Wer Cannabis konsumiert, denkt dabei nicht zwangsläufig an Nikotinabhängigkeit. Gerade in Deutschland und anderen europäischen Ländern gehört für viele Konsumentinnen und Konsumenten jedoch seit Jahrzehnten Tabak ganz selbstverständlich zum Joint. Cannabis oder Haschisch werden mit Tabak gemischt, gedreht und gemeinsam geraucht. Was dabei leicht aus dem Blick gerät: Mit jedem Joint wird nicht nur Cannabis konsumiert, sondern auch Nikotin aufgenommen und organisches Material verbrannt.
Christoph Lentz: promovierter Zellbiologe, Buchautor von „ICH RAUCHE JA NUR CANNABIS: DIE WAHRHEIT ÜBER TABAK IM JOINT“ und Cannabispatient
Genau mit diesem oft unterschätzten Zusammenhang beschäftigt sich Christoph Lentz in seinem Buch „ICH RAUCHE JA NUR CANNABIS: DIE WAHRHEIT ÜBER TABAK IM JOINT“. Hinter dem Pseudonym steht ein promovierter Zellbiologe, der sich seit vielen Jahren beruflich mit Hanf, Cannabis, Gesundheitsprodukten und Produktsicherheit beschäftigt. Seine Perspektive ist jedoch nicht ausschließlich wissenschaftlich geprägt. In den USA baute er ein Caregiver-Projekt für medizinisches Cannabis auf, betreute Patientinnen und Patienten und stellte medizinische Cannabisprodukte für sie her. Gleichzeitig blickt er auf eine eigene lange Konsumgeschichte zurück.
Im Mittelpunkt seines Buches steht deshalb eine sehr persönliche Frage: Wie groß ist der Anteil des Tabaks an einem Konsumverhalten, das Betroffene möglicherweise jahrelang hauptsächlich dem Cannabis zuschreiben?
Für Christoph Lentz wurde diese Frage entscheidend, als er begann, seinen eigenen Konsum systematisch zu beobachten. Über Jahre hatte er angenommen, vor allem am Cannabis zu hängen. Erst durch die bewusste Trennung von Cannabis und Tabak erkannte er nach eigener Schilderung, welche Rolle Nikotin, das Ritual des Joint-Rauchens und über Jahre eingeübte Gewohnheiten für sein Verlangen spielten. Gesundheitliche Warnsignale und der Widerspruch zwischen intensivem Ausdauersport auf der einen und regelmäßigem Rauchen auf der anderen Seite verstärkten seinen Wunsch nach Veränderung.
Dabei geht es ihm ausdrücklich nicht darum, Cannabis zu verteufeln oder Konsumentinnen und Konsumenten zu bevormunden. Sein Ansatz ist Schadensminimierung. Statt einer einfachen Diskussion über „Cannabis ja oder nein“ möchte er genauer unterscheiden: Welche Risiken können vom Cannabis selbst ausgehen? Welche Rolle spielt Nikotin? Welche gesundheitliche Bedeutung hat der Verbrennungsprozess? Und wie können Konsummuster bewusster hinterfragt werden?
Diese Differenzierung ist auch deshalb interessant, weil sich die Cannabiskultur verändert. Vaporizer, tabakfreie Konsumformen und Harm-Reduction-Ansätze werden stärker diskutiert. Christoph Lentz sieht insbesondere in der Entkopplung von Cannabis und Tabak eine Möglichkeit, das eigene Konsumverhalten neu zu betrachten. Gleichzeitig warnt er davor, das Verbrennen von reinem Cannabis automatisch als unproblematisch anzusehen.
Im Interview mit Metaller.de spricht Christoph Lentz offen über seine eigene Nikotinabhängigkeit, seine Erfahrungen mit Cannabis und Tabak und darüber, warum der Satz „Ich rauche ja nur Cannabis“ für ihn irgendwann eine völlig neue Bedeutung bekam. Wir sprechen außerdem über Vaporizer und andere Konsumformen, Schadensminimierung, Gewohnheiten und Konditionierung sowie darüber, wie eine erwachsene und wissenschaftlich orientierte Cannabiskultur in Deutschland aussehen könnte.
Vor allem aber geht es um eine Frage, die sich wahrscheinlich mehr Cannabiskonsumentinnen und Cannabiskonsumenten stellen sollten: Will ich gerade tatsächlich Cannabis konsumieren oder verlangt mein Körper möglicherweise nach Nikotin und einem über Jahre eingeübten Ritual?
Interview mit Christoph Lentz: Buchautor, promovierter Zellbiologe und Cannabispatient
Bitte stelle dich kurz vor und erzähle unseren Leserinnen und Lesern, wie du zum Thema Cannabis und Schadensminimierung gekommen bist.
Ich veröffentliche das Buch unter dem Pseudonym Christoph Lentz. Der Grund dafür ist nicht, dass ich mich hinter dem Thema verstecken möchte, sondern dass ich Berufliches und Persönliches bewusst voneinander trennen will. Das Buch ist eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit meinem eigenen Konsumverhalten, meiner Nikotinabhängigkeit und dem langen Weg, diese beiden Dinge voneinander zu entkoppeln.
Beruflich komme ich aus der Wissenschaft. Ich bin promovierter Zellbiologe und beschäftige mich seit vielen Jahren mit Hanf, Cannabis, Gesundheitsprodukten und Fragen der Produktsicherheit. Mein Zugang zu Cannabis war aber nie nur theoretisch. Vor einigen Jahren habe ich in den USA ein Caregiver-Projekt für medizinisches Cannabis aufgebaut. Dort habe ich Patientinnen und Patienten direkt betreut und die medizinischen Cannabisprodukte für sie hergestellt. Diese Erfahrung hat meinen Blick auf Cannabis stark erweitert. Ich habe gesehen, dass die Pflanze für manche Menschen eine wichtige therapeutische Rolle spielen kann – gleichzeitig aber auch, wie entscheidend Dosierung, Konsumform und ein verantwortungsvoller Umgang sind.
