Wie viel Arbeit steckt tatsächlich hinter der Gründung eines Cannabis Social Clubs? Beim Verdevida e.V. aus Winsen (Luhe) lautet die Antwort: deutlich mehr, als Außenstehende vermutlich erwarten. Fast drei Jahre lang arbeitete das Team an seinem Konzept, plante eine eigene Containerhalle, führte Gespräche mit Behörden und Planungsbüros, bewältigte Genehmigungsverfahren und investierte unzählige Stunden in den Aufbau der Anbauanlage. Ende Juli 2026 konnte der Verein schließlich den Betrieb aufnehmen.
Tobias Küspert vom Verdevida e.V. Socialclub
Gegründet wurde der Verdevida e.V. im August 2024 von sieben Menschen, die unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten in das gemeinsame Projekt einbrachten. Während ein Teil des Teams bereits über umfangreiche Pflanzenkenntnisse verfügte, kamen weitere Kompetenzen aus der Vereinsarbeit, Elektrik, Klimatechnik und Sozialarbeit hinzu. Entstanden ist daraus ein Cannabis Social Club, der stark von Eigenleistung, handwerklichem Geschick und dem Prinzip „Learning by Doing“ geprägt ist.
Im Mittelpunkt steht für Verdevida nicht allein ein möglichst hoher THC-Gehalt. Der Verein möchte seinen Mitgliedern langfristig eine abwechslungsreiche Auswahl aus klassischen Sorten, modernen US-Genetiken und ursprünglichen Landrassen anbieten. Klare Wirkprofile, guter Geschmack sowie eine möglichst ökologische und nachhaltige Produktion spielen dabei eine wichtige Rolle. Gleichzeitig sollen Aufklärung, Suchtprävention, Jugendschutz und ein verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis fest in den Vereinsstrukturen verankert sein.
Doch der Weg von der Idee bis zur ersten geplanten Abgabe zeigt auch, mit welchen organisatorischen, finanziellen und rechtlichen Schwierigkeiten Anbauvereinigungen in Deutschland konfrontiert sind. Hohe Anfangsinvestitionen, umfangreiche Dokumentationspflichten, komplizierte Genehmigungsverfahren und ein strenges Werbeverbot treffen auf die Notwendigkeit, genügend Mitglieder für einen wirtschaftlich stabilen Betrieb zu gewinnen. Im Interview spricht Tobias Küspert, erster Vorstand des Verdevida e.V., offen über diese Herausforderungen, die Entstehung des Vereins, die ersten Anbauerfahrungen und die Frage, was einen Cannabis Social Club künftig wirklich zu einem sozialen und gemeinschaftlichen Ort machen kann.
Weitere Informationen über den Verein, aktuelle Einblicke in den gemeinschaftlichen Anbau und Neuigkeiten aus Winsen (Luhe) findest du auf der offiziellen Website des Verdevida e.V. sowie auf dem Instagram-Kanal @verdevida_socialclub.
Interview mit Tobias Küspert vom Verdevida e.V. Social Club
Bitte stellt euch und den Verdevida e.V. kurz vor.
Hallo, ich bin Tobi von Verdevida e.V.. Aktuell bin ich der 1. Vorstand und für die Mitglieder-/ Vereinsverwaltung und Kommunikation zuständig. Verdevida e.V. ist im August 2024 mit insgesamt 7 Leuten gegründet. Unser Vereinssitz liegt in Niedersachsen zwischen Hamburg und Lüneburg im schönen Winsen (Luhe). Seit Juli 2026 sind wir jetzt öffentlich wirksam und produktionstechnisch gestartet und nehmen seitdem offiziell Mitglieder auf.
Wie entstand die Idee, einen Cannabis Social Club zu gründen?
Die Idee entstand mit dem Bruder meiner Freundin und mir. Wir waren schon immer von der Thematik Cannabis angetan und haben den Legalisierungsprozess von daher immer befürwortet und interessiert verfolgt. Als es dann möglich gewesen ist, einen Verein in diesem Bereich zu gründen, kam eins zum anderen.
