienten dürfen dabei nicht mit denen des Freizeitmarktes vermischt werden. Medizinalcannabis ist Teil der ärztlich begleiteten Versorgung. Die aktuelle Debatte betrifft vor allem eine mögliche zusätzliche Besteuerung eines künftigen Marktes für Konsumcannabis.
Welche Fragen zur Cannabissteuer stellen sich jetzt?
Gibt es in Deutschland schon eine spezielle Cannabissteuer?
Eine allgemeine spezielle Verbrauchsteuer auf legal verkauftes Konsumcannabis gibt es derzeit nicht. Die politische Diskussion darüber ist noch kein Gesetz. Steuerliche Pflichten in bestehenden Bereichen sind davon zu unterscheiden.
Können Cannabisclubs wie Geschäfte Cannabis verkaufen?
Nein. Anbauvereinigungen dürfen Cannabis nur nach den Regeln des Konsumcannabisgesetzes an ihre Mitglieder weitergeben. Ein allgemeiner Verkauf an Laufkundschaft gehört nicht zu diesem Modell.
Würde eine Cannabissteuer den illegalen Markt automatisch schwächen?
Nein. Entscheidend wäre, ob legale Produkte verfügbar, bezahlbar und für Erwachsene erreichbar sind. Eine Steuer kann Einnahmen ermöglichen, kann bei ungünstiger Ausgestaltung aber auch legale Angebote verteuern.
Was ist das Fazit zur Cannabissteuer?
Söders Vorstoß macht eine offene Frage sichtbar: Deutschland diskutiert zusätzliche Einnahmen aus Cannabis, erlaubt aber keinen regulären Verkauf von Konsumcannabis in Fachgeschäften. Der BvCW fordert deshalb zuerst eine rechtliche Grundlage für wissenschaftlich begleitete Modellprojekte. Ich halte Cannabis Fachgeschäfte und weniger Hürden für Cannabis Social Clubs für die sinnvollere Reihenfolge, besonders mit Blick auf Bayern. Erst wenn ein legaler Markt tatsächlich funktioniert, lässt sich eine Cannabissteuer seriös ausgestalten und bewerten.
Quellen / Infos: https://cannabiswirtschaft.de/cannabissteuer-branche-begruesst-soeders-debattenbeitrag-warnt-aber-vor-einer-steuer-ohne-legalen-markt/
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
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