Auf der anderen Seite bin ich auch ein Kind meiner Generation. Ich bin in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren mit Haschisch und Joints aufgewachsen. Damals war die Situation ganz anders als heute. Es gab vergleichsweise wenig hochwertige Blüten auf dem Markt, und in vielen Regionen bestand der Konsum überwiegend aus Haschisch. Dieses wurde fast automatisch mit Tabak gemischt.
Für uns war Tabak damals weniger ein eigenes Suchtmittel als vielmehr ein Werkzeug zum Konsumieren. Er gehörte zum Joint wie die Papers oder der Filter. Man hat ihm kaum Aufmerksamkeit geschenkt und praktisch nie darüber gesprochen, ob er selbst eine Abhängigkeit aufrechterhalten könnte. Der Fokus lag immer auf dem Cannabis oder dem Haschisch – der Tabak war einfach „das, womit man es raucht“.
Gerade deshalb habe ich seine Bedeutung über viele Jahre unterschätzt. Wenn man mit dieser Konsumkultur sozialisiert wurde, hinterfragt man sie oft nicht. Man denkt nicht: „Ich konsumiere Cannabis und Tabak.“ Man denkt einfach: „Ich rauche einen Joint.“ Genau darin lag für mich die eigentliche Unsichtbarkeit des Nikotins. Erst viel später wurde mir klar, dass genau in dieser Selbstverständlichkeit ein wichtiger blinder Fleck liegt.
Wichtig ist mir dabei zu sagen, dass mein Leben nach außen nie dem klassischen Klischee eines „Dauerkiffers“ entsprach. Ich habe gearbeitet, wissenschaftlich und beruflich Verantwortung getragen, Sport gemacht und ein nach außen betrachtet völlig normales Leben geführt. Gerade das hat es für mich so schwierig gemacht, mein eigenes Konsumverhalten kritisch zu hinterfragen. Denn Sucht zeigt sich nicht immer darin, dass jemand sein Leben nicht mehr im Griff hat. Man kann funktionieren, leistungsfähig wirken und trotzdem in Gewohnheiten gefangen sein, die einen stärker prägen, als man wahrhaben möchte.
Erst als ich begann, meinen eigenen Konsum ehrlich und systematisch zu beobachten, wurde mir klar, dass ein großer Teil dessen, was ich für ein Cannabisproblem hielt, in Wirklichkeit eng mit Nikotin, Ritualen, Gewohnheiten und Konditionierung verbunden war.
Diese Erkenntnis war für mich ein Wendepunkt. Ich begann, Tabak und Cannabis bewusst zu trennen, alternative Konsumformen auszuprobieren und mich intensiver mit dem Thema Schadensminimierung zu beschäftigen. Dabei ging es mir immer weniger um die Frage „Cannabis ja oder nein?“, sondern immer mehr um die Frage: Wie kann man bewusster, ehrlicher und mit möglichst wenig Schaden konsumieren?
Mir geht es deshalb nicht darum, Menschen zu verurteilen oder ihnen Cannabis grundsätzlich auszureden. Ich möchte helfen, Konsum bewusster zu gestalten, Risiken zu reduzieren und offen über Themen zu sprechen, die in der Cannabis-Community oft übersehen werden – insbesondere die Rolle des Tabaks im Joint, die Bedeutung des Verbrennungsprozesses und die Frage, wie viel Freiheit man zurückgewinnen kann, wenn man diese Zusammenhänge wirklich versteht.
Was hat dich persönlich motiviert, ein Buch über Tabak im Joint zu schreiben?
Die Motivation war letztlich eine Mischung aus persönlicher Erkenntnis, Frustration und irgendwann auch echter Sorge um meine Gesundheit. Ich habe über viele Jahre geglaubt, dass ich vor allem am Cannabis hänge. Gleichzeitig habe ich immer wieder versucht, meinen Konsum zu reduzieren, und gemerkt, wie schwer mir das fiel. Erst als ich den Tabak konsequent hinterfragt habe, wurde mir klar, dass ich seine Rolle massiv unterschätzt hatte.
Besonders prägend war die Erkenntnis, dass viele Symptome, die ich dem Cannabis zugeschrieben hatte – das ständige Verlangen, die Unruhe, das ritualhafte Bedürfnis zu konsumieren – zu einem großen Teil mit Nikotin und den eingeübten Joint-Gewohnheiten zusammenhingen.
Dazu kam ein gesundheitlicher Aspekt, den ich irgendwann nicht mehr verdrängen konnte. Ich wurde vom ständigen Rauchen zunehmend kränker, bekam immer mehr Warnsignale und musste mich mehrfach ärztlich mit meiner Lunge auseinandersetzen. Es stand eine beginnende COPD im Raum, außerdem gab es den Verdacht auf Veränderungen in der Lunge. Besonders widersprüchlich war für mich, dass ich gleichzeitig sehr viel Ausdauersport machte und trotzdem mit Problemen wie erhöhtem Blutdruck konfrontiert war.
Das hat bei mir einen inneren Konflikt ausgelöst. Einerseits versuchte ich, durch Sport, gesunde Ernährung und einen bewussten Lebensstil etwas für meine Gesundheit zu tun. Andererseits inhalierte ich Tag für Tag Rauch und Verbrennungsprodukte. Irgendwann konnte ich diesen Widerspruch nicht mehr wegdiskutieren.
Ich begann daraufhin, meinen Konsum systematisch zu beobachten, Tabak und Cannabis bewusst zu entkoppeln und alternative Konsumformen auszuprobieren. Dabei veränderte sich nicht nur mein Konsum, sondern mein gesamtes Verhältnis zu Cannabis. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wirklich unterscheiden zu können, was Cannabis ist, was Nikotin ist und was einfach jahrelang antrainierte Gewohnheit war. Das war für mich ein echter Aha-Moment.