Er verfügte bereits über umfangreiche Erfahrungen im Bereich Pflanzen und beschäftigte sich seit vielen Jahren intensiv mit diesem Thema. Schon lange hatte er den Wunsch, einen eigenen Social Club nach dem Vorbild vergleichbarer Modelle, wie sie beispielsweise aus Spanien bekannt sind, aufzubauen und seine Erfahrung in ein solches gemeinschaftliches Projekt einzubringen. Ich wiederum kannte mich mit den Prozessen der Vereinsgründung bestens aus, da ich schon in mehreren Vereinen aktiv war. Und so legten wir 2024 los. Im Laufe des Prozesses kamen dann Freunde dazu, die sich mit Themen wie der Elektrik oder Klimatechnik bestens auskannten, und so hat sich das Projekt immer weiterentwickelt.
Was hat euch persönlich motiviert euch für einen Cannabis Social Club zu engagieren?
Uns alle verbindet eine große Faszination für die Vielschichtigkeit der Cannabispflanze und ihre unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten, sei es als Nutz- und Rohstoffpflanze oder aufgrund ihrer besonderen botanischen Eigenschaften etc.
Gleichzeitig haben uns auch die negativen Begleiterscheinungen des Schwarzmarktes geprägt. Gerade für Konsumentinnen und Konsumenten wurde es in den vergangenen Jahren zunehmend schwieriger, Cannabis in verlässlicher und gleichbleibend guter Qualität zu erhalten. Fehlende Transparenz über Herkunft, Inhaltsstoffe und mögliche Verunreinigungen stellte dabei stets ein erhebliches Problem dar. Sowie auch das Auftun von besonderer Genetik mit klaren „Wirkprofilen“. Auch deshalb entstand bei uns der Wunsch, einen verantwortungsvollen, transparenten und gemeinschaftlich organisierten Umgang mit Cannabis zu fördern.
Welche Werte und Ziele stehen beim Verdevida e.V. im Mittelpunkt?
Wir legen Wert auf Cannabispflanzen mit klaren Wirkprofilen und einem überzeugenden Geschmack. Dabei möchten wir bewusst eine vielfältige Auswahl anbieten, von klassischen Old-School-Sorten über moderne US-Genetiken bis hin zu ursprünglichen Landrassen. Gleichzeitig stehen für uns eine möglichst ökologische, nachhaltige und verantwortungsvolle Produktion im Mittelpunkt.
Verdevida steht für eine bewusste und verantwortungsvolle Nutzung der Pflanze. Unser Verein schafft einen sicheren Raum, in dem Mitglieder ihre Interessen im Einklang rechtlicher Rahmenbedingungen ausleben können. Wir achten besonders auf Suchtprävention und den Schutz von Jugendlichen. Zuverlässigkeit und verantwortungsvolles Handeln sind
zentrale Werte unseres Vereins.
Wo möchtet ihr mit eurem Verein in den nächsten Jahren stehen?
Nach den Erfahrungen, die wir seit der Gründung und im gesamten Prozess gesammelt haben, wollen wir zunächst bewusst Schritt für Schritt vorgehen. Wichtig ist uns vor allem, stabile und langfristige Strukturen aufzubauen und uns in den kommenden Jahren qualitativ nachhaltig zu etablieren.
Der Aufbau eines Cannabis Social Clubs ist mit vielen organisatorischen und gesetzlichen Anforderungen verbunden. Welche Herausforderungen habt ihr bisher gemeistert und welche liegen noch vor euch?
Hmm, wo fange ich da an? 😅 Grundsätzlich ist wahrscheinlich die größte Herausforderung, ein solches Konzept überhaupt in die Realität umzusetzen. Da das Gesetz noch sehr neu ist, gibt es sowohl aufseiten der Behörden als auch bei den Vereinen viele offene Fragen und entsprechend große Hürden.
Die Suche nach geeigneten Räumlichkeiten war zum Beispiel von Anfang an ein großes Thema. Bei uns lag die größte Herausforderung allerdings darin, eine komplette Containerhalle genau auf unsere Bedürfnisse zu konzipieren und das mit einem sehr schmalen Budget. Gleichzeitig waren damit erhebliche finanzielle Verpflichtungen verbunden, die für einen noch jungen Verein keineswegs unerheblich sind und jede Planungsentscheidung zusätzlich erschwert haben. Da es auf dem Markt keine für uns passende Lösung für unser Vorhaben gab, haben wir die Halle letztlich selbst entwickelt und geplant. Was für ein Rattenschwanz damit verbunden sein würde, hatten wir so anfangs definitiv nicht auf dem Zettel.