Das Buch entstand, weil ich gemerkt habe, dass sehr viele Menschen vermutlich dieselbe Erfahrung machen, ohne sie richtig einordnen zu können. In Gesprächen hörte ich immer wieder den Satz: „Ich rauche ja nur Cannabis.“ Genau dieser Satz hat mich nicht mehr losgelassen.
Ich wollte deshalb kein Buch schreiben, das moralisiert oder Angst macht. Ich wollte ein ehrliches Buch schreiben – über die versteckte Rolle des Nikotins im Joint, über Selbsttäuschung, über Gewohnheiten und darüber, wie viel Freiheit entstehen kann, wenn man beginnt, diese Zusammenhänge wirklich zu verstehen.
„Ich möchte Menschen nicht sagen, was sie tun müssen, sondern ihnen helfen, die richtigen Fragen zu stellen: Warum konsumiere ich gerade? Was suche ich eigentlich? Welche Rolle spielt das Ritual, welche das Nikotin und welche das Cannabis selbst?“
Welche Erfahrungen haben deinen Blick auf den Cannabiskonsum besonders geprägt?
Am stärksten geprägt hat mich die Erfahrung, wie unterschiedlich Cannabis wirken kann – je nachdem, wie und womit es konsumiert wird. Über viele Jahre war der Joint mit Tabak für mich selbstverständlich. Ich dachte, das sei einfach „Cannabiskonsum“. Erst als ich begann, Tabak und Cannabis bewusst zu trennen, merkte ich, dass sich nicht nur das Verlangen, sondern die gesamte Konsumerfahrung verändert.
Eine wichtige Erkenntnis war, dass ich ohne Tabak deutlich weniger automatisch konsumierte. Der Griff zum Joint war oft nicht mehr so impulsiv, sondern wurde häufiger zu einer bewussten Entscheidung. Das hat meinen Blick auf Gewohnheiten, Rituale und Konditionierung grundlegend verändert.
Gleichzeitig gab es eine Phase, die ich im Buch sehr offen beschreibe und die für mich wahrscheinlich die prägendste überhaupt war. Ich wusste eigentlich längst, dass das ständige Verbrennen von Tabak und Cannabis meiner Lunge nicht guttut. Arztbesuche, Warnsignale wie eine beginnende COPD, der Verdacht auf Veränderungen in der Lunge und gleichzeitig ein erhöhter Blutdruck – trotz viel Ausdauersport – haben mir das immer wieder vor Augen geführt. Und trotzdem habe ich weitergeraucht.
Gerade dieser Widerspruch zwischen Wissen und Verhalten hat mich am meisten verzweifeln lassen.
Schon Jahre zuvor hatte ich mit dem Rennradfahren begonnen – ursprünglich als Ausgleich zum Rauchen. Im Rückblick war das eine merkwürdige Logik: als könnte man eine Stunde auf dem Rennrad mit einer Schachtel Joints kompensieren. Anfangs war es tatsächlich eher ein Gegengewicht zu meinem Konsum. Doch daraus entwickelte sich mit der Zeit eine echte Leidenschaft. Training, Ausdauer, Leistungsfähigkeit und Regeneration wurden für mich immer wichtiger.
Je mehr ich mich dem Rennradfahren widmete, desto deutlicher spürte ich den Widerspruch zwischen dem, was ich für meine Gesundheit tat, und dem, was ich ihr gleichzeitig durch das ständige Verbrennen zufügte. Irgendwann entstand ein neuer innerer Antrieb: Ich wollte nicht nur weniger schaden, sondern besser atmen, besser regenerieren und besser Rad fahren können.
Zum ersten Mal war die Motivation nicht Verzicht, sondern ein Gewinn: bessere Atmung, bessere Regeneration und mehr Leistungsfähigkeit.
Der entscheidende Schritt war für mich nicht zuerst der Verzicht auf Cannabis, sondern die Entscheidung, den Verbrennungsprozess aus meinem Leben zu entfernen. Dabei wurde mir klar, wie tief Ritual, Nikotin und jahrelange Gewohnheiten miteinander verknüpft waren. Genau deshalb war dieser Schritt emotional viel schwerer, als ich es mir zuvor vorgestellt hatte.
Als ich das verstanden habe, hat sich mein Blick auf Abhängigkeit grundlegend verändert. Mir wurde klar, dass es oft nicht an fehlendem Wissen scheitert. Viele Menschen wissen erstaunlich genau, was ihnen schadet. Die eigentliche Schwierigkeit liegt darin, eingefahrene Muster zu durchbrechen, die über Jahre oder Jahrzehnte Teil des eigenen Alltags geworden sind.
Heute sehe ich den Rauchstopp nicht mehr als Verzicht, sondern als einen Schritt zu mehr Gesundheit, mehr Leistungsfähigkeit – und letztlich auch zu mehr Freiheit.
Worauf legst du bei deiner Aufklärungsarbeit besonderen Wert?
Mir ist besonders wichtig, nicht zu moralisieren. Viele Menschen schalten sofort ab, wenn sie das Gefühl haben, belehrt oder verurteilt zu werden. Ich komme selbst aus der Praxis und weiß, dass Konsumverhalten selten einfach nur „gut“ oder „schlecht“ ist.
Deshalb lege ich großen Wert auf Ehrlichkeit und Selbstbeobachtung. Ich möchte Menschen nicht sagen, was sie tun müssen, sondern ihnen helfen, die richtigen Fragen zu stellen: Warum konsumiere ich gerade? Was suche ich eigentlich? Welche Rolle spielt das Ritual, welche das Nikotin und welche das Cannabis selbst?