Von Bauanträgen und Genehmigungen, die uns fast ein Jahr und einige Nerven gekostet haben, über Planungsbüros, die einen erst einmal mit großen Augen anschauen, wenn man von einem solchen Vorhaben erzählt, bis hin zu Entwässerungsvorgaben war wirklich alles dabei. Gerade weil eine solche Containerhalle in dieser Form kein übliches Gebäude ist, war das teilweise auch für die Baubehörde Neuland und entsprechend aufwendig in der Abstimmung.
Das Ganze dann noch neben dem normalen Job und Alltag zu meistern, war sicherlich eine der größten Herausforderungen. Gleichzeitig ist aber genau das auch das Spannende an dem Projekt und unser Motto bleibt weiterhin „Learning by Doing“.
Nach rund drei Jahren Vorarbeit und viel Geduld haben wir es Ende Juli 2026 schließlich geschafft und konnten unsere Anlage beziehungsweise unser Gelände in Betrieb nehmen. Aktuell steht natürlich der erste Grow ganz oben auf der Liste, denn unser nächstes großes Ziel ist endlich die erste Abgabe an unsere Mitglieder.
Zusätzlich liegt der Fokus jetzt verstärkt auf der Gewinnung neuer Mitglieder. Auch das ist durch die Vorgaben des KCanG und das damit verbundene Werbeverbot eine besondere Herausforderung. Die kommenden Monate werden für uns daher definitiv die spannendste und wahrscheinlich auch intensivste Phase bisher.
Aus unserer Sicht hätte man sich bei der Ausgestaltung des Gesetzes noch stärker damit beschäftigen können, welcher organisatorische und finanzielle Aufwand hinter der Umsetzung all dieser Anforderungen für einen normalen Verein steckt, insbesondere wenn ein Großteil der Arbeit nebenberuflich geleistet wird. Gleichzeitig gibt es kaum Möglichkeiten, ein von vorneherein wirtschaftlich tragfähigeres Modell aufzubauen, während der Zugang zu medizinischem Cannabis über Apotheken und Privatrezepte in vielen Bereichen deutlich einfacher gestaltet ist und beispielsweise auch ein Versand an Patienten möglich ist. Dieses Ungleichgewicht ist für uns durchaus ein Punkt, über den man künftig noch einmal sprechen muss!
Was unterscheidet den Verdevida e.V. von anderen Cannabis Social Clubs und was dürfen zukünftige Mitglieder von euch erwarten?
Wir sind, glaube ich, ein guter Mix aus DIY, Improvisation und handwerklichem Geschick, mit einem klaren Fokus auf Qualität. Unser Anspruch ist es dabei nicht, jedem Trend hinterherzulaufen oder ausschließlich auf möglichst hohe THC-Werte zu setzen.
Vielmehr möchten wir unseren Mitgliedern eine ausgewogene und interessante Sortenauswahl anbieten, mit einem Mix aus klassischen Old-School-Sorten, modernen US-Genetiken bis hin zu ursprünglichen Landrassen. Und zeitnah noch ein paar ausgewählte Produktpaletten an Haschisch hervorzubringen. Wichtig sind uns dabei vor allem klare Wirkprofile, guter Geschmack und eine möglichst ökologische und nachhaltige Produktion.
Langfristig soll der Verein aber mehr sein als nur eine Abgabestelle. Sobald wir uns weiter etabliert und gute Strukturen geschaffen haben, möchten wir auch gemeinschaftliche und kulturelle Angebote entwickeln. Ideen wie Kochkurse, Workshops oder andere Veranstaltungen gibt es bereits. Es bleibt also spannend.
Welche Bedeutung haben Aufklärung, Prävention und verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis in eurem Vereinskonzept?
Das ist natürlich auch ein großer Themenblock und den nehmen wir auch sehr ernst. Zum einen nehmen wir erst Mitglieder ab dem 21. Lebensjahr auf und zum anderen sind 2 ausgebildete Sozialarbeiter in unserem Team, die schon Erfahrung mit dem Thema Sucht, Aufklärung und Prävention haben. Das ist uns insgesamt ein Anliegen, auch zu zeigen, dass der Konsum verantwortungsvoll stattfinden kann in unserer Gesellschaft.
Aktuelle Angebote (Werbung):
Wie möchtet ihr eine aktive und lebendige Gemeinschaft innerhalb eures Vereins fördern und welche Angebote plant ihr neben dem gemeinschaftlichen Anbau?
Zum einen wird es in Zukunft sicher die Möglichkeit der Mitwirkung geben, sei es bei der Ernte oder auch bei der Ausgabe. Wenn wir erst einmal eine bestimmte Größe erreicht haben, brauchen wir jede Hilfe. Und ein Stück weit ist das ja auch Teil des KCanG. Wie vorhin schon erwähnt wollen wir auch Events innerhalb unseres Vereins möglich machen. Das Erste, was gerade im Raum steht, ist erst mal, einen Infoabend zu gestalten für Mitglieder und Interessierte zum Kennenlernen und Austauschen.
Welche Erwartungen habt ihr an die zukünftige Entwicklung der Cannabis Social Clubs in Deutschland und welche politischen oder gesetzlichen Verbesserungen würdet ihr euch wünschen?
Wie schon erwähnt, haben wir gelernt, nicht zu viel zu erwarten, sondern zunächst darauf zu schauen, dass wir als Verein langfristig bestehen und stabile Strukturen aufbauen können. Politisch würde aus unserer Sicht vor allem eine klarere Trennung zwischen Freizeitkonsum und Medizinalcannabis helfen. Gerade hier sehen wir noch erheblichen Nachholbedarf.
Wer Cannabis ohne medizinischen Bedarf konsumiert, sollte aus unserer Sicht stärker auf lokale und nicht kommerzielle Strukturen wie Anbauvereinigungen zurückgreifen können. Das würde zum einen die medizinische Versorgung über Apotheken stärker auf tatsächliche Patientinnen und Patienten konzentrieren und zum anderen den Vereinen mehr Zulauf ermöglichen. Gleichzeitig würde ein größerer Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung in regionalen Vereinsstrukturen bleiben, anstatt überwiegend in den kommerziellen Apothekenmarkt zu fließen.
Eine Lockerung beziehungsweise praxisnähere Ausgestaltung des Werbeverbots wäre ebenfalls für uns und sicherlich für viele andere Vereine wünschenswert. Wenn man als Verein kaum auf sich aufmerksam machen darf, gleichzeitig aber Mitglieder benötigt, um wirtschaftlich bestehen zu können, entsteht ein schwieriges Spannungsfeld.
Und vielleicht wäre insgesamt auch etwas weniger Desinformation in der politischen Debatte hilfreich. Wenn ich ein Bier kaufen möchte, kann ich schließlich auch eins ohne Mitgliedschaft in einer Brauerei und ohne Mengenbeschränkung zugänglich machen.
Welche Ziele möchtet ihr im ersten Jahr nach dem erfolgreichen Start des Vereins unbedingt erreichen?
Unser wichtigstes Ziel im ersten Jahr ist es, den Verein stabil zu etablieren und verlässliche Abläufe zu schaffen. Dabei möchten wir vor allem mit einer konstant guten Qualität überzeugen und Schritt für Schritt Erfahrungen sammeln, um unsere Strukturen weiter zu verbessern. Gleichzeitig hoffen wir natürlich auch, die bisherigen Investitionen nach und nach wieder in einen grünen Bereich zu bringen 😅. Wenn wir am Ende des ersten Jahres einen stabil laufenden Verein, zufriedene Mitglieder und eine solide wirtschaftliche Grundlage geschaffen haben, wäre für uns schon sehr viel erreicht.
Welches Missverständnis über Cannabis Social Clubs würdet ihr gerne aus der Welt schaffen?
Ein großes Thema ist aktuell sicherlich der Preisvergleich zwischen Anbauvereinigungen und Apotheken. Dabei wird häufig unterschätzt, welcher organisatorische Aufwand und welches finanzielle Risiko mit der Gründung und dem Betrieb eines Vereins verbunden sind. Gleichzeitig müssen Mitglieder gewonnen werden, obwohl die Möglichkeiten zur Werbung stark eingeschränkt sind. Auch beim Thema Qualität befindet sich die gesamte Branche noch in einer Lernphase. Wir gehen davon aus, dass sich hier in den nächsten Jahren vieles weiter professionalisieren wird.