Ein weiterer zentraler Punkt ist für mich die Schadensminimierung. Nicht jeder will oder muss vollständig abstinent leben. Oft kann schon viel gewonnen werden, wenn Tabak reduziert, Konsumformen verändert oder automatische Gewohnheiten durch bewusste Entscheidungen ersetzt werden. Gerade Vaporizer, tabakfreie Mischungen oder klare Konsumregeln können für manche Menschen einen großen Unterschied machen.
Und schließlich versuche ich, persönliche Erfahrungen mit wissenschaftlichem Wissen zu verbinden. Einzelne Erlebnisse sind wichtig, aber sie sollten nicht als allgemeingültige Wahrheit verkauft werden. Umgekehrt bleibt reine Theorie oft abstrakt. Ich glaube, gute Aufklärung entsteht genau dort, wo Erfahrung, Offenheit und wissenschaftliche Einordnung zusammenkommen.
Was möchtest du mit deinem Buch vor allem erreichen?
Mein wichtigstes Ziel ist, dass Menschen ihren eigenen Konsum ehrlicher betrachten können. Ich möchte keinen Kreuzzug gegen Cannabis führen und auch niemandem den Genuss verbieten. Das Buch soll vielmehr einen blinden Fleck sichtbar machen: die Rolle des Tabaks im Joint.
Wenn Leserinnen und Leser nach der Lektüre zum ersten Mal ernsthaft überlegen, ob ihr Verlangen wirklich vom Cannabis oder vielleicht zu einem großen Teil vom Nikotin und vom Ritual kommt, dann hat das Buch bereits etwas erreicht.
Ich wünsche mir außerdem, dass das Thema Schadensminimierung stärker in den Mittelpunkt rückt. In der öffentlichen Debatte geht es oft nur um „dafür oder dagegen“. Die Frage, wie Menschen ihren Konsum risikoärmer, bewusster und selbstbestimmter gestalten können, bekommt dagegen viel zu wenig Aufmerksamkeit.
Und ganz persönlich hoffe ich, dass sich manche Leser in meiner Geschichte wiedererkennen und merken: Sie sind mit diesem inneren Konflikt nicht allein. Viele Menschen konsumieren Cannabis, möchten aber gleichzeitig gesünder leben, besser schlafen, leistungsfähiger sein oder mehr Kontrolle über ihre Gewohnheiten gewinnen. Das Buch soll ihnen zeigen, dass Veränderung möglich ist – oft nicht durch radikale Verbote, sondern durch das Verständnis der eigenen Muster.
Der Titel deines Buches lautet „ICH RAUCHE JA NUR CANNABIS: DIE WAHRHEIT ÜBER TABAK IM JOINT“. Warum wird das Thema Tabak im Zusammenhang mit Cannabis deiner Meinung nach noch immer so selten offen diskutiert?
Ich glaube, weil sich über Jahrzehnte eine kulturelle Gewohnheit etabliert hat. Im deutschsprachigen Raum ist der Joint mit Tabak für viele Menschen der Normalfall. Was normal erscheint, wird selten hinterfragt.
Hinzu kommt, dass in der Cannabisdebatte häufig andere Themen im Vordergrund stehen: Legalisierung, Jugendschutz, Strafrecht oder die medizinische Nutzung. Der Tabak verschwindet dabei gewissermaßen im Hintergrund, obwohl er bei sehr vielen Konsumentinnen und Konsumenten ein fester Bestandteil des Konsums ist.
Ein weiterer Punkt ist psychologisch. Wenn jemand sagt: „Ich rauche ja nur Cannabis“, grenzt er sich oft bewusst von der Vorstellung einer klassischen Raucher- oder Nikotinabhängigkeit ab. Genau deshalb wird die Rolle des Tabaks manchmal unterschätzt oder ungern angesprochen.
Mir geht es dabei nicht darum, Cannabis und Tabak gleichzusetzen. Aber ich halte es für problematisch, wenn wir über die Risiken des Cannabiskonsums sprechen, ohne den Tabak im Joint mitzudenken. Eine offene Diskussion darüber ist aus meiner Sicht keine Panikmache, sondern ein wichtiger Schritt zu einer ehrlicheren und realistischeren Aufklärung.
Viele Konsumentinnen und Konsumenten verbinden ihren Cannabisgebrauch ganz selbstverständlich mit Tabak. Welche Rolle spielt Nikotin dabei aus deiner Sicht und welche Erfahrungen hast du selbst gemacht?
Aus meiner Sicht spielt Nikotin bei vielen Menschen eine deutlich größere Rolle, als ihnen bewusst ist. Im Joint wirkt es nicht nur als Zusatzstoff, sondern oft als Verstärker von Ritual, Gewohnheit und Verlangen. Das Gehirn lernt sehr schnell, den Geschmack, den Geruch, das Drehen des Joints und die Wirkung von Cannabis mit Nikotin zu verknüpfen.
Meine eigene Erfahrung war genau das. Ich war lange überzeugt, dass ich in erster Linie Cannabis konsumieren wollte. Erst als ich versuchte, den Tabak wegzulassen, merkte ich, wie stark bestimmte Impulse eigentlich mit Nikotin verbunden waren. Das betraf nicht nur das körperliche Verlangen, sondern auch das Bedürfnis nach dem Ritual: etwas zu drehen, in die Hand zu nehmen und regelmäßig daran zu ziehen.
Besonders interessant fand ich, dass sich mein Cannabiskonsum nach der Trennung von Tabak deutlich verändert hat. Ich konsumierte weniger automatisch, brauchte geringere Mengen und konnte bewusster entscheiden, ob ich überhaupt konsumieren möchte.
Gleichzeitig gewann ich etwas zurück, das ich vorher gar nicht richtig wahrgenommen hatte: Freiheit. Nach dem Nikotinverzicht war ich innerlich deutlich weniger gestresst, weil sich nicht mehr ständig alles um den nächsten Joint oder den nächsten Konsummoment drehte. Dieses ständige gedankliche Kreisen um den nächsten Konsum wurde plötzlich viel leiser. Ich hatte vorher geglaubt, Cannabis entspanne mich. Im Rückblick habe ich verstanden, dass ein Teil des Stresses überhaupt erst durch die Nikotinabhängigkeit und die ständige Erwartung des nächsten Konsums entstand.
Das bedeutet nicht, dass Cannabis keine eigene Anziehungskraft hat. Aber bei mir wurde deutlich, dass Nikotin einen erheblichen Teil der Dynamik aufrechterhalten hat – nicht nur körperlich, sondern auch mental. Genau diese Erfahrung höre ich inzwischen auch von vielen anderen Menschen: Sobald Tabak und Cannabis entkoppelt werden, verändert sich oft nicht nur der Nikotinkonsum, sondern das gesamte Verhältnis zum Cannabis.
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Du sprichst von einer „versteckten Nikotinsucht“. Woran können Betroffene erkennen, dass möglicherweise nicht das Cannabis, sondern der Tabak die eigentliche Abhängigkeit aufrechterhält?
Ein mögliches Warnzeichen ist, wenn das Verlangen vor allem nach dem Joint selbst entsteht – also nach dem Drehen, Anzünden und Rauchen – und weniger nach einer klaren Cannabiswirkung. Viele merken auch, dass sie sehr häufig konsumieren, obwohl sie gar nicht jedes Mal wirklich berauscht sein möchten.
Typisch kann außerdem sein, dass tabakfreier Cannabiskonsum deutlich weniger attraktiv wirkt. Wenn ein Vaporizer oder reines Cannabis „nicht dasselbe“ ist, lohnt es sich zu hinterfragen, welcher Anteil davon tatsächlich mit Nikotin zusammenhängt.
Ein weiterer Hinweis ist die Reaktion auf den Wegfall von Tabak: starke Unruhe, Reizbarkeit, innerer Druck oder das Gefühl, ständig etwas rauchen zu müssen. Diese Symptome werden oft automatisch dem Cannabis zugeschrieben, obwohl sie sehr gut zu einem Nikotinentzug passen können.
Bei mir war der entscheidende Schritt die bewusste Entkopplung von Nikotin und Cannabis. Das habe ich nicht von heute auf morgen geschafft, sondern mithilfe eines Nikotinpflasters. Dadurch bekam mein Körper weiterhin Nikotin, ohne dass ich Tabak rauchen musste. Erst in diesem Zustand konnte ich ehrlich beobachten, wie viel meines Verlangens tatsächlich am Joint-Ritual und wie viel am Cannabis hing.
Diese Erfahrung war für mich sehr aufschlussreich: Als der Tabak wegfiel, wurde mein Cannabiskonsum deutlich weniger zwanghaft. Ich konsumierte bewusster, brauchte geringere Mengen und hatte nicht mehr ständig das Bedürfnis, einen Joint zu rauchen. Genau deshalb halte ich die Entkopplung von Nikotin und Cannabis für einen wichtigen Selbsttest für Menschen, die ihre eigene Abhängigkeit besser verstehen möchten.
Wichtig ist mir dabei: Das ist keine Ferndiagnose für alle Konsumierenden. Aber ich glaube, viele Menschen haben diese Möglichkeit noch nie ernsthaft geprüft. Genau dazu möchte ich mit dem Buch ermuntern.
In den vergangenen Jahren haben sich alternative Konsumformen wie Vaporizer oder tabakfreie Kräutermischungen stärker verbreitet. Welche Entwicklungen beobachtest du und welche Möglichkeiten siehst du für Menschen, die auf Tabak verzichten möchten?
Ich beobachte ganz klar, dass das Bewusstsein für Schadensminimierung wächst. Vor einigen Jahren wurde der Joint mit Tabak in vielen Kreisen kaum hinterfragt. Heute interessieren sich deutlich mehr Menschen für Vaporizer, tabakfreie Mischungen oder generell für die Frage, wie sie Cannabis mit weniger gesundheitlicher Belastung konsumieren können.
Besonders Vaporizer halte ich für eine wichtige Entwicklung. Sie trennen Cannabis vom Verbrennungsprozess und machen es vielen Konsumentinnen und Konsumenten überhaupt erst möglich, Cannabis ohne Tabak zu nutzen. Gleichzeitig berichten viele, dass sie ihren Konsum besser dosieren können und weniger automatisch konsumieren.
Bei tabakfreien Kräutermischungen sehe ich Licht und Schatten. Für manche Menschen können sie eine hilfreiche Übergangslösung sein, weil das Joint-Ritual erhalten bleibt. Man sollte aber auch ehrlich sagen, dass weiterhin etwas verbrannt wird und nicht jede Kräutermischung automatisch unproblematisch ist. Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass der Tabak ersetzt wird – nicht einfach nur durch ein anderes beliebiges Rauchprodukt.
Aus meiner eigenen Erfahrung war der wichtigste Schritt nicht der perfekte Vaporizer oder die perfekte Mischung, sondern die Entkopplung von Nikotin und Cannabis. Erst dadurch konnte ich herausfinden, wie mein tatsächliches Verhältnis zu Cannabis aussieht.
Menschen, die auf Tabak verzichten möchten, würde ich deshalb empfehlen, nicht alles gleichzeitig ändern zu wollen. Oft ist es sinnvoller, zuerst den Tabak konsequent zu entfernen, das Konsumverhalten einige Wochen zu beobachten und dann zu entscheiden, welche Konsumform langfristig am besten zum eigenen Leben passt.
Welche Missverständnisse begegnen dir im Zusammenhang mit Cannabis, Tabak und Schadensminimierung am häufigsten?
Das häufigste Missverständnis ist für mich, dass viele Menschen den Tabak im Joint gar nicht als eigentlichen Risikofaktor wahrnehmen. Sie sagen: „Ich rauche ja nur Cannabis“ – obwohl Cannabis gemeinsam mit Tabak verbrannt und inhaliert wird. Aus meiner Sicht wird die Mischung aus Cannabis, Nikotin und Verbrennungsprodukten oft deutlich unterschätzt.
Ein zweites Missverständnis ist die Vorstellung, dass verbranntes reines Cannabis automatisch harmlos oder sogar gesund sei. Diese Haltung begegnet mir besonders in Teilen der internationalen Cannabis-Community, vor allem dort, wo Cannabis stark positiv besetzt ist. Ich halte das für zu einfach. Die Pflanze selbst und der Prozess des Verbrennens sind zwei unterschiedliche Dinge.
Wenn organisches Material verbrannt wird – egal ob Tabak oder Cannabis –, entstehen Verbrennungsprodukte, die die Atemwege belasten. Genau diese Erkenntnis hat meinen eigenen Konsum stark verändert. Ich habe irgendwann verstanden, dass nicht nur der Tabak, sondern auch der Verbrennungsprozess selbst ein zentraler Punkt ist. Das war ein wichtiger Grund, warum ich versucht habe, das Rauchen zunehmend aus meinem Konsum zu verbannen und auf andere Konsumformen umzusteigen.
Für mich bedeutet Schadensminimierung deshalb nicht, Cannabis zu verteufeln, sondern möglichst ehrlich zu fragen: Welche Risiken entstehen durch den Stoff selbst, welche durch das Nikotin und welche durch das Verbrennen? Erst wenn man diese Ebenen trennt, kann man aus meiner Sicht wirklich bewusste Entscheidungen treffen.
Was hoffst du, dass Leserinnen und Leser nach der Lektüre deines Buches anders sehen oder vielleicht sogar in ihrem eigenen Konsumverhalten überdenken?
Ich hoffe vor allem, dass Leserinnen und Leser anfangen, ihren Konsum nicht mehr automatisch als „Cannabisproblem“ oder „kein Problem“ einzuordnen, sondern genauer hinschauen. Viele von uns übernehmen Gewohnheiten, ohne sie jemals wirklich zu hinterfragen – besonders die Verbindung von Cannabis, Tabak und dem Ritual des Rauchens.
Wenn jemand nach dem Lesen zum ersten Mal ausprobiert, Cannabis ohne Tabak zu konsumieren, den eigenen Konsum bewusster zu beobachten oder sich ehrlich fragt: „Wonach greife ich eigentlich gerade – nach Cannabis, nach Nikotin oder nach dem Ritual?“, dann hat das Buch seinen Zweck erfüllt.
Ich wünsche mir auch, dass Menschen erkennen, dass Veränderung nicht immer radikal beginnen muss. Bei mir war es kein plötzlicher kompletter Verzicht, sondern zunächst die Entkopplung von Nikotin und Cannabis. Erst dadurch konnte ich überhaupt verstehen, wie mein eigenes Konsumverhalten funktioniert.
Und vielleicht der wichtigste Punkt: Ich hoffe, dass Leserinnen und Leser Cannabis differenzierter sehen. Nicht als dämonische Droge, aber auch nicht als grundsätzlich gesundes Rauchprodukt. Die entscheidende Frage ist aus meiner Sicht nicht nur ob konsumiert wird, sondern wie, womit und wie bewusst.
Welches Missverständnis rund um Cannabis oder Schadensminimierung würdest du gerne aus der Welt schaffen?
Das Missverständnis, das ich am liebsten aus der Welt schaffen würde, ist die Idee, dass Schadensminimierung automatisch bedeutet, Cannabis als harmlos oder gesund darzustellen.
Für mich heißt Schadensminimierung etwas ganz anderes: Risiken möglichst ehrlich zu erkennen und dort zu reduzieren, wo es sinnvoll möglich ist. Gerade beim Rauchen werden oft mehrere Dinge miteinander vermischt – die Wirkung von Cannabis, die Wirkung von Nikotin und die Folgen des Verbrennungsprozesses.
Ich glaube, viele Menschen denken in zwei Extremen: Entweder Cannabis ist gefährlich und man sollte gar nicht konsumieren, oder Cannabis ist natürlich und deshalb praktisch unproblematisch. Die Realität liegt aus meiner Sicht dazwischen.
Besonders wichtig ist mir die Erkenntnis, dass das Verbrennen selbst ein zentraler Faktor ist. Lange Zeit habe ich das unterschätzt. Erst als ich mich intensiver mit meinem eigenen Konsum beschäftigt habe, wurde mir klar, dass nicht nur der Tabak, sondern auch das Inhalieren von Verbrennungsprodukten eine Rolle spielt. Diese Einsicht hat mich letztlich dazu gebracht, den Verbrennungsprozess weitgehend aus meinem Konsum zu entfernen.
Ich möchte also weder Cannabis verteufeln noch romantisieren. Mein Anliegen ist eine nüchterne, differenzierte Betrachtung: Welche Risiken entstehen durch Cannabis selbst, welche durch Nikotin und welche durch das Rauchen beziehungsweise Verbrennen? Genau diese Trennung fehlt in vielen Diskussionen noch immer.
Welchen Rat gibst du Menschen, die ihren Cannabiskonsum bewusster gestalten oder auf Tabak verzichten möchten?
Mein erster Rat wäre: Nicht alles gleichzeitig ändern wollen. Viele setzen sich unter enormen Druck und versuchen von heute auf morgen Cannabis, Tabak, Rituale und Gewohnheiten komplett zu streichen. Das kann funktionieren, macht den Weg aber oft unnötig schwer.