Aktuell sind wir beispielsweise auf Mitgliedsbeiträge angewiesen, um laufende Kosten zu decken und den Verein wirtschaftlich stabil aufzustellen. Langfristig möchten wir diese Belastung jedoch so gering wie möglich halten. Am Ende ist es ein Stück weit vergleichbar mit der Entscheidung zwischen einem großen, überregionalen Markt und dem regionalen Erzeuger vor Ort. Beides hat seine Berechtigung, verfolgt aber einen völlig anderen Ansatz.
Ein weiteres Missverständnis ist die Vorstellung, Cannabis Social Clubs seien eine Art „Datenkrake“ für Behörden. Auch Vereine unterliegen selbstverständlich den geltenden Datenschutzvorgaben. Die gesetzlich vorgeschriebenen Dokumentationspflichten dienen in erster Linie der Nachvollziehbarkeit von Anbau, Beständen und Abgabemengen. Persönliche Daten dürfen nicht beliebig weitergegeben oder unbegrenzt gespeichert werden. Uns ist daher wichtig, auch bei diesem Thema transparent zu arbeiten und den Datenschutz unserer Mitglieder ernst zu nehmen.
Welchen Rat würdet ihr Menschen geben, die darüber nachdenken, einem Cannabis Social Club beizutreten oder selbst einen Verein zu gründen?
Wer selbst einen Verein gründen möchte, sollte sein Vorhaben gut planen, zunächst realistisch und eher klein starten und frühzeitig das Gespräch mit den zuständigen Behörden suchen. Außerdem würden wir jedem empfehlen, sich von Anfang an steuerlich und rechtlich gut aufzustellen.
Wer darüber nachdenkt, einem Cannabis Social Club beizutreten, dem können wir nur empfehlen, sich das Konzept einmal genauer anzuschauen. Für Freizeitkonsumenten ermöglicht ein Verein, Cannabis legal, transparent und aus regionaler Produktion zu beziehen und gleichzeitig Teil einer Gemeinschaft zu sein, die Wert auf Qualität, Verantwortung und Weiterentwicklung legt. Mit jedem Mitglied wachsen nicht nur die Möglichkeiten des Vereins, sondern auch die Sortenvielfalt, die Qualität und das gemeinsame Know-how.
Gerade darin sehen wir eine große Chance des Vereinsmodells: Es entstehen lokale, unabhängige Strukturen, in denen Mitglieder nicht nur Konsumenten sind, sondern Teil eines gemeinsamen Projekts. Genau das macht einen Cannabis Social Club für uns besonders.
Gibt es bereits ein Projekt oder eine Idee, auf die ihr euch besonders freut und die ihr unseren Leserinnen und Lesern schon verraten könnt?
Zu viel möchten wir an dieser Stelle noch nicht verraten, denn zunächst geht es für uns darum, den Verein langfristig stabil und zukunftsfähig aufzustellen. Ein großer Wunsch wäre aber definitiv ein eigenes Vereinsheim. Ein Ort zum Austausch, für Veranstaltungen und gemeinschaftliche Aktivitäten würde dem Begriff „Social Club“ noch einmal eine ganz andere Bedeutung geben.
Auch Themen wie eigenes Haschisch und weitere Ideen stehen bereits im Raum. Was darüber hinaus noch geplant ist, behalten wir vorerst aber lieber für uns. Ein bisschen Neugier darf schließlich bleiben.
Und wenn ihr aus dem Raum Hamburg, Winsen (Luhe) oder Lüneburg seid, und schon darüber nachgedacht habt in einem Cannabisanbauverein mitzumachen, dann meldet euch bei uns! Wir freuen uns auf euch!
Vielen Dank, Tobi, dass du dir die Zeit für das ausführliche Interview genommen und uns so offen Einblicke in den Aufbau, die Herausforderungen und die Ziele des Verdevida e.V. gegeben hast. Wir wünschen dir und dem gesamten Team viel Erfolg beim ersten Grow, bei der geplanten ersten Abgabe und beim weiteren Aufbau einer lebendigen und verantwortungsvollen Vereinsgemeinschaft.