Ich würde außerdem versuchen, die Veränderung nicht als Zwang oder Verbot zu betrachten, sondern als ein Experiment an sich selbst. Genau dieser Perspektivwechsel war für mich entscheidend. Statt zu denken: „Ich darf das nicht mehr“, habe ich begonnen zu fragen: „Was passiert eigentlich, wenn ich Tabak und Cannabis trenne? „Wie verändern sich mein Verlangen, mein Schlaf, meine Stimmung oder meine Leistungsfähigkeit?“ Neugier war für mich hilfreicher als Druck.
Der wichtigste praktische Schritt war die Entkopplung von Tabak und Cannabis. Ich habe dafür vorübergehend ein Nikotinpflaster genutzt, um den Nikotinentzug vom eigentlichen Cannabiskonsum zu trennen. Dadurch konnte ich viel ehrlicher beobachten, wonach ich wirklich Verlangen hatte: nach Cannabis, nach Nikotin oder nach dem Ritual des Rauchens.
Wichtig war für mich auch, die auftretenden Symptome nicht nur als „Entzug“ zu sehen. Ich habe das eher als einen Umbauprozess verstanden. Mein Körper und mein Gehirn mussten sich nach Jahren der Konditionierung neu organisieren. Diese Sichtweise hat mir geholfen, Beschwerden nicht als Zeichen des Scheiterns zu interpretieren, sondern als Teil eines Heilungs- und Anpassungsprozesses – als den Weg zurück zu einem normaleren, weniger von Nikotin und Ritualen gesteuerten Zustand.
Außerdem empfehle ich, den eigenen Konsum einige Wochen lang bewusst zu beobachten: Wann konsumiere ich? Aus welchem Gefühl heraus? Was erwarte ich davon? Allein diese Selbstbeobachtung verändert oft schon sehr viel.
Eine Frage, die für mich persönlich bis heute zentral geblieben ist, lautet:
„Will ich das in diesem Moment wirklich – oder folge ich nur einem alten Muster? „Und bringt mich diese Entscheidung meinem langfristigen Ziel näher?“
Diese Frage klingt einfach, hat aber bei mir viel verändert. Sie unterbricht den Automatismus. Oft merkt man erst in diesem kurzen Moment des Innehaltens, ob man gerade aus einem echten Bedürfnis heraus handelt oder nur einem eingeübten Muster folgt.
Und ich würde Menschen ermutigen, den Verbrennungsprozess ernsthaft zu hinterfragen. Für mich war das ein Wendepunkt. Ich hatte lange versucht, mögliche Folgen durch Sport, gesunde Ernährung und einen insgesamt bewussten Lebensstil auszugleichen. Irgendwann wurde mir klar, dass die naheliegendste Veränderung darin besteht, den Rauch selbst möglichst aus dem Konsum zu entfernen.
Am Ende war meine Motivation nicht mehr nur, auf etwas zu verzichten. Ich wollte etwas gewinnen: bessere Atmung, bessere Regeneration, mehr Leistungsfähigkeit auf dem Rennrad, weniger inneren Stress – und vor allem mehr Freiheit im Alltag.
Deshalb ist mein wichtigster Rat: Sei ehrlich zu dir, aber nicht hart zu dir. Veränderung muss nicht perfekt sein.
Sie beginnt oft mit einem einzigen neugierigen Gedanken:
„Wie würde sich mein Leben anfühlen, wenn ich diese Gewohnheit einmal anders gestalte?“
Arbeitest du bereits an weiteren Projekten oder Themen, auf die sich deine Leserinnen und Leser freuen können?
Im Moment steht für mich vor allem der Austausch mit den Leserinnen und Lesern im Vordergrund. Ich merke, dass das Thema Tabak im Joint, Nikotin und Schadensminimierung bei vielen Menschen einen Nerv trifft. Deshalb sammle ich derzeit sehr viele Rückmeldungen und Erfahrungen aus der Praxis.
Inhaltlich interessieren mich besonders die Themen Gewohnheitsbildung, Konditionierung und die Entkopplung von Substanz und Ritual. Ich glaube, dass darin noch viel Potenzial für Aufklärung steckt – nicht nur beim Cannabis, sondern generell bei Konsumverhalten.
Außerdem beschäftige ich mich weiterhin intensiv mit schadensärmeren Konsumformen und der Frage, wie man wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich in den Alltag übersetzen kann. Mir ist wichtig, dass Aufklärung nicht nur theoretisch bleibt, sondern Menschen konkrete Werkzeuge an die Hand gibt.
Ob daraus ein weiteres Buch entsteht, kann ich im Moment noch nicht sicher sagen. Ideen gibt es einige. Aber ich möchte nichts überstürzen. Mein Anspruch ist, nur über Themen zu schreiben, die ich entweder wissenschaftlich fundiert einordnen kann oder mit eigener Erfahrung wirklich durchlebt habe.
Was wünschst du dir persönlich für die Zukunft von Cannabis, Hanf und der gesamten Cannabisbranche in Deutschland?
Ich wünsche mir vor allem eine erwachsene und ehrliche Cannabiskultur. Weg von Ideologie, weg von Schwarz-Weiß-Debatten und hin zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit Nutzen, Risiken und Verantwortung.
Für die Branche wünsche ich mir mehr Qualität, Transparenz und wissenschaftliche Orientierung. Deutschland hat die Chance, nicht nur einen Markt aufzubauen, sondern Standards zu setzen – bei Produktsicherheit, Aufklärung, Forschung und Verbraucherschutz. Gerade im Hanfbereich sehe ich enormes Potenzial, das weit über den Freizeitkonsum hinausgeht.
Gleichzeitig hoffe ich, dass Schadensminimierung ein selbstverständlicher Teil der Cannabisdebatte wird. Wir sprechen viel über Legalisierung, aber oft zu wenig darüber, wie Menschen risikoärmer konsumieren können. Dazu gehört für mich auch eine offene Diskussion über Tabak im Joint, Nikotinabhängigkeit und den Verbrennungsprozess.
Ich wünsche mir außerdem, dass Konsumentinnen und Konsumenten nicht bevormundet, sondern ernst genommen werden. Gute Aufklärung sollte Menschen befähigen, informierte Entscheidungen zu treffen, anstatt sie mit Angst oder Ideologie zu steuern.
Und ganz persönlich hoffe ich, dass Cannabis wieder stärker als das gesehen wird, was es für mich heute ist: eine Pflanze, die respektvoll und bewusst genutzt werden kann – aber nicht etwas, das automatisch gesund ist oder unkritisch konsumiert werden sollte. Wenn wir diesen differenzierten Blick gesellschaftlich etablieren würden, wäre für mich schon sehr viel gewonnen.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Buch-Bestellung findest du hier: https://www.amazon.de/dp/B0H4N4B4NF
Fazit: Schadensminimierung beginnt mit einem ehrlichen Blick auf den eigenen Konsum
Das Interview mit Christoph Lentz zeigt, wie komplex das Zusammenspiel zwischen Cannabis, Tabak, Nikotin und eingeübten Konsumritualen sein kann. Gerade der klassische Joint wird häufig als eine einzige Konsumform wahrgenommen. Tatsächlich treffen dabei jedoch unterschiedliche Faktoren aufeinander, die getrennt betrachtet werden sollten.
Christophs persönliche Erfahrungen verdeutlichen, warum diese Unterscheidung wichtig sein kann. Lange Zeit führte er sein Verlangen hauptsächlich auf Cannabis zurück. Erst die bewusste Entkopplung von Cannabis und Tabak brachte ihn zu der Erkenntnis, dass Nikotin und das damit verbundene Ritual für sein eigenes Konsumverhalten eine wesentlich größere Rolle spielten, als er zuvor angenommen hatte.
Besonders interessant ist dabei sein Ansatz, die Diskussion nicht auf die einfache Frage „Cannabis ja oder nein?“ zu reduzieren. Schadensminimierung bedeutet für ihn vielmehr, unterschiedliche Risiken möglichst nüchtern zu betrachten. Dazu gehören die Wirkung von Cannabis, eine mögliche Nikotinabhängigkeit und die Belastungen, die mit dem Verbrennen und Inhalieren von Pflanzenmaterial verbunden sind. Cannabis soll dabei weder verteufelt noch als grundsätzlich unproblematisch dargestellt werden.
Seine Geschichte zeigt zugleich, wie stark Gewohnheiten unser Verhalten bestimmen können. Wer über Jahre Cannabis gemeinsam mit Tabak konsumiert, verbindet möglicherweise nicht nur zwei Substanzen miteinander, sondern auch Geschmack, Geruch, Wirkung und das gesamte Ritual des Drehens und Rauchens. Diese Verbindung überhaupt zu erkennen, kann bereits ein wichtiger Schritt sein, um den eigenen Konsum bewusster zu hinterfragen.
Genau darin liegt eine der zentralen Botschaften dieses Interviews: Aufklärung sollte nicht bevormunden, sondern Menschen dabei unterstützen, informierte Entscheidungen zu treffen. Christoph wünscht sich für Deutschland eine Cannabiskultur, in der Nutzen und Risiken gleichermaßen offen angesprochen werden und Themen wie Produktsicherheit, Forschung, Verbraucherschutz und Schadensminimierung selbstverständlich dazugehören.
Ich bedanke mich herzlich bei Christoph Lentz für das ausführliche und offene Interview sowie für die persönlichen Einblicke in ein Thema, über das innerhalb der Cannabis-Community sicherlich noch deutlich mehr gesprochen werden sollte.
Das Buch von Christoph Lentz
Wer sich intensiver mit der Verbindung zwischen Cannabis, Tabak, Nikotinabhängigkeit und Konsumgewohnheiten beschäftigen möchte, findet Christophs Erfahrungen und Gedanken ausführlich in seinem Buch „ICH RAUCHE JA NUR CANNABIS: DIE WAHRHEIT ÜBER TABAK IM JOINT“.
Weitere Informationen sowie die Möglichkeit zur Buch-Bestellung findest du hier: https://www.amazon.de/dp/B0H4N4B4NF
Quellen / Infos / Fotos: Christoph Lentz
Redaktioneller Hinweis: Die in diesem Interview geäußerten Meinungen, Einschätzungen und Aussagen stammen ausschließlich vom Interviewpartner und spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassung der Redaktion von Metaller.de wider. Das Interview dient der Information und dem Austausch unterschiedlicher Sichtweisen innerhalb der Cannabis-, Hanf- und CBD-Branche.
Du möchtest ebenfalls Teil unserer Interviewreihe werden?
Für die Interviewreihe auf Metaller.de suche ich weiterhin interessante Gesprächspartner aus der Hanf- und Cannabisbranche – darunter Unternehmen, Cannabis Social Clubs, Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Apotheken, Wissenschaftler sowie engagierte Persönlichkeiten aus der Community.
Ziel der Interviewreihe ist es, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen, Wissen zu vermitteln und Menschen zu Wort kommen zu lassen, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit Cannabis und Hanf beschäftigen.
Wenn du deine Geschichte oder dein Projekt vorstellen möchtest, freue ich mich über deine Nachricht. Weitere Informationen findest du hier:: Interviewpartner zu Cannabis, Hanf und CBD gesucht
Michael Färber beschäftigt sich seit 2018 intensiv mit Cannabis, Hanf und CBD. Er absolvierte den Master of Cannabis Industry sowie die Ausbildung zum ACM-zertifizierten Berater für Medikamente auf Cannabisbasis. Dieser Artikel wurde von ihm redaktionell erstellt und geprüft und basiert auf eigener Recherche, Pressemitteilungen, aktuellen News, wissenschaftlichen Studien, langjähriger Erfahrung sowie modernen Bild-, Recherche- und Textwerkzeugen. Weitere Informationen findest du hier: Autorenvorstellung von Michael Färber