Fazit: Was zeigt das Interview mit dem Verdevida e.V.?
Das Interview mit Tobias Küspert macht deutlich, wie viel Arbeit, Ausdauer und persönliches Engagement hinter dem Aufbau einer Anbauvereinigung stecken. Ein Cannabis Social Club entsteht nicht allein durch die Gründung eines Vereins. Geeignete Räume, technische Anlagen, Genehmigungen, Datenschutz, Prävention, Dokumentation und eine tragfähige Finanzierung müssen zu einem funktionierenden Gesamtkonzept verbunden werden.
Der Verdevida e.V. hat diesen Weg mit viel Eigenleistung zurückgelegt. Besonders bemerkenswert ist die selbst geplante Containerhalle, die auf die Anforderungen des gemeinschaftlichen Cannabisanbaus zugeschnitten wurde. Das Team konnte dabei unterschiedliche Erfahrungen aus Pflanzenkunde, Vereinsarbeit, Elektrik, Klimatechnik und Sozialarbeit zusammenführen. Nach fast drei Jahren Vorbereitung steht der Verein nun vor einer entscheidenden Phase: Der erste Grow soll erfolgreich abgeschlossen, die erste Abgabe vorbereitet und eine stabile Mitgliederbasis aufgebaut werden.
Inhaltlich verfolgt Verdevida einen interessanten Ansatz. Der Verein möchte nicht ausschließlich besonders hohe THC-Werte oder kurzfristige Trends in den Mittelpunkt stellen. Stattdessen geht es um eine vielfältige Sortenauswahl, nachvollziehbare Eigenschaften, guten Geschmack sowie eine möglichst ökologische und verantwortungsvolle Produktion. Klassische Sorten, moderne US-Genetiken und ursprüngliche Landrassen sollen langfristig ein abwechslungsreiches Angebot ermöglichen.
Gleichzeitig zeigt das Interview, an welchen Stellen das Konsumcannabisgesetz in der Praxis weiterhin Probleme verursacht. Anbauvereinigungen müssen hohe organisatorische und finanzielle Anforderungen erfüllen, dürfen jedoch kaum öffentlich auf sich aufmerksam machen. Das erschwert die Mitgliedergewinnung und damit den Aufbau einer wirtschaftlich stabilen Vereinsstruktur. Gerade für ehrenamtlich oder nebenberuflich arbeitende Teams kann dieses Spannungsfeld zu einer erheblichen Belastung werden.
Der Verdevida e.V. versteht sich dennoch nicht nur als zukünftige Abgabestelle für Cannabis. Geplant ist eine aktive Gemeinschaft, in der sich Mitglieder bei der Ernte, der Ausgabe und weiteren Vereinsaufgaben einbringen können. Informationsabende, Workshops, Kochkurse und langfristig vielleicht sogar ein eigenes Vereinsheim könnten den sozialen Charakter des Clubs weiter stärken. Damit würde aus der reinen Anbauvereinigung tatsächlich ein Ort für Austausch, Wissen und gemeinschaftliche Verantwortung.
Verdevida steht noch am Anfang, hat aber bereits einen der schwierigsten Schritte bewältigt: Aus einer Idee ist eine reale, betriebsbereite Anlage entstanden. Ob sich das Konzept dauerhaft trägt, wird wesentlich davon abhängen, wie zuverlässig die Abläufe funktionieren, wie sich die Qualität entwickelt und ob genügend Mitglieder aus Winsen, Hamburg, Lüneburg und der Umgebung gewonnen werden können. Die Grundlage dafür scheint geschaffen zu sein.
Quellen / Infos / Fotos: Tobias Küspert
( 1.Vorstand Verdevida e.V.)
Verdevida e.V.
Opelstraße 3
21423 Winsen (Luhe)
vorstand@verdevida.de
www.verdevida.de
Redaktioneller Hinweis: Die in diesem Interview geäußerten Meinungen, Einschätzungen und Aussagen stammen ausschließlich vom Interviewpartner und spiegeln nicht zwangsläufig die Auffassung der Redaktion von Metaller.de wider. Das Interview dient der Information und dem Austausch unterschiedlicher Sichtweisen innerhalb der Cannabis-, Hanf- und CBD-Branche.
